Der Hirtenbrief des Papstes an die Kirche in Irland

Wir doku­men­tie­ren in einer Arbeits­über­set­zung von Radio Vati­kan den Brief des Pap­stes an die katho­li­sche Kir­che Irlands:

Hir­ten­brief
Des Hei­li­gen Vaters
Papst Bene­dikt XVI.
An die Katho­li­ken in Irland

1. Lie­be Schwe­stern und Brü­der, mit gro­ßer Sor­ge schrei­be ich euch als Hirt der welt­wei­ten Kir­che. Wie Euch haben auch mich die Infor­ma­tio­nen über den Miß­brauch an Kin­dern und Schutz­be­foh­le­nen durch Mit­glie­der der Kir­che Irlands, beson­ders durch Prie­ster und Ordens­leu­te, sehr beun­ru­higt. Ich kann die Bestür­zung und das Gefühl des Ver­trau­ens­bruchs nur tei­len, das so vie­le von euch beim Erfah­ren die­ser sünd­haf­ten und kri­mi­nel­len Taten und der Art der Auto­ri­tä­ten der Kir­che, damit umzu­ge­hen, erfah­ren haben.

Wie ihr wißt, habe ich erst kürz­lich die iri­schen Bischö­fe zu einem Tref­fen hier in Rom ein­ge­la­den, daß sie über ihren Umgang mit die­sen Ange­le­gen­hei­ten in der Ver­gan­gen­heit berich­ten und um die Schrit­te auf­zu­zei­gen, die sie unter­nom­men haben, um auf die­se schwer­wie­gen­de Situa­ti­on zu reagie­ren. Gemein­sam mit höhe­ren Ver­ant­wort­li­chen der römi­schen Kurie habe ich gehört, was sie, sowohl ein­zeln als auch als Grup­pe, zu der Ana­ly­se der began­ge­nen Feh­ler und der gelern­ten Lek­tio­nen, als auch in der Dar­stel­lung der Pro­gram­me und jetzt gel­ten­den Richt­li­ni­en zu sagen hat­ten. Unse­re Dis­kus­sio­nen waren offen und kon­struk­tiv. Ich bin zuver­sicht­lich, daß resul­tie­rend aus die­sen Gesprä­chen die Bischö­fe nun bes­ser in der Lage sind, die Auf­ga­be zu über­neh­men, die ver­gan­ge­nen Unge­rech­tig­kei­ten wie­der gut zu machen und das wei­ter­ge­hen­de The­ma des Miß­brauchs an Min­der­jäh­ri­gen in einer Wei­se anzu­ge­hen, die den Anfor­de­run­gen der Justiz und der Leh­re des Evan­ge­li­ums ent­spricht.

2. Die Schwe­re der Ver­ge­hen und die oft­mals unan­ge­mes­se­nen Reak­ti­on der kirch­li­chen Auto­ri­tä­ten in eurem Land erwä­gend habe ich ent­schie­den, die­sen Hir­ten­brief zu schrei­ben, um mei­ne Nähe zu euch aus­zu­drücken und einen Weg der Hei­lung, der Erneue­rung und der Wie­der­gut­ma­chung vor­zu­schla­gen.

Wie vie­le in Eurem Land betont haben: es ist wahr, daß das Pro­blem des Miß­brauchs von Kin­dern weder ein rein iri­sches noch ein rein kirch­li­ches ist. Trotz­dem ist Eure Auf­ga­be nun, das Pro­blem des Miß­brauchs auf­zu­ar­bei­ten, das in der iri­schen katho­li­schen Gemein­schaft ent­stan­den ist, und dies mit Mut und Bestimmt­heit zu tun. Nie­mand erwar­tet, daß die­se schmerz­haf­te Situa­ti­on sich schnell lösen läßt. Wirk­li­cher Fort­schritt ist gemacht wor­den, aber es bleibt noch viel zu tun. Durch­hal­te­ver­mö­gen und Gebet sind nötig, mit gro­ßem Ver­trau­en in die hei­len­de Kraft der Gna­de Got­tes.

Gleich­zei­tig muß ich aber auch mei­ne Über­zeu­gung mit­tei­len, daß die Kir­che in Irland, um von die­ser tie­fen Wun­de zu gene­sen, die schwe­re Sün­de gegen schutz­lo­se Kin­der vor Gott und vor ande­ren offen zuge­ben muß. Solch eine Aner­ken­nung, beglei­tet durch ern­ste Reue für die Ver­let­zung die­ser Opfer und ihrer Fami­li­en, muß zu einer gemein­sa­men Anstren­gung füh­ren, um den Schutz von Kin­dern vor ähn­li­chen Ver­bre­chen in der Zukunft sicher zu stel­len.

Da Ihr nun die Her­aus­for­de­run­gen des Augen­blicks auf euch nehmt bit­te ich euch, „blickt auf den Fel­sen, aus dem ihr her­aus­ge­hau­en seid“ (Jesa­ja 51:1). Bedenkt den groß­her­zi­gen und oft heroi­schen Bei­trag, den ver­gan­ge­ne Genera­tio­nen iri­scher Män­ner und Frau­en für die Kir­che und die gan­ze Mensch­heit gelei­stet haben. Laßt Euch das Ansporn sein für eine ehr­li­che Selbst­be­trach­tung und ein enga­gier­tes Pro­gramm kirch­li­cher und per­sön­li­cher Erneue­rung. Ich bete dafür, daß die Kir­che in Irland, durch den Bei­stand der vie­len Hei­li­gen und gerei­nigt durch Reue, die augen­blick­li­che Kri­se über­win­det und erneut ein Zeu­ge für die Wahr­heit und die Güte des all­mäch­ti­gen Got­tes wird, die sich zeigt in sei­nem Sohn Jesus Chri­stus.

