Motu proprio De caritate ministranda über den Dienst der Liebe

MOTU PROPRIO ÜBER DEN DIENST DER LIEBE

Ein­lei­tung

»Das Wesen der Kir­che drückt sich in einem drei­fa­chen Auf­trag aus: Ver­kün­di­gung von Got­tes Wort (keryg­ma-mar­ty­ria), Fei­er der Sakra­men­te (leit­ur­gia), Dienst der Lie­be (dia­ko­nia). Es sind Auf­ga­ben, die sich gegen­sei­tig bedin­gen und sich nicht von­ein­an­der tren­nen las­sen« (Enzykl. Deus cari­tas est, 25).
Auch der Dienst der Lie­be ist ein kon­sti­tu­ti­ves Ele­ment der kirch­li­chen Sen­dung und unver­zicht­ba­rer Aus­druck ihres eige­nen Wesens (vgl. ebd.); alle Gläu­bi­gen haben das Recht und die Pflicht, sich per­sön­lich dafür ein­zu­set­zen, das neue Gebot zu leben, das uns Chri­stus hin­ter­las­sen hat (vgl. Joh 15,12), und dem moder­nen Men­schen nicht nur mate­ri­el­le Hil­fe zu bie­ten, son­dern auch see­li­sche Stär­kung und Hei­lung (vgl. Enzykl. Deus cari­tas est, 28). Die Kir­che ist auch auf gemein­schaft­li­cher Ebe­ne zur dia­ko­nia der Näch­sten­lie­be auf­ge­ru­fen, ange­fan­gen von den Orts­ge­mein­den über die Teil­kir­chen bis zur Uni­ver­sal­kir­che; dar­um bedarf es auch einer »Orga­ni­sa­ti­on als Vor­aus­set­zung für geord­ne­tes gemein­schaft­li­ches Die­nen« (vgl. ebd., 20), einer Orga­ni­sa­ti­on, die auch insti­tu­tio­nel­le For­men annimmt.

In Bezug auf die­se dia­ko­nia der Näch­sten­lie­be hat­te ich in der Enzy­kli­ka Deus cari­tas est auf­ge­zeigt, daß es »der bischöf­li­chen Struk­tur der Kir­che ent­spricht, daß in den Teil­kir­chen die Bischö­fe als Nach­fol­ger der Apo­stel die erste Ver­ant­wor­tung dafür tra­gen«, daß der Dienst der Näch­sten­lie­be rea­li­siert wird (Nr. 32) und dar­auf hin­ge­wie­sen, daß »der Kodex des Kano­ni­schen Rechts (C.I.C.) in den Cano­nes über das Bischofs­amt die kari­ta­ti­ve Akti­vi­tät nicht aus­drück­lich als eige­nen Sek­tor des bischöf­li­chen Wir­kens behan­delt« (ebd.). Zwar hat »das Direk­to­ri­um für den pasto­ra­len Dienst der Bischö­fe die Pflicht zu kari­ta­ti­vem Tun als Wesens­auf­trag der Kir­che im gan­zen und des Bischofs in sei­ner Diö­ze­se kon­kre­ter ent­fal­tet« (ebd.), doch es blieb die Not­wen­dig­keit, die oben erwähn­te Geset­zes­lücke zu schlie­ßen, um die Wesent­lich­keit des Lie­bes­dien­stes in der Kir­che und sei­ne kon­sti­tu­ti­ve Bezie­hung zum Bischofs­amt in der kano­ni­schen Rechts­ord­nung ange­mes­sen zum Aus­druck zu brin­gen. Dabei soll­ten die recht­li­chen Aspek­te umris­sen wer­den, die die­ser Dienst in der Kir­che mit sich bringt, ins­be­son­de­re dann, wenn er auf orga­ni­sier­te Wei­se und mit aus­drück­li­cher Unter­stüt­zung der Hir­ten aus­ge­übt wird.

