Gottes Erbarmen kann uns auch im letzten Augenblick erreichen

Lie­be Brü­der und Schwe­stern!

Bei der vori­gen Audi­enz habe ich begon­nen, über das Gebet Jesu am Kreuz zu spre­chen. Heu­te möch­te ich mit euch die drei Wor­te betrach­ten, die der Evan­ge­list Lukas vom Gekreu­zig­ten über­lie­fert hat. Das erste davon ist die Ver­ge­bungs­bit­te des Herrn für sei­ne Hen­ker: »Vater, ver­gib ihnen, denn sie wis­sen nicht, was sie tun« (23,34). Jesus selbst voll­zieht, was er lehrt: »Liebt eure Fein­de; … betet für die, die euch miß­han­deln« (Lk 6,27.28). Spä­ter sehen wir am Erz­mär­ty­rer Ste­pha­nus, wie er die­se Hal­tung des Herrn nach­ahmt, wenn er gleich ihm für sei­ne Mör­der betet. Jesus ver­gibt nicht nur sei­nen Hen­kern, son­dern tritt für sie beim Vater ein. Zum Grund sei­ner Für­bit­te macht er ihr Nicht­wis­sen, das den Weg zur Bekeh­rung offen läßt – dies bleibt ein Trost für alle Zei­ten und für alle Men­schen. Das zwei­te Wort Jesu am Kreuz nach Lukas geht einen Schritt wei­ter. Jesus ant­wor­tet jetzt auf die Bit­te eines Mit­ge­kreu­zig­ten. Er war ein soge­nann­ter Räu­ber, wahr­schein­lich ein Wider­stands­kämp­fer, der nun den Herrn bit­tet, sei­ner zu geden­ken, wenn er in sein Reich kommt. Und der Herr ant­wor­tet dar­auf: »Heu­te noch wirst du mit mir im Para­dies sein« (23,43). Jesus weiß, daß er direkt in die Gemein­schaft mit dem Vater ein­ge­hen wird, daß er den Men­schen wie­der ins Para­dies, ins Mit­sein mit Gott hin­ein­führt. Er gibt dem Glau­ben­den Hoff­nung. Got­tes Erbar­men kann uns auch im letz­ten Augen­blick errei­chen; die Bit­te um sei­ne Güte wird nicht umsonst gestellt: Er ist der barm­her­zi­ge Vater, der uns mit offe­nen Armen erwar­tet. Der Herr sagt dem Mann: Ich zie­he dich gleich­sam mit hin­auf, wir kom­men heu­te im Para­dies an. Das letz­te Wort ist ein Ruf äußer­ster und völ­li­ger Hin­ga­be des ster­ben­den Jesus an Gott: »Vater, in dei­ne Hän­de lege ich mei­nen Geist« (23,46). Mit die­sem Gebet, in dem Jesus einen Vers aus Psalm 31 auf­greift, bekräf­tigt er sei­nen Wil­len, zunächst den Hän­den der Men­schen aus­ge­lie­fert zu wer­den, aber dann letzt­lich doch in den Hän­den Got­tes zu sein und sich in die guten Hän­de Got­tes zu über­ge­ben. Der Herr weiß, daß er letzt­lich als Sohn in den Hän­den des Vaters steht, aber er ver­si­chert damit auch uns, daß wir zuletzt in die Hän­de des Vaters fal­len. Dar­auf dür­fen wir uns ver­las­sen, danach Aus­schau hal­ten, gleich­sam auf die­se Hän­de zule­ben, die uns tra­gen und uns die Gewiß­heit geben, nicht ins Nichts abzu­stür­zen.

Ger­ne grü­ße ich alle Gäste deut­scher Spra­che, ins­be­son­de­re die Stu­die­ren­den des Kir­chen­rechts der Uni­ver­si­tä­ten Mün­chen und Augs­burg sowie den TSV 1860 Mün­chen. Ich freue mich über Ihre Anwe­sen­heit! Das Beten Jesu am Kreuz lädt uns ein, den ande­ren zu ver­zei­hen und auch für die zu beten, die uns unrecht tun. Zugleich schenkt es uns Ver­trau­en und Zuver­sicht: Wir dür­fen gewiß sein, daß wir in Not und Leid nicht aus Got­tes Hän­den her­aus­fal­len, son­dern in die­sen guten Hän­den gebor­gen blei­ben. Gott seg­ne euch alle.