3. In der Geschich­te waren die Katho­li­ken Irlands immer eine star­ke Kraft für das Gute, in der Hei­mat und außer­halb. Kel­ti­sche Mön­che wie der hei­li­ge Kolum­ban haben das Evan­ge­li­um in West­eu­ro­pa ver­brei­tet und das Fun­da­ment für die mit­tel­al­ter­li­che Klo­ster­kul­tur gelegt. Die Idea­le von Hei­lig­keit, Näch­sten­lie­be und tran­szen­den­ter Weis­heit, gebo­ren aus dem christ­li­chen Glau­ben, fan­den ihren Aus­druck in den Kir­chen und Klö­stern, in den Schu­len, Biblio­the­ken und Hospi­tä­lern, die alle dar­an mit­wirk­ten, die gei­sti­ge Iden­ti­tät Euro­pas zu festi­gen. Die­se iri­schen Mis­sio­na­re haben ihre Stär­ke aus dem festen Glau­ben, der star­ken Lei­tung und der auf­rech­tem Ver­hal­ten der Kir­che in ihrem Mut­ter­land gewon­nen.

Begin­nend mit dem 16. Jahr­hun­dert haben die Katho­li­ken in Irland eine lan­ge Zeit der Ver­fol­gung erdul­den müs­sen, wäh­rend derer sie sich müh­ten, die Flam­me des Glau­bens unter gefähr­li­chen und schwie­ri­gen Umstän­den leben­dig zu hal­ten. Der Hei­li­ge Oli­ver Plunkett, der Mär­tyrer­bi­schof von Armagh, ist das berühm­te­ste Bei­spiel einer gan­zen Schar von muti­gen Söh­nen und Töch­tern Irlands, die bereit waren, ihr Leben aus Treue zum Evan­ge­li­um hin­zu­ge­ben. Nach der katho­li­schen Eman­zi­pa­ti­on war die Kir­che frei, neu zu wach­sen. Fami­li­en und zahl­lo­se Ein­zel­ne, die den Glau­ben in Zei­ten der Prü­fung erhal­ten haben, wur­den zum Aus­lö­ser für das gro­ße Wie­der­auf­le­ben des iri­schen Katho­li­zis­mus im 19. Jahr­hun­dert. Die Kir­che bot Bil­dung, beson­ders für die Armen, und lei­ste­te dadurch ihren Bei­trag zur Gesell­schaft Irlands. Zu den Früch­ten des Wach­sens der neu­en katho­li­schen Schu­len gehör­te eine Zunah­me in Beru­fun­gen: Genera­tio­nen von Mis­sio­na­ren, Schwe­stern und Brü­dern, haben ihr Hei­mat­land ver­las­sen um auf allen Kon­ti­nen­ten zu die­nen, beson­ders in der eng­lisch­spra­chi­gen Welt. Bemer­kens­wert waren nicht nur ihre gro­ße Zahl, son­dern auch die Stär­ke ihres Glau­bens und die Stand­haf­tig­keit ihres pasto­ra­len Enga­ge­ments. Vie­le Bis­tü­mer, beson­ders in Afri­ka, Ame­ri­ka und Austra­li­en, haben von der Prä­senz iri­scher Geist­li­cher und Ordens­leu­te pro­fi­tiert, die das Evan­ge­li­um ver­kün­de­ten und Pfar­rei­en, Schu­len, Uni­ver­si­tä­ten und Kran­ken­häu­ser grün­de­ten, die sowohl den Katho­li­ken als auch der gesam­ten Gesell­schaft dien­ten, mit beson­de­rem Augen­merk auf die Bedürf­nis­se der Armen.
In fast jeder Fami­lie in Irland gibt es jeman­den – einen Sohn oder eine Toch­ter, einen Onkel oder eine Tan­te – der sein Leben der Kir­che gege­ben hat. Iri­sche Fami­li­en wür­di­gen und schät­zen zu Recht die Ihren, die ihr Leben Chri­stus geweiht haben, die das Geschenk des Glau­bens mit ande­ren Tei­len und aus die­sem Glau­ben Taten fol­gen las­sen, in lie­ben­dem Dienst an Gott und dem Näch­sten.

4. In den ver­gan­ge­nen Deka­den hat­te die Kir­che in Eurem Land jedoch neue und schwe­re Her­aus­for­de­run­gen für den Glau­ben durch die rasche Trans­for­ma­ti­on und Säku­la­ri­sie­rung der iri­schen Gesell­schaft zu bestehen. Der schnelllebi­ge sozia­le Wan­del hat oft genug das tra­di­tio­nel­le Fest­hal­ten der Men­schen an den katho­li­schen Leh­ren und Wer­ten beein­träch­tigt. Viel zu oft wur­den die sakra­men­ta­len und andäch­ti­gen Gebräu­che ver­nach­läs­sigt, die den Glau­ben erhal­ten und ihm erlau­ben, zu wach­sen, wie etwa die regel­mä­ßi­ge Beich­te, das täg­li­che Gebet und jähr­li­che Ein­kehr­ta­ge. Bedeut­sam war wäh­rend die­ser Zeit eben­falls die Ten­denz vie­ler Prie­ster und Ordens­leu­te, Wei­sen des Den­kens und der Ein­schät­zung säku­la­rer Rea­li­tä­ten ohne aus­rei­chen­den Bezug zum Evan­ge­li­um zu über­neh­men. Das Pro­gramm der Erneue­rung, daß das Zwei­te Vati­ka­ni­sche Kon­zil vor­ge­legt hat, wur­de häu­fig falsch gele­sen; im Licht des tie­fen sozia­len Wan­dels war es schwer, die rich­ti­gen Wei­sen der Umset­zung zu fin­den. Es gab im Beson­de­ren die wohl­mei­nen­de aber fehl­ge­lei­te­te Ten­denz, Stra­fen für kano­nisch irre­gu­lä­re Umstän­de zu ver­mei­den. In die­sem Gesamt­kon­text müs­sen wir das ver­stö­ren­de Pro­blem des sexu­el­len Miß­brauchs von Kin­dern zu ver­ste­hen ver­su­chen, das nicht wenig zur Schwä­chung des Glau­bens und dem Ver­lust des Respekts vor der Kir­che und ihre Leh­ren bei­getra­gen hat.