In die­sem Sin­ne möch­te ich mit dem vor­lie­gen­den Motu pro­prio einen orga­ni­schen nor­ma­ti­ven Rah­men bereit­stel­len, der es erleich­tert, die ver­schie­de­nen orga­ni­sier­ten For­men, die der kirch­li­che Lie­bes­dienst annimmt, nach all­ge­mei­nen Kri­te­ri­en zu ord­nen. Die­ser Dienst ist schließ­lich eng mit dem dia­ko­na­len Wesen der Kir­che und des Bischofs­am­tes ver­bun­den.

Gleich­wohl ist es wich­tig, sich zu ver­ge­gen­wär­ti­gen, daß »die prak­ti­sche Akti­on zu wenig bleibt, wenn in ihr nicht die Lie­be zum Men­schen selbst spür­bar wird, die sich von der Begeg­nung mit Chri­stus nährt.« (ebd., 34). Des­halb dür­fen sich die vie­len katho­li­schen Orga­ni­sa­tio­nen bei ihrer kari­ta­ti­ven Tätig­keit nicht auf die blo­ße Samm­lung oder Ver­tei­lung von Geld­mit­teln beschrän­ken, son­dern müs­sen ihre beson­de­re Auf­merk­sam­keit stets der bedürf­ti­gen Per­son selbst wid­men. Dar­über hin­aus müs­sen sie eine wert­vol­le päd­ago­gi­sche Funk­ti­on inner­halb der christ­li­chen Gemein­schaft wahr­neh­men, indem sie die Erzie­hung zu gemein­sa­mem Tei­len, zu Respekt und Lie­be im Sin­ne des Evan­ge­li­ums Chri­sti för­dern. Denn das kari­ta­ti­ve Wir­ken der Kir­che muß sich auf allen Ebe­nen der Gefahr ent­zie­hen, ein­fach als eine Vari­an­te im all­ge­mei­nen Wohl­fahrts­we­sen auf­zu­ge­hen. (vgl. ebd., 31).

Die orga­ni­sier­ten Initia­ti­ven im kari­ta­ti­ven Bereich, die von den Gläu­bi­gen an ver­schie­de­nen Orten geför­dert wer­den, sind sehr unter­schied­lich und erfor­dern eine ange­mes­se­ne Lei­tung. Im beson­de­ren hat sich auf pfarr­li­cher, diö­ze­saner, natio­na­ler und inter­na­tio­na­ler Ebe­ne die Tätig­keit der »Cari­tas« ent­fal­tet, einer Ein­rich­tung, die von der kirch­li­chen Hier­ar­chie geför­dert wur­de. Auf­grund ihres groß­zü­gi­gen und kon­se­quen­ten Glau­bens­zeug­nis­ses, aber auch wegen der kon­kre­ten Hil­fe, mit der sie auf die Not bedürf­ti­ger Men­schen ant­wor­tet, genießt sie zu Recht die Wert­schät­zung und das Ver­trau­en der Gläu­bi­gen und vie­ler ande­rer Men­schen auf der gan­zen Welt. Neben die­ser umfang­rei­chen Orga­ni­sa­ti­on, die von der kirch­li­chen Auto­ri­tät offi­zi­ell unter­stützt wird, sind an ver­schie­de­nen Orten zahl­rei­che ande­re Initia­ti­ven ent­stan­den; die­se gehen auf das freie Enga­ge­ment von Gläu­bi­gen zurück, die durch ihren Ein­satz auf unter­schied­lich­ste Wei­se dazu bei­tra­gen wol­len, ein kon­kre­tes Zeug­nis der Lie­be zu den Bedürf­ti­gen abzu­le­gen. In die­sen wie in jenen Initia­ti­ven, die im Hin­blick auf ihre Ent­ste­hung und Rechts­form sehr ver­schie­den sind, kom­men die Emp­fäng­lich­keit für den­sel­ben Ruf und der Wunsch, auf die­sen zu ant­wor­ten, zum Aus­druck.

Die Kir­che als Insti­tu­ti­on darf die orga­ni­sier­ten Initia­ti­ven der frei aus­ge­üb­ten Für­sor­ge der Getauf­ten für not­lei­den­de Men­schen und Völ­ker nicht als etwas ihr Fern­ste­hen­des betrach­ten. Die Hir­ten mögen die­se dar­um stets als Aus­druck der Teil­ha­be aller an der kirch­li­chen Sen­dung aner­ken­nen und ihre je eige­nen Merk­ma­le sowie ihr Recht auf Selbst­ver­wal­tung, die ihnen wesens­ge­mäß als Aus­druck der Frei­heit der Getauf­ten zukom­men, respek­tie­ren.

