Verurteilung Galileis „wohl begründet“

(Vati­kan) Der „Chef­hi­sto­ri­ker“ des Vati­kans, Wal­ter Brand­mül­ler, nennt die Ver­ur­tei­lung von Gali­leo Gali­lei (1564–1642) „wohl begrün­det“. Der Astro­nom leb­te zwar neun Jah­re unter Haus­ar­rest, sei aber ein „guter Katho­lik“ gewe­sen und habe die Auto­ri­tät der Kir­che „frag­los aner­kannt“, sag­te der Prä­si­dent des Päpst­li­chen Komi­tees für Geschichts­wis­sen­schaf­ten der Mitt­woch­aus­ga­be der deut­schen Tages­zei­tung Die Welt.

Nach den Wor­ten des eme­ri­tier­ten Pro­fes­sors für Kir­chen­ge­schich­te kam der Pro­zeß gegen Gali­lei wegen des­sen Erschlei­chung einer Druck­erlaub­nis in Gang. Das Hei­li­ge Offi­zi­um habe ihn dane­ben ledig­lich auf­ge­for­dert, sei­ne Theo­rie über das Son­nen­sy­stem als Hypo­the­se und nicht als exak­te Beschrei­bung zu ver­tre­ten. Damit sei die Inqui­si­ti­ons­be­hör­de nach moder­nen wis­sen­schaft­li­chen Maß­stä­ben sogar im Recht gewe­sen.

Brand­mül­ler nann­te es eine weit ver­brei­te­te Falsch­in­for­ma­ti­on, daß Gali­lei wegen Häre­sie exkom­mu­ni­ziert wor­den sei: „Er war und leb­te mit gro­ßer Selbst­ver­ständ­lich­keit in der Kir­che.“ Bis zu sei­nem Tod habe er gebeich­tet und die Kom­mu­ni­on emp­fan­gen. In dem Inter­view wies Brand­mül­ler des­halb auch den Ver­gleich zwi­schen Gali­lei und dem Refor­ma­tor Mar­tin Luther zurück.

(RV)