[Kirchenkrise] Linzer Zustände – Beispielloser Angriff auf die Autorität des Papstes

(Linz) Die Ernen­nung eines neu­en Weih­bi­schofs für die öster­rei­chi­sche Diö­ze­se Linz wur­de zum bei­spiel­lo­sen Sturm­lauf gegen den Papst und die kirch­li­che Ord­nung. Am 31. Janu­ar 2009 wur­de bekannt gege­ben, daß Papst Bene­dikt XVI. den ober­öster­rei­chi­schen Diö­ze­san­prie­ster und Pfar­rer von Win­disch­gar­sten, Ger­hard Maria Wag­ner, zum Weih­bi­schof sei­ner Hei­mat­diö­ze­se ernannt hat­te. Die Bekannt­ga­be löste vor allem unter den glau­bens­treu­en Katho­li­ken gro­ße Freu­de aus, die ins­ge­heim genau dar­auf gehofft hat­ten. Immer wie­der waren Gerüch­te im Umlauf, daß auch der Name Wag­ners auf dem Drei­er­vor­schlag des Dom­ka­pi­tels stün­de. Eben­so oft wur­de dies demen­tiert.

Die schon fast sprich­wört­li­chen Miß­stän­de der Diö­ze­se Linz gel­ten im deut­schen Sprach­raum als ein­zig­ar­tig. Prie­ster, die aus Über­zeu­gung oder Schwä­che gegen­über auf­be­geh­ren­den Lai­en­theo­lo­gen oder wich­tig­tue­ri­schen Selbst­dar­stel­lern ein lit­ur­gi­sches Cha­os pro­du­zie­ren. Ein auf­ge­bla­se­ner, haupt­amt­li­cher Lai­en­ap­pa­rat, der zen­tra­le Schalt­stel­len der Diö­ze­se besetzt und die Orts­kir­che von römisch-katho­lisch auf grün-libe­ral umzu­po­len ver­sucht. Erst­ver­ant­wort­li­cher dafür ist der eme­ri­tier­te Diö­ze­san­bi­schof Maxi­mi­li­an Aichern OSB (1982–2005). Aichern, im Bischofs­amt völ­lig über­for­dert, ließ die Zügel der­ma­ßen schlei­fen, daß sich ein haupt­amt­li­ches Lai­en­re­gi­ment breit machen konn­te und sowohl die Prie­ster­aus­bil­dung als auch die Per­so­nal­po­li­tik gro­ßen Scha­den nah­men. Er dul­de­te skan­da­lö­se Über­tre­tun­gen der lit­ur­gi­schen Hand­lun­gen bei der Hei­li­gen Mes­se und bei der Sakra­men­ten­spen­dung. Daß sich der Lei­ter des Refe­rats für Ehe und Fami­lie, Rolf Sau­er, vor­dring­lich für „die Rech­te“ von Homo­se­xu­el­len ein­setzt und ein angeb­li­ches Homo­se­xu­el­len-Gen pro­pa­giert, wäh­rend bei den von ihm ver­ant­wor­te­ten Ehe­vor­be­rei­tungs­kur­sen das Wort Sakra­ment für die Ehe kein ein­zi­ges Mal fällt, aber Ver­hü­tungs­mit­tel den künf­ti­gen katho­li­schen Ehe­paa­ren „zur Anschau­ung“ her­um­ge­reicht und bewor­ben wer­den; daß in einer Mas­sen­post­sen­dung der Katho­li­schen Diö­ze­san­ju­gend an 15.000 Jugend­li­che eine CD mit Verhütungs‑, Abtrei­bungs- und Homo­se­xu­el­len­pro­pa­gan­da ver­schickt wur­de, sind nur eini­ge Bei­spie­le der Lin­zer Zustän­de, die von Orts­kun­di­gen belie­big ergänzt wer­den könn­ten.

