Papst-Brief an die Priester

Lie­be Mit­brü­der im prie­ster­li­chen Dienst,

am kom­men­den Hoch­fest des Hei­lig­sten Her­zens Jesu, Frei­tag, dem 19. Juni 2009 – dem Tag, der tra­di­ti­ons­ge­mäß dem Gebet um die Hei­li­gung der Prie­ster gewid­met ist – möch­te ich anläß­lich des 150. Jah­res­tags des „dies nata­lis“ von Johan­nes Maria Vian­ney, dem Schutz­hei­li­gen aller Pfar­rer der Welt, offi­zi­ell ein „Jahr der Prie­ster“ aus­ru­fen. Die­ses Jahr, das dazu bei­tra­gen möch­te, das Enga­ge­ment einer inne­ren Erneue­rung aller Prie­ster für ein noch stär­ke­res und wirk­sa­me­res Zeug­nis für das Evan­ge­li­um in der Welt von heu­te zu för­dern, wird 2010 wie­der­um an die­sem Hoch­fest sei­nen Abschluß fin­den.

„Das Prie­ster­tum ist die Lie­be des Her­zens Jesu“, pfleg­te der hei­li­ge Pfar­rer von Ars zu sagen. Die­se bewe­gen­de For­mu­lie­rung ver­an­laßt uns vor allem, uns inner­lich ange­rührt und dank­bar bewußt zu wer­den, welch uner­meß­li­ches Geschenk die Prie­ster nicht nur für die Kir­che, son­dern auch für die Mensch­heit über­haupt sind. Ich den­ke an all die Prie­ster, die in Demut Tag für Tag den Christ­gläu­bi­gen und der gan­zen Welt die Wor­te und Taten Chri­sti nahe­brin­gen, indem sie ver­su­chen, mit ihren Gedan­ken, ihrem Wil­len, ihren Gefüh­len und ihrem gesam­ten Lebens­stil mit ihm über­ein­zu­stim­men. Wie könn­te man es ver­säu­men, ihre apo­sto­li­schen Mühen, ihren uner­müd­li­chen und ver­bor­ge­nen Dienst und ihre im Grun­de all­um­fas­sen­de Lie­be zu unter­strei­chen? Und was soll man zu der muti­gen Treue so vie­ler Prie­ster sagen, die – wenn auch inmit­ten von Schwie­rig­kei­ten und Unver­ständ­nis – ihrer Beru­fung treu blei­ben, „Freun­de Chri­sti“ zu sein, die von ihm in beson­de­rer Wei­se geru­fen, erwählt und aus­ge­sandt sind?

Ich selbst tra­ge noch die Erin­ne­rung an den ersten Pfar­rer im Her­zen, an des­sen Sei­te ich mei­nen Dienst als jun­ger Prie­ster aus­üb­te: Er hin­ter­ließ mir das Bei­spiel einer rück­halt­lo­sen Hin­ga­be an sei­ne seel­sorg­li­che Auf­ga­be bis zu sei­nem Tod, der ihn ereil­te, als er einem Schwer­kran­ken das Sakra­ment der Weg­zeh­rung brach­te. Und dann kom­men mir die unzäh­li­gen Mit­brü­der in den Sinn, denen ich begeg­net bin und immer noch begeg­ne, auch wäh­rend mei­ner Pasto­ral­rei­sen in die ver­schie­de­nen Natio­nen – Mit­brü­der, die groß­her­zig in der täg­li­chen Aus­übung ihres prie­ster­li­chen Dien­stes auf­ge­hen.

Aber die vom hei­li­gen Pfar­rer von Ars gebrauch­te For­mu­lie­rung ruft auch die Erin­ne­rung an das durch­bohr­te Herz Chri­sti und an die Dor­nen­kro­ne auf sei­nem Haupt wach. Folg­lich gehen die Gedan­ken zu den unzäh­li­gen Situa­tio­nen des Lei­dens, in die vie­le Prie­ster hin­ein­ge­zo­gen sind, sei es weil sie Anteil neh­men an den mensch­li­chen Erfah­run­gen von Schmerz in der Viel­falt sei­ner Aus­drucks­for­men, sei es weil sie bei den­je­ni­gen, denen ihr Dienst gilt, auf Unver­ständ­nis sto­ßen: Wie könn­te man die vie­len Prie­ster ver­ges­sen, die in ihrer Wür­de ver­letzt, in ihrer Sen­dung behin­dert, manch­mal sogar bis hin zum extre­men Zeug­nis der Hin­ga­be des eige­nen Lebens ver­folgt wer­den?

