Nicht im Vertrauen auf eigene Kräfte wird der Segen Gottes gewonnen — Jakob empfängt ihn als verwandelndes Geschenk

Lie­be Brü­der und Schwe­stern!

In der Rei­he der Kate­che­sen über das Gebet möch­te ich heu­te über einen Abschnitt aus dem Buch Gene­sis zu Ihnen spre­chen. Da geht es um einen Kampf, in den ein Unbe­kann­ter den Stamm­va­ter Jakob bei Nacht ver­wickelt, als er gera­de den Fluß über­schrei­ten will, um in die Hei­mat und in das Gebiet sei­nes Bru­ders Esau zu gelan­gen. Der Riva­le scheint besiegt zu sein, doch die­ser fragt ihn, wie er denn hei­ße. Dar­auf gibt der Patri­arch sei­nen Namen preis und ant­wor­tet: »Jakob«. Den Namen ken­nen bedeu­tet nach bibli­scher Auf­fas­sung, Macht über die Per­son zu haben. Indem Jakob sei­nen Namen nennt, gibt er sich in die Hän­de sei­nes Geg­ners. Aber durch die­se Geste der Über­ga­be wird Jakob para­do­xer­wei­se zum Sie­ger im Kampf und erhält von sei­nem Gegen­über einen neu­en Namen: »Nicht mehr Jakob wird man dich nen­nen, son­dern Isra­el (Got­tes­strei­ter); denn mit Gott und Men­schen hast du gestrit­ten und hast gewon­nen« (Gen 32,29). Der Name »Jakob«, der auch so etwas wie »Betrü­ger« bedeu­ten kann und an Epi­so­den aus sei­nem bis­he­ri­gen Leben erin­nert, weicht einer neu­en Iden­ti­tät. Nun zeigt sich, daß er mit Gott gerun­gen hat, und Gott hat in die­sem Rin­gen das Nega­ti­ve aus sei­ner Geschich­te ins Posi­ti­ve gewan­delt. Die geist­li­che Über­lie­fe­rung der Kir­che hat in die­ser schwie­ri­gen Geschich­te des nächt­li­chen Kamp­fes ein Sinn­bild für das Gebet gese­hen, inso­fern es ein Rin­gen im Glau­ben ist, ein Rin­gen der Sehn­sucht, Gott zu ken­nen, ein Rin­gen, ihm näher­zu­kom­men, ihn ken­nen­zu­ler­nen, ihm zu begeg­nen, ein Rin­gen der Beharr­lich­keit. Es geht um die Suche nach Gott, um den Kampf, sei­nen Namen ken­nen­zu­ler­nen. Jakobs Streit zeigt uns die Inten­si­tät die­ser Got­tes­be­zie­hung, die mit Aus­dau­er gött­li­chen Segen und eine neue Iden­ti­tät als Frucht von Umkehr und Ver­ge­bung erbit­tet. Nicht im Ver­trau­en auf eige­ne Kräf­te wird der Segen Got­tes gewon­nen. Jakob und alle Beter emp­fan­gen ihn von Gott als ein Geschenk, das sie ver­wan­delt. Und so will uns die­se myste­riö­se Geschich­te ein­la­den, aus­zu­hal­ten vor dem unbe­kann­ten Gott, um ihn zu rin­gen, ihn nicht los­zu­las­sen, bis er uns seg­net. Sie lädt uns ein, ihn durch die Kraft unse­rer Demut und unse­rer Beharr­lich­keit, unse­rer Sehn­sucht nach der Begeg­nung mit ihm, ken­nen­zu­ler­nen, ihn zu sehen und von ihm gleich­sam besiegt zu wer­den, indem er uns erneu­ert und ver­wan­delt.

Von Her­zen grü­ße ich alle deutsch­spra­chi­gen Pil­ger und Besu­cher. Möge das Bei­spiel Jakobs uns Mut machen, uns ganz in die Hän­de Got­tes zu geben, nicht Angst zu haben, daß uns dabei etwas ver­lo­ren­geht, und uns von ihm umwan­deln zu las­sen. Der Herr hel­fe uns, den Kampf des Glau­bens mit Aus­dau­er zu kämp­fen und durch unse­re Gebe­te Got­tes Segen zu erlan­gen für uns und für die Welt. Dan­ke.