Ein unwahrscheinliches Mea culpa

Der bekann­te Vati­ka­nist Pao­lo Roda­ri, der für die Tages­zei­tung Il Foglio über die katho­li­sche Kir­che berich­tet, ver­öf­fent­lich­te auf sei­ner Inter­net­sei­te einen Kom­men­tar zum unter media­lem Erwar­tungs­druck ste­hen­den Mea cul­pa wegen sexu­el­ler Miß­brauchs­fäl­le durch eini­ge Prie­ster, das Papst Bene­dikt XVI. für die Kir­che aus­spre­chen soll­te.

Die Aus­sa­gen von Kar­di­nal Wil­liam Leva­da, dem Prä­fek­ten der Glau­bens­kon­gre­ga­ti­on vom Diens­tag haben mich erstaunt. In einem Inter­view, das er dem ame­ri­ka­ni­schen Sen­der PBS gab (sie­he voll­stän­di­ges Inter­view), sag­te Msgr. Leva­da, er hal­te es für mög­lich, daß der Papst im Juni zum Abschluß des Prie­ster­jah­res im Zusam­men­hang mit den pädo­phi­len Prie­stern im Namen der Kir­che einen Akt der Reue setzt. „Ich bin kein guter Pro­phet“, sag­te Kar­di­nal Leva­da. „Der Papst ist der Papst und ich bin der Lei­ter die­ser Kon­gre­ga­ti­on. Ich sage ihm alles, was ich mache, er sagt mir aber nicht alles, was er vor­hat. Des­halb gilt es abzu­war­ten, aber es wür­de mich nicht ver­wun­dern.“

Leva­da ist sicher bes­ser infor­miert als ich, wenn er also sagt, es ist mög­lich, daß der Papst ein Mea cupa für die pädo­phi­len Prie­ster aus­spricht, muß man ihm glau­ben. Den­noch erscheint mir die Sache sehr unwahr­schein­lich. Bene­dikt XVI. scheint mir nicht ein Papst der Mea Cul­pa zu sein. Und zudem ver­ste­he ich nicht: reicht nicht der Brief an die Katho­li­ken Irlands? Reicht nicht die Ver­öf­fent­li­chung des Doku­ments von 2003, das die seit eini­gen Jah­ren gel­ten­den Vor­ge­hens­wei­sen der katho­li­schen Kir­che bei sexu­el­len Miß­brauchs­fäl­len zusam­men­faßt?

Als ein­fa­cher Beob­ach­ter der vati­ka­ni­schen Ange­le­gen­hei­ten sage ich, daß die Gefahr besteht, daß nie nichts reicht. Und je mehr der Papst sagt, desto mehr wird man von ihm an wei­te­ren Erklä­run­gen ver­lan­gen.

(Palaz­zo Apostolico/GN)