Lei­der gibt es auch Situa­tio­nen, die nie genug beklagt wer­den kön­nen, in denen es die Kir­che sel­ber ist, die lei­det, und zwar wegen der Untreue eini­ger ihrer Die­ner. Die Welt fin­det dann dar­in Grund zu Anstoß und Ableh­nung. Was in sol­chen Fäl­len der Kir­che am hilf­reich­sten sein kann, ist weni­ger die eigen­sin­ni­ge Auf­deckung der Schwä­chen ihrer Die­ner, als viel­mehr das erneu­te und fro­he Bewußt­sein der Grö­ße des Geschen­kes Got­tes, das in leuch­ten­der Wei­se Gestalt ange­nom­men hat in groß­her­zi­gen Hir­ten, in von bren­nen­der Lie­be zu Gott und den Men­schen erfüll­ten Ordens­leu­ten, in erleuch­te­ten und gedul­di­gen geist­li­chen Füh­rern. In die­sem Zusam­men­hang kön­nen die Leh­ren und die Bei­spie­le des hei­li­gen Johan­nes Maria Vian­ney allen einen bedeut­sa­men Anhalts­punkt bie­ten: Der Pfar­rer von Ars war äußerst demü­tig, doch er wuß­te, daß er als Prie­ster ein uner­meß­li­ches Geschenk für sei­ne Leu­te war: „Ein guter Hir­te, ein Hir­te nach dem Her­zen Got­tes, ist der größ­te Schatz, den der lie­be Gott einer Pfar­rei gewäh­ren kann, und eines der wert­voll­sten Geschen­ke der gött­li­chen Barm­her­zig­keit.“

Er sprach vom Prie­ster­tum, als kön­ne er die Grö­ße der dem Geschöpf Mensch anver­trau­ten Gabe und Auf­ga­be ein­fach nicht fas­sen: „Oh, wie groß ist der Prie­ster! … Wenn er sich selbst ver­stün­de, wür­de er ster­ben … Gott gehorcht ihm: Er spricht zwei Sät­ze aus, und auf sein Wort hin steigt der Herr vom Him­mel her­ab und schließt sich in eine klei­ne Hostie ein…“ Und als er sei­nen Gläu­bi­gen die Bedeut­sam­keit der Sakra­men­te erklär­te, sag­te er: „Ohne das Sakra­ment der Wei­he hät­ten wir den Herrn nicht. Wer hat ihn da in den Taber­na­kel gesetzt? Der Prie­ster. Wer hat Eure See­le beim ersten Ein­tritt in das Leben auf­ge­nom­men? Der Prie­ster. Wer nährt sie, um ihr die Kraft zu geben, ihre Pil­ger­schaft zu voll­enden? Der Prie­ster. Wer wird sie dar­auf vor­be­rei­ten, vor Gott zu erschei­nen, indem er sie zum letz­ten Mal im Blut Jesu Chri­sti wäscht? Der Prie­ster, immer der Prie­ster. Und wenn die­se See­le [durch die Sün­de] stirbt, wer wird sie auf­er­wecken, wer wird ihr die Ruhe und den Frie­den geben? Wie­der der Prie­ster … Nach Gott ist der Prie­ster alles! … Erst im Him­mel wird er sich selbst recht ver­ste­hen.“

Die­se Aus­sa­gen, die aus dem prie­ster­li­chen Her­zen eines hei­li­gen Prie­sters her­vor­ge­gan­gen sind, mögen über­trie­ben erschei­nen. Doch in ihnen offen­bart sich die außer­or­dent­li­che Ach­tung, die er dem Sakra­ment des Prie­ster­tums ent­ge­gen­brach­te. Er schien über­wäl­tigt von einem gren­zen­lo­sen Ver­ant­wor­tungs­be­wußt­sein: „Wenn wir recht begrei­fen wür­den, was ein Prie­ster auf Erden ist, wür­den wir ster­ben: nicht vor Schreck, son­dern aus Lie­be … Ohne den Prie­ster wür­den der Tod und das Lei­den unse­res Herrn zu nichts nüt­zen. Der Prie­ster ist es, der das Werk der Erlö­sung auf Erden fort­führt … Was nütz­te uns ein Haus vol­ler Gold, wenn es nie­man­den gäbe, der uns die Tür dazu öff­net? Der Prie­ster besitzt den Schlüs­sel zu den himm­li­schen Schät­zen: Er ist es, der die Tür öff­net; er ist der Haus­häl­ter des lie­ben Got­tes; der Ver­wal­ter sei­ner Güter … Laßt eine Pfar­rei zwan­zig Jah­re lang ohne Prie­ster, und man wird dort die Tie­re anbe­ten … Der Prie­ster ist nicht Prie­ster für sich selbst, er ist es für euch.“

Als er nach Ars, einem klei­nen Dorf mit 230 Ein­woh­nern, kam, war er vom Bischof bereits vor­ge­warnt wor­den, daß er eine reli­gi­ös pre­kä­re Situa­ti­on vor­fin­den wer­de: „Es gibt in die­ser Pfar­rei nicht viel Lie­be zu Gott; Sie wer­den sie dort ein­füh­ren.“ Folg­lich war er sich völ­lig bewußt, daß er dort­hin gehen muß­te, um die Gegen­wart Chri­sti zu ver­kör­pern, indem er des­sen heil­brin­gen­de Sanft­mut bezeug­te. „[Mein Gott,] gewährt mir die Bekeh­rung mei­ner Pfar­rei; ich will dafür alles erlei­den, was Ihr wollt, mein gan­zes Leben lang!“ – mit die­sem Gebet begann er sei­ne Mis­si­on. Der Bekeh­rung sei­ner Pfar­rei wid­me­te sich der hei­li­ge Pfar­rer mit all sei­nen Kräf­ten und stell­te die christ­li­che Bil­dung des ihm anver­trau­ten Vol­kes in all sei­nem Den­ken an erste Stel­le.