Neben die­sen Orga­ni­sa­tio­nen hat auch die kirch­li­che Auto­ri­tät aus eige­ner Initia­ti­ve spe­zi­fi­sche Wer­ke fort­ge­führt, durch die sie die Zuwen­dun­gen der Gläu­bi­gen insti­tu­tio­nell, über ange­mes­se­ne Rechts- und Umset­zungs­for­men, ihrer Bestim­mung zuführt, um so kon­kre­ten Nöten effek­ti­ver abhel­fen zu kön­nen.

Auch wenn die­se Initia­ti­ven von der Hier­ar­chie selbst aus­ge­hen oder aus­drück­lich von den Hir­ten mit ihrer Auto­ri­tät unter­stützt wer­den, gilt es trotz­dem sicher­zu­stel­len, daß sie in Über­ein­stim­mung mit den For­de­run­gen der kirch­li­chen Leh­re und den Absich­ten der Gläu­bi­gen geführt wer­den. Außer­dem muß die Ein­hal­tung recht­mä­ßi­ger zivil­recht­li­cher Vor­schrif­ten gewähr­lei­stet sein. Ange­sichts die­ser For­de­run­gen ergab sich die Not­wen­dig­keit, im Kir­chen­recht eini­ge wesent­li­che, durch die all­ge­mei­nen Kri­te­ri­en der kano­ni­schen Dis­zi­plin inspi­rier­te Nor­men fest­zu­le­gen, um die recht­li­chen Ver­ant­wort­lich­kei­ten zu ver­deut­li­chen, die sich in die­sem Tätig­keits­be­reich für die ein­zel­nen Betei­lig­ten erge­ben. Ins­be­son­de­re galt es, die Auto­ri­tät und die koor­di­nie­ren­de Rol­le zu unter­strei­chen, die dabei dem Diö­ze­san­bi­schof zukom­men. Besag­te Nor­men soll­ten jedoch aus­rei­chend weit gefaßt sein, um die wert­vol­le Viel­falt an katho­lisch inspi­rier­ten Ein­rich­tun­gen ein­zu­be­zie­hen, die als sol­che in die­sem Bereich tätig sind – sei­en es jene, die der Initia­ti­ve der Hier­ar­chie zu ver­dan­ken sind, als auch sol­che, die zwar auf die direk­te Initia­ti­ve der Gläu­bi­gen zurück­zu­füh­ren sind, aber von den ört­li­chen Hir­ten aner­kannt und geför­dert wer­den. Zwar war es not­wen­dig, Richt­li­ni­en für die­sen Bereich fest­zu­le­gen, doch galt es auch zu berück­sich­ti­gen, was die Gerech­tig­keit und die Ver­ant­wor­tung der Hir­ten gegen­über den Gläu­bi­gen erfor­dern, unter Wah­rung der recht­mä­ßi­gen Auto­no­mie jeder ein­zel­nen Ein­rich­tung.

Ver­fü­gun­gen

Somit erlas­sen und bestim­men Wir auf Vor­schlag Unse­res ver­ehr­ten Bru­ders, des Prä­si­den­ten des Päpst­li­chen Rates »Cor Unum«, und nach Anhö­rung des Päpst­li­chen Rates für die Inter­pre­ta­ti­on von Geset­zes­tex­ten, fol­gen­des:

