Wie sich Zeiten ändern: 1962 „Habe keinen Gott gesehen“ — 2011 Marienikone in Internationaler Raumstation

(Mos­kau) So ändern sich Zei­ten und Bil­der. Die Welt­pres­se berich­te­te über den Mann­schafts­wech­sel in der Inter­na­tio­na­len Raum­sta­ti­on ISS. Bei der Video­di­rekt­über­tra­gung von der ISS, bei der die Kos­mo­nau­ten über ihre Erfah­rung berich­te­ten, waren im Hin­ter­grund deut­lich zwei Bil­der zu sehen. Ein Bild des ersten Rus­sen im Welt­all, Juri Gaga­rin, und die Iko­ne der Got­tes­mut­ter von Kazan.

Die Mari­en­dar­stel­lung von Kazan gehört zu den von den ortho­do­xen Rus­sen meist­ver­ehr­ten Iko­nen. Die Dar­stel­lung der Got­tes­mut­ter war im ver­gan­ge­nen März vom Mos­kau­er Patri­ar­chen Kyrill I. dem dama­li­gen Direk­tor der rus­si­schen Raum­fahrt­be­hör­de Roskos­mos, Ana­to­li Per­mi­now geschenkt wor­den. „Ich hof­fe, daß die Iko­ne mit an Bord des Raum­schiffs genom­men wird, das anläß­lich des 50. Jah­res­tag der ersten bemann­ten Raum­fahrt sei­ne Rei­se antritt“, sag­te der Patri­arch mit Bezug auf die Raum­fahrt­mis­si­on der Sojus TMA-24, die am 30. März star­te­te. 50 Jah­re vor­her war Juri Gaga­rin der erste Mensch im All. Patri­arch Kyrill sag­te im März auch, daß die Kos­mo­nau­ten „neben ihren eben­so wich­ti­gen wie schwie­ri­gen Pflich­ten“ mit der Iko­ne auch eine „geist­li­che Mis­si­on“ erfül­len wer­den.

So ändern sich die Zei­ten: Erklär­te Andri­jan Niko­la­jew, der als drit­ter sowje­ti­scher Kos­mo­naut ins Welt­all flog, nach sei­ner Rück­kehr 1962 ganz im Sin­ne kom­mu­ni­sti­scher Pro­pa­gan­da: „Ich habe kei­nen Gott und kei­ne Engel gese­hen“, ist nun eine Mari­en­iko­ne „Co-Pilot“ bei der Rei­se durch das All.

Es ist nicht das erste Mal, daß eine Iko­ne der Got­tes­mut­ter Maria im Welt­all reist. Bereits 2009 war eine Mari­en­dar­stel­lung mit dem Raum­schiff Sojus TMA-16 zur ISS unter­wegs.

Die Mis­si­on der Sojus TMA-22 ende­te am 16. Novem­ber mit ihrer Rück­kehr zur Erde. Vor ihrem Start war das Raum­schiff auf dem Kos­modrom Bai­ko­nur in Kasach­stan von einem rus­sisch-ortho­do­xen Prie­ster geseg­net wor­den. Seit die NASA ihre Shut­tles zurück­zog, sind die Sojus-Raum­schif­fe die ein­zi­ge Ver­bin­dung zur ISS. Die Besat­zung der Welt­raum­sta­ti­on besteht der­zeit aus drei rus­si­schen, zwei ame­ri­ka­ni­schen und einem japa­ni­schen Astro­nau­ten.

Text: Asianews/Giuseppe Nar­di
Bild: Asia­news