Lie­be Mit­brü­der im prie­ster­li­chen Dienst, erbit­ten wir vom Herrn Jesus die Gna­de, daß auch wir die pasto­ra­le Metho­de des Johan­nes Maria Vian­ney erler­nen kön­nen! Was wir als erstes ler­nen müs­sen, ist die völ­li­ge Iden­ti­fi­zie­rung mit der eige­nen Auf­ga­be. In Jesus fal­len Per­son und Sen­dung im Grun­de zusam­men: Sein gesam­tes Heils­han­deln war und ist Aus­druck sei­nes „Sohn-Ich“, das von Ewig­keit her vor dem Vater steht in einer Hal­tung lie­be­vol­ler Unter­wer­fung unter des­sen Wil­len. In beschei­de­ner und doch wah­rer Ana­lo­gie muß auch der Prie­ster die­se Iden­ti­fi­zie­rung anstre­ben. Natür­lich geht es nicht dar­um zu ver­ges­sen, daß die sub­stan­zi­el­le Wirk­sam­keit des Dien­stes von der Hei­lig­keit des Prie­sters unab­hän­gig bleibt; doch man darf auch die außer­or­dent­li­che Frucht­bar­keit nicht außer Acht las­sen, die aus dem Zusam­men­tref­fen der objek­ti­ven Hei­lig­keit des Dien­stes und der sub­jek­ti­ven des Prie­sters her­vor­geht. Der Pfar­rer von Ars begann sofort mit die­ser demü­ti­gen und gedul­di­gen Arbeit, sein Leben als Prie­ster mit der Hei­lig­keit des ihm anver­trau­ten Dien­stes in Ein­klang zu brin­gen und sag­te, daß er sogar mate­ri­ell in sei­ner Pfarr­kir­che „woh­ne“: „Kaum war er ange­kom­men, wähl­te er die Kir­che zu sei­nem Wohn­sitz … Vor dem Mor­gen­rot betrat er die Kir­che und kam erst nach dem abend­li­chen Ange­lus wie­der her­aus. Dort muß­te man ihn suchen, wenn man ihn brauch­te“, heißt es in sei­ner ersten Bio­gra­phie.

Die from­me Über­trei­bung des ehr­furchts­vol­len Hagio­gra­phen darf uns nicht ver­an­las­sen zu über­se­hen, daß der hei­li­ge Pfar­rer auch aktiv im gesam­ten Gebiet sei­ner Pfar­rei zu „woh­nen“ ver­stand: Er besuch­te syste­ma­tisch die Kran­ken und die Fami­li­en; er orga­ni­sier­te Volks­mis­sio­nen und Patro­nats­fe­ste; er sam­mel­te und ver­wal­te­te Geld für sei­ne kari­ta­ti­ven und mis­sio­na­ri­schen Wer­ke; er ver­schö­ner­te sei­ne Kir­che und stat­te­te sie mit Kir­chen­ge­rät aus; er küm­mer­te sich um die Wai­sen­mäd­chen der „Pro­vi­dence“ (einer von ihm gegrün­de­ten Ein­rich­tung) und ihre Erzie­he­rin­nen; er küm­mer­te sich um die Schul­aus­bil­dung der Kin­der; er grün­de­te Bru­der­schaf­ten und for­der­te die Lai­en zur Zusam­men­ar­beit mit ihm auf.

Sein Bei­spiel ver­an­laßt mich, das Feld der Zusam­men­ar­beit zu beto­nen, das immer mehr auf die gläu­bi­gen Lai­en aus­zu­deh­nen ist, mit denen die Prie­ster das eine prie­ster­li­che Volk bil­den und in deren Mit­te sie leben, um kraft des Wei­he­prie­ster­tums „alle zur Ein­heit in der Lie­be zu füh­ren, ‚indem sie in Bru­der­lie­be ein­an­der herz­lich zuge­tan sind, in Ehr­er­bie­tung ein­an­der über­tref­fen‘ (Röm 12, 10)“. In die­sem Zusam­men­hang ist an die leb­haf­te Auf­for­de­rung zu erin­nern, mit der das Zwei­te Vati­ka­ni­sche Kon­zil die Prie­ster ermu­tigt, „die Wür­de der Lai­en und die bestimm­te Funk­ti­on, die den Lai­en für die Sen­dung der Kir­che zukommt, wahr­haft [zu] erken­nen und [zu] för­dern … Sie sol­len gern auf die Lai­en hören, ihre Wün­sche brü­der­lich erwä­gen und ihre Erfah­rung und Zustän­dig­keit in den ver­schie­de­nen Berei­chen des mensch­li­chen Wir­kens aner­ken­nen, damit sie gemein­sam mit ihnen die Zei­chen der Zeit erken­nen kön­nen.“