Art. 1. — § 1. Die Gläu­bi­gen haben das Recht, sich in Ver­ei­nen zusam­men­zu­schlie­ßen und Orga­ni­sa­tio­nen zu grün­den, die bestimm­te Dien­ste der Näch­sten­lie­be lei­sten, ins­be­son­de­re zugun­sten der Armen und Lei­den­den. Soll­ten besag­te Orga­ni­sa­tio­nen mit dem kari­ta­ti­ven Wir­ken der Hir­ten der Kir­che ver­bun­den sein bzw. beab­sich­ti­gen, aus die­sem Grund die Unter­stüt­zung der Gläu­bi­gen zu bean­spru­chen, müs­sen sie ihre Sta­tu­ten der zustän­di­gen kirch­li­chen Auto­ri­tät zur Geneh­mi­gung vor­le­gen und die nach­fol­gen­den Bestim­mun­gen beach­ten.
§ 2. In glei­cher Wei­se haben die Gläu­bi­gen auch das Recht, Stif­tun­gen zu errich­ten, um kon­kre­te kari­ta­ti­ve Initia­ti­ven zu finan­zie­ren, gemäß den Vor­ga­ben der cann. 1303 CIC und 1047 CCEO. Soll­ten auf die­se Art von Stif­tun­gen die in § 1 ange­führ­ten Eigen­schaf­ten zutref­fen, sind – con­grua con­gru­is refe­ren­do – auch die Vor­ga­ben die­ses Geset­zes zu beach­ten.
§ 3. Neben der Ein­hal­tung der kano­ni­schen Gesetz­ge­bung sind die gemein­schaft­li­chen kari­ta­ti­ven Initia­ti­ven, auf die sich die­ses Motu pro­prio bezieht, gehal­ten, ihre Akti­vi­tä­ten an den katho­li­schen Prin­zi­pi­en aus­zu­rich­ten. Auch dür­fen sie kei­ne Auf­trä­ge über­neh­men, die in irgend­ei­ner Wei­se die Ein­hal­tung besag­ter Prin­zi­pi­en beein­träch­ti­gen könn­ten.
§ 4. Orga­ni­sa­tio­nen und Stif­tun­gen, die zu kari­ta­ti­ven Zwecken von Insti­tu­ten des geweih­ten Lebens oder Gesell­schaf­ten des apo­sto­li­schen Lebens errich­tet wur­den, sind zur Beach­tung der vor­lie­gen­den Vor­schrif­ten gehal­ten; dar­über hin­aus sind die Bestim­mun­gen der cann. 312 § 2 CIC und 575 § 2 CCEO ein­zu­hal­ten.

Art. 2. — § 1. In den Sta­tu­ten jed­we­der kari­ta­ti­ven Orga­ni­sa­ti­on, auf die sich der vor­her­ge­hen­de Arti­kel bezieht, sind, neben den insti­tu­tio­nel­len Ämtern und den Füh­rungs­struk­tu­ren gemäß can. 95 § 1, auch die Leit­mo­ti­ve und Zie­le der betref­fen­den Initia­ti­ve anzu­ge­ben sowie die Art der Ver­wal­tung der Geld­mit­tel, das Pro­fil der eige­nen Mit­ar­bei­ter und die Berich­te und Infor­ma­tio­nen, die der zustän­di­gen kirch­li­chen Auto­ri­tät vor­zu­le­gen sind.
§ 2. Eine kari­ta­ti­ve Orga­ni­sa­ti­on darf, wie in can. 300 CIC bestimmt, die Bezeich­nung „katho­lisch“ nur mit der schrift­li­chen Zustim­mung der zustän­di­gen Auto­ri­tät ver­wen­den.
§ 3. Die von Gläu­bi­gen zu kari­ta­ti­ven Zwecken gegrün­de­ten Orga­ni­sa­tio­nen kön­nen gemäß cann. 324 § 2 und 317 CIC einen geist­li­chen Assi­sten­ten haben, der nach Maß­ga­be der Sta­tu­ten ernannt wird.
§ 4. Zugleich kom­me die kirch­li­che Auto­ri­tät der Pflicht nach, die Aus­übung der Rech­te der Gläu­bi­gen nach Maß­ga­be der cann. 223 § 2 CIC und 26 § 3 CCEO zu regeln, um eine über­mä­ßi­ge Meh­rung der kari­ta­ti­ven Initia­ti­ven zu ver­hin­dern, die sich nach­tei­lig auf die Hand­lungs­fä­hig­keit und die Wirk­sam­keit im Hin­blick auf deren ange­streb­te Zie­le aus­wir­ken wür­de.

