Dokumentation: Bußakt beim Eröffnungsgottesdienst der Frühjahrs-Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz

Wir doku­men­tie­ren den Buß­akt der Deut­schen Bischofs­kon­fe­renz, der um 18:30 im Dom zu Pader­born statt­fin­det. Der Text basiert auf einer Mit­tei­lung der Deut­schen Bischofs­kon­fe­renz.

Nach dem schwie­ri­gen ver­gan­ge­nen Jahr für die katho­li­sche Kir­che in Deutsch­land set­zen die deut­schen Bischö­fe zum Auf­takt ihrer Früh­jahrs-Voll­ver­samm­lung in Pader­born ein sicht­ba­res Zei­chen. In einem Buß­akt bit­ten sie gemein­sam um Ver­ge­bung und tra­gen ihre Bit­te um einen guten Weg in die Zukunft vor Gott. Der Buß­akt erin­nert in beson­de­rer Wei­se an jene Men­schen, denen durch sexu­el­len Miß­brauch schwe­res Leid zuge­fügt wur­de.

Die Bischö­fe zie­hen durch die Rote Pfor­te in den Pader­bor­ner Dom ein. Der Vor­sit­zen­de der Deut­schen Bischofs­kon­fe­renz, Erz­bi­schof Dr. Robert Zollitsch, führt die Pro­zes­si­on an. Er trägt ein Holz­kreuz aus der Pfarr­kir­che Hövel­hof, das aus der Zeit um 1370 stammt. Das goti­sche Kreuz wur­de ver­mut­lich in West­frank­reich oder im Rhein­land gefer­tigt. Mit sei­ner grü­nen Far­be sym­bo­li­siert das Kreuz in Form einer Ast­ga­bel einen Lebens­baum. Der dar­an befe­stig­te Cor­pus ist mit allen Zei­chen des Lei­dens dar­ge­stellt.

Erz­bi­schof Zollitsch, der zu Beginn des Got­tes­dien­stes auf die bischöf­li­chen Insi­gni­en von Mitra und Stab ver­zich­tet, bleibt mit dem Kreuz im Altar­raum des Doms ste­hen. Alle Bischö­fe knien sich nie­der. Auch Erz­bi­schof Zollitsch kniet sich vor das Kreuz.

Der Buß­akt hat fol­gen­den Ver­lauf:

Erz­bi­schof Zollitsch (V) betet:

V Gott, unser Vater,
du bist der Quell des Erbar­mens und der Güte:
wir knien als Sün­der vor dir und unser Gewis­sen klagt uns an. Sieh auf uns und laß uns Ver­ge­bung fin­den durch auf­rich­ti­ge Reue, Gebet und Wer­ke hei­len­der Zuwen­dung.
Dar­um bit­ten wir durch Jesus Chri­stus, dei­nen Sohn, unse­ren Herrn und Gott, der in der Ein­heit des Hei­li­gen Gei­stes mit dir lebt und herrscht in alle Ewig­keit.

A Amen.

Bekennt­nis-Gebet und gesun­ge­ne Umkehr-Bit­ten
Kan­tor (K) und Gemein­de (A)

K/A Bekeh­re uns, ver­gib die Sün­den,
schen­ke, Herr, uns neu dein Erbar­men.

K Der Sohn des Höch­sten kam auf uns­re Erde,
uns zu erret­ten aus der Macht des Bösen.
Er ruft die Men­schen in das Reich des Vaters.

A Bekeh­re uns, ver­gib die Sün­den,
schen­ke, Herr, uns neu dein Erbar­men.

Alle beten gemein­sam in Stil­le um Ver­ge­bung.

V Gott, du Freund des Lebens, dein Sohn hat sich den Kran­ken und Schutz­lo­sen zuge­wandt. Sei­ne beson­de­re Lie­be galt den Schwa­chen. Wir emp­fin­den tie­fe Scham. Män­ner der Kir­che haben jun­ge Men­schen, die ihnen anver­traut waren, miß­braucht und ihrem Leben schwe­ren Scha­den zuge­fügt. All­zu oft haben die Ver­ant­wort­li­chen weg­ge­schaut.

Demü­tig rufen wir zu dir:

K/A Bekeh­re uns, ver­gib die Sün­den,
schen­ke, Herr, uns neu dein Erbar­men.

K Bekehrt euch alle, denn das Reich ist nahe;
In rech­ter Buße wan­delt eure Her­zen.
Seid neue Men­schen, die dem Herrn gefal­len.

A Bekeh­re uns, ver­gib die Sün­den,
schen­ke, Herr, uns neu dein Erbar­men.

Alle beten gemein­sam in Stil­le um Ver­ge­bung.

V Gott, du Ursprung alles Guten,
Eltern, Leh­rern und Erzie­hern hast du den Schutz jun­ger Men­schen in beson­de­rer Wei­se anver­traut. Das Wis­sen um den Miß­brauch lastet schwer auf uns.