Sei­ne Pfar­rei­mit­glie­der belehr­te der hei­li­ge Pfar­rer vor allem mit dem Zeug­nis sei­nes Lebens. Durch sein Vor­bild lern­ten die Gläu­bi­gen zu beten und für einen Besuch beim eucha­ri­sti­schen Jesus gern vor dem Taber­na­kel zu ver­har­ren. „Es ist nicht nötig, viel zu spre­chen, um gut zu beten“, erklär­te ihnen der Pfar­rer. „Man weiß, daß Jesus dort ist, im hei­li­gen Taber­na­kel: Öff­nen wir ihm unser Herz, freu­en wir uns über sei­ne hei­li­ge Gegen­wart. Das ist das beste Gebet.“ Und er ermun­ter­te sie: „Kommt zur Kom­mu­ni­on, mei­ne Brü­der, kommt zu Jesus. Kommt, um von ihm zu leben, damit ihr mit ihm leben könnt…“ „Es stimmt, daß ihr des­sen nicht wür­dig seid, aber ihr habt es nötig!“ Die­se Erzie­hung der Gläu­bi­gen zur eucha­ri­sti­schen Gegen­wart und zum Kom­mu­nion­emp­fang wur­de beson­ders wirk­kräf­tig, wenn die Gläu­bi­gen ihn das hei­li­ge Meß­op­fer zele­brie­ren sahen. Wer ihm bei­wohn­te, sag­te, daß „es nicht mög­lich war, eine Gestalt zu fin­den, wel­che die Anbe­tung bes­ser aus­ge­drückt hät­te … Er betrach­te­te die Hostie lie­be­voll“. „Alle guten Wer­ke zusam­men wie­gen das Meß­op­fer nicht auf, denn sie sind Wer­ke von Men­schen, wäh­rend die hei­li­ge Mes­se Werk Got­tes ist“, sag­te er. Er war über­zeugt, daß von der Mes­se der gan­ze Eifer eines Prie­ster­le­bens abhängt: „Die Ursa­che der Erschlaf­fung des Prie­sters liegt dar­in, daß er bei der Mes­se nicht auf­merk­sam ist! Mein Gott, wie ist ein Prie­ster zu bekla­gen, der so zele­briert, als ob er etwas Gewöhn­li­ches täte!“ Und er hat­te es sich zur Gewohn­heit gemacht, bei der Zele­bra­ti­on immer auch das eige­ne Leben auf­zu­op­fern: „Wie gut tut ein Prie­ster, wenn er Gott all­mor­gend­lich sich selbst als Opfer dar­bringt!“

Die­ses per­sön­li­che Sich­ein­füh­len in das Kreu­zes­op­fer führ­te ihn – in einer ein­zi­gen inne­ren Bewe­gung – vom Altar zum Beicht­stuhl. Die Prie­ster dürf­ten nie­mals resi­gnie­ren, wenn sie ihre Beicht­stüh­le ver­las­sen sehen, noch sich dar­auf beschrän­ken, die Abnei­gung der Gläu­bi­gen gegen­über die­sem Sakra­ment fest­zu­stel­len. Zur Zeit des hei­li­gen Pfar­rers war in Frank­reich die Beich­te weder ein­fa­cher, noch häu­fi­ger als in unse­ren Tagen, da der eisi­ge Sturm der Revo­lu­ti­on die reli­giö­se Pra­xis auf lan­ge Zeit erstickt hat­te. Doch er ver­such­te auf alle Arten, durch Pre­digt und über­zeu­gen­den Rat­schlag, die Mit­glie­der sei­ner Pfar­rei die Bedeu­tung und die Schön­heit der sakra­men­ta­len Buße neu ent­decken zu las­sen, indem er sie als eine mit der eucha­ri­sti­schen Gegen­wart inner­lich ver­bun­de­ne Not­wen­dig­keit dar­stell­te.

Auf die­se Wei­se ver­stand er, einen Kreis­lauf der Tugend in Gang zu set­zen. Durch sei­ne lan­gen Auf­ent­hal­te in der Kir­che vor dem Taber­na­kel erreich­te er, daß die Gläu­bi­gen began­nen, es ihm nach­zu­tun; sie bega­ben sich dort­hin, um Jesus zu besu­chen, und waren zugleich sicher, den Pfar­rer anzu­tref­fen, der bereit war zum Hören und zum Ver­ge­ben. Spä­ter war es dann die wach­sen­de Men­ge der Buß­fer­ti­gen aus ganz Frank­reich, die ihn bis zu 16 Stun­den täg­lich im Beicht­stuhl hielt. Man sag­te damals, Ars sei „das gro­ße Kran­ken­haus der See­len“ gewor­den. „Die Gna­de, die er emp­fing [für die Bekeh­rung der Sün­der], war so stark, daß sie ihnen nach­ging, ohne ihnen einen Moment der Ruhe zu las­sen“, sagt der erste Bio­graph.