Nur durch sorg­fäl­ti­ge Prü­fung der vie­len Fak­to­ren die zum Ent­ste­hen der augen­blick­li­chen Kri­se geführt haben kann eine kla­re Dia­gno­se ihrer Grün­de unter­nom­men und kön­nen wir­kungs­vol­le Abhil­fe­maß­nah­men gefun­den wer­den. Sicher­lich kön­nen wir zu den ent­schei­den­den Fak­to­ren hin­zu­zäh­len: unan­ge­mes­se­ne Ver­fah­ren zur Fest­stel­lung der Eig­nung von Kan­di­da­ten für das Prie­ster­amt und das Ordens­le­ben; nicht aus­rei­chen­de mensch­li­che, mora­li­sche, intel­lek­tu­el­le und geist­li­che Aus­bil­dung in Semi­na­ri­en und Novi­zia­ten; eine Ten­denz in der Gesell­schaft, den Kle­rus und ande­re Auto­ri­tä­ten zu favo­ri­sie­ren; und eine fehl­ge­lei­te­te Sor­ge für den Ruf der Kir­che und die Ver­mei­dung von Skan­da­len, die zum Ver­sa­gen in der Anwen­dung bestehen­der kano­ni­scher Stra­fen und im Schutz der Wür­de jeder Per­son geführt hat. Es muß drin­gend gehan­delt wer­den um die­se Fak­to­ren anzu­ge­hen, die so tra­gi­sche Kon­se­quen­zen in den Leben von Opfern und ihrer Fami­li­en hat­ten und die das Licht des Evan­ge­li­ums in einer sol­chen Wei­se ver­dun­kelt haben, wie es noch nicht ein­mal Jahr­hun­der­ten der Ver­fol­gung gelun­gen ist.

5. Bereits mehr­fach seit mei­ner Wahl auf den Stuhl Petri habe ich Opfer sexu­el­len Miß­brauchs getrof­fen und ich bin bereit, das auch in Zukunft zu tun. Ich habe mit ihnen zusam­men geses­sen, habe ihre Geschich­ten gehört, ihr Lei­den wahr­ge­nom­men und ich habe mit ihnen und für sie gebe­tet. Schon frü­her in mei­nem Pon­ti­fi­kat habe ich in mei­ner Sor­ge die­se Fra­ge anzu­spre­chen, die Bischö­fe Irlands auf­ge­for­dert, „die Wahr­heit des­sen, was in der Ver­gan­gen­heit gesche­hen ist, fest­zu­stel­len, jede not­wen­di­ge Maß­nah­me zu ergrei­fen, damit das nie wie­der gesche­hen kann, sicher­zu­stel­len, daß die Vor­ga­ben der Justiz voll ein­ge­hal­ten wer­den und, am wich­tig­sten, den Opfern und allen von die­sen unge­heu­er­li­chen Ver­bre­chen Betrof­fe­nen Hei­lung zu brin­gen“ (Anspra­che an die Bischö­fe von Irland wäh­rend des Ad Limi­na Besuchs, 28. Okto­ber 2006).

Mit die­sem Brief möch­te ich euch alle, das Volk Got­tes in Irland, ermah­nen, die Wun­den am Kör­per Chri­sti zu betrach­ten. Betrach­tet aber auch die manch­mal schmerz­haf­ten Heil­mit­tel, die wir brau­chen, um die­se Wun­den zu bin­den und zu hei­len, und eben­falls die Not­wen­dig­keit der Ein­heit, der Näch­sten­lie­be und der gegen­sei­ti­gen Unter­stüt­zung in einem lang­wie­ri­gen Pro­zeß der Wie­der­her­stel­lung und kirch­li­cher Erneue­rung. Ich wen­de mich nun an euch mit Wor­ten, die von Her­zen kom­men und ich möch­te zu euch ein­zeln und zu euch allen gemein­sam als Brü­der und Schwe­stern im Herrn spre­chen.

6. An die Opfer des Miß­brauchs und ihre Fami­li­en
Ihr habt viel gelit­ten und ich bedau­re das auf­recht. Ich weiß, daß nichts das Erlit­te­ne unge­sche­hen machen kann. Euer Ver­trau­en wur­de ver­ra­ten und eure Wür­de wur­de ver­letzt. Vie­le von Euch muß­ten erfah­ren, daß, als Ihr den Mut gefun­den habt, über das zu spre­che, was euch zuge­sto­ßen ist, Euch nie­mand zuge­hört hat. Die­je­ni­gen von euch, denen das in Wohn­hei­men und Inter­na­ten gesche­hen ist, müs­sen gefühlt haben, daß es kein Ent­kom­men gibt aus Eurem Leid. Es ist ver­ständ­lich, daß es schwer für Euch ist, der Kir­che zu ver­ge­ben oder sich mit ihr zu ver­söh­nen. Im Namen der Kir­che drücke ich offen die Schan­de und die Reue aus, die wir alle füh­len. Gleich­zei­tig bit­te ich Euch, die Hoff­nung nicht auf­zu­ge­ben. In der Gemein­schaft der Kir­che begeg­nen wir Chri­stus, der selbst ein Opfer von Unge­rech­tig­keit und Sün­de war. Wie ihr trägt er immer noch die Wun­den sei­nes eige­nen unge­rech­ten Lei­dens. Er ver­steht die Tie­fe eures Lei­des und die fort­dau­ern­den Aus­wir­kun­gen auf Euer Leben und Eure eige­nen Bezie­hun­gen, ein­ge­schlos­sen Eure Bezie­hung zur Kir­che. Ich weiß, daß es eini­gen von euch schwer fällt durch die Türen der Kir­che zu gehen nach allem, was pas­siert ist. Aber Chri­sti eige­ne Wun­den, ver­wan­delt durch sein erlö­sen­des Lei­den, sind der Weg, durch den die Macht des Bösen gebro­chen wird und wir zu Leben und Hoff­nung wie­der­ge­bo­ren sind. Ich glau­be zutiefst, daß die­se hei­len­de Kraft der auf­op­fern­den Lie­be Befrei­ung und die Ver­hei­ßung eines Neu­an­fangs bringt – sogar in den dun­kel­sten und hoff­nungs­lo­se­sten Situa­tio­nen.

