Der Hilferuf des Menschen wird aufgefangen im Glauben an Gottes Nähe

Lie­be Brü­der und Schwe­stern!

Mit die­ser Audi­enz möch­te ich die Rei­he der Kate­che­sen über das Gebet wie­der auf­neh­men und mit der Betrach­tung eini­ger Psal­men begin­nen. Der Psal­ter stellt gewis­ser­ma­ßen das »Gebet­buch« der Bibel schlecht­hin dar. Heu­te möch­te ich mich Psalm 3 wid­men, der eine Kla­ge und ein Hil­fe­ruf und zugleich Aus­druck des Ver­trau­ens in Got­tes Nähe ist. Nach der Über­lie­fe­rung soll der Hin­ter­grund die­ses Psalms die Flucht Davids vor sei­nem Sohn Abscha­lom sein, als die­ser den Königs­thron an sich rei­ßen woll­te. Der Psal­mist klagt über die gro­ße Gefahr und die Über­zahl der Fein­de. Er steht allein gegen eine gro­ße Über­macht. Nicht nur Unheil und Tod dro­hen ihm, son­dern die Fein­de ver­su­chen, ihm auch den Glau­ben aus­zu­re­den. Sie sagen: Gott kann dir gar nicht hel­fen und will dir nicht hel­fen. Doch der Beter läßt sich in die­ser inner­sten Ver­su­chung nicht besie­gen, er bleibt bei sei­nem Ver­trau­en in Gott und spricht ganz per­sön­lich zu ihm: »Du aber, Herr, bist ein Schild für mich, du bist mei­ne Ehre und rich­test mich auf« (V. 4). Der Hil­fe­ruf des Men­schen wird auf­ge­fan­gen im Glau­ben an Got­tes Nähe und Hil­fe, die die­ser Beter erfah­ren durf­te und die nicht immer so aus­fällt, wie wir den­ken, in einer äuße­ren Erhö­rung – den­ken wir an den Herrn am Kreuz –, die aber immer wirk­li­che Erhö­rung ist. Und das Ent­schei­den­de im Gebet ist eben, daß wir uns nicht die Nähe Got­tes aus­re­den las­sen, daß wir uns den Glau­ben nicht zer­tram­peln las­sen von der Über­macht des­sen, was uns ent­ge­gen­steht, son­dern daß wir gera­de inmit­ten des­sen, was gegen Gott und gegen uns steht, beim Glau­ben an ihn blei­ben. Dann erfah­ren wir, daß er der Stär­ke­re ist, dann wird es so sein wie in dem Psalm, wo der Psalm am Schluß gar nicht mehr an die vie­len denkt, son­dern nur noch an den einen: »Du bist mei­ne Hil­fe und mein Heil.« Von ihm her fin­det er den inne­ren Frie­den und die Ruhe. Inmit­ten von Gefahr und Not kann er sich ver­trau­ens­voll Gott über­las­sen. Er weiß, und wir wis­sen im Glau­ben: »Beim Herrn fin­den wir Hil­fe« (vgl. V. 9).

Sehr herz­lich begrü­ße ich alle Pil­ger und Besu­cher deut­scher Spra­che. Das Gebet der Psal­men öff­net unser Herz der tröst­li­chen Gewiß­heit des Glau­bens: Gott ist da, Gott ist immer nahe, auch in den Schwie­rig­kei­ten, Pro­ble­men und Dun­kel­hei­ten des Lebens. Wir müs­sen ler­nen, sei­ne Gegen­wart zu erken­nen und sei­ne Wege anzu­neh­men. So soll die­ser Psalm uns ermu­ti­gen zu bit­ten, daß der Herr uns Glau­ben schen­ke, uns fähig mache, zu jeder Zeit zu beten und im Ver­trau­en auf ihn zu leben und so wirk­li­ches Leben zu fin­den. Gott seg­ne euch alle.