Nach­fol­ger als Diö­ze­san­bi­schof wur­de 2005 der Wie­ner Weih­bi­schof Lud­wig Schwarz SDB, der Aicherns Kurs nicht fort­setz­te, viel­mehr die ille­ga­le Lai­en­pre­digt und lit­ur­gi­sche Exzes­se zu unter­bin­den ver­such­te. Die akti­ven und vor allem pas­si­ven Wider­stän­de des diö­ze­sa­nen „Mit­tel­baus“ und besten­falls noch pseu­do­ka­tho­lisch zu nen­nen­der, aber wohl­do­tier­ter Ver­bän­de erwie­sen sich jedoch grö­ßer als erwar­tet. Die zöger­li­che Hal­tung von Schwarz ließ die Umset­zung sei­ner begrü­ßens­wer­ten Erneue­rung in der Pra­xis bald erheb­li­che Lücken auf­wei­sen. Die Not­wen­dig­keit eines Weih­bi­schofs wur­de immer deut­li­cher und als Wunsch von Bischof Schwarz in Rom vor­ge­bracht.

Pfar­rer Ger­hard Maria Wag­ner – „kon­ser­va­tiv“ als Syn­onym für katho­lisch

Wer aber ist der vom Papst ernann­te neue Weih­bi­schof? Ger­hard Maria Wag­ner ist Jahr­gang 1954 und wäre damit mit dem Inns­brucker Diö­ze­san­bi­schof Man­fred Scheu­er Öster­reichs jüng­ster Bischof. 1979 zum Prie­ster geweiht, wur­de er nach fünf Jah­ren in der Pfarr­seel­sor­ge 1984 zum Stu­di­um frei­ge­stellt. In Rom stu­dier­te er Dog­ma­tik an der Päpst­li­chen Uni­ver­si­tät Gre­go­ria­na und wur­de 1988 mit Aus­zeich­nung pro­mo­viert. Offen­sicht­lich war dem eben erst an die Spit­ze der Diö­ze­se beru­fe­nen Aichern nicht aus­rei­chend klar, wen er nach Rom schick­te. Ein Dok­to­rats­stu­di­um signa­li­siert all­ge­mein die Absicht eines Bischofs, den Betref­fen­den für eine höhe­re Auf­ga­be in der Diö­ze­se vor­zu­se­hen. Wag­ners „Kar­rie­re“ ver­lief aber völ­lig anders. Mit einem Sum­ma-cum-lau­de-Abschluß nach Linz zurück­ge­kehrt, wur­de er als Pfar­rer in das wun­der­schö­ne, aber doch ent­le­ge­ne Garst­ner­tal ver­setzt. In der kirch­li­chen Pra­xis nicht weni­ger Diö­ze­sen ent­spricht dies dem Schick­sal, das vor allem glau­bens­treue und from­me Prie­ster zu erdul­den haben. Wag­ner soll­te weit abseits der Diö­ze­san­lei­tung tätig sein müs­sen, jeden­falls kei­ner­lei Ein­fluß auf die­se aus­üben kön­nen. So blieb es bis zum 31. Janu­ar (oder fast), als Papst Bene­dikt den kei­nes­wegs „ein­fa­chen“, will sagen unfä­hi­gen Land­pfar­rer, wie es nun durch nicht weni­ge gehäs­si­ge Kom­men­tar­zei­len gei­ster­te, zum Bischof ernann­te. Fast, weil Pfar­rer Wag­ner 2005 von Rom bereits als Nach­fol­ger von Bischof Aichern für die Lei­tung der Diö­ze­se Linz aus­er­ko­ren wor­den war. Wiens Erz­bi­schof, Chri­stoph Kar­di­nal Schön­born, leg­te sich damals mit sei­nem gan­zen Gewicht quer und ent­sand­te lie­ber sei­nen „kon­ser­va­tiv­sten“ Weih­bi­schof Lud­wig Schwarz nach Linz, um Wag­ner zu ver­hin­dern und Rom mög­lichst ent­ge­gen­zu­kom­men.