Art. 3.- § 1. Was die vor­her­ge­hen­den Arti­kel betrifft, so ist unter der Bezeich­nung „zustän­di­ge Auto­ri­tät“, der jewei­li­gen Ebe­ne ent­spre­chend, jene zu ver­ste­hen, die in den cann. 312 CIC und 575 CCEO bestimmt ist.
§ 2. Im Fal­le von nicht auf natio­na­ler Ebe­ne aner­kann­ten Orga­ni­sa­tio­nen, selbst wenn die­se in ver­schie­de­nen Diö­ze­sen tätig sein soll­ten, ist mit zustän­di­ger Auto­ri­tät der Diö­ze­san­bi­schof des Ortes gemeint, in dem die betref­fen­de Ein­rich­tung ihren Haupt­sitz hat. Die Orga­ni­sa­ti­on ist in jedem Fall ver­pflich­tet, die Bischö­fe ande­rer Diö­ze­sen, in denen sie tätig ist, zu infor­mie­ren und deren Anwei­sun­gen bezüg­lich der Akti­vi­tä­ten der ver­schie­de­nen, in der Diö­ze­se bestehen­den kari­ta­ti­ven Ein­rich­tun­gen zu befol­gen.

Art. 4. — § 1. Der Diö­ze­san­bi­schof (vgl. can. 134 § 3 CIC und can. 987 CCEO) nimmt sei­ne pasto­ra­le Sor­ge für den kari­ta­ti­ven Dienst in der ihm anver­trau­ten Teil­kir­che als Hir­te, Lei­ter und erster Ver­ant­wort­li­cher die­ses Dien­stes wahr.
§ 2. Der Diö­ze­san­bi­schof för­dert und unter­stützt Initia­ti­ven und Wer­ke des Dien­stes am Näch­sten in sei­ner Teil­kir­che, er weckt in den Gläu­bi­gen den Eifer der täti­gen Näch­sten­lie­be als Aus­druck des christ­li­chen Lebens und der Teil­ha­be an der Sen­dung der Kir­che, nach Maß­ga­be der cann. 215 und 222 CIC sowie 25 und 18 CCEO.
§ 3. Es obliegt dem jewei­li­gen Diö­ze­san­bi­schof, dar­über zu wachen, daß bei den Akti­vi­tä­ten und der Lei­tung besag­ter Orga­ni­sa­tio­nen stets die Vor­schrif­ten des all­ge­mei­nen und par­ti­ku­la­ren Kir­chen­rechts beach­tet und die Wil­lens­ver­fü­gun­gen jener Gläu­bi­gen erfüllt wer­den, die zu die­sen spe­zi­el­len Zwecken etwa Schen­kun­gen vor­ge­nom­men oder Erb­schaf­ten hin­ter­las­sen haben (cann. 1300 CIC und 1044 CCEO).

Art. 5. – Der Diö­ze­san­bi­schof stel­le sicher, daß die Kir­che ihr Recht auf kari­ta­ti­ves Wir­ken wahr­neh­men kann, und tra­ge dafür Sor­ge, daß die sei­ner Auf­sicht unter­stell­ten Gläu­bi­gen und Ein­rich­tun­gen die dies­be­züg­li­chen recht­mä­ßi­gen zivil­recht­li­chen Vor­schrif­ten beach­ten.

Art. 6. — Gemäß cann. 394 § 1 CIC und 203 § 1 CCEO ist es Auf­ga­be des Diö­ze­san­bi­schofs, die ver­schie­de­nen kari­ta­ti­ven Wer­ke – sowohl die von der Hier­ar­chie selbst aus­ge­hen­den als auch jene, die der Initia­ti­ve von Gläu­bi­gen zu ver­dan­ken sind – in sei­nem Bereich zu koor­di­nie­ren, unbe­scha­det der ihnen nach ihren jewei­li­gen Sta­tu­ten zuste­hen­den Auto­no­mie. Ins­be­son­de­re stel­le er sicher, daß ihre Akti­vi­tä­ten den Geist des Evan­ge­li­ums leben­dig hal­ten.

