Viereinhalb Jahre Gefängnis für Messerangriff auf katholischen Priester — Fernsehserie inspirierte 17-jährigen Muslim zur Tat

(Instan­bul) Nach dem Mes­ser­an­griff auf einen katho­li­schen Prie­ster im tür­ki­schen Izmir vor über einem Jahr wur­de am 5. Janu­ar ein 19-jäh­ri­ger Mus­lim zu vier­ein­halb Jah­ren Gefäng­nis ver­ur­teilt. Der zur Tat 17-jäh­ri­ge Rama­zan Bay hat­te sich im Dezem­ber 2007 nach der Mes­se in der St.-Antonius-Kirche dem ita­lie­ni­schen Geist­li­chen Adria­no Fran­chi­ni (65) genä­hert und Inter­es­se am Chri­sten­tum bekun­det. Wäh­rend des Gesprä­ches wur­de Bay ärger­lich, zog ein Mes­ser und ramm­te es dem Prie­ster in den Bauch. Fran­chi­ni wur­de im Kran­ken­haus behan­delt. Berich­ten zufol­ge sag­te Bay, der aus Bali­ke­sir, etwa 140 Kilo­me­ter nörd­lich von Izmir stammt, er sei von einer Epi­so­de der Fern­seh­se­rie Kurtlar Vadi­si (Tal der Wöl­fe) beein­flußt wor­den. Die Serie kari­kiert christ­li­che Mis­sio­na­re als poli­ti­sche „Ein­dring­lin­ge“, die arme Fami­li­en dafür bezah­len, vom Islam zum Chri­sten­tum zu kon­ver­tie­ren.

Die Fern­seh­se­rie soll auch Murat Tabuk beein­flußt haben. Er gestand, daß die popu­lä­re ultra-natio­na­li­sti­sche Serie ihn zu einem (ver­ei­tel­ten) Anschlag im Dezem­ber 2007 auf Pastor Rama­zan Arkan aus Anta­lya inspi­riert habe. Der Pastor erhielt Per­so­nen­schutz. Mit 20 wei­te­ren pro­te­stan­ti­schen Gemein­de­lei­tern reich­te Arkan Ende 2007 for­mal Kla­ge bei der Istan­bu­ler Staats­an­walt­schaft gegen die Serie Tal der Wöl­fe ein, da das Fern­seh­stück „Chri­sten als ter­ro­ri­sti­sche Grup­pe dar­stellt. Chri­sten wer­den als Organ­händ­ler und Fein­de der Gesell­schaft dar­ge­stellt, die sich an Mafia-Akti­vi­tä­ten und Pro­sti­tu­ti­on betei­li­gen, um den christ­li­chen Glau­ben zu ver­brei­ten. Das Ergeb­nis waren unzäh­li­ge, direk­te Dro­hun­gen, Angrif­fe auf Anbe­tungs­stät­ten und schließ­lich die Abschlach­tung drei­er unschul­di­ger Chri­sten in Mala­t­ya“, hieß es in der Kla­ge­schrift. Die pro­te­stan­ti­schen Lei­ter for­der­ten Straf­ver­fol­gung wegen der Ver­brei­tung von Falsch­in­for­ma­tio­nen und der Auf­sta­che­lung zur Gewalt gegen Chri­sten.

Obwohl die Tür­kei säku­la­re Repu­blik ist, ist der Islam Teil der tür­ki­schen Iden­ti­tät. Erst kürz­lich wur­de staat­li­cher­seits ein Lehr­buch für Ober­schu­len ver­öf­fent­licht, in dem „mis­sio­na­ri­sche Akti­vi­tä­ten“ als destruk­tiv und gefähr­lich cha­rak­te­ri­siert wer­den. Wenn der Staat eine tole­ran­te­re Hal­tung ein­näh­me, hät­te das auch Aus­wir­kun­gen auf das Anse­hen der Chri­sten in der Gesell­schaft. Der­zeit herr­sche ver­stärkt eine Anti­pa­thie gegen Chri­sten, so ein Spre­cher der Alli­anz pro­te­stan­ti­scher Gemein­den der Tür­kei (TEK). Im Jahr 2005 ergab eine Befra­gung, dass 63 Pro­zent der Tür­ken eine nega­ti­ve Mei­nung über Chri­sten haben.

(Com­pass Direct)