Was zeich­net Wag­ner in den Augen des Pap­stes und der gläu­bi­gen Kir­che beson­ders aus? Das segens­rei­che und vor­bild­haf­te Wir­ken in sei­ner Pfar­rei. In Win­disch­gar­sten ent­stan­den unter ihm etwa 40 Gebets­krei­se. In der Pfar­rei fin­det täg­lich eucha­ri­sti­sche Anbe­tung statt. Pfar­rer Wag­ner ist weit über die Pfarr­gren­zen hin­aus ein gefrag­ter Beicht­va­ter, der oft vie­le Stun­den hin­ter­ein­an­der im Beicht­stuhl ver­bringt, weil er das Sakra­ment der Beich­te ernst nimmt. Er ent­fal­te­te eine blü­hen­de Jugend­ar­beit und pflegt ins­ge­samt eine auf die Men­schen zuge­hen­de Art, die nicht Selbst­zweck ist, son­dern zu Chri­stus hin­füh­ren soll. Und, er gehört dem Lin­zer Prie­ster­kreis an, der als Reak­ti­on auf die „Lin­zer Zustän­de“ unter glau­bens­treu­en Prie­stern ent­stan­den ist. Zu die­sem Prie­ster­kreis unter­hal­ten sowohl der Bru­der des Pap­stes, Msgr. Georg Ratz­in­ger, als auch der Sekre­tär des Pap­stes, Msgr. Georg Gäns­wein, herz­li­che Kon­tak­te.

Bei­spiel­lo­se Hetz­jagd durch diö­ze­sa­nen Funk­tio­närs­ap­pa­rat, medi­en­süch­ti­ge Theo­lo­gen und pseu­do­ka­tho­li­sche Ver­bän­de

Auf die Ernen­nung Wag­ners folg­te eine bis­her außer- wie inner­kirch­lich bei­spiels­lo­se Hetz­kam­pa­gne. Die Bei­spiel­lo­sig­keit wur­de sofort vom regie­ren­den Lan­des­haupt­mann (Mini­ster­prä­si­den­ten) des Lan­des Ober­öster­reich ein­ge­läu­tet, der die Beru­fung Wag­ners nega­tiv kom­men­tier­te und zur Beru­fung mein­te: „Das deu­tet dar­auf­hin, daß in Rom von der Diö­ze­se ein Bild herrscht, das mei­nes Erach­tens nicht der Rea­li­tät ent­spricht. Mit dem Win­disch­garst­ner Pfar­rer wur­de ein sehr kon­ser­va­ti­ver Geist­li­cher beru­fen.“ Lan­des­haupt­mann Püh­rin­ger ist von Beruf katho­li­scher Reli­gi­ons­leh­rer und damit bezahl­ter Ange­stell­ter der Diö­ze­se. Es war sofort klar, daß sein Aus­ritt nicht im Allein­gang gesche­hen konn­te, son­dern in Abspra­che erfolg­te.

Der haupt­amt­li­che Lai­en­ap­pa­rat der Diö­ze­se, allen vor­an Fer­di­nand Kai­ne­der, Lei­ter des Kom­mu­ni­ka­ti­ons­bü­ros der Diö­ze­se, stieß schnell ins Jagd­horn nach mit einer behaup­te­ten, aber weder veri­fi­zier­ten noch veri­fi­zier­ba­ren „Kir­chen­aus­tritts­wel­le“. Die Magie der Zah­len und Sta­ti­sti­ken von „Kir­chen­aus­trit­ten“ sind dabei nur eine satt­sam instru­men­ta­li­sier­te, doch reli­gi­ös völ­lig irrele­van­te ver­dor­be­ne Frucht des Hit­ler­schen Reichs­kon­kor­dats, aus dem der auf­ge­bläh­te Funk­tio­närs­ap­pa­rat der Diö­ze­se finan­ziert wird. Eine Aus­sa­ge Wag­ners vom „Gesund­schrump­fen“ der Kir­che muß­te mit Recht die Alarm­glocken eben die­ses Appa­ra­tes schril­len las­sen. Wo es um Gehalt und beque­me Ses­sel geht, ent­fal­ten sich die größ­ten Ener­gien. Damit erklärt sich bereits ein nicht uner­heb­li­cher Teil der frei­ge­setz­ten Anfein­dun­gen gegen Wag­ner. Die Medi­en als wil­li­ge Hel­fer waren den Wag­ner-Wider­sa­chern dabei sicher. Die dadurch zustan­de kom­men­de unhei­li­ge Alli­anz mit kir­chen­feind­li­chen Kräf­ten wur­de bil­li­gend in Kauf genom­men, denn letzt­lich mein­ten bei­de Kräf­te längst den Papst, auch wenn sie Wag­ner sagen.

