Die bleibende Aktualität des Naturrechts

(Vati­kan) Die objek­ti­ven Wer­te des Natur­rechts sind nach wie vor die Grund­la­ge einer uni­ver­sel­len Ethik, betont ein neu­es Doku­ment der Inter­na­tio­na­len Theo­lo­gen­kom­mis­si­on. Zur­zeit ist das Doku­ment (Titel: „Auf der Suche nach einer uni­ver­sel­len Ethik: ein neu­er Blick auf das Natur­ge­setz“) auf Ita­lie­nisch und Fran­zö­sisch auf der Home­page des Hei­li­gen Stuhls zugäng­lich ( https://www.vatican.va/roman_curia/congregations/cfaith/cti_index_ge.htm ). Die Kom­mis­si­on betont dar­in die Not­wen­dig­keit einer Über­ein­stim­mung in objek­ti­ven und uni­ver­sel­len ethi­schen Wer­ten, auch um die Hochs und Tiefs der öffent­li­chen Mei­nung und Mani­pu­la­ti­on durch Regie­run­gen zu ver­mei­den.

„Die­se Wer­te garan­tie­ren zum Bei­spiel eine soli­de­re Basis für die Men­schen­rech­te als ein fra­gi­ler Rechts­po­si­ti­vis­mus“, erklärt der fran­zö­si­sche Domi­ni­ka­ner­pa­ter Ser­ge-Tho­mas Boni­no, der Mit­glied der Kom­mis­si­on ist. In dem, „was mensch­li­che Wesen als Men­schen aus­zeich­net“, müß­ten die­se Wer­te gefun­den wer­den, und zwar völ­lig unab­hän­gig von Her­kunft, Kul­tur und Reli­gi­on.

Neben dem Schutz vor Ideo­lo­gien, die auf mensch­li­che Wür­de kei­ne Rück­sicht neh­men, möch­te die Theo­lo­gen­kom­mis­si­on vor allem der herr­schen­den Dis­kre­panz zwi­schen der ethi­schen Ord­nung auf der einen Sei­te und der öko­no­mi­schen, recht­li­chen und poli­ti­schen Ord­nung auf der ande­ren Sei­te ent­ge­gen­wir­ken. Die­se ande­ren Berei­che mensch­li­cher Tätig­keit ten­dier­ten dazu, sich ohne Rück­sicht auf das sitt­li­che Gute, das objek­tiv und uni­ver­sell sei, zu ent­wickeln, erklärt das Doku­ment.

Gemäß dem Natur­recht aber — betont die Kom­mis­si­on — „sind Men­schen und mensch­li­che Gemein­schaf­ten fähig, im Licht der Ver­nunft die grund­le­gen­den Aus­rich­tun­gen mora­li­schen Han­delns in Über­ein­stim­mung mit der Natur des mensch­li­chen Sub­jekts zu erken­nen und in nor­ma­ti­ver Wei­se dar­zu­stel­len, und zwar in Form von Vor­schrif­ten oder Gebo­ten“. Jeg­li­che Richt­li­ni­en — mora­li­sche, recht­li­che und poli­ti­sche — müss­ten sich an die­sen grund­le­gen­den Gebo­ten ori­en­tie­ren.

Das Doku­ment ver­weist auch dar­auf, daß es bereits ein gemein­sa­mes ethi­sches Erbe gibt, das sich in den zahl­rei­chen Über­ein­stim­mun­gen der ver­schie­de­nen kul­tu­rel­len und reli­giö­sen Tra­di­tio­nen der Welt zei­ge. Sei­ne wah­re Voll­endung wür­de das Natur­recht frei­lich in Jesus Chri­stus fin­den, ohne dabei durch ihn abge­schafft zu wer­den. Das letz­te Kapi­tel des Doku­ments ist Jesus Chri­stus selbst gewid­met, der sich dem Men­schen im Licht des Glau­bens als wah­re Richt­li­nie des mensch­li­chen Lebens zei­ge.

(Zenit/ Josef Spin­del­böck)