Art. 7. — § 1. Die in Art. 1 § 1 erwähn­ten Ein­rich­tun­gen sind gehal­ten, ihre Mit­ar­bei­ter unter sol­chen Per­so­nen aus­zu­wäh­len, die die katho­li­sche Iden­ti­tät die­ser Wer­ke tei­len oder zumin­dest respek­tie­ren.
§ 2. Um die Bezeu­gung des Evan­ge­li­ums im kari­ta­ti­ven Dienst zu gewähr­lei­sten, möge der Bischof dafür Sor­ge tra­gen, daß jene Per­so­nen, die im pasto­ra­len, kari­ta­ti­ven Dienst der Kir­che tätig sind, nicht nur über die erfor­der­li­chen beruf­li­chen Kom­pe­ten­zen ver­fü­gen, son­dern auch ein Bei­spiel christ­li­cher Lebens­füh­rung geben und eine Her­zens­bil­dung auf­wei­sen, durch die ein in der täti­gen Näch­sten­lie­be wir­ken­der Glau­be zum Aus­druck kommt. Der Bischof sor­ge zu die­sem Zwecke durch spe­zi­fi­sche cur­ri­cu­la, die gemein­sam mit den Lei­tern der ein­zel­nen Orga­ni­sa­tio­nen fest­ge­legt wer­den, und durch geeig­ne­te Ange­bo­te für das spi­ri­tu­el­le Leben auch für ihre theo­lo­gi­sche und pasto­ra­le Aus­bil­dung.

Art. 8. – Wo es auf­grund von Anzahl und Viel­falt der Initia­ti­ven erfor­der­lich ist, möge der Diö­ze­san­bi­schof in der ihm anver­trau­ten Kir­che eine Stel­le ein­rich­ten, die in sei­nem Namen den kari­ta­ti­ven Dienst ori­en­tiert und koor­di­niert.

Art. 9. — § 1. Der Bischof för­de­re in jeder Pfar­rei sei­ner Diö­ze­se die Ein­rich­tung einer »Pfarr­ca­ri­tas« oder eines ähn­li­chen Dien­stes, der auch eine päd­ago­gi­sche Funk­ti­on inner­halb der gesam­ten Gemein­de wahr­neh­me, um die Men­schen zu einem Geist des gemein­sa­men Tei­lens und wah­rer Näch­sten­lie­be her­an­zu­bil­den. Soll­te es ange­bracht erschei­nen, so wer­de besag­ter Dienst gemein­schaft­lich für meh­re­re Pfar­rei­en des­sel­ben Gebie­tes geschaf­fen.
§ 2. Dem Bischof und dem jewei­li­gen Pfar­rer obliegt es, inner­halb der Pfar­rei dafür Sor­ge zu tra­gen, daß unter der Gesamt­ko­or­di­na­ti­on des Pfar­rers und unter Berück­sich­ti­gung der Bestim­mun­gen in Art. 2 § 4 neben der »Cari­tas« auch ande­re kari­ta­ti­ve Initia­ti­ven bestehen und sich ent­fal­ten kön­nen.
§ 3. Der Diö­ze­san­bi­schof und der jewei­li­ge Pfar­rer haben die Pflicht zu ver­hin­dern, daß die Gläu­bi­gen in die­sem Bereich in die Irre geführt oder zu Miß­ver­ständ­nis­sen ver­lei­tet wer­den. Aus die­sem Grund müs­sen sie ver­hin­dern, daß über die Pfarr- oder Diö­ze­san­struk­tu­ren für Initia­ti­ven Wer­bung gemacht wird, die zwar kari­ta­tiv aus­ge­rich­tet sind, aber Zie­le oder Metho­den vor­schla­gen, die in Wider­spruch zur kirch­li­chen Leh­re ste­hen.