Die Stim­mung schau­kel­te sich schnell auf und die beab­sich­tig­te Stoß­rich­tung wur­de immer deut­li­cher. Im Gleich­schritt mit den zeit­gei­sti­gen, aber wenig katho­li­schen Mas­sen­me­di­en wur­de stell­ver­tre­tend der Auf­stand gegen den Papst geprobt. Ein ima­gi­nä­res „Kir­chen­volk“ als pro­pa­gan­di­sti­scher Popanz war schnell kon­stru­iert, des­sen selbst­er­nann­te Augu­ren zu inter­pre­tie­ren wuß­ten, daß die­ses „irri­tiert“ sei über die Ent­schei­dung, die Per­son und den „unde­mo­kra­ti­schen Vor­gang, ihm einen Bischof auf­zu­zwin­gen“.

31 von 39 Dechan­ten der Diö­ze­se spra­chen sich in einer kir­chen­recht­lich nicht gedeck­ten und auch irrele­van­ten Eil­ver­samm­lung gegen die Ernen­nung aus und lie­fer­ten prompt eine medi­en­ge­rech­te Wort­wahl vom „deut­li­chen Signal“ mit. Das ist zwar nicht sin­gu­lär, aber den­noch bezeich­nend für den Zustand nicht nur der Diö­ze­se Linz und bezeugt die Bemü­hun­gen, neben der Kir­chen­ord­nung eine „demo­kra­ti­sche“ Par­al­lel­ord­nung nach libe­ra­lem Muster auf­zu­zie­hen.

Gene­ral­prä­ven­ti­on vor wei­te­ren „unlieb­sa­men“ Bischofs­er­nen­nun­gen

Bischö­fe ande­rer Diö­ze­sen mel­de­ten sich unge­fragt zu Wort und bewie­sen damit besten­falls, wie sehr die Gesetz­mä­ßig­kei­ten der Medi­en­ge­sell­schaft auch sie erfaßt haben. Allen vor­an ging Paul Iby, der Bischof von Eisen­stadt, und das nicht von unge­fähr. Des­sen Bischofs­stuhl wird dem­nächst als erster einer län­ge­ren Rei­he von öster­rei­chi­schen Bis­tü­mern von Rom neu­be­setzt wer­den. Hier wur­de die Sor­ge sicht­bar, daß Rom bei Bischofs­er­nen­nun­gen einen deut­li­che­ren Kurs ein­schla­gen könn­te, um den über­lie­fer­ten Glau­ben unver­kürzt zu bewah­ren und den noch vor­han­de­nen Kern an glau­bens­treu­en Katho­li­ken zu stär­ken, statt einer demo­kra­ti­schen und damit zwangs­läu­fig rela­ti­vi­sti­schen, den Gesetz­mä­ßig­kei­ten einer per­ma­nen­ten inne­ren Auf­lö­sung fol­gen­den All­um­fas­sung der Gesell­schaft nach­zu­hän­gen, die wohl den gesell­schaft­li­chen Rang der Kir­che wahrt, aber die Glau­bens­sub­stanz ver­damp­fen läßt und ihr damit jede wirk­li­che Kraft, in die­ser Welt zu wir­ken, nimmt.

Kar­di­nal Schön­born äußer­te sich wenig öffent­lich, fühl­te sich aber durch die von ihm bereits ein­mal ver­hin­der­te Ernen­nung „bis auf die geist­li­chen Kno­chen bla­miert“, wie die links­li­be­ra­le Tages­zei­tung Stan­dard zu berich­ten wuß­te. Ent­spre­chend wur­de Kar­di­nal Schön­born vom Reli­gi­ons­so­zio­lo­gen Zuleh­ner mit Lob über­schüt­tet, sich als „exzel­len­ter Trou­ble­shoo­ter“ bewährt zu haben, wäh­rend der wenig kir­chen­freund­li­che Stan­dard wohl­wol­lend befand, daß der Wie­ner Erz­bi­schof wie­der die „Kon­trol­le“ über­nom­men habe.