Der hei­li­ge Pfar­rer sah das nicht anders, wenn er sag­te: „Nicht der Sün­der ist es, der zu Gott zurück­kehrt, um ihn um Ver­ge­bung zu bit­ten, son­dern Gott selbst läuft dem Sün­der nach und läßt ihn zu sich zurück­keh­ren.“ „Die­ser gute Hei­land ist so von Lie­be erfüllt, daß er uns über­all sucht.“ Wir Prie­ster müß­ten alle spü­ren, daß jene Wor­te, die er Chri­stus in den Mund leg­te, uns per­sön­lich ange­hen: „Ich beauf­tra­ge mei­ne Die­ner, den Sün­dern zu ver­kün­den, daß ich immer bereit bin, sie zu emp­fan­gen, daß mei­ne Barm­her­zig­keit unbe­grenzt ist.“ Vom hei­li­gen Pfar­rer von Ars kön­nen wir Prie­ster nicht nur ein uner­schöpf­li­ches Ver­trau­en in das Buß­sa­kra­ment ler­nen, das uns drängt, es wie­der ins Zen­trum unse­rer pasto­ra­len Sor­ge zu set­zen, son­dern auch die Metho­de des „Dia­logs des Heils“, der sich dar­in voll­zie­hen muß.

Der Pfar­rer von Ars hat­te gegen­über den ver­schie­de­nen Büßern eine jeweils unter­schied­li­che Ver­hal­tens­wei­se. Wer zu sei­nem Beicht­stuhl kam, weil er von einem inne­ren und demü­ti­gen Bedürf­nis nach der Ver­ge­bung Got­tes ange­zo­gen war, fand bei ihm die Ermu­ti­gung, in den „Strom der gött­li­chen Barm­her­zig­keit“ ein­zu­tau­chen, der in sei­ner Wucht alles mit sich fort­reißt. Und wenn jemand nie­der­ge­schla­gen war beim Gedan­ken an sei­ne Schwä­che und Unbe­stän­dig­keit und sich vor zukünf­ti­gen Rück­fäl­len fürch­te­te, offen­bar­te der Pfar­rer ihm das Geheim­nis Got­tes mit einem Aus­spruch von rüh­ren­der Schön­heit: „Der lie­be Gott weiß alles. Noch bevor ihr sün­digt, weiß er schon, daß ihr wie­der sün­di­gen wer­det, und trotz­dem ver­gibt er euch. Wie groß ist die Lie­be unse­res Got­tes, der so weit geht, frei­wil­lig die Zukunft zu ver­ges­sen, nur damit er uns ver­ge­ben kann!“ Wer sich dage­gen lau und fast gleich­gül­tig anklag­te, dem bot er durch sei­ne eige­nen Trä­nen die ern­ste und erlit­te­ne deut­li­che Ein­sicht, wie „abscheu­lich“ die­se Hal­tung sei: „Ich wei­ne, weil ihr nicht weint“, sag­te er. „Wenn der Herr bloß nicht so gut wäre! Aber er ist so gut! Man muß ein Bar­bar sei, um sich einem so guten Vater gegen­über so zu ver­hal­ten!“ Er ließ die Reue im Her­zen der Lau­en auf­kom­men, indem er sie zwang, das im Gesicht des Beicht­va­ters gleich­sam „ver­kör­per­te“ Lei­den Got­tes wegen der Sün­den mit eige­nen Augen zu sehen. Wer sich dage­gen voll Ver­lan­gen und fähig zu einem tie­fe­ren geist­li­chen Leben zeig­te, dem öff­ne­te er weit die Tie­fen der Lie­be, indem er ihm erklär­te, wie unbe­schreib­lich schön es ist, mit Gott ver­eint und in sei­ner Gegen­wart zu leben: „Alles unter den Augen Got­tes, alles mit Gott, alles, um Gott zu gefal­len … Wie schön ist das!“ Und er lehr­te sie zu beten: „Mein Gott, erwei­se mir die Gna­de, dich so sehr wie nur mög­lich zu lie­ben.“

Der Pfar­rer von Ars hat in sei­ner Zeit das Herz und das Leben so vie­ler Men­schen zu ver­wan­deln ver­mocht, weil es ihm gelun­gen ist, sie die barm­her­zi­ge Lie­be des Herrn wahr­neh­men zu las­sen. Auch in unse­rer Zeit ist eine sol­che Ver­kün­di­gung und ein sol­ches Zeug­nis der Wahr­heit der Lie­be drin­gend: Deus cari­tas est (1 Joh 4, 8). Mit dem Wort und den Sakra­men­ten sei­nes Jesus wuß­te Johan­nes Maria Vian­ney sein Volk auf­zu­bau­en, auch wenn er, über­zeugt von sei­ner per­sön­li­chen Unzu­läng­lich­keit, oft schau­der­te, so daß er mehr­mals wünsch­te, sich der Ver­ant­wor­tung des Dien­stes in der Pfar­rei zu ent­zie­hen, des­sen er sich unwür­dig fühl­te. Trotz­dem blieb er in vor­bild­li­chem Gehor­sam stets an sei­nem Posten, denn die apo­sto­li­sche Lei­den­schaft für das Heil der See­len ver­zehr­te ihn. Durch eine stren­ge Aske­se ver­such­te er, sei­ner Beru­fung völ­lig nach­zu­kom­men: „Das gro­ße Unglück für uns Pfar­rer“, beklag­te der Hei­li­ge, „besteht dar­in, daß die See­le abstumpft“, und er mein­te damit ein gefähr­li­ches Sich-Gewöh­nen des Hir­ten an den Zustand der Sün­de oder der Gleich­gül­tig­keit, in der vie­le sei­ner Scha­fe leben. Mit Wachen und Fasten zügel­te er den Leib, um zu ver­mei­den, daß die­ser sich sei­ner prie­ster­li­chen See­le wider­setz­te. Und er schreck­te nicht davor zurück, sich selbst zu kastei­en zum Wohl der ihm anver­trau­ten See­len und um zur Süh­ne all der Sün­den bei­zu­tra­gen, die er in der Beich­te gehört hat­te. Einem prie­ster­li­chen Mit­bru­der erklär­te er: „Ich ver­ra­te Euch mein Rezept: Ich gebe den Sün­dern eine klei­ne Buße auf, und den Rest tue ich an ihrer Stel­le.“ Jen­seits der kon­kre­ten Buß­übun­gen, denen der Pfar­rer von Ars sich unter­zog, bleibt in jedem Fall der Kern sei­ner Leh­re für alle gül­tig: die See­len sind mit dem Blut Jesu erkauft, und der Prie­ster kann sich nicht ihrer Ret­tung wid­men, wenn er sich wei­gert, sich per­sön­lich an dem „teu­ren Preis“ ihrer Erlö­sung zu betei­li­gen.