Ich spre­che zu Euch als Hir­te, der sich um das Wohl aller Kin­der Got­tes sorgt und bit­te Euch, zu beden­ken, was ich gesagt habe. Ich bete, daß durch die Annä­he­rung an Chri­stus und durch die Teil­nah­me am Leben sei­ner Kir­che – einer Kir­che gerei­nigt durch Buße und erneu­ert in Näch­sten­lie­be – Ihr die uner­meß­li­che Lie­be Chri­sti für jeden von Euch wie­der­ent­decken könnt. Ich bin zuver­sicht­lich, daß Ihr auf die­se Wei­se Ver­söh­nung, tie­fe inne­re Hei­lung und Frie­den fin­den könnt.

7. An die Prie­ster und Ordens­leu­te, die Kin­der miß­braucht haben
Ihr habt das Ver­trau­en, das von unschul­di­gen jun­gen Men­schen und ihren Fami­li­en in Euch gesetzt wur­de, ver­ra­ten und Ihr müßt Euch vor dem all­mäch­ti­gen Gott und vor den zustän­di­gen Gerich­ten dafür ver­ant­wor­ten. Ihr habt die Ach­tung der Men­schen Irlands ver­spielt und Schan­de und Uneh­re auf Eure Mit­brü­der gebracht. Die Prie­ster unter Euch haben die Hei­lig­keit des Wei­he­sa­kra­ments ver­letzt, in dem Chri­stus sich selbst in uns und unse­ren Hand­lun­gen gegen­wär­tig macht. Gemein­sam mit dem immensen Leid, das Ihr den Opfern ange­tan habt, wur­de die Kir­che und die öffent­li­chen Wahr­neh­mung des Prie­ster­tums und des Ordens­le­ben beschä­digt.

Ich mah­ne Euch, Euer Gewis­sen zu erfor­schen, Ver­ant­wor­tung für die began­ge­nen Sün­den zu über­neh­men und demü­tig Euer Bedau­ern aus­zu­drücken. Ehr­li­che Reue öff­net die Tür zu Got­tes Ver­ge­bung und die Gna­de ehr­li­cher Bes­se­rung. Durch Gebet und Buße für die, denen Ihr Unrecht getan habt, sollt ihr per­sön­lich für Euer Han­deln Süh­ne lei­sten. Chri­sti erlö­sen­des Opfer hat die Kraft, sogar die größ­te Sün­de zu ver­ge­ben und Gutes sogar aus dem schlimm­sten Übel wach­sen zu las­sen. Gleich­zei­tig ruft uns Got­tes Gerech­tig­keit dazu auf, Rechen­schaft über unse­re Taten abzu­le­gen und nichts zu ver­heim­li­chen. Erkennt Eure Schuld öffent­lich an, unter­werft Euch der Recht­spre­chung, aber ver­zwei­felt nicht an der Gna­de Got­tes.

8. An die Eltern
Ihr seid zutiefst ent­setzt über die furcht­ba­ren Din­ge, die an den Orten statt­ge­fun­den haben, die eigent­lich die sicher­sten und sor­gen­freie­sten Orte hät­te sein sol­len. Es ist heu­te nicht ein­fach, ein Zuhau­se zu bil­den und Kin­der zu erzie­hen. Sie ver­die­nen es, sicher auf­zu­wach­sen, geliebt und geschätzt mit einem star­ken Gefühl ihrer Iden­ti­tät und ihres Wer­tes. Sie haben das Recht, mit authen­ti­schen mora­li­schen Wer­ten erzo­gen zu wer­den, zutiefst in der Men­schen­wür­de ver­an­kert. Sie haben das Recht, inspi­riert zu wer­den durch die Wahr­heit unse­res katho­li­schen Glau­bens und Wei­sen des Ver­hal­tens und Han­delns zu erler­nen, die zu einem gesun­den Selbst­wert und zu dau­er­haf­tem Glück füh­ren. Die­se noble aber auch anspruchs­vol­le Auf­ga­be ist zual­ler­erst Euch anver­traut, den Eltern. Ich bit­te Euch drin­gend, Eure Rol­le bei der Gewähr­lei­stung der besten mög­li­chen Für­sor­ge für die Kin­der sowohl zu Hau­se als auch in der Gesell­schaft zu spie­len, wäh­rend die Kir­che ihre Rol­le wahr­nimmt und wei­ter die Maß­nah­men der letz­ten Jah­re umsetzt um jun­ge Men­schen in Pfar­rei­en und Schu­len zu schüt­zen. Wäh­rend Ihr Eure lebens­wich­ti­ge Ver­ant­wor­tung wahr­nehmt möch­te ich Euch ver­si­chern, daß ich Euch nahe bin und die Unter­stüt­zung mei­ner Gebe­te anbie­te.

