Kardinal Rodriguez Maradiaga als Präfekt nach Rom? – Bedroht in Honduras, bedroht in Hamburg

(Vati­kan) In den kom­men­den Wochen könn­te der hon­du­ra­ni­sche Kar­di­nal Oscar Andrés Rodri­guez Mara­dia­ga den Slo­we­nen Franc Kar­di­nal Rodਠan der Spit­ze der Ordens­kon­gre­ga­ti­on ablö­sen. Der Erz­bi­schof von Tegu­cig­al­pa gilt als einer der mög­li­chen Kan­di­da­ten für das Prä­fek­ten­amt an der römi­schen Kurie. Seit dem Rück­tritt des Bra­si­lia­ners Clau­dio Kar­di­nal Hum­mes als Prä­fekt der Kle­rus­kon­gre­ga­ti­on lei­tet kein Latein­ame­ri­ka­ner mehr ein „Mini­ste­ri­um“ der katho­li­schen Kir­che.

Kar­di­nal Rodri­guez Mara­dia­ga (67) ist Sale­sia­ner wie Kar­di­nal­staats­se­kre­tär Tar­ci­sio Ber­to­ne. Er gilt als eine der bedeu­tend­sten Gestal­ten des latein­ame­ri­ka­ni­schen Epi­sko­pats. Er gehört zu den glaub­wür­dig­sten Kri­ti­kern einer bestimm­ten Glo­ba­li­sie­rung, die zu Lasten der Armen geht. In den ver­gan­ge­nen Mona­ten erhielt er meh­re­re ernst­zu­neh­men­de Dro­hun­gen. Auch dies könn­te rele­vant sein für sei­ne Beru­fung nach Rom.

Nach der Amts­ent­he­bung von Staats­prä­si­dent Manu­el Zela­ya im Juni 2009 folg­te im zen­tral­ame­ri­ka­ni­schen Land ein anhal­tend gespann­tes Kli­ma mit Mor­den und Ver­haf­tun­gen. Kar­di­nal Rodri­guez Mara­dia­ga bezeich­ne­te damals die Inter­pre­ta­ti­on der USA und in deren Gefol­ge zahl­rei­cher inter­na­tio­na­ler Orga­ni­sa­tio­nen und Staa­ten, die Abset­zung des Prä­si­den­ten sei ver­fas­sungs­wid­rig gewe­sen, als „ein­sei­ti­ge Dar­stel­lung“. Im Zusam­men­hang mit dem ange­spann­ten poli­ti­schen Kli­ma wur­de der Kar­di­nal mehr­fach das Ziel von Ein­schüch­te­rungs­ver­su­chen und Mord­dro­hun­gen. Meh­re­re Mona­te lang konn­te er nicht die Hei­li­ge Mes­se in der Kathe­dra­le zele­brie­ren, weil gedun­ge­ne Mör­der auf ihn war­te­ten, um ihm „das ewi­ge Leben zu schen­ken“. Erst vor weni­gen Tage durch­schlug eine Kugel eine Fen­ster­schei­be des erz­bi­schöf­li­chen Palais in Tegu­cig­al­pa.

Der hon­du­ra­ni­sche Kar­di­nal ist seit 2007 Prä­si­dent der Cari­tas Inter­na­tio­nal und war Schirm­herr der welt­wei­ten Ent­schul­dungs­kam­pa­gne der katho­li­schen Kir­che zugun­sten der armen Län­der.

In West­eu­ro­pa machen links­ex­tre­me Grup­pen gegen den Glo­ba­li­sie­rungs­kri­ti­ker mobil, wegen sei­ner Kri­tik am abge­setz­ten hon­du­ra­ni­schen Prä­si­den­ten Zela­ya, der sich ver­fas­sungs­wid­rig eine wei­te­re Amts­zeit ver­schaf­fen woll­te. Zela­ya galt am Ende sei­ner Amts­zeit als Ver­bün­de­ter des vene­zo­la­ni­schen Prä­si­den­ten Hugo Cha­vez. Die „Cha­vi­stas“ unter Euro­pas Links­ex­tre­mi­sten ver­hin­der­ten am ver­gan­ge­nen Frei­tag die Teil­nah­me des Kar­di­nals an einer Podi­ums­dis­kus­si­on zum The­ma „Die Glo­ba­li­sie­rung der Soli­da­ri­tät“ in Ham­burg. Nach mas­si­ven Dro­hun­gen wur­de die Ver­an­stal­tung durch den Ver­an­stal­ter, die katho­li­sche Aka­de­mie der Erz­diö­ze­se Ham­burg, „aus Sicher­heits­grün­den“ abge­sagt.

Bereits in der Ver­gan­gen­heit gab es Situa­tio­nen, in denen der Hei­li­ge Stuhl durch Beru­fun­gen nach Rom das Leben von expo­nier­ten Bischö­fen schütz­te. Dazu gehört der Argen­ti­ni­er Edu­ar­do Kar­di­nal Piro­nio, damals Bischof von Mar del Pla­ta und von 1968 bis 1975 Sekre­tär und dann Vor­sit­zen­der der latein­ame­ri­ka­ni­schen Bischofs­kon­fe­renz. Papst Paul VI. ernann­te ihn zum Prä­fek­ten der Ordens­kon­gre­gra­ti­on, nach­dem sein Leben durch die in Argen­ti­ni­en herr­schen­de Mili­tär­dik­ta­tur bedroht war.

Die Wahl Papst Bene­dikt XVI. scheint auf einen Latein­ame­ri­ka­ner zu fal­len, wobei auch Bischö­fe im Gespräch schei­nen, die noch nicht in den Kar­di­nals­stand erho­ben sind. Zum Schutz Kar­di­nal Rodri­guez Mara­dia­ga könn­ten ande­re Lösun­gen ins Auge gefaßt wer­den.

(Sacri Palazzi/Giuseppe Nar­di, Bild: Sacri Palaz­zi)