In der Welt von heu­te ist es eben­so nötig wie in den schwie­ri­gen Zei­ten des Pfar­rers von Ars, daß die Prie­ster sich in ihrem Leben und Han­deln durch ein star­kes Zeug­nis für das Evan­ge­li­um aus­zeich­nen. Paul VI. hat zu Recht bemerkt: „Der heu­ti­ge Mensch hört lie­ber auf Zeu­gen als auf Gelehr­te, und wenn er auf Gelehr­te hört, dann des­halb, weil sie Zeu­gen sind.“ Damit in uns nicht eine exi­sten­zi­el­le Lee­re ent­steht und die Wirk­sam­keit unse­res Dien­stes nicht gefähr­det wird, müs­sen wir uns immer neu fra­gen: „Sind wir wirk­lich durch­tränkt vom Wort Got­tes? Ist es wirk­lich die Nah­rung, von der wir leben, mehr als vom Brot und von den Din­gen die­ser Welt? Ken­nen wir es wirk­lich? Lie­ben wir es? Gehen wir inner­lich damit um, so daß es wirk­lich unser Leben prägt, unser Den­ken formt?“ Wie Jesus die Zwölf rief, damit sie bei ihm sein soll­ten (vgl. Mk 3, 14), und sie erst danach zum Pre­di­gen aus­sand­te, so sind auch in unse­ren Tagen die Prie­ster beru­fen, jenen „neu­en Lebens­stil“ anzu­neh­men, den Jesus, der Herr, ein­ge­führt hat und den die Apo­stel sich zu eigen gemacht haben.

Gera­de die rück­halt­lo­se Annah­me die­ses „neu­en Lebens­stils“ war ein Merk­mal des prie­ster­li­chen Ein­sat­zes des Pfar­rers von Ars. In der Enzy­kli­ka Sacer­dotii nostri pri­mor­dia, die 1959, hun­dert Jah­re nach dem Tod von Johan­nes Maria Vian­ney, publi­ziert wur­de, stell­te Johan­nes XXIII. des­sen aske­ti­sche Wesens­art unter beson­de­rer Bezug­nah­me auf das The­ma der „drei evan­ge­li­schen Räte“ dar, die er auch für die Prie­ster als not­wen­dig erach­te­te: „Auch wenn dem Prie­ster zur Erlan­gung die­ser Hei­lig­keit des Lebens die Ver­wirk­li­chung der evan­ge­li­schen Räte nicht auf­grund sei­nes kle­ri­ka­len Stan­des auf­er­legt ist, bie­tet sie sich ihm wie allen Jün­gern des Herrn doch als der nor­ma­le Weg der christ­li­chen Hei­li­gung an.“ Der Pfar­rer von Ars ver­stand es, die „evan­ge­li­schen Räte“ in der sei­ner Situa­ti­on als Prie­ster ange­mes­se­nen Wei­se zu leben. Sei­ne Armut war näm­lich nicht die eines Ordens­man­nes bzw. eines Mön­ches, son­dern die, wel­che von einem Welt­prie­ster erwar­tet wird: Obwohl er mit viel Geld wirt­schaf­te­te (da die wohl­ha­ben­de­ren Pil­ger nicht ver­säum­ten, sich sei­ner kari­ta­ti­ven Wer­ke anzu­neh­men), wuß­te er, daß alles sei­ner Kir­che, sei­nen Armen, sei­nen Wai­sen, den Mäd­chen sei­ner „Pro­vi­dence“, den am mei­sten not­lei­den­den Fami­li­en zuge­dacht war.

