In allen Mühsalen dieser Zeit ist Gott da

Lie­be Brü­der und Schwe­stern!

In der heu­ti­gen Kate­che­se möch­te ich über einen wei­te­ren Aspekt des Gebe­tes nach dem hei­li­gen Pau­lus spre­chen. Pau­lus weist dar­auf hin, daß, wenn wir beten, nicht nur wir etwas tun, son­dern immer auch Gott han­delt. Gott zieht uns zu sich hin­auf. Im 2. Korin­ther­brief geht er tie­fer dar­auf ein: Er spricht davon in dem Zusam­men­hang, als er sein Apo­sto­lat ver­tei­digt, daß sei­ne eige­nen Lei­stun­gen gleich­sam neben­säch­lich sind gegen­über dem, was Gott in ihm voll­bracht hat. Das eigent­li­che, was gesche­hen ist, kam nicht von ihm, dafür war er zu schwach, son­dern kam von Gott, der gera­de durch ein schein­bar unge­eig­ne­tes Werk­zeug gewirkt hat. Er erläu­tert das dann an einer mysti­schen Erfah­rung, die ihm geschenkt wur­de, bis in die Höhe, wie er sagt, des drit­ten Him­mels hin­auf. Aber zugleich hat er ein Lei­den, einen Sta­chel im Fleisch erhal­ten, um nicht über­heb­lich zu wer­den. Er bit­tet Gott natür­lich, daß er davon befreit wird, weil ihn das hin­dert, ihm weh­tut, ihm Schwie­rig­kei­ten macht, aber er wird nicht befreit, son­dern der Herr sagt ihm: »Mei­ne Gna­de genügt dir; denn in der Schwach­heit erweist sich mei­ne Kraft« (12,9). Die­se Hal­tung tie­fer Demut und festen Ver­trau­ens wird die Grund­la­ge für sein Gebet und sein Leben. Dar­aus sehen wir: Die­se tie­fe Gott­ver­bun­den­heit ent­frem­det ihn nicht der Welt, son­dern gibt ihm den Mut, die Kraft, die inne­re Frei­heit, in der Welt zu wir­ken und Gott in ihr prä­sent zu machen. So macht das Bei­spiel des hei­li­gen Pau­lus auch für uns deut­lich: Die Nach­fol­ge Chri­sti und das Zeug­nis für das Evan­ge­li­um sind von Schwie­rig­kei­ten beglei­tet, von Prü­fun­gen. Wir sehen immer wie­der, daß wir eigent­lich unge­eig­net sind, das Reich Got­tes zu bau­en, weil wir sel­ber so weit ent­fernt sind von Gott. Und doch gera­de dar­in, wenn wir uns Gott über­las­sen und uns frei las­sen für ihn, erwächst das Gro­ße und das Rei­ne und wer­den wir selbst umge­stal­tet. Im betrach­ten­den Gebet ler­nen wir so, nicht etwa uns zurück­zu­zie­hen, son­dern die Situa­tio­nen unse­res Lebens anzu­neh­men und zu ver­ste­hen, daß dar­in Gott wirkt, daß er gera­de in unse­ren Arm­se­lig­kei­ten uns zur Rei­fe bringt und zu sich hin­auf­zieht und umwan­delt. In einer Welt, die nur auf die Effi­zi­enz und auf die Macht der mensch­li­chen Mög­lich­kei­ten ver­traut, müs­sen wir wie­der­ent­decken, daß das Mensch­li­che allein nicht aus­reicht, daß die Welt heil wird nur dann, wenn Gott in sie her­ein­tritt, und er will durch uns her­ein­tre­ten. Und er tritt durch uns her­ein, wenn wir uns im Gebet für ihn öff­nen. Dar­um wol­len wir uns mühen in die­ser Zeit: daß wir offen ste­hen für den Herrn. Dann erfah­ren wir auch, daß in allen Müh­sa­len die­ser Zeit Gott da ist, der Auf­er­stan­de­ne da ist, und daß er durch uns wirkt und die Welt erneu­ert.

Sehr herz­lich hei­ße ich die Pil­ger und Besu­cher aus den Län­dern deut­scher Spra­che will­kom­men. Beson­ders grü­ße ich die Wall­fah­rer aus der Diö­ze­se von Bozen-Bri­xen mit Bischof Muser. Herz­lich will­kom­men! Ich freue mich über eure Gegen­wart. Die Wor­te und das Vor­bild des hei­li­gen Pau­lus laden uns ein, dem Gebet in unse­rem All­tag Raum zu geben. So wird sich unser Leben stets durch die Kraft der Lie­be Got­tes erneu­ern. Gott beglei­te euch alle Tage mit dem Licht sei­ner Gna­de.