„Frei­wil­li­ger“ Rück­zug?

Unter dem kon­zen­trier­ten Trom­mel­feu­er bat Pfar­rer Wag­ner schließ­lich nach nur zwei Wochen Rom um die Ent­bin­dung von sei­ner Ernen­nung. Wer die eben­so freund­li­che wie kräf­ti­ge Natur Wag­ners in die­sen Wochen ken­nen­ler­nen konn­te, dürf­te über die­sen „Rück­zie­her“ nicht wenig ver­wun­dert sein.

Drei aus dem Zusam­men­hang geris­se­ne Stich­wor­te wur­den in den zurück­lie­gen­den Wochen in einem erschrecken­den Uni­so­no von den „rele­van­ten“ Medi­en als „Ankla­ge­punk­te“ gegen Wag­ner ange­führt (Heil­bar­keit von Homo­se­xua­li­tät, die Bewer­tung von Har­ry Pot­ter, Hur­ri­kan und Stra­fe Got­tes). Der Salz­bur­ger Weih­bi­schof Andre­as Laun konn­te unschwer nach­wei­sen, daß die Vor­wür­fe nicht ein­mal einer ober­fläch­li­chen Betrach­tung stand­hal­ten kön­nen, son­dern bewuß­te Ver­dre­hun­gen oder absicht­li­ches Miß­ver­ste­hen dar­stel­len. Den­noch stell­te sich auch des­sen Erz­bi­schof Alo­is Koth­gas­ser SDB in die Rei­he der absicht­lich Miß­ver­ste­hen­den.

Der Lin­zer Diö­ze­san­bi­schof ver­hielt sich aus­ge­spro­chen ambi­va­lent. So sehr medi­al behaup­tet wur­de, daß Wag­ner in kei­ner Wei­se „Wunsch­kan­di­dat“ von Dom­ka­pi­tel oder Dechan­ten sei, gilt das Wort des zustän­di­gen apo­sto­li­schen Nun­ti­us, Erz­bi­schof Edmond Far­hat, daß kein Weih­bi­schof ernannt wer­de, „wenn er nicht von sei­nem Orts­bi­schof vor­ge­schla­gen wur­de“. Nach­dem sich Bischof Schwarz anfäng­lich noch schüt­zend vor Wag­ner stell­te, brach er schließ­lich vor der Wucht des Angriffs ein. In einem Appell wand­te er sich noch wohl­mei­nend an die „Mit­ar­bei­ter und Mit­ar­bei­te­rin­nen“, um sie zur Ver­nunft zu brin­gen, der jedoch von den Rebel­len völ­lig igno­riert wur­de und unge­hört blieb. In Rom zeig­te man sich wenig beein­druckt von dem Wolfs­ge­heul, das man offen­sicht­lich bereits ein­kal­ku­liert hat­te. Wäh­rend sich Pfar­rer Wag­ner in Rom befand, erklär­te Kuri­en­bi­schof Josef Cle­mens, Sekre­tär des Päpst­li­chen Rats für die Lai­en, den erzeug­ten Wir­bel „als die Neu­auf­la­ge eines The­mas, das schon gespielt wur­de.“