Dar­um war er „reich, um den ande­ren zu geben, und sehr arm für sich selbst“. Er erklär­te: „Mein Geheim­nis ist ein­fach: Alles geben und nichts behal­ten.“ Wenn er mit lee­ren Hän­den dastand, sag­te er zufrie­den zu den Armen, die sich an ihn wen­de­ten: „Heu­te bin ich arm wie ihr, bin einer von euch.“ So konn­te er am Ende sei­nes Lebens in aller Ruhe sagen: „Ich habe nichts mehr. Nun kann der lie­be Gott mich rufen, wann er will!“ Auch sei­ne Keusch­heit war so, wie sie für den Dienst eines Prie­sters nötig ist. Man kann sagen, es war die ange­mes­se­ne Keusch­heit des­sen, der gewöhn­lich die Eucha­ri­stie berüh­ren muß und der sie gewöhn­lich mit der gan­zen Begei­ste­rung sei­nes Her­zens betrach­tet und sie mit der­sel­ben Begei­ste­rung sei­nen Gläu­bi­gen reicht. Man sag­te von ihm, „die Keusch­heit strah­le in sei­nem Blick“, und die Gläu­bi­gen bemerk­ten es, wenn er mit den Augen eines Ver­lieb­ten zum Taber­na­kel schau­te. Auch der Gehor­sam von Johan­nes Maria Vian­ney war ganz und gar ver­kör­pert in der leid­voll errun­ge­nen inne­ren Ein­wil­li­gung in die täg­li­chen Anfor­de­run­gen sei­nes Amtes. Es ist bekannt, wie sehr ihn der Gedan­ke an sei­ne Unzu­läng­lich­keit für den Dienst des Pfar­rers quäl­te und wie sehr ihn der Wunsch umtrieb, zu flie­hen „um in Ein­sam­keit sein armes Leben zu bewei­nen“. Nur der Gehor­sam und sei­ne Lei­den­schaft für die See­len konn­ten ihn über­zeu­gen, an sei­nem Platz zu blei­ben. Sich selbst und sei­nen Gläu­bi­gen erklär­te er: „Es gibt nicht zwei gute Arten, Gott zu die­nen. Es gibt nur eine ein­zi­ge: ihm so zu die­nen, wie er es will.“ Die gol­de­ne Regel für ein Leben im Gehor­sam schien ihm die­se zu sein: „Nur das tun, was dem lie­ben Gott dar­ge­bracht wer­den kann.“

Im Zusam­men­hang mit der Spi­ri­tua­li­tät, die durch die Übung der evan­ge­li­schen Räte geför­dert wird, möch­te ich die Prie­ster in die­sem ihnen gewid­me­ten Jahr gern ganz beson­ders dazu auf­ru­fen, den neu­en Früh­ling zu nut­zen, den der Geist in unse­ren Tagen in der Kir­che her­vor­bringt, nicht zuletzt durch die kirch­li­chen Bewe­gun­gen und die neu­en Gemein­schaf­ten. „Der Geist ist viel­fäl­tig in sei­nen Gaben … Er weht, wo er will. Er tut es auf uner­war­te­te Wei­se, an uner­war­te­ten Orten und in vor­her nicht aus­ge­dach­ten For­men … aber er zeigt uns auch, daß er auf den einen Leib hin und in der Ein­heit des einen Lei­bes wirkt.“ In die­sem Zusam­men­hang gilt die Anwei­sung des Dekre­tes Pres­by­terorum ordi­nis: „Sie [die Prie­ster] sol­len die Gei­ster prü­fen, ob sie aus Gott sind, und die viel­fäl­ti­gen Cha­ris­men der Lai­en, schlich­te und bedeu­ten­de­re, mit Glau­bens­sinn auf­spü­ren, freu­dig aner­ken­nen und mit Sorg­falt hegen.“

Die­se Gaben, die vie­le zu einem höhe­ren geist­li­chen Leben drän­gen, kön­nen nicht nur den gläu­bi­gen Lai­en, son­dern den Prie­stern selbst hilf­reich sein. Aus dem Mit­ein­an­der von geweih­ten Amts­trä­gern und Cha­ris­men kann näm­lich „ein gesun­der Impuls für ein neu­es Enga­ge­ment der Kir­che in der Ver­kün­di­gung und im Zeug­nis des Evan­ge­li­ums der Hoff­nung und der Lie­be in allen Tei­len der Welt“ ent­sprin­gen. Außer­dem möch­te ich in Bezug­nah­me auf das Apo­sto­li­sche Schrei­ben Pasto­res dabo vobis von Papst Johan­nes Paul II. ergän­zen, daß das geweih­te Amt eine radi­ka­le „Gemein­schafts­form“ hat und nur in der Gemein­schaft der Pres­by­ter mit ihrem Bischof erfüllt wer­den kann. Es ist nötig, daß die­se im Wei­he­sa­kra­ment begrün­de­te und in der Kon­ze­le­bra­ti­on aus­ge­drück­te Gemein­schaft der Prie­ster unter­ein­an­der und mit ihrem Bischof sich in den ver­schie­de­nen kon­kre­ten For­men einer effek­ti­ven und affek­ti­ven prie­ster­li­chen Brü­der­lich­keit ver­wirk­licht. Nur so kön­nen die Prie­ster die Gabe des Zöli­bats voll­ends leben und sind fähig, christ­li­che Gemein­schaf­ten auf­blü­hen zu las­sen, in denen sich die Wun­der der ersten Ver­kün­di­gung des Evan­ge­li­ums wie­der­ho­len.

