Neue Studie zum 30. „Geburtstag“: Künstliche Befruchtung erhöht Risiko von Mißbildungen und genetischen Schäden

(Ade­lai­de) Eine neue Stu­die von einem austra­li­schen Team von Wis­sen­schaft­lern rückt auf neue Wei­se die Risi­ken der künst­li­chen Befruch­tung in das Augen­merk der Wis­sen­schaft. Ver­öf­fent­licht wur­de die Stu­die im The New Eng­land Jour­nal of Medi­ci­ne. 2012 wer­den 30 Jah­re Künst­li­che Befruch­tung medi­al gefei­ert und dies fak­tisch kri­tik­los. Die künst­li­che Befruch­tung ist zu einem gut­ge­hen­den Geschäfts­zweig der Repro­duk­ti­ons­in­du­strie gewor­den. Unfrucht­ba­ren Paa­ren wird der Kin­der­wunsch erfüllt. Nega­ti­ve Fol­gen, an erster Stel­le die „über­schüs­si­gen“ Embryo­nen, die ver­nich­tet oder ein­ge­fro­ren oder von der Kos­me­tik­in­du­strie ver­braucht wer­den, wer­den als uner­wünsch­te, aber letzt­lich bedeu­tungs­lo­se Kol­la­te­ral­schä­den abge­tan, meist gar nicht erwähnt.

Zen­tra­ler Punkt der neu­en Stu­die ist, daß sie erst­mals die Risi­ken quan­ti­fi­zier­bar macht. Kon­kret geht es um das Risi­ko von Miß­bil­dun­gen, die bei künst­li­cher Befruch­tung auf­tre­ten.

Das For­scher­team unter der Lei­tung von Micha­el Davies vom Robin­son Insti­tu­te von Ade­lai­de, unter­such­te 6100 Gebur­ten, die in Süd­au­stra­li­en nach künst­li­cher Befruch­tung erfolg­ten. Zum Ver­gleich dazu wur­den eben­falls 300.000 Gebur­ten unter­sucht, die durch natür­li­che Zeu­gung zustan­de­ka­men. Ins­ge­samt wur­den dabei 18.000 Fäl­le von Miß­bil­dun­gen ver­schie­den­ster Art fest­ge­stellt und erfaßt. Am Ende die­ser gigan­ti­schen empi­ri­schen Erhe­bung ste­hen kla­re Zah­len und Pro­zent­sät­ze. Das höhe­re Miß­bil­dungs­ri­si­ko bei Kin­dern aus künst­li­cher Befruch­tung ist offen­sicht­lich. Es liegt bei 8,3 Pro­zent im Gegen­satz zum Risi­ko bei natür­li­cher Zeu­gung mit 5,8 Pro­zent. Die­se Risi­ko­er­hö­hung gilt auch für die Intra­zy­to­plas­ma­ti­sche Sper­mi­en­in­jek­ti­on (ICSI) mit einem Risi­ko­an­teil von 9,9 Pro­zent gegen 7,2 bei auf natür­li­chem Wege gezeug­ten Kin­dern.

Zum For­schungs­er­geb­nis von Ade­lai­de kom­men­tier­te Pro­fes­sor Sal­va­to­re Man­cu­so, der Vor­sit­zen­de des Ethik­ko­mi­tees des Poly­kli­ni­kums Gemel­li in Rom: „Bei der künst­li­chen Befruch­tung wer­den Tech­ni­ken ein­ge­setzt, mit denen mit Gewalt der Eisprung her­bei­ge­führt wird und daher eine Stö­rung der natür­li­chen Zeu­gungs- und Befruch­tungs­ab­läu­fe. Wenn ein Ehe­part­ner ein Erb­pro­blem auf­weist, das die natür­li­che Befruch­tung aus­schließt, schei­nen die­se gene­ti­schen Muta­tio­nen nicht in der Mor­pho­lo­gie der Ana­ly­sen auf, dann soll­te man nicht etwas erzwin­gen wol­len, son­dern bes­ser jede Befruch­tung ver­mei­den.“ Man­cu­so ist Lehr­stuhl­in­ha­ber für Gynä­ko­lo­gie und Geburts­hil­fe an der Katho­li­schen Uni­ver­si­tät Sacro Cuo­re von Rom und war bis 2007 Direk­tor der Abtei­lung für den Schutz der Gesund­heit der Frau und des unge­bo­re­nen Lebens.

Auf die künst­li­che Befruch­tung zurück­zu­grei­fen heißt „das unge­bo­re­ne Kind dem Risi­ko von Patho­lo­gien und Miß­bil­dun­gen erheb­li­chen Gra­des aus­zu­set­zen […] Wenn es ein erb­li­ches Pro­blem gibt, dann läßt die Natur kei­ne natür­lich Befruch­tung zu. Die in vitro erzwun­ge­ne Befruch­tung setzt den dadurch ent­stan­de­nen Embryo erhöh­ten Risi­ken aus. Die neue Stu­die bestä­tigt mit neu­en Zah­len, was die Fach­welt bereits wuß­te“, so Man­cu­so.

Bereits bis­her ging man davon aus, daß die Wahr­schein­lich­keit von Miß­bil­dun­gen bei der Geburt aus künst­li­cher Befruch­tung um 37 Pro­zent höher lie­gen als aus natür­li­cher Zeu­gung. Beson­de­res Gewicht kommt unter den jün­ge­ren einer 2010 in der Zeit­schrift Pedia­trics, dem Organ der Ame­ri­can Aca­de­my of Pedia­trics ver­öf­fent­li­chen Stu­die zu, die den Nach­weis erbrach­te, daß die Tumor­bil­dung bei Kin­dern aus künst­li­cher Befruch­tung erhöht ist.

Die In-Vitro-Fer­ti­li­sa­ti­on schafft nicht nur eine „über­schüs­si­ge“ Zahl mensch­li­cher Embryo­nen, die aus­ge­schie­den, ein­ge­fro­ren oder getö­tet wer­den, son­dern – wie die jüng­ste Stu­die bestä­tigt – stellt wegen sei­ner Unna­tür­lich­keit auch ein erhöh­tes Risi­ko dar, daß die so gezeug­ten Kin­der in erhöh­tem Maß mit schwer­wie­gen­den oder hem­men­den gene­ti­schen Pro­ble­men zur Welt kom­men.

Die Bru­ta­li­tät der huma­nen moder­nen Gesell­schaft hat natür­lich auch dafür eine Lösung durch eine wei­te­re Erhö­hung der In-Vitro her­ge­stell­ten Embryo­nen und deren „Aus­mu­ste­rung“, sprich Ver­nich­tung. Zahl­rei­che gene­ti­sche Schä­den las­sen sich jedoch bis­her nicht nach­wei­sen, wie Man­cu­so fest­stell­te.

Text: UCCR/Giuseppe Nar­di
Bild: UCCR