Wird Johannes Paul II. bald heilig gesprochen?

(Vati­kan) Wird der seli­ge Papst Johan­nes Paul II. bald hei­lig gespro­chen? Kar­di­nal Ange­lo Amato prüft der­zeit ein zwei­tes Wun­der, das der Für­spra­che Karol Woj­ty­las zuge­spro­chen wird. Gegen die Skep­ti­ker inner­halb und außer­halb der römi­schen Kurie, die eine Ver­lang­sa­mung des durch die Anhäng­lich­keit vie­ler Gläu­bi­ger sofort nach sei­nem Tod ein­ge­lei­te­ten Ver­fah­rens der Erhe­bung zur Ehre der Altä­re for­dern, scheint der Prä­fekt das Tem­po viel­mehr zu beschleu­ni­gen.

Kar­di­nal Amato gab bekannt, daß die Aner­ken­nung des zwei­ten Wun­ders unmit­tel­bar bevor­ste­hen könn­te. Es han­delt sich um eine uner­klär­ba­re Hei­lung, die vom Prä­fek­ten für die Selig- und Hei­lig­spre­chungs­ver­fah­ren einer gründ­li­chen Unter­su­chung unter­zo­gen wur­de. Nach der am 1. Mai 2011 erfolg­ten Selig­spre­chung, bedarf es unter ande­rem eines zwei­ten, vom Hei­li­gen Stuhl nach ein­ge­hen­der Prü­fung aner­kann­ten Wun­ders, um die Hei­lig­spre­chung vor­neh­men zu kön­nen.

Vom Postu­la­tor für das Hei­lig­spre­chungs­ver­fah­ren wur­den bereits zahl­rei­che wun­der­ba­re Hei­lun­gen geprüft, die der Für­spra­che des ver­stor­be­nen Pap­stes zuge­schrie­ben wer­den. Für die Selig­spre­chung war schließ­lich die Hei­lung der fran­zö­si­schen Ordens­schwe­ster Marie Simon-Pierre aus­schlag­ge­bend, die als Wun­der aner­kannt wur­de. Die Ordens­schwe­ster war an Par­kin­son erkrankt. Der­sel­ben Krank­heit, die die letz­ten Lebens­jah­re des Pap­stes zum Kal­va­ria mach­te.

Für die Hei­lig­spre­chung braucht es eines zwei­ten Wun­ders, das sich erst nach der Selig­spre­chung zuge­tra­gen haben darf. Im Vati­kan betont man, daß alles in der nöti­gen Ruhe und wis­sen­schaft­li­chen Ernst­haf­tig­keit geprüft wird. Nur wenn von den ver­schie­de­nen Dis­zi­pli­nen der Medi­zin und der Natur­wis­sen­schaf­ten kei­ne wis­sen­schaft­li­che Erklä­rung eines Phä­no­mens erbracht wer­den kann, wird die Prü­fung zur Aner­ken­nung eines Wun­ders ein­ge­lei­tet. Das Wun­der muß dann vom Papst und von der Kon­gre­ga­ti­on für die Selig- und Hei­lig­spre­chungs­ver­fah­ren aner­kannt wer­den. Inzwi­schen wach­se die Zahl mit­ge­teil­ter wun­der­ba­rer Hei­lun­gen, die dem pol­ni­schen Papst zuge­schrie­ben wer­den, ste­tig an, wie die Hei­lig­spre­chungs­kon­gre­ga­ti­on bestä­tigt.

Zu den unter­such­ten Fäl­len gehört auch jener eines pol­ni­schen Jun­gen, der durch einen Nie­ren­tu­mor an den Roll­stuhl gefes­selt war. „Nach­dem er am Grab Johan­nes Pauls II. gebe­tet hat­te, konn­te er wie­der gehen“, berich­tet Kar­di­nal Stan­si­law Dzi­wisz, der Erz­bi­schof von Kra­kau, der als Sekre­tär dem ver­stor­be­nen Papst beson­ders nahe stand. „Ich war selbst Zeu­ge vie­ler Gna­den, die Johan­nes Paul II. ver­mit­telt hat, vor allem bei Krebs­er­kran­kun­gen.“

Ein ande­rer Fall betrifft einen 26 Jah­re jun­gen Mann in Cleve­land in den USA, der bei einem Raub­über­fall durch die Kugel eines Ver­bre­chers am Kopf schwer ver­letzt wur­de. Die Ärz­te hat­ten ihn bereits auf­ge­ge­ben. Er wur­de den­noch wie­der gesund. Zurück­ge­führt wird die uner­klär­ba­re Hei­lung auf einen von Papst Johan­nes Paul II. geseg­ne­ten Rosen­kranz.

Papst Bene­dikt XVI. gewähr­te eine Aus­nah­me von den gel­ten­den Bestim­mun­gen, laut denen min­de­stens fünf Jah­re seit dem Tod einer Per­son ver­gan­ge­nen sein müs­sen, bevor ein Selig­spre­chungs­ver­fah­ren eröff­net wer­den kann. Nach der Selig­spre­chung ent­schied der Postu­la­tor eine eige­ne Inter­net­sei­te in fünf Spra­chen ein­zu­rich­ten, um Gebets­er­hö­run­gen und Zeug­nis­se mit­tei­len zu kön­nen . Auf der Sei­te gin­gen bereits meh­re­re Zehn­tau­send Mit­tei­lun­gen ein­ge­gan­gen.

Text: Vati­can Insider/Giuseppe Nar­di
Bild: Vati­can Insi­der