Stichwörter der Geschichte — Dieser Türke von einem Luther

Mit dem Tod Selims I. des Grau­sa­men (des Schreck­li­chen, des Gestren­gen) wur­de 1520 Süley­man I. der Präch­ti­ge Sul­tan des Osma­ni­schen Reichs und Kalif der Mos­lems. 1521 drang er in das christ­li­che Euro­pa vor und erober­te Bel­grad, die Haupt­stadt der ortho­do­xen Ser­ben. Nach­dem er die Johan­ni­ter von Rho­dos ver­trie­ben hat­te, schlug er 1526 bei Mohacs das unga­ri­sche Heer ver­nich­tend und annek­tier­te wei­te Tei­le Ungarns und Kroa­ti­ens. Der Weg nach Wien stand damit offen.

Papst Leo X. war es in den vor­an­ge­gan­ge­nen Jah­ren unter Mühen gelun­gen, die euro­päi­schen Für­sten zur Unter­zeich­nung eines Frie­dens unter­ein­an­der zu bewe­gen, um einen Kreuz­zug zur Abwehr der tür­ki­schen Gefahr vor­zu­be­rei­ten. Alle christ­li­chen Staa­ten folg­ten dem Auf­ruf ein­schließ­lich Franz I. von Frank­reich, Hein­rich VIII. von Eng­land und an erster Stel­le Kai­ser Maxi­mi­li­an I.

Maxi­mi­li­an starb jedoch und sein Enkel Karl von Öster­reich und Frank­reichs König Franz I. mach­ten sich die Kai­ser­kro­ne strei­tig. Als sich der Habs­bur­ger als Karl V. durch­set­zen konn­te, zer­schlug Franz I. die christ­li­che Abwehr­front und ver­bün­de­te sich mit den Tür­ken.

Es war die Zeit, als Mar­tin Luther auf­trat und sei­ne Refor­ma­ti­on vor­an­trieb, die zur Kir­chen­spal­tung wur­de. Süley­man über­leg­te Luther zu Hil­fe zu kom­men, um dadurch das christ­li­che Euro­pa zu schwä­chen. „Ohne die Tür­ken hät­ten die Pro­te­stan­ten wahr­schein­lich das glei­che Ende gefun­den, wie die Albi­gen­ser.“ Luther war sich des­sen viel­leicht nicht bewußt, aber „Süley­man war wirk­lich sein Beschüt­zer“. Und der Kreuz­zug? Was Luther 1521, im Jahr als Bel­grad fiel, dar­über dach­te, hat er schrift­lich hin­ter­las­sen. Er bezeich­ne­te es als „schänd­lich“, wie lan­ge der Papst „uns“ mit dem Krieg gegen die Tür­ken „gekö­dert“ hat, um uns Geld abzu­pres­sen. „Wann wer­den wir end­lich ler­nen, daß er [der Papst] das gefähr­lich­ste Instru­ment des Teu­fels ist?“

1529 stan­den die Tür­ken schließ­lich mit ihrer Streit­macht vor Wien und Luther muß­te sei­ne Mei­nung über sie ändern. Er änder­te aber nicht sei­ne Mei­nung über den Papst: „Wenn ich Sol­dat wäre und auf dem Schlacht­feld das Kreuz oder die Fah­ne eines Prie­sters oder sogar das Kru­zi­fix sehen wür­de, hät­te ich Lust davon­zu­lau­fen, als wür­de mich der Teu­fel ver­fol­gen.“

Quel­le:  Tho­mas F. Mad­den: New Con­cise Histo­ry of the Cru­sa­des, Lan­ham 2005, S. 299f

Text: BQ/Giuseppe Nar­di