Art. 10. — § 1. Dem Bischof obliegt die Auf­sicht über die Kir­chen­gü­ter der kari­ta­ti­ven Orga­ni­sa­tio­nen, die sei­ner Auto­ri­tät unter­stellt sind.
§ 2. Der Diö­ze­san­bi­schofs hat die Pflicht, sich zu ver­ge­wis­sern, daß der Erlös von gemäß cann. 1265 und 1266 CIC sowie cann. 1014 und 1015 CCEO durch­ge­führ­ten Spen­den­samm­lun­gen jenen Zwecken zuge­führt wird, für die gesam­melt wur­de [cann. 1267 CIC, 1016 CCEO).
§ 3. Im beson­de­ren muß der Diö­ze­san­bi­schof ver­hin­dern, daß die ihm unter­stell­ten kari­ta­ti­ven Orga­ni­sa­tio­nen von Ein­rich­tun­gen oder Insti­tu­tio­nen finan­ziert wer­den, deren Ziel­set­zun­gen im Wider­spruch zur kirch­li­chen Leh­re ste­hen. Um Ärger­nis­sen für die Gläu­bi­gen zuvor­zu­kom­men, muß der Diö­ze­san­bi­schof eben­falls ver­hin­dern, daß besag­te kari­ta­ti­ve Orga­ni­sa­tio­nen Bei­trä­ge für Initia­ti­ven anneh­men, die im Hin­blick auf ihre Zwecke oder die dazu dien­li­chen Mit­tel nicht der kirch­li­chen Leh­re ent­spre­chen.
§ 4. Der Bischof tra­ge beson­ders dafür Sor­ge, daß die Ver­wal­tung der ihm unter­stell­ten Initia­ti­ven ein Bei­spiel christ­li­cher Ein­fach­heit gebe. Zu die­sem Zweck wache er dar­über, daß Gehäl­ter und Betriebs­aus­ga­ben zwar den For­de­run­gen der Gerech­tig­keit und den erfor­der­li­chen Berufs­bil­dern ent­spre­chen, aber in einem ange­mes­se­nen Ver­hält­nis zu ver­gleich­ba­ren Aus­ga­ben der eige­nen Diö­ze­san­ku­rie ste­hen.
§ 5. Damit die in Art. 3 § 1 ange­ge­be­ne kirch­li­che Auto­ri­tät ihrer Auf­sichts­pflicht nach­kom­men kann, sind die in Art. 1 § 1 genann­ten Orga­ni­sa­tio­nen gehal­ten, dem zustän­di­gen Ordi­na­ri­us einen jähr­li­chen Rechen­schafts­be­richt nach des­sen Vor­ga­ben vor­zu­le­gen.

Art. 11. – Der Diö­ze­san­bi­schof ist gehal­ten, wenn nötig, sei­ne Gläu­bi­gen öffent­lich dar­über in Kennt­nis zu set­zen, daß die Akti­vi­tä­ten einer bestimm­ten kari­ta­ti­ven Orga­ni­sa­ti­on die Anfor­de­run­gen der kirch­li­chen Leh­re nicht mehr erfül­len. Auch muß er in die­sen Fäl­len die Ver­wen­dung der Bezeich­nung „katho­lisch“ unter­sa­gen und, soll­ten sich per­sön­li­che Ver­ant­wort­lich­kei­ten abzeich­nen, ent­spre­chen­de Maß­nah­men tref­fen.

Art. 12. — § 1. Der Diö­ze­san­bi­schof möge das natio­na­le und inter­na­tio­na­le Wir­ken der sei­ner Obhut unter­stell­ten kari­ta­ti­ven Orga­ni­sa­tio­nen för­dern, ins­be­son­de­re die Zusam­men­ar­beit mit ärme­ren kirch­li­chen Gebie­ten, in Über­ein­stim­mung mit den Bestim­mun­gen der cann. 1274 § 3 CIC und 1021 § 3 CCEO.
§ 2. Die pasto­ra­le Sor­ge für die kari­ta­ti­ven Wer­ke kann, je nach zeit­li­chen und ört­li­chen Umstän­den, von ver­schie­de­nen benach­bar­ten Bischö­fen für meh­re­re Kir­chen gemein­sam, den gesetz­li­chen Vor­ga­ben ent­spre­chend, wahr­ge­nom­men wer­den. Bei inter­na­tio­na­len Initia­ti­ven muß zuvor das zustän­di­ge Dikaste­ri­um des Hei­li­gen Stuhls zu Rate gezo­gen wer­den. Dar­über hin­aus soll­te der Bischof, im Fal­le von natio­nal aus­ge­rich­te­ten kari­ta­ti­ven Initia­ti­ven, die zustän­di­ge Stel­le der Bischofs­kon­fe­renz zu Rate zie­hen.