Bischof Schwarz sei es schließ­lich gewe­sen, will man Medi­en­be­rich­ten Glau­ben schen­ken, der Pfar­rer Wag­ner nach „Dro­hun­gen“ am 13. Febru­ar bedrängt habe, auf die Ernen­nung zu ver­zich­ten. Nach­dem der Vor­sit­zen­de der öster­rei­chi­schen Bischofs­kon­fe­renz, Wiens Erz­bi­schof Kar­di­nal Chri­stoph Schön­born, wegen der Ernen­nung und der dar­aus angeb­lich ent­stan­de­nen „Kir­chen­kri­se“ bereits eine Son­der­sit­zung der Bischofs­kon­fe­renz ange­kün­digt hat­te, die eine unzwei­deu­tig gegen Wag­ner gerich­te­te Spit­ze ver­riet, gab Wag­ner am 15. Febru­ar sei­nen Ver­zicht bekannt. Zynisch und ver­let­zend wirkt der plötz­li­che Applaus jener, die zuvor noch mit größ­ter Abnei­gung gegen den Win­disch­gar­ste­ner Pfar­rer intri­giert hat­ten. Sie bezeich­ne­ten den „frei­wil­li­gen“ Rück­tritt Wag­ners nun als „muti­ge Ent­schei­dung“. Bischof Schwarz sprach von „Erleich­te­rung“ und erklär­te, daß „nun alles bes­ser wer­de“. Eine gewag­te Ankün­di­gung, die zahl­rei­che neue Fra­gen auf­wirft und auf­grund der bis­he­ri­gen Pra­xis und der Ereig­nis­se die­ser Wochen mehr denn je bezwei­felt wer­den darf.

Mit her­bei­ge­re­de­ter Kri­se tat­säch­li­che Kri­se kaschie­ren

Die Son­der­sit­zung fand am dar­auf­fol­gen­den Tag den­noch statt und ende­te mit der Ver­ab­schie­dung eines Hir­ten­brie­fes. Die Bischö­fe selbst neh­men dar­in mehr­fach das Wort „Kri­se“ in den Mund, um die Lage zu beschrei­ben und gie­ßen mit die­ser Dik­ti­on Was­ser auf die Müh­len der Rebel­len. Wäh­rend dem Chor der kaum mehr katho­lisch zu nen­nen­den Wort­mel­dun­gen gedul­dig Honig gereicht wird, wol­len die Bischö­fe in Rom den allei­nig „Schul­di­gen“ aus­ge­macht haben. Die Ernen­nung von Pfar­rer Wag­ner wird zwar etwas gewun­den, aber doch offen kri­ti­siert, denn es gel­te sicher­zu­stel­len, „daß Bischö­fe nicht ‚gegen‘, son­dern ‚für‘ eine Orts­kir­che ernannt wer­den“. Ein glau­bens­treu­er und vor­bild­haf­ter Prie­ster wird damit unzwei­deu­tig zum „Kir­chen­feind“ zumin­dest einer fik­ti­ven „Orts­kir­che“ erklärt. Gleich­zei­tig winkt man dem Papst mit dem Zaun­pfahl, bei den bevor­ste­hen­den Bischofs­er­nen­nung gefäl­ligst nach Wunsch der „Orts­kir­che“, sprich eines bestimm­ten Krei­ses zu ent­schei­den. Im Hir­ten­schrei­ben zei­gen sich die Bischö­fe in „Sor­ge“. Offen­sicht­lich aber nicht wegen der unüber­seh­ba­ren Zer­set­zungs­ten­den­zen und uner­hör­ten Angrif­fe unter katho­li­schem Eti­kett, son­dern ein­zig „wegen der römi­scher ‚Ein­mi­schung‘ “ mit „kon­ser­va­ti­ver Ten­denz“ gegen den Sta­tus quo. Kein Wort der Kri­tik an inak­zep­ta­blen Ent­glei­sun­gen, für die T‑Shirts der katho­li­schen Jugend mit der Auf­schrift „trotz spei­ben blei­ben“ nur ein eben­so ungu­stiö­ses wie into­le­ra­bles Bei­spiel sind.

Kar­di­nal Schön­born, der die Linie in der Bischofs­kon­fe­renz vor­gibt, hüllt sei­ne Kri­tik an Rom, denn ein­zig Rom wird als allei­ni­ger „Schul­di­ger“ aus­ge­macht, in die Voka­bel „Kom­mu­ni­ka­ti­ons­schwie­rig­kei­ten“. Unschwer erkenn­bar han­delt es sich aber gera­de nicht um eine blo­ße Fra­ge der Kom­mu­ni­ka­ti­on, son­dern längst um grund­sätz­li­che Fra­gen des Kir­chen­ver­ständ­nis­ses, der katho­li­schen Leh­re, des Gehor­sams und der päpst­li­chen Auto­ri­tät.

