England: Hochgebet bei Papstmessen in Latein – Bischöfe als Belastung?

(Lon­don) Die Lit­ur­gie beim bevor­ste­hen­den Pasto­ral­be­such Papst Bene­dikts XVI. in Eng­land und Schott­land scheint zu einem immer kom­pli­zier­te­ren und deli­ka­te­ren Puz­zle mit unkla­rem Aus­gang zu wer­den.

Im tra­di­tio­nell anti­ka­tho­li­schen Eng­land, in dem im Vor­feld der Papst­rei­se von mili­tan­ten Athe­isten und ver­schnupf­ten Angli­ka­nern gegen Rom pole­mi­siert wur­de, füg­ten die  bri­ti­schen Bischö­fe noch einen gro­ßen Image­scha­den hin­zu, der über der Rei­se lastet. Sie leg­ten einen Ein­tritts­preis von 25 Pfund, rund 30 Euro, fest, um an den Papst­got­tes­dien­sten teil­neh­men zu kön­nen. Die Bischö­fe erklä­ren die Sum­me als Unko­sten­bei­trag. Tat­sa­che bleibt jedoch, daß er obli­ga­to­risch ent­rich­tet wer­den muß. Kurz­um: Wer zu einer Hei­li­ge Mes­se des Pap­stes will, muß Ein­tritt bezah­len. Ein Skan­dal, für den die Bischö­fe ver­ant­wort­lich sind, der jedoch dem Papst und der römi­schen Kir­che ange­la­stet wer­den wird. Zudem han­delt es sich um ein pro­ba­tes Mit­tel, um die Men­schen von der Begeg­nung mit dem Papst abzu­hal­ten. Plötz­lich sor­gen sich die bischöf­li­chen Orga­ni­sa­to­ren um aus­rei­chend Got­tes­dienst­be­su­cher. Erfreu­lich ist in die­sem Zusam­men­hang, daß die Sän­ge­rin Sus­an Boyle für den Papst sin­gen wird, wenn es auch scheint, als wäre sie zu einem Teil der Wer­be­kam­pa­gne redu­ziert, um (zah­len­de) Meß­be­su­cher anzu­locken.

Über die ästhe­ti­sche Eig­nung der (teu­ren) Alt­ar­büh­ne, die für die Selig­spre­chung Kar­di­nal New­mans errich­tet wird, lie­ße sich treff­lich strei­ten. Wich­ti­ger sind lit­ur­gi­sche Fra­gen wegen der Vor­bild­funk­ti­on päpst­li­cher Got­tes­dien­ste für die Gesamt­kir­che. Es scheint eine Art lit­ur­gi­scher Klein­krieg aus­ge­bro­chen zu sein. Dami­an Thomp­son berich­tet, daß der Zere­mo­ni­en­mei­ster des Bischofs von Glas­gow sich wei­ge­re, die sechs tra­di­tio­nel­len Kan­de­la­ber auf den Altar zu stel­len, in die­sem Fall sogar sie­ben, da der Papst per­sön­lich zele­briert. Zudem wer­den „außer­or­dent­li­che“ Kom­mu­ni­ons­pen­der rekru­tiert. Wie die Bezeich­nung bereits sagt, sol­len die­se nur in außer­or­dent­li­chen Fäl­len her­an­ge­zo­gen wer­den. Eine sol­che Situa­ti­on ist sicher nicht gege­ben, wo mehr als 400 Prie­ster anwe­send sind.

Bei soviel lit­ur­gi­scher Unklar­heit scheint es den päpst­li­chen Zere­mo­ni­är, Msgr. Gui­do Mari­ni, zur Inter­ven­ti­on gedrängt zu haben mit einem Inter­view, mit dem vom Ratz­in­ge­ria­ner Dami­an Thomp­son gelei­te­ten Catho­lic Herald, der sich in offe­ner Kon­kur­renz zum ande­ren katho­li­schen, aber pro­gres­si­ven Wochen­blatt The Tablet befin­det.

Der Catho­lic Herald bezeich­net Msgr. Mari­ni als „graue Emi­nenz“ wegen sei­ner engen Zusam­men­ar­beit mit dem Hei­li­gen Vater und erin­nert dar­an, daß ein zen­tra­les Ele­ment die­ses Pon­ti­fi­kats gera­de die Wie­der­ent­deckung und Rück­ge­win­nung tra­di­tio­nel­ler Ele­men­te der Hei­li­gen Mes­se ist. Der päpst­li­che Zere­mo­ni­en­mei­ster gab in sei­nem Inter­view bekannt, daß in Glas­gow erst­mals über­haupt die neu­en Über­set­zun­gen des Mis­sa­le Pauls VI. ver­wen­det wer­den. Sie waren Anlaß für hef­ti­ge Pole­mik von pro­gres­si­ver Sei­te vor allem in den USA wegen ihrer geziel­ten wört­li­chen Nähe zum latei­ni­schen Ori­gi­nal und dem Ver­zicht auf die nicht einer gewis­sen Bana­li­tät ent­beh­ren­den salop­pen Spra­che der bis­her gebrauch­ten Über­set­zung aus den 70er Jah­ren, die Msgr. Mari­ni als „über­ha­stet“ bezeich­ne­te. Die Neu­über­set­zung ver­wen­det bewußt eine fei­er­li­che Spra­che. Sie wird mit Advent 2011 in der eng­lisch­spra­chi­gen Welt die bis­he­ri­ge Über­set­zung erset­zen.

Zudem wer­den bei allen Papst­mes­sen wäh­rend der Pasto­ral­rei­se die Präf­a­tio­nen und das Hoch­ge­bet aus­schließ­lich in Latein zele­briert. „Mit dem Gebrauch des Latein will der Hei­li­ge Vater die Uni­ver­sa­li­tät des Glau­bens und der Kon­ti­nui­tät der Kir­che unter­strei­chen. Es ist die Spra­che, die die gesam­te Kir­che eint. Latein ist die Spra­che der katho­li­schen Chri­sten­heit“, so Msgr. Gui­do Mari­ni.

Das Kreuz wird immer auf dem Altar ste­hen und den Mit­tel­punkt des Altars bil­den. „Der Grund dafür liegt dar­in, daß der Papst will, daß Chri­stus das Zen­trum ist. Die gesam­te Dyna­mik wäh­rend der Zele­bra­ti­on der Hei­li­ge Mes­se kon­zen­triert sich dar­auf, daß wir auf Ihn schau­en und nicht uns gegen­sei­tig anschau­en. Die­se Neu­aus­rich­tung liegt Papst Bene­dikt XVI. beson­ders am Her­zen. Er ist sehr froh dar­über, daß die­ser Wunsch beginnt, in der Kir­che Aus­druck zu fin­den.“

(Messainlatino/Giuseppe Nar­di, Bild: stmarystgilesstonystratford.blogspot)