9. An die Kin­der und die Jugend Irlands
Euch möch­te ich ganz beson­ders ermu­ti­gen. Eure Erfah­rung der Kir­che ist sehr unter­schied­lich von der Eurer Eltern und Groß­el­tern. Die Welt hat sich sehr geän­dert seit sie in Eurem Alter waren. Trotz­dem sind alle Men­schen aller Genera­tio­nen dazu beru­fen, den­sel­ben Weg durchs Leben zu gehen, gleich unter wel­chen Umstän­den. Wir sind alle skan­da­li­siert von den Sün­den und dem Ver­sa­gen von eini­gen Mit­glie­dern der Kir­che, beson­ders durch die derer, die eigens dazu aus­ge­sucht waren, jun­gen Men­schen zu die­nen und sie anzu­lei­ten. Aber es ist die Kir­che, in der Ihr Chri­stus fin­det, der der­sel­be ist, gestern, heu­te und mor­gen (Hebrä­er­brief 13:8). Er liebt Euch und er hat sich am Kreuz für Euch hin­ge­ge­ben. Sucht eine per­sön­li­che Bezie­hung zu ihm in der Gemein­schaft der Kir­che, denn er wird nie Euer Ver­trau­en miß­brau­chen! Er allein kann Eure tief­sten Sehn­süch­te erfül­len und Eurem Leben den vol­len Sinn geben dadurch, daß er es zum Dienst am Näch­sten lenkt. Hal­tet Eure Augen auf Jesus und sei­ne Güte gerich­tet und schützt die Flam­me des Glau­bens in Eurem Her­zen. Gemein­sam mit den übri­gen Gläu­bi­gen in Irland sehe ich in Euch treue Jün­ger unse­res Herrn; bringt den nöti­gen Enthu­si­as­mus und Idea­lis­mus zum Neu­auf­bau und der Erneue­rung Eurer gelieb­ten Kir­che.

10. An die Prie­ster und Ordens­leu­te in Irland
Wir alle lei­den als Fol­ge der Sün­den unse­rer Mit­brü­der, die das hei­li­ge Ver­trau­en miß­braucht haben oder ver­sagt haben, gerecht und ver­ant­wor­tungs­voll mit den Miß­brauchs­vor­wür­fen umzu­ge­hen. In der Wut und der Empö­rung die das alles nicht nur unter den Gläu­bi­gen son­dern auch unter Euch und in den Ordens­ge­mein­schaf­ten her­vor­ge­ru­fen hat, füh­len sich vie­le von Euch mut­los oder sogar ver­las­sen. Mir ist eben­falls bewußt, daß in den Augen vie­ler Ihr durch die Nähe zu den Tätern einen Makel tragt und als irgend­wie ver­ant­wort­lich für die Ver­bre­chen ande­rer gese­hen wer­det. In die­ser schmerz­li­chen Zeit möch­te ich Eure Hin­ga­be an das Prie­ster­tum und das Apo­sto­lat wür­di­gen und Euch ein­la­den, Euren Glau­ben in Chri­stus zu festi­gen, Eure Lie­be zu sei­ner Kir­che und Euer Ver­trau­en in die Ver­hei­ßung des Evan­ge­li­ums auf Erlö­sung, Ver­ge­bung und inne­re Erneue­rung. Auf die­se Wei­se wer­det ihr auf­zei­gen, daß da, wo die Sün­de mäch­tig wur­de, die Gna­de über­groß wur­de (Römer­brief 5:20).

Ich weiß, daß vie­le von Euch von der Art und Wei­se, wie die­se Din­ge von Euren Obe­ren behan­delt wur­den, ent­täuscht, ver­wirrt und ver­är­gert sind. Trotz­dem ist es wesent­lich, daß Ihr eng mit den Auto­ri­tä­ten koope­riert und helft, daß die Maß­nah­men zur Bewäl­ti­gung der Kri­se wirk­lich dem Evan­ge­li­um gemäß, gerecht und effek­tiv sind. Vor allem aber bit­te ich Euch, immer mehr Män­ner und Frau­en des Gebets zu wer­den, die mutig dem Weg der Bekeh­rung, Rei­ni­gung und Ver­söh­nung gehen. Auf die­se Wei­se wird die Kir­che in Irland neu­es Leben und neue Dyna­mik aus Eurem Zeug­nis für Got­tes erlö­sen­de Kraft, die in Eurem Leben sicht­bar wird, schöp­fen.

11. An mei­ne Mit­brü­der im Bischofs­amt
Es kann nicht geleug­net wer­den, daß eini­ge von Euch und von Euren Vor­gän­gern bei der Anwen­dung der seit lan­gem bestehen­den Vor­schrif­ten des Kir­chen­rechts zu sexu­el­lem Miß­brauch von Kin­dern ver­sagt haben. Schwe­re Feh­ler sind bei der Behand­lung von Vor­wür­fen gemacht wor­den. Ich erken­ne an, daß es schwer war, die Kom­ple­xi­tät und das Aus­maß des Pro­blems zu erken­nen, gesi­cher­te Infor­ma­tio­nen zu erlan­gen und die rich­ti­gen Ent­schei­dun­gen bei wider­sprüch­li­chen Exper­ten­mei­nun­gen zu tref­fen. Trotz­dem muß zuge­ge­ben wer­den, daß schwer­wie­gen­de Fehl­ur­tei­le getrof­fen wur­den und Feh­ler in der Lei­tung vor­ka­men. Dies alles hat Eure Glaub­wür­dig­keit und Effek­ti­vi­tät unter­gra­ben. Ich erken­ne Eure Bemü­hun­gen an, ver­gan­ge­ne Feh­ler wie­der gut zu machen und zu garan­tie­ren, daß sie nicht wie­der pas­sie­ren. Abge­se­hen von der voll­stän­di­gen Umset­zung der Nor­men des Kir­chen­rechts im Umgang mit Fäl­len von Kin­des­miß­brauch: koope­riert wei­ter mit den staat­li­chen Behör­den in ihrem Bereich. Für die Ordens­obe­ren gilt das­sel­be. Sie haben eben­falls an Dis­kus­sio­nen hier in Rom teil­ge­nom­men, um einen ein­deu­ti­gen und kla­ren Weg zum Umgang in die­ser Ange­le­gen­heit zu ent­wickeln. Es ist zwin­gend erfor­der­lich, daß die Nor­men der Kir­che in Irland zum Schutz von Kin­dern kon­ti­nu­ier­lich über­prüft und aktua­li­siert wer­den und daß sie voll­stän­dig und unab­hän­gig in Über­ein­stim­mung mit dem Kir­chen­recht ange­wandt wer­den.

