Hl. Johanna von Orleans — Jesus und die Kirche sind eins

Lie­be Brü­der und Schwe­stern!

In die­ser Audi­enz möch­te ich über die hei­li­ge Jean­ne d’Arc spre­chen, die zusam­men mit Katha­ri­na von Sie­na als eine der »star­ken Frau­en« des aus­ge­hen­den Mit­tel­al­ters anzu­se­hen ist. Es war die Zeit des gro­ßen abend­län­di­schen Schis­mas – zwei oder drei Päp­ste stan­den gegen­ein­an­der – und stän­di­ger Krie­ge in Euro­pa, an erster Stel­le der Hun­dert­jäh­ri­ge Krieg zwi­schen Eng­land und Frank­reich. Jean­ne d’Arc stamm­te aus ein­fa­chen Ver­hält­nis­sen, konn­te weder lesen noch schrei­ben, hat­te aber eine gute reli­giö­se Erzie­hung und eine tie­fe Spi­ri­tua­li­tät, bestimmt von der Lie­be zum Namen Jesus und zum Namen der Mut­ter­got­tes Maria. Mit 13 Jah­ren hat­te sie ihre ersten mysti­schen Erfah­run­gen und erhielt den Auf­trag, ihr christ­li­ches Leben zu ver­tie­fen und sich für die Befrei­ung ihres Vater­lan­des Frank­reich ein­zu­set­zen. Jean­ne leg­te das Ver­spre­chen der Jung­fräu­lich­keit ab, nahm täg­lich an der hei­li­gen Mes­se teil und wid­me­te sich beson­ders dem Gebet. Schließ­lich stell­te sie sich auch ihrer poli­ti­schen Sen­dung. Sie traf den fran­zö­si­schen Dau­phin, nahm am Feld­zug zur Befrei­ung der Stadt Orlé­ans teil und erleb­te den Erfolg ihrer Mis­si­on in der Krö­nung König Karls VII. in Reims. Weni­ge Zeit dar­auf begann aber der Lei­dens­weg der »Jung­frau von Orlé­ans«. Ver­ra­ten, gefan­gen­ge­nom­men und ihren Fein­den aus­ge­lie­fert, kam es zum kirch­li­chen Pro­zeß gegen sie, des­sen Tri­bu­nal den Theo­lo­gen der Pari­ser Uni­ver­si­tät hörig war, die ande­re poli­ti­sche Zie­le als Jean­ne ver­folg­ten. Ihre Beru­fung an den Papst wur­de abge­lehnt, und sie wur­de als Ket­ze­rin ver­ur­teilt. Am 30. Mai 1431 wur­de die erst 19jährige Jean­ne in Rou­en auf dem Schei­ter­hau­fen ver­brannt, wäh­rend sie mit Blick auf den Gekreu­zig­ten laut den Namen Jesu anrief. Bis zuletzt aber hat sie auch an ihrer Lie­be zur Kir­che fest­ge­hal­ten und gesagt: Jesus und die Kir­che sind eins (vgl. Procà¨s de con­dam­na­ti­on I; KKK 795). 25 Jah­re spä­ter stell­te ein Reha­bi­li­ta­ti­ons­pro­zeß ihre Unschuld und ihre Treue zur Kir­che unter Beweis. Schließ­lich wur­de sie im Jahr 1920 von Papst Bene­dikt XV. hei­lig­ge­spro­chen.

Ger­ne grü­ße ich alle Pil­ger und Besu­cher aus den Län­dern deut­scher Spra­che. Die hei­li­ge Jean­ne d’Arc gibt uns ein hohes Bei­spiel für ein Leben aus dem Glau­ben. Das Gebet möge der Leit­fa­den auch in unse­rem All­tag sein, eben­so das Ver­trau­en in Got­tes Güte und die Lie­be zum Näch­sten, in dem wir Chri­stus erken­nen. Um so mehr wer­den wir leben­di­ge Glie­der der Kir­che und kön­nen sicht­bar machen, daß Chri­stus und die Kir­che zusam­men­ge­hö­ren. Der Herr seg­ne euch alle.