Epochale Wende in der Liturgiefrage im Gange – Jeder vierte Seminarist Frankreichs für den „außerordentlichen Ritus“ geweiht

(Paris) Im Jahr 1967, am Ende des Zwei­ten Vati­ka­ni­schen Kon­zils, gab es in Frank­reich 4536 Semi­na­ri­sten. Heu­te sind es nur mehr 740 (Aka­de­mi­sches Jahr 2008/2009). Der Rück­gang beläuft sich auf mehr als 80 Pro­zent. Die Prie­ster­wei­hen san­ken von 900 im Jahr 1966 auf 200 in den Jah­ren nach dem Kon­zil und der Lit­ur­gie­re­form. Nach einer leich­ten Erho­lung nach dem Beginn des Pon­ti­fi­kats von Papst Johan­nes Paul II in den 80er Jah­ren, erfolg­te ein wei­te­rer Rück­gang. 2007 wur­den nur mehr 133 Prie­ster geweiht. Die Zahl der Pari­ser Semi­na­ri­sten, die in den 80er Jah­ren auf 100 ange­stie­gen war, beträgt der­zeit wenig mehr als 50. Gleich­zei­tig form­te sich aber ein neu­er Kreis von Semi­na­ri­sten, vor allem für die Prie­ster­bru­der­schaft St. Pius X, zur Fei­er der triden­ti­ni­schen Mes­se.

Seit 1988 ver­zeich­net die Prie­ster­bru­der­schaft einen kon­stan­ten Zulauf bei den Semi­na­ri­sten, wäh­rend die Neu­ein­trit­te in den diö­ze­sa­nen Prie­ster­se­mi­na­ren west­eu­ro­päi­scher Län­der durch­ge­hend rück­läu­fig sind. Seit 2007 steigt die Zahl der Prie­ster­amt­skan­di­da­ten in den Semi­na­ren des triden­ti­ni­schen Ritus. Im Stu­di­en­jahr 2007–2008 stieg die Zahl auf 160. Alle Eccle­sia Dei-Insti­tu­te — der von Rom aner­kann­te Teil der Tra­di­tio­na­li­sten — erwar­ten sich für das kom­men­de Jahr einen ver­stärk­ten Zuspruch und damit einen in der der­zei­ti­gen Pha­se der Kir­chen­ge­schich­te sehr ent­schei­den­den Trend. Aber auch die Prie­ster­bru­der­schaft St. Pius X. rech­net mit einer posi­ti­ven Ent­wick­lung bei den Neu­ein­trit­ten.

Im Stu­di­en­jahr 2008–2009 stu­dier­ten in Frank­reich 740 Semi­na­ri­sten für die ordent­li­che Form des römi­schen Ritus der katho­li­schen Kir­che und 160 für die außer­or­dent­li­che Form, wie sie Papst Bene­dikt XVI. benannt hat (40 davon für die Prie­ster­bru­der­schaft St. Pius X). Zudem ver­ber­gen auch zahl­rei­che diö­ze­sa­ne Semi­na­ri­sten nicht mehr ihre Prä­fe­renz für die außer­or­dent­li­che Form des Ritus und erklä­ren, das Motu pro­prio von Papst Bene­dikt XVI. in ihren künf­ti­gen Pfar­rei­en anzu­wen­den.

Der neu her­an­wach­sen­de Kle­rus, der frei von den Vor­ur­tei­len ihrer Vor­gän­ger ist, ver­stärkt erheb­lich die all­ge­mei­ne Ten­denz hin zum außer­or­dent­li­chen Ritus in der katho­li­schen Kir­che. Mit ande­ren Wor­ten aus­ge­drückt: Fast jeder vier­te Semi­na­rist in Frank­reich wird für den außer­or­dent­li­chen Ritus vor­be­rei­tet, wäh­rend bis­her nur weni­ger als ein Pro­zent der fran­zö­si­schen Pfar­rei­en in die­sem Ritus betreut wer­den. Die Fle­xi­bi­li­tät, die das Motu pro­prio ermög­licht, dürf­te es mög­lich machen, die­se Dis­kre­panz leicht zu über­win­den.

(CR/JF)