Nach Rüge durch Papst Benedikt XVI. drängte es Kardinal Schönborn nach Rom

(Vati­kan) „Der Angriff von Kar­di­nal Schön­born auf Kar­di­nal Ange­lo Soda­no, Dekan des Kar­di­nals­kol­le­gi­ums, wegen des ‚Falls Gro­er‘ konn­te nicht unge­straft blei­ben“, schreibt Pao­lo Roda­ri, „und blieb auch tat­säch­lich nicht unge­straft. Die Sache muß­te gere­gelt wer­den.“ Kar­di­nal Schön­born wird das Mahn­schrei­ben, das ihm Papst Bene­dikt XV. nach Wien schick­te, wohl nie ver­öf­fent­li­chen. Dafür gab heu­te der Hei­li­ge Stuhl eine offi­zi­el­le Erklä­rung zur gan­zen Sache ab. „Eine Erklä­rung, die mehr aus­sagt, als tau­send Wor­te“, so Roda­ri.
Nach­fol­gend die vati­ka­ni­schen Erklä­rung in deut­scher Über­set­zung:

1) Der Hei­li­ge Vater hat heu­te Kar­di­nal Chri­stoph Schön­born, Erz­bi­schof von Wien und Vor­sit­zen­der der öster­rei­chi­schen Bischofs­kon­fe­renz, emp­fan­gen. Die­ser hat­te dar­um gebe­ten, dem Hei­li­gen Vater per­sön­lich über die der­zei­ti­ge Lage der Kir­che in Öster­reich berich­ten zu dür­fen. Beson­ders woll­te Kar­di­nal Chri­stoph Schön­born den genau­en Sinn sei­ner jüng­sten Erklä­run­gen zu eini­gen Aspek­ten der aktu­el­len kirch­li­chen Dis­zi­plin wie auch eini­ge Beur­tei­lun­gen zur vom Staats­se­kre­ta­ri­at ein­ge­nom­me­nen Hal­tung, im beson­de­ren des dama­li­gen Staats­se­kre­tärs von Papst Johan­nes Paul II., im Zusam­men­hang mit dem betrau­er­ten Kar­di­nal Hans Her­mann Gro­er, Erz­bi­schof von Wien von 1986–1995, klä­ren.

2) Anschlie­ßend wur­den die Kar­di­nä­le Ange­lo Soda­no, Dekan des Kar­di­nal­kol­le­gi­ums und Staats­se­kre­tär Tar­ci­sio Ber­to­ne zum Tref­fen hin­zu­ge­be­ten. Im zwei­ten Teil der Audi­enz wur­den eini­ge sehr ver­brei­te­te Miß­ver­ständ­nis­se, die auf eini­ge Äuße­run­gen Kar­di­nal Chri­stoph Schön­borns zurück­ge­hen, geklärt und gelöst, der sein Bedau­ern über die dar­aus ent­stan­de­nen Inter­pre­ta­tio­nen zum Aus­druck brach­te.

Im beson­de­ren:

a) wird dar­an erin­nert, daß in der Kir­che, wenn es um Anschul­di­gun­gen gegen einen Kar­di­nal geht, die Zustän­dig­keit allein dem Papst zukommt; die ande­ren Instan­zen kön­nen eine bera­ten­de Funk­ti­on haben, immer mit dem not­wen­di­gen Respekt für die Per­so­nen.

b) Das Wort „Geschwätz“ wur­de fälsch­lich als man­geln­der Respekt für die Opfer von sexu­el­lem Miß­brauch inter­pre­tiert, für die Kar­di­nal Ange­lo Soda­no die­sel­ben Gefüh­le des Mit­lei­dens und der Ver­ur­tei­lung des Bösen hegt, wie sie in ver­schie­de­nen Reden des Hei­li­gen Vaters aus­ge­drückt sind. Die­se Wor­te, aus­ge­spro­chen im Oster­gruß an Papst Bene­dikt XVI., waren wört­lich der päpst­li­chen Homi­lie vom Palm­sonn­tag ent­nom­men und bezo­gen sich auf „den Mut, der sich nicht vom Geschwätz der herr­schen­den Mei­nun­gen ein­schüch­tern läßt“.

3) Mit gro­ßem Wohl­wol­len erin­ner­te sich der Hei­li­ge Vater an sei­ne Pasto­ral­rei­se nach Öster­reich und sen­det durch Kar­di­nal Chri­stoph Schön­born sei­nen Gruß und sei­ne Ermu­ti­gung an die Kir­che in Öster­reich und ihre Hir­ten, indem er den Weg einer erneu­er­ten kirch­li­chen Ein­heit dem himm­li­schen Schutz der in Maria­zell so sehr ver­ehr­ten Got­tes­mut­ter Maria anver­traut.

Giu­sep­pe Nar­di, Bild: ACI