Aus­schließ­lich ent­schie­de­ne Hand­lungs­wei­sen, umge­setzt in vol­ler Auf­rich­tig­keit und Trans­pa­renz, wird den Respekt und den guten Wil­len des iri­schen Volks der Kir­che gegen­über, der wir unser Leben geweiht habt, wie­der­ge­win­nen. Das muß zual­ler­erst aus Eurer Selbst­er­for­schung, aus inne­rer Rei­ni­gung und geist­li­cher Erneue­rung kom­men. Die Men­schen Irlands erwar­ten zu Recht, daß Ihr Men­schen Got­tes seid, daß Ihr gott­ge­fäl­lig und ein­fach lebt und täg­lich die per­sön­li­che Bekeh­rung erstrebt. Für sie – in den Wor­ten des hei­li­gen Augu­sti­nus – seid Ihr Bischof; aber gemein­sam mit ihnen seid Ihr beru­fen, Chri­stus nach­zu­fol­gen (Ser­mon 340, 1). Ich ermah­ne Euch des­we­gen, Euren Sinn für die Rechen­schafts­pflicht vor Gott zu erneu­ern, in der Soli­da­ri­tät mit Eurem Volk zu wach­sen und die pasto­ra­le Sor­ge für alle Mit­glie­der Eurer Her­de zu ver­tie­fen. Beson­ders for­de­re ich Euch auf, acht­sam zu sein für die geist­li­chen und mora­li­schen Bedürf­nis­se jedes ein­zel­nen Eurer Prie­ster. Gebt ihnen durch Euer eige­nes Leben ein Bei­spiel, seit ihnen nahe, hört auf ihre Anlie­gen, bie­tet Ermu­ti­gung in die­ser schwie­ri­gen Zeit und nährt die Flam­me ihrer Lie­be zu Chri­stus und ihr Enga­ge­ment für den Dienst an ihren Brü­dern und Schwe­stern.

Die Gläu­bi­gen sol­len eben­falls ermu­tigt wer­den, ihre eige­ne Rol­le im Leben der Kir­che zu spie­len. Sorgt dafür, daß sie so aus­ge­bil­det sind, daß sie eine ver­ständ­li­che und über­zeu­gen­de Dar­stel­lung des Evan­ge­li­ums in mit­ten der moder­nen Gesell­schaft geben kön­nen (1. Petrus­brief 3:15) und voll­stän­di­ger mit dem Leben und dem Auf­trag der Kir­che koope­rie­ren. Dies wird umge­kehrt Euch hel­fen, wie­der glaub­wür­di­ge Obe­re und Zeu­gen der erlö­sen­den Wahr­heit Chri­sti zu wer­den.

12. An alle Gläu­bi­gen Irlands
Die Erfah­rung der Kir­che eines jun­gen Men­schen soll­te immer aus einer per­sön­li­chen und Leben spen­den­den Begeg­nung mit Jesus Chri­stus in einer lie­ben­den, näh­ren­den Gemein­schaft Frucht brin­gen. In die­ser Umge­bung soll­ten jun­ge Men­schen ermu­tigt wer­den, ihre mensch­li­che und geist­li­che Gestalt voll zu ent­wickeln, das hohe Ide­al der Hei­lig­keit, der Näch­sten­lie­be und der Wahr­heit anzu­stre­ben, und von den Reich­tü­mern der kul­tu­rel­len und reli­giö­sen Tra­di­ti­on inspi­riert zu sein. In unse­rer zuneh­mend säku­la­ri­sier­ten Gesell­schaft, in der selbst wir Chri­sten es oft schwer fin­den, über die tran­szen­den­te Dimen­si­on unse­rer Exi­stenz zu spre­chen, müs­sen wir neue Wege fin­den, jun­gen Men­schen die Schön­heit und den Reich­tum der Freund­schaft mit Chri­stus in der Gemein­schaft der Kir­che nahe zu brin­gen. Für die Bewäl­ti­gung der gegen­wär­ti­gen Kri­se sind Maß­nah­men, die gerecht mit indi­vi­du­el­lem Unrecht umge­hen, uner­läss­lich, aber allein für sich sind sie nicht aus­rei­chend: wir brau­chen eine neue Visi­on, um zukünf­ti­ge Genera­tio­nen zu inspi­rie­ren, das Geschenk unse­res gemein­sa­men Glau­bens zu schät­zen. Indem Ihr den Weg des Evan­ge­li­ums geht, durch das Hal­ten der Gebo­te und dadurch, daß Ihr Euer Leben immer mehr in Über­ein­stim­mung mit dem Leben Jesu Chri­sti brin­gen, wer­det Ihr sicher die tie­fe Erneue­rung erfah­ren, die wir in die­ser Zeit so drin­gend brau­chen. Ich lade Euch ein, auf die­sem Weg bestän­dig zu sein.

