Zwei Christen ermordet — Blutiger Feldzug gegen Christen im Irak geht weiter

(Bag­dad) Ein christ­li­ches Ehe­paar wur­de in der Nacht auf Sonn­tag in Bag­dad ermor­det. Es ist der jüng­ste Vor­fall einer blu­ti­gen Serie von Atten­ta­ten, Mor­den und Dro­hun­gen gegen Chri­sten im Irak. Ein Spre­cher des ira­ki­schen Innen­mi­ni­ste­ri­ums gab bekannt, daß bewaff­ne­te Män­ner in das Haus der Chri­sten im Bag­da­der Stadt­teil Bala­di­yat ein­ge­drun­gen waren und das älte­re Ehe­paar ermor­de­ten. Die Täter hät­ten dafür Pisto­len mit Schall­dämp­fern ver­wen­det. Bala­di­yat liegt im mehr­heit­lich schii­ti­schen Teil der ira­ki­schen Haupt­stadt.

Unmit­tel­bar nach der neu­en Blut­tat gegen Chri­sten for­der­te Papst Bene­dikt XVI. beim sonn­täg­li­chen Ange­lus-Gebet am Peters­platz die Gläu­bi­gen auf, dafür zu beten, daß die töd­li­che Gewalt, die unter Chri­sten und Mos­lems des Irak wütet, ein Ende fin­de.

Ita­li­ens Außen­mi­ni­sters Fran­co Frat­ti­ni besuch­te gestern den Irak und dräng­te die ira­ki­sche Regie­rung, auf die Hin­rich­tung des Chri­sten Tarek Aziz zu ver­zich­ten. Eben­so for­der­te er in sei­nen Gesprä­chen auf höch­ster Ebe­ne zum Schutz der Chri­sten auf.

Weni­ge Stun­den vor dem Dop­pel­mord in Bag­dad erklär­te Gene­ral Qas­sim Atta in einer Pres­se­kon­fe­renz, daß die Ver­ant­wort­li­chen für die blu­ti­gen Angrif­fe gegen Chri­sten „15 nicht-ira­ki­sche Ara­ber“ sei­en. Ein Hin­weis, daß das Mord­kom­man­do aus dem Aus­land in den Irak gekom­men sei.

Nach dem Mas­sa­ker in der syrisch-katho­li­schen Kathe­dra­le von Bag­adad am 31. Okto­ber setz­te eine Flucht­wel­le der Chri­sten aus Bag­dad und Umge­bung Rich­tung Nord­irak in das auto­no­me Kur­den­ge­biet ein. Es han­delt sich um mehr als 500 christ­li­che Fami­li­en, die ihre Häu­ser ver­lie­ßen. Es besteht die Gefahr, daß gan­ze Pfar­rei­en und sogar Klö­ster ver­las­sen und auf­ge­ge­ben wer­den. Dar­un­ter befin­den sich Klö­ster, die zu den älte­sten der Chri­sten­heit gehö­ren, deren Ursprung bis in die Anti­ke zurück­reicht.

Die Flucht der Chri­sten setzt sich fort, trotz ver­schie­de­ner „Garan­tie­er­klä­run­gen“ der Regie­rung. Die Chri­sten haben ihr Ver­trau­en in die staat­li­chen Insti­tu­tio­nen ver­lo­ren, die nicht ein­mal imstan­de sind, das nack­te Leben der Chri­sten zu schüt­zen. Mini­ster­prä­si­dent Nou­ri al-Mali­ki ver­sprach unter­des­sen, bis zum 30. Dezem­ber die neue Regie­rung des Lan­des zu bil­den. Da bereits neun Mona­te seit den Par­la­ments­wah­len ohne Regie­rungs­bil­dung ver­gan­gen sind, stärkt die­se Ankün­di­gung nicht das Ver­trau­en der Chri­sten. Die Behör­den ver­spra­chen jeder Fami­lie, die sich auf der Flucht befin­det, eine Unter­stüt­zung von 400 Dol­lar. Damit kön­nen die­se aber kaum eine Monats­mie­te im kur­di­schen Nor­den bezah­len.

Doch nicht alle Chri­sten konn­ten ent­wur­zelt wer­den. Die Chri­sten von Mosul har­ren bis­her mit­ten im Ter­ror aus. Seit 2003 hal­bier­te sich die Zahl der Chri­sten im Irak.

(Asianews/Giuseppe Nar­di, Asia­news)