Art. 13. — Unan­ge­ta­stet bleibt in jedem Fall das Recht der ört­li­chen kirch­li­chen Auto­ri­tät, Initia­ti­ven katho­li­scher Orga­ni­sa­tio­nen zu geneh­mi­gen, die in ihrem Zustän­dig­keits­be­reich aus­ge­übt wer­den, unter Berück­sich­ti­gung der kirch­li­chen Geset­ze und der beson­de­ren Iden­ti­tät der ein­zel­nen Orga­ni­sa­tio­nen. Es ist ihre Hir­ten­pflicht, dar­über zu wachen, daß die in ihrer Diö­ze­se statt­fin­den­den Akti­vi­tä­ten mit der kirch­li­chen Dis­zi­plin über­ein­stim­men, und, soll­te dies nicht der Fall sein, sie zu ver­bie­ten bzw. die not­wen­di­gen Maß­nah­men zu ergrei­fen.

Art. 14. — Der Bischof möge, wenn es ange­bracht ist, kari­ta­ti­ve Initia­ti­ven gemein­sam mit ande­ren Kir­chen oder kirch­li­chen Gemein­schaf­ten för­dern, unbe­scha­det der Beson­der­hei­ten aller Betei­lig­ten.

Art. 15. — § 1. Dem Päpst­li­chen Rat »Cor Unum« kommt die Auf­ga­be zu, die Anwen­dung der vor­lie­gen­den Rechts­vor­schrif­ten zu för­dern und dar­über zu wachen, daß sie auf allen Ebe­nen ange­wandt wer­den, unbe­scha­det der von Art. 133 der Apo­sto­li­schen Kon­sti­tu­ti­on Pastor Bonus vor­ge­se­he­nen Zustän­dig­keit des Päpst­li­chen Rates für die Lai­en für die Ver­ei­ni­gun­gen von Gläu­bi­gen, sowie jener der Sek­ti­on für die Bezie­hung mit den Staa­ten des Staats­se­kre­ta­ri­ats. Unbe­scha­det blei­ben auch die all­ge­mei­nen Zustän­dig­kei­ten ande­rer Dikaste­ri­en und Orga­ne der Römi­schen Kurie. Der Päpst­li­che Rat »Cor Unum« tra­ge im beson­de­ren dafür Sor­ge, daß der kari­ta­ti­ve Dienst katho­li­scher Orga­ni­sa­tio­nen auf inter­na­tio­na­ler Ebe­ne stets im Geist der com­mu­nio mit den betref­fen­den Teil­kir­chen erfol­ge.
§ 2. Dem Päpst­li­chen Rat »Cor Unum« obliegt dar­über hin­aus die kano­ni­sche Errich­tung von kari­ta­ti­ven Orga­ni­sa­tio­nen auf inter­na­tio­na­ler Ebe­ne sowie die anschlie­ßen­de Rege­lung und För­de­rung gemäß gel­ten­dem Recht.

Alles, was Wir im vor­lie­gen­den Apo­sto­li­schen Schrei­ben in Form eines Motu Pro­prio ver­fügt haben, soll in all sei­nen Tei­len, auch wenn dem irgend­et­was ent­ge­gen­stün­de, selbst wenn es beson­de­rer Erwäh­nung wür­dig wäre, ein­ge­hal­ten wer­den, und Wir legen fest, daß das­sel­be durch die Ver­öf­fent­li­chung in der Tages­zei­tung »L’Os­ser­va­to­re Roma­no« pro­mul­giert wer­de und am 10. Dezem­ber 2012 in Kraft tre­te.

Gege­ben zu Rom bei St. Peter, am 11. Novem­ber 2012, im ach­ten Jahr Unse­res Pon­ti­fi­ka­tes.

BENEDICTUS PP. XVI