Papst schreibt Klarstellung zur Aufhebung des Exkommunikationsdekrets und kritisiert seine Kritiker

(Vati­kan) Papst Bene­dikt XVI. hat nun selbst zur Feder gegrif­fen, um in einem Schrei­ben von sie­ben Sei­ten, die Beweg­grün­de, für die Auf­he­bung des Exkom­mu­ni­ka­ti­ons­de­krets der vier Bischö­fe der Prie­ster­bru­der­schaft St. Pius X. zu erklä­ren. Der Inhalt des Schrei­bens, das mor­gen offi­zi­ell ver­öf­fent­licht wer­den soll, wur­de heu­te bereits von eini­gen Medi­en in Aus­zü­gen bekannt­ge­macht, so von den ita­lie­ni­schen Tages­zei­tun­gen Il Giorna­le und Il Foglio.

Es han­delt sich „um einen bemer­kens­wer­ten, schö­nen, demü­ti­gen und zugleich star­ken Text“, wie die Tages­zei­tung Il Giorna­le schreibt. Der Papst wol­le damit Klar­heit schaf­fen bezüg­lich der Pole­mi­ken, die mit der Auf­he­bung des Exkom­mu­ni­ka­ti­ons­de­krets und dem Fall Wil­liam­son folg­ten und der Kri­tik, die vor allem auch inner­halb der Kir­che auf­ge­flamm­te. Das Schrei­ben ist an alle katho­li­schen Bischö­fe der Welt gerich­tet.

Der Hei­li­ge Vater bedau­ert dar­in eini­ge Feh­ler, von denen die Auf­he­bung beglei­tet war: daß die römi­sche Kurie die nega­tio­ni­sti­schen Äuße­run­gen von Msgr. Wil­liam­son nicht bemerkt hat, obwohl sie bereits seit eini­gen Tagen im Inter­net zugäng­lich waren; daß nicht „aus­rei­chend klar“ „die Trag­wei­te und die Gren­zen“ die­ser Geste der „Barm­her­zig­keit“ des Pap­stes erklärt wor­den sind. Vor allem prä­zi­siert er, daß eine Exkom­mu­ni­ka­ti­on Per­so­nen trifft und nicht Insti­tu­tio­nen. Sei betrifft also vier Per­so­nen, nicht aber die Bru­der­schaft an sich. Die Auf­he­bung betrifft eine Dis­zi­pli­nar­maß­nah­me, die klar von Fra­gen des Lehr­amts getrennt sind: „Die Tat­sa­che, daß die Prie­ster­bru­der­schaft St. Pius X. nicht eine kir­chen­recht­li­che Posi­ti­on in der Kir­che besitzt, ist letzt­lich nicht eine Dis­zi­pli­nar­f­ra­ge, son­dern eine lehr­amt­li­che. Auch wenn ihre Bischö­fe „von der Kir­chen­stra­fe befreit wor­den sind, üben sie kein recht­mä­ßi­ges Amt in der Kir­che aus“, so der Hei­li­ge Vater.

Die Ein­la­dung zur Ver­söh­nung an eine Grup­pe, die sich getrennt hat­te, wur­de – wegen des Falls Wil­liam­son — hin­ge­gen so dar­ge­stellt, als wol­le man neue Brü­che zwi­schen Chri­sten und Juden schaf­fen. „In den Wor­ten des Pap­stes ist der Schmerz hör­bar, den ihm die­se Instru­men­ta­li­sie­rung berei­tet hat, schreibt Il Giorna­le. Zumal gera­de die Ver­söh­nung mit den Juden „seit jeher ein Ziel mei­ner per­sön­li­chen theo­lo­gi­schen Arbeit war“, so der Hei­li­ge Vater selbst. Des­halb erklärt er auch, daß der Hei­li­ge Stuhl künf­tig den im Inter­net ver­brei­te­ten Nach­rich­ten mehr Auf­merk­sam­keit schen­ken muß (die Erklä­run­gen Wil­liam­sons waren bereits weni­ge Tage vor der Ver­öf­fent­li­chung des Dekrets im Inter­net in Umlauf).

Die Auf­he­bung, schreibt der Papst, „hat inner­halb und außer­halb der katho­li­schen Kir­che eine Dis­kus­si­on von sol­cher Vehe­menz aus­ge­löst, wie sie seit lan­ger Zeit nicht mehr ver­sucht wor­den ist“ und hat eine „Pro­test­la­wi­ne“ los­ge­tre­ten, bei denen, die sie als einen ent­schie­de­nen Schritt zurück in Bezug auf das Zwei­te Vati­ka­ni­sche Kon­zil auf­ge­faßt haben. Der Hei­li­ge Vater fügt in sei­nem Schrei­ben des­halb auch hin­zu: „Es hat mich betrübt, daß auch Katho­li­ken, die es im Grun­de bes­ser wis­sen hät­ten kön­nen, wie die Din­ge ste­hen, gedacht haben, mich mit einer zum Angriff berei­ten Feind­se­lig­keit schla­gen zu müs­sen. Gera­de des­halb dan­ke ich um so mehr den jüdi­schen Freun­den, die sofort behilf­lich waren, das Miß­ver­ständ­nis zu besei­ti­gen und die Atmo­sphä­re der Freund­schaft und des Ver­trau­ens wie­der­her­zu­stel­len.“

„Das für mich unvor­her­seh­ba­re Miß­ge­schick war“, fährt das Schrei­ben laut Vor­ab­drucken fort, „daß der Fall Wil­liam­son die Rück­nah­me der Exkom­mu­ni­ka­ti­on über­la­gert hat. Die Geste der Barm­her­zig­keit gegen­über den vier gül­tig, aber nicht recht­mä­ßig geweih­ten Bischö­fen, erschien plötz­lich als eine völ­lig ande­re Sache: wie ein Wider­ruf der Ver­söh­nung zwi­schen Chri­sten und Juden und damit wie die Rück­nah­me des­sen, was das Kon­zil in die­ser Sache für den Weg der Kir­che geklärt hat­te.“

Wei­ter kün­digt der Papst an, daß er die mit der Prie­ster­bru­der­schaft St. Pius X. befaß­te Kom­mis­si­on Eccle­sia Dei der Glau­bens­kon­gre­ga­ti­on ein­glie­dern wol­le. Über das Zwei­te Vati­ka­ni­sche Kon­zil schreibt Bene­dikt XVI.: „Man kann nicht das Lehr­amt der Kir­che im Jahr 1962 ein­frie­ren – das muß auch der Bru­der­schaft klar sein. Aber auch eini­gen von jenen, die sich als Ver­tei­di­ger des Kon­zils aus­ge­ben, muß in Erin­ne­rung geru­fen wer­den, daß das Zwei­te Vati­ca­num, die gesam­te Geschich­te der Glau­bens­leh­re der Kir­che mit sich trägt. Wer dem Kon­zil treu sein will, muß den im Lauf der Jahr­hun­der­te bekann­ten Glau­ben akzep­tie­ren und kann nicht die Wur­zeln abschnei­den, von denen der Baum lebt.“

(Il Giornale/JF)