13. Lie­be Brü­der und Schwe­stern in Chri­stus, ich woll­te Euch die­se Wor­te der Ermu­ti­gung und Unter­stüt­zung aus mei­ner Für­sor­ge für Euch alle in die­ser schmerz­vol­len Zeit, in der die Zer­brech­lich­keit des mensch­li­chen Wesens so deut­lich offen­bar gewor­den ist, schrei­ben. Ich hof­fe, daß Ihr sie als Zei­chen mei­ner geist­li­chen Nähe und mei­ner Zuver­sicht in Eure Fähig­keit emp­fangt, den Her­aus­for­de­run­gen der Stun­de dadurch zu begeg­nen, daß Ihr erneu­er­te Inspi­ra­ti­on und Stär­ke aus Irlands nobler Tra­di­ti­on der Treue zum Evan­ge­li­um emp­fangt, Aus­dau­er im Glau­ben und Beharr­lich­keit im Erstre­ben von Hei­lig­keit. In Soli­da­ri­tät mit Euch allen bete ich, daß mit Got­tes Gna­de die Wun­den, die so vie­le Ein­zel­ne und Fami­li­en ver­letzt haben, hei­len und dass die Kir­che in Irland eine Zeit der Wie­der­ge­burt und der geist­li­chen Erneue­rung erfah­re.

14. Ich möch­te Euch nun auch eini­ge kon­kre­te Initia­ti­ven zum Umgang mit der Situa­ti­on vor­schla­gen.
Am Ende mei­nes Tref­fens mit den iri­schen Bischö­fen habe ich dar­um gebe­ten, daß die­se Fasten­zeit reser­viert wird für das Gebet um das Aus­gie­ßen der Barm­her­zig­keit Got­tes und der Gei­stes­ga­ben der Hei­lig­keit und Stär­ke über der Kir­che in Eurem Land. Ich lade Euch alle ein, die Frei­tags­bu­ße für die Dau­er eines Jah­res bis Ostern 2011 die­ser Inten­ti­on zu wid­men. Ich bit­te Euch, Euer Fasten, Euer Gebet, Eure Schrift­le­sung und Eure Wer­ke der Näch­sten­lie­be dem zu wid­men, damit Ihr so die Gna­de der Hei­lung und der Erneue­rung für die Kir­che in Irland erlangt. Ich ermu­ti­ge Euch, aufs Neue das Sakra­ment der Ver­söh­nung für Euch zu ent­decken und häu­fi­ger die ver­wan­deln­de Kraft sei­ner Gna­de zu nut­zen.

Beson­de­re Auf­merk­sam­keit soll­te eben­falls der eucha­ri­sti­schen Anbe­tung zuteil wer­den; in jedem Bis­tum soll es Kir­chen oder Kapel­len geben, die spe­zi­ell die­sem Zweck gewid­met sind. Ich for­de­re Pfar­rei­en, Semi­na­ri­en, Ordens­häu­ser und Klö­ster dazu auf, Zei­ten eucha­ri­sti­scher Anbe­tung zu orga­ni­sie­ren, so daß sich alle betei­li­gen kön­nen. Durch inten­si­ves Gebet vor dem anwe­sen­den Herrn könnt Ihr Wie­der­gut­ma­chung lei­sten für die Sün­de des Miß­brauchs, die so viel Scha­den ange­rich­tet hat. Gleich­zei­tig könnt Ihr so die Gna­de neu­er Stär­ke erfle­hen und einen tie­fe­ren Sinn des Auf­trags aller Bischö­fe, Prie­ster, Ordens­leu­te und Gläu­bi­gen.

Ich bin zuver­sicht­lich, daß die­ses Unter­fan­gen zu einer Neu­ge­burt der Kir­che in Irland füh­ren in der Fül­le von Got­tes Wahr­heit füh­ren wird, denn es ist die Wahr­heit, die uns frei macht (Johan­nes­evan­ge­li­um 8:32).

Dar­über hin­aus, nach­dem ich dar­über bera­ten und gebe­tet habe, habe ich vor, eine Apo­sto­li­sche Visi­ta­ti­on eini­ger Bis­tü­mer Irlands abzu­hal­ten, eben­so von Semi­na­ri­en und Ordens­ge­mein­schaf­ten. Abspra­chen für die­se Visi­ta­ti­on, die der Orts­kir­che auf ihrem Weg der Erneue­rung hel­fen soll, wer­den in Abspra­che mit den zustän­di­gen Büros der römi­schen Kurie und der iri­schen Bischofs­kon­fe­renz getrof­fen. Die Ein­zel­hei­ten wer­den zu gege­be­ner Zeit bekannt gege­ben.

Ich schla­ge eben­falls eine gemein­sa­me Mis­si­on in ganz Irland für alle Bischö­fe, Prie­ster und Ordens­leu­te vor. Es ist mei­ne Hoff­nung, daß durch das Nut­zen der Exper­ti­se erfah­re­ner Pre­di­ger und Exer­zi­ti­en­be­glei­ter von Irland und andern­orts und durch das erneu­te Stu­di­um der Doku­men­te des Kon­zils, der lit­ur­gi­schen Riten von Wei­he und Pro­feß und der neue­ren päpst­li­chen Leh­ren, Ihr zu einem tie­fe­ren Ver­ständ­nis für Eure jewei­li­ge Beru­fung kommt, um so die Wur­zeln Eures Glau­bens in Jesus Chri­stus wie­der zu ent­decken und aus dem Quell des leben­di­gen Was­sers zu trin­ken, den er Euch durch sei­ne Kir­che bie­tet.