Demü­tig rufen wir zu dir:

K/A Bekeh­re uns, ver­gib die Sün­den,
schen­ke, Herr, uns neu dein Erbar­men.

K Hört sei­ne Stim­me, ändert euer Leben;
suchet das Gute und laßt ab vom Bösen;
als Got­tes Kin­der wir­ket sei­nen Frie­den.

A Bekeh­re uns, ver­gib die Sün­den,
schen­ke, Herr, uns neu dein Erbar­men.

Alle beten gemein­sam in Stil­le um Ver­ge­bung.

V Gott, du Quel­le allen Lebens,
dein Sohn hat durch sein Lei­den und Ster­ben den Tod ver­nich­tet und unse­re Sün­den auf sich genom­men. Wir wis­sen um unse­ren schwa­chen Glau­ben und unse­re man­geln­de Lie­be.

Demü­tig rufen wir zu dir:

K/A Bekeh­re uns, ver­gib die Sün­den,
schen­ke, Herr, uns neu dein Erbar­men.

K Ihr seid gefun­den wie ver­lor­ne Scha­fe,
und in der Tau­fe seid ihr neu gebo­ren.
Die Kraft des Gei­stes macht euch stark im Glau­ben.

A Bekeh­re uns, ver­gib die Sün­den,
schen­ke, Herr, uns neu dein Erbar­men.
Alle beten gemein­sam in Stil­le um Ver­ge­bung.

Der Erz­bi­schof lädt zum gemein­sa­men Gebet aller Bischö­fe ein.
Gespro­chen im Wech­sel zwi­schen ihm (V) und allen Bischö­fen (B).

V Lie­be Mit­brü­der im Bischofs­amt, laßt uns gemein­sam Gott unser Ver­sa­gen beken­nen und um sei­nen Bei­stand für die Zukunft bit­ten:

Gott, unser Vater,
du hast uns Bischö­fen eine beson­de­re Ver­ant­wor­tung für dein Volk über­tra­gen. Wir knien vor dir und bit­ten um dei­nen Hei­li­gen Geist, daß er uns füh­re und dabei stüt­ze, den rech­ten Weg zu gehen.
B Er leh­re uns zu erken­nen, wo Hin­der­nis­se dem Glau­ben im Weg sind und wo Men­schen Unrecht getan wird. Hilf uns, das Rech­te zu tun; dann kön­nen Glau­be, Hoff­nung und Lie­be in die­ser Welt auf­leuch­ten.

V Gott, unser Vater,
dein Sohn hat uns in sei­ne Nach­fol­ge geru­fen und auf­ge­tra­gen, allen Men­schen das Evan­ge­li­um zu ver­kün­den. Dazu bit­ten wir um Demut, Geduld und Kraft.

B Men­schen tun sich oft schwer, offen zu wer­den für dich. Es fällt ihnen schwer, ande­ren Men­schen Ver­trau­en zu schen­ken. Gib uns die Gna­de des rech­ten Wor­tes und der Tat, die Wun­den heilt.

V Gott, unser Vater,
die Kir­che bezeugt der Welt das Geheim­nis dei­ner Lie­be. Hilf uns bei unse­rer Suche nach tie­fe­rem Glauben,größerer Ent­schie­den­heit und vor­be­halt­lo­ser Ehr­lich­keit und for­me unse­re Her­zen nach dem Her­zen dei­nes Soh­nes.

B Gott, erneue­re dei­ne Kir­che. Hei­le, was im Ver­bor­ge­nen der Her­zen sün­dig und krank ist. Schen­ke uns Hoff­nung und Zuver­sicht, damit in der Kir­che die fro­he Bot­schaft wahr­haf­tig und glaub­wür­dig ver­kün­det wird.

V All­mäch­ti­ger, barm­her­zi­ger Gott,
du willst alles auf Erden und im Him­mel zu Chri­stus füh­ren. Hilf uns, das Werk sei­ner Ver­söh­nung anzu­neh­men, damit die Schat­ten der Ver­gan­gen­heit uns nicht gefan­gen hal­ten und wir dem Oster­licht der ewi­gen Voll­endung im himm­li­schen Jeru­sa­lem ent­ge­gen­ge­hen.

B Amen.

Alle ste­hen auf. Die Zele­bran­ten ver­eh­ren den Altar. Der Chor singt den Introitus.Das Pon­ti­fi­kal­amt wird in gewohn­ter Wei­se gefei­ert.
Wäh­rend des Für­bit­ten­ge­bets im Eröff­nungs­got­tes­dienst wird eine Für­bit­te noch­mals in beson­de­rer Wei­se der Opfer geden­ken. Sie lau­tet:

„Wir beten für alle, die durch Ver­tre­ter der Kir­che oder an ande­ren Orten Opfer eines Miß­brauchs gewor­den sind: Hilf ihnen, die Ver­let­zun­gen und Wun­den hei­len zu las­sen und gib ihnen die Kraft, von neu­em zu begin­nen.“