Das Pau­lus­jahr, das sich sei­nem Ende zuneigt, rich­tet unse­re Gedan­ken auch auf den Völ­ker­apo­stel, in dem vor unse­ren Augen ein glän­zen­des Bei­spiel eines ganz und gar sei­nem Dienst „hin­ge­ge­be­nen“ Prie­sters auf­leuch­tet. „Die Lie­be Chri­sti hat uns in Besitz genom­men“, schreibt er, „da wir erkannt haben: Einer ist für alle gestor­ben, also sind alle gestor­ben“ (vgl. 2 Kor 5, 14). Und er fügt hin­zu: „Er ist aber für alle gestor­ben, damit die Leben­den nicht mehr für sich leben, son­dern für den, der für sie starb und auf­er­weckt wur­de“ (2 Kor 5, 15). Gibt es ein bes­se­res Pro­gramm, das man einem Prie­ster vor­schla­gen könn­te, der damit beschäf­tigt ist, auf dem Weg der christ­li­chen Voll­kom­men­heit vor­an­zu­schrei­ten?

Lie­be Prie­ster, die Fei­er des 150. Todes­tags des hei­li­gen Johan­nes Maria Vian­ney (1859) schließt sich unmit­tel­bar an die kaum abge­schlos­se­nen Fei­ern zum 150. Jah­res­tag der Erschei­nun­gen von Lour­des (1858) an. Schon 1959 hat­te der seli­ge Papst Johan­nes XXIII. bemerkt: „Kurz bevor der Pfar­rer von Ars sei­ne lan­ge ver­dienst­vol­le Lauf­bahn been­det hat­te, war in einem ande­ren Teil Fran­reichs die Unbe­fleck­te Jung­frau einem demü­ti­gen und rei­nen Mäd­chen erschie­nen, um ihm eine Bot­schaft des Gebe­tes und der Buße zu über­mit­teln, deren enor­me geist­li­che Reso­nanz seit einem Jahr­hun­dert wohl­be­kannt ist. Tat­säch­lich war das Leben des hei­li­gen Prie­sters, des­sen Geden­ken wir fei­ern, im vor­aus eine leben­di­ge Dar­stel­lung der gro­ßen über­na­tür­li­chen Wahr­hei­ten, die der Sehe­rin von Mas­s­a­bi­el­le ver­mit­telt wur­den. Er selbst heg­te für die Unbe­fleck­te Emp­fäng­nis der Aller­se­lig­sten Jung­frau eine glü­hen­de Ver­eh­rung – er, der 1836 sei­ne Pfar­rei der ohne Sün­de emp­fan­ge­nen Maria geweiht hat­te und dann die dog­ma­ti­sche Defi­ni­ti­on von 1854 mit so viel Glau­ben und Freu­de auf­neh­men soll­te.“ Der hei­li­ge Pfar­rer erin­ner­te sei­ne Gläu­bi­gen immer dar­an, daß „Jesus Chri­stus, nach­dem er uns alles gege­ben hat­te, was er uns geben konn­te, uns noch das Wert­voll­ste als Erbe hin­ter­las­sen woll­te, das er besitzt, näm­lich sei­ne Mut­ter“.

Der Aller­se­lig­sten Jung­frau ver­traue ich die­ses Jahr der Prie­ster an und bit­te sie, im Innern jedes Prie­sters eine groß­her­zi­ge Wie­der­be­le­bung jener Idea­le der völ­li­gen Hin­ga­be an Chri­stus und an die Kir­che aus­zu­lö­sen, die das Den­ken und Han­deln des hei­li­gen Pfar­rers von Ars bestimm­ten. Mit sei­nem eif­ri­gen Gebets­le­ben und sei­ner lei­den­schaft­li­chen Lie­be zum gekreu­zig­ten Jesus nähr­te Johan­nes Maria Vian­ney sei­ne täg­li­che rück­halt­lo­se Hin­ga­be an Gott und an die Kir­che. Möge sein Bei­spiel die Prie­ster zu jenem Zeug­nis der Ein­heit mit dem Bischof, unter­ein­an­der und mit den Lai­en bewe­gen, das heu­te wie immer so not­wen­dig ist. Trotz des Übels, das es in der Welt gibt, sind die Wor­te Chri­sti an sei­ne Apo­stel im Abend­mahls­saal stets aktu­ell: „In der Welt seid ihr in Bedräng­nis; aber habt Mut: Ich habe die Welt besiegt“ (Joh 16, 33). Der Glau­be an den gött­li­chen Mei­ster gibt uns die Kraft, ver­trau­ens­voll in die Zukunft zu schau­en. Lie­be Prie­ster, Chri­stus rech­net mit euch. Nach dem Bei­spiel des hei­li­gen Pfar­rers von Ars laßt euch von ihm ver­ein­nah­men, dann seid in der Welt von heu­te auch ihr Boten der Hoff­nung, der Ver­söh­nung und des Frie­dens!

Von Her­zen ertei­le ich euch mei­nen Segen.

Aus dem Vati­kan, am 16. Juni 2009