Türkei: Der Tod von Bischof Padovese: ein großer Verlust für die katholische Kirche

(Isken­de­run) „Der Tod von Bischof Lui­gi Padove­se ist ein gro­ßer Ver­lust für die katho­li­sche Kir­che in der Tür­kei und für die Welt­kir­che“, so der tür­ki­sche Kapu­zi­ner­pa­ter Har­ry Ley­lek, OfmCap, der im Apo­sto­li­schen Vika­ri­at Ana­to­li­en lebt und ein Mit­bru­der des am gest­ri­gen 3. Juni ermor­de­ten Bischofs ist.

Wie P. Han­ry berich­tet, herrscht in der gan­zen katho­li­schen Glau­bens­ge­mein­schaft in der Tür­kei Trau­er und Bestür­zung. Am mor­gi­gen 5. Juni fin­det in der Kir­che von der Unbe­fleck­ten Emp­fäng­nis in Iskan­der­um die Bei­set­zungs­fei­er statt, der Bischof Rug­ge­ro Fran­ce­schi­ni von Smir­ne, eben­falls Kapu­zi­ner­pa­ter, vor­ste­hen wird.

„Die Men­schen sind zu Trä­nen gerührt und dies gilt auch für vie­le Mus­li­me. Wir haben Bei­leids- und Soli­da­ri­täts­be­kun­dun­gen von über­all­her erhal­ten: aus allen christ­li­chen Glau­bens­ge­mein­schaf­ten in der Tür­kei (Arme­ni­er, Ortho­do­xe, Syrer, usw.) aber auch von den loka­len und natio­na­len zivi­len Behör­den“, so der Kapu­zi­ner­pa­ter wei­ter.

„Bischof Padove­se war mein Bischof und ein gelieb­ter und von allen geschätz­ter Mit­bru­der. Er war zu ein­fa­chen Leu­ten genau­so freund­lich wie zu Regie­rungs­ver­tre­tern. Er war ein außer­ge­wöhn­li­cher Mensch und setz­te sich stets für Dia­log und Aus­söh­nung ein. Er war ein Exper­te der Patri­stik und ein sehr intel­lek­tu­el­ler Mensch, doch er pfleg­te auch stets die für den Fran­zis­ka­ner­or­den typi­sche Beschei­den­heit und Demut. Wir kön­nen es noch gar nicht glau­ben, daß er nicht mehr da ist und sein Tod schmerzt uns sehr. Er fehlt uns heu­te schon!“.

Zur heu­ti­gen Lage der Chri­sten in der Tür­kei sagt P. Han­ry: „Seit dem Tod von Pfar­rer Andrea San­to­ro hat es vie­le posi­ti­ve Ver­än­de­run­gen gege­ben. Auch wenn die Regie­rung in der Hand mus­li­mi­scher Par­tei­en ist, gab es in den ver­gan­ge­nen Jah­ren eine schritt­wei­se Öff­nung gegen­über den Chri­sten und ihren Rech­ten. Heu­te kann man über die Fra­ge des kirch­li­chen Besitz­tums und der juri­di­schen Per­sön­lich­keit spre­chen und dabei sind höch­ste poli­ti­sche Füh­rungs­kräf­te zur Begeg­nung mit Bischö­fen und ande­ren Kir­chen­ver­tre­tern bereit“.

In die­sem Zusam­men­hang erin­nert P. Han­ry auch an „die Kir­che des hei­li­gen Pau­lus in Isken­de­run, die ver­staat­licht als Kino genutzt wur­de und seit letz­ter Woche wie­der als Got­tes­haus benutzt wird und von der syrisch-katho­li­schen Gemein­de neu ein­ge­weiht wur­de.“

Bischof Padove­se gehör­te zur Gemein­schaft jener Fran­zis­ka­ner in der Tür­kei, die dort bereits seit über 150 Jah­ren tätig sind. Und heu­te eine Pfar­rei in Yes­il­köy (bei Istan­bul), in Mer­sin und in Antio­chia betreu­en und mit dem Hei­lig­tum Mery­em Ana in Ephe­sus prä­sent sind.

Die Fran­zis­ka­ner, „leben und arbei­ten beschei­den, freu­dig, ein­fach so wie es dem Cha­ris­ma des hei­li­gen Franz von Assi­si ent­spricht. Sie enga­gie­ren sich für eine offe­nen Dia­log im Zei­chen der Soli­da­ri­tät und der Freund­schaft und des Respekts gegen­über den Mit­men­schen zur Ver­kün­di­gung der Froh­bot­schaft vor allem durch das eige­ne Leben“.

Mit rund 115 Gläu­bi­gen machen die Chri­sten in der Tür­kei heu­te rund 0,15% der Bevöl­ke­rung aus. Christ­li­che Gläu­bi­ge gibt es vor allem in Istan­bul, Smir­ne und Mer­sin. Ins­ge­samt leben in der Tür­kei rund 30.000 Katho­li­ken, vor allem des latei­ni­schen, arme­ni­schen , syri­schen und chaldäi­schen Ritus.

(Fides)