Das Gebet ist wie ein offenes Fenster, das uns erlaubt, in Gottes Wirklichkeit hineinzuschauen

Lie­be Brü­der und Schwe­stern!

Vori­gen Mitt­woch habe ich damit begon­nen, über das Gebet im Buch der Apo­ka­lyp­se zu spre­chen, und zwar über den ersten Teil. Heu­te will ich über den zwei­ten Teil etwas sagen, der uns dazu anlei­tet, die Welt und die Geschich­te im Licht des Glau­bens zu lesen. Ent­schei­dend ist dabei, daß wir in Gemein­schaft mit Chri­stus blei­ben. Gemäß dem Plan Got­tes ist die Kir­che Teil der Geschich­te und hat den Auf­trag, am Kom­men und Wach­sen des Rei­ches Got­tes in der Geschich­te mit­zu­ar­bei­ten. Johan­nes schil­dert dies alles in ein­drück­li­chen Bil­dern, ein­ge­bet­tet in einer gro­ßen Visi­on der Lit­ur­gie des Him­mels: Gott auf dem Thron und dem Lamm, dem gekreu­zig­ten und auf­er­stan­de­nen Chri­stus, gilt der Lob­preis der himm­li­schen Scha­ren. Und Chri­stus, der als das Lamm das Buch der Geschich­te öff­net, ent­hüllt den Heils­plan Got­tes. Wenn wir mit Chri­stus im Gebet ver­bun­den sind, ler­nen wir lang­sam, den Sinn der Geschich­te zu erken­nen und zu ver­ste­hen. Das Gebet ist wie ein offe­nes Fen­ster, das uns erlaubt, über die­se Welt hin­aus in Got­tes Wirk­lich­keit hin­ein­zu­schau­en, Got­tes Ziel im Blick zu behal­ten, und zugleich kommt dann Licht von oben zu uns her­un­ter und erleuch­tet unse­ren Weg. So hilft uns das Gebet, Got­tes Zei­chen in der Geschich­te, sei­ne Gegen­wart und sein Han­deln wahr­zu­neh­men und vor allem sel­ber Licht des Guten zu wer­den und damit Hoff­nung zu ver­brei­ten. Des­halb dür­fen wir ein­stim­men in das »neue Lied« auf das Erlö­sungs­werk des Herrn, der alles neu macht (vgl. Offb 5,9; 21,5). Und wir dür­fen ver­trau­en, daß unse­re Gebe­te – wie unvoll­kom­men sie auch sein mögen – Got­tes Herz errei­chen: Kein Gebet ist über­flüs­sig, unnütz oder geht ver­lo­ren, jedes erhält Ant­wort, wenn auch auf geheim­nis­vol­le Wei­se.

Mit Freu­de grü­ße ich alle Brü­der und Schwe­stern deut­scher Spra­che, vor allem die Pil­ger der Loret­to-Bewe­gung aus Öster­reich. Das Gebet läßt uns Got­tes Plan in der Geschich­te erken­nen und gibt uns Kraft, am Kom­men des Rei­ches Got­tes mit­zu­wir­ken. Ich bit­te euch heu­te beson­ders, mich auf mei­ner Rei­se in den Liba­non mit eurem Gebet zu beglei­ten. Euer Beten wird dazu bei­tra­gen, die Chri­sten im Nahen Osten im Glau­ben zu stär­ken. Ver­trau­en wir alle auf die Kraft des Gebets. Vergelt’s Gott!

Bild: Ser­gey Gabdurakhmanov/flickr.com