Selbst wenn Öster­reichs Diö­ze­san­bi­schö­fe mit bestem Wil­len und in gutem Glau­ben gehan­delt haben soll­ten, was bei eini­gen aller­dings berech­tigt bezwei­felt wer­den darf, muß ihnen bewußt gewe­sen sein, daß sie vor allem danach getrach­tet haben, sich selbst aus der media­len Schuß­li­nie zu brin­gen und den Papst allein­ge­las­sen haben. Im Volks­mund nennt man das „den schwar­zen Peter“ zuschie­ben.

Drang zu einer „ande­ren“ Kir­che

Als gro­ßer Ver­lie­rer steht ein­mal mehr die katho­li­sche Kir­che da, deren Anse­hen und vor allem das des Hei­li­gen Vaters durch das Ver­hal­ten der „Orts­kir­che“ und ein unge­brem­stes Rebel­len­tum beschä­digt wur­de. Und dies vor­dring­lich durch den Hand­lan­ger­dienst jener, die sie eigent­lich ver­tei­di­gen soll­ten. Ein­mal mehr hat man sich in einer inner­kirch­li­chen Fra­ge die unkirch­li­chen Spiel­re­geln der medio­kra­ti­schen Zivil­ge­sell­schaft auf­zwin­gen las­sen, was nur mög­lich war, weil eine inner­kirch­li­che Sei­te dies zur Stär­kung und Durch­set­zung ihrer Posi­ti­on so woll­te und dies ohne Rück­sicht auf Ver­lu­ste. Die Tod­schlag­keu­le „kon­ser­va­tiv“, die Paul Zuleh­ner in die Treib­jagd gegen Pfar­rer Wag­ner ein­brach­te, ist längst zum Syn­onym für katho­lisch gewor­den. Wag­ners angeb­li­che Aus­sa­gen dien­ten dabei nur zur Kaschie­rung einer grund­sätz­li­chen Ableh­nung. Die­se ergibt sich eben nicht, wie behaup­tet, wegen irgend­wel­cher angeb­lich „unzu­mut­ba­rer“, in Wirk­lich­keit absicht­lich ver­zerr­ter Stel­lung­nah­men Wag­ners, son­dern ein­zig wegen sei­ner kla­ren und offen­kun­di­gen glau­bens­treu­en Hal­tung.

Den­noch ist die Ange­le­gen­heit noch nicht ent­schie­den. Der Papst kann den „Wunsch“ Wag­ners anneh­men, muß dies aber kei­nes­wegs. Bis auf wei­te­res ist Wag­ner ernann­ter Weih­bi­schof der Diö­ze­se Linz. Von der Ent­schei­dung Roms hängt viel ab, das weiß man dort wie eben­so in Linz, Wien und ande­ren Orts, woher die Blicke auf die Ereig­nis­se an der Donau gerich­tet sind. Ein Nach­ge­ben wür­de den Rebel­len indi­rekt Recht geben und jede künf­ti­ge Per­so­nal­ent­schei­dung Roms und wohl nicht nur sol­che mit­be­din­gen. Die Rebel­len könn­ten sich „rüh­men“, mit den Füßen eine Ent­schei­dung des Pap­stes nie­der­ge­tram­pelt und damit ver­hin­dert zu haben. Die­se „basis­de­mo­kra­ti­sche“ wie eben­so unka­tho­li­sche Art könn­te Gefal­len fin­den und das gel­ten­de Kir­chen­recht de fac­to erset­zen. Aus die­sem Grund und ande­ren prin­zi­pi­el­ler Natur erwar­ten und erhof­fen sich Ober­öster­reichs glau­bens- und damit kir­chen- und papst­treue Katho­li­ken und im gan­zen deut­schen Sprach­raum eine kla­re Ent­schei­dung Roms, oder wie es ein katho­li­scher, öster­rei­chi­scher Abge­ord­ne­ter aus­drück­te: „Die Bischö­fe haben den Bogen über­spannt, eine schal­len­de Beleh­rung aus Rom täte ihnen gut.“

Giu­sep­pe Nar­di