In die­sem Jahr des Prie­sters emp­feh­le ich Euch ganz beson­ders den hei­li­gen Jean-Marie Vian­ney, der ein rei­ches Ver­ständ­nis des Myste­ri­ums des Prie­ster­tums hat­te. Er schrieb: „der Prie­ster hält den Schlüs­sel zu den Schät­zen des Him­mels: er ist es, der die Tür öff­net: er ist der Statt­hal­ter des guten Herrn; der Ver­wal­ter sei­ner Güter.“ Der Pfar­rer von Ars ver­stand sehr gut, wie geseg­net eine Gemein­schaft ist, wenn ihr von einem guten und hei­li­gen Prie­ster gedient wird: „ein guter Hir­te, ein Hüter nach Got­tes Her­zen, ist der größ­te Schatz, den Gott einer Gemein­de schen­ken kann und eines der wert­voll­sten Geschen­ke gött­li­cher Gna­de.“ Durch die Für­spra­che des hei­li­gen Jean-Marie Vian­ney möge das Prie­ster­tum in Irland neu belebt wer­den und möge die gan­ze Kir­che in Irland wach­sen in Wert­schät­zung für das gro­ße Geschenk des prie­ster­li­chen Dien­stes.

An die­ser Stel­le möch­te ich denen im vor­aus dan­ken, die an der Auf­ga­be der Orga­ni­sa­ti­on der Apo­sto­li­schen Visi­ta­ti­on und der Mis­si­on betei­ligt sind, und genau­so den vie­len Män­nern und Frau­en in ganz Irland, die schon heu­te für den Schutz von Kin­dern im kirch­li­chen Umfeld arbei­ten. Seit der Zeit, als wir begon­nen haben, die Schwe­re und das Aus­maß des Pro­blems zu ver­ste­hen, hat die Kir­che eine unge­mein gro­ße Anstren­gung in vie­len Tei­len der Welt gelei­stet, um sich dem zu stel­len und um Abhil­fe zu schaf­fen. Auch wenn kei­ne Anstren­gung auf­ge­spart wer­den soll­te, die Ver­fah­ren zu ver­bes­sern und zu aktua­li­sie­ren, bin ich doch ermu­tigt durch die Tat­sa­che, daß die augen­blick­li­chen Ver­fah­ren zur Absi­che­rung, die die Kir­che ein­ge­führt hat, in eini­gen Tei­len der Welt als vor­bild­lich für ande­re Insti­tu­tio­nen ange­se­hen wer­den.

Ich möch­te die­sen Brief mit einem beson­de­ren Gebet für die Kir­che in Irland been­den, das ich Euch mit der beson­de­ren Sor­ge des Vaters für sei­ne Kin­der und der Zunei­gung eines Mit­chri­sten sen­de, der skan­da­li­siert und ver­letzt ist durch das, was in unse­rer gelieb­ten Kir­che gesche­hen ist. Wenn Ihr es in Euren Fami­li­en, Pfar­rei­en und Gemein­schaf­ten betet, möge die seli­ge Jung­frau Maria jeden von Euch schüt­zen und lei­ten zu einer enge­ren Ver­bin­dung mit ihrem Sohn, dem Gekreu­zig­ten und Auf­er­stan­de­nen. Mit gro­ßer Zunei­gung und unent­weg­ter Zuver­sicht in Got­tes Zusa­ge sen­de ich Euch herz­lich mei­nen apo­sto­li­schen Segen als eine Zusa­ge von Stär­ke und Frie­den im Herrn.

Aus dem Vati­kan, 19. März 2010, am Hoch­fest des hei­li­gen Josef
Bene­dik­tus PP. XVI.

Gebet für die Kir­che in Irland

Gott unse­rer Väter,
erneue­re uns im Glau­ben, der unser Leben und unse­re Ret­tung ist,
in der Hoff­nung, die uns Ver­ge­bung und inne­re Erneue­rung ver­heißt,
in der Näch­sten­lie­be, die uns rei­nigt und unse­re Her­zen öff­net,
daß wir dich lie­ben und in dir jeden unse­rer Brü­der und Schwe­stern.

Herr Jesus Chri­stus,
möge die Kir­che in Irland ihre uralte Hin­ga­be
an die Bil­dung für jun­ge Men­schen zu Wahr­heit und Güte,
Hei­lig­keit und frei­zü­gi­gem Dienst an der Gesell­schaft erneu­ern.

Hei­li­ger Geist, Trö­ster, Anwalt und Len­ker,
erwecke einen neu­en Früh­ling der Hei­lig­keit und apo­sto­li­schen Eifers
für die Kir­che in Irland

Mögen unser Leid und unse­re Trä­nen,
unse­re ern­sten Anstren­gun­gen, ver­gan­ge­ne Unta­ten wie­der gut zu machen,
und unse­re feste Absicht der Bes­se­rung
eine rei­che Ern­te der Gna­de tra­gen
für die Ver­tie­fung des Glau­bens
in unse­ren Fami­li­en, Pfar­rei­en, Schu­len und Gemein­schaf­ten,
für den geist­li­chen Fort­schritt der iri­schen Gesell­schaft,
und das Wach­sen in Näch­sten­lie­be, Gerech­tig­keit, Freu­de und Frie­den,
in der gesam­ten Mensch­heits­fa­mi­lie.

Dir, drei­ei­n­i­ger Gott,
ver­trau­end auf den lie­ben­den Schutz Mari­ens,
Köni­gin Irlands, unse­rer Mut­ter,
und des hei­li­gen Patrick, der hei­li­gen Bri­gid und aller Hei­li­gen,
ver­trau­en wir dir uns, unse­re Kin­der,
und die Nöte der Kir­che in Irland an.

Amen