Gesellschaft für bedrohte Völker fordert für jede DITIB-Moschee in Deutschland eine christliche Kirche in der Türkei

(Göt­tin­gen) Die Gesell­schaft für bedroh­te Völ­ker (GfbV) begrüßt im Sin­ne reli­giö­ser Viel­falt und Tole­ranz grund­sätz­lich den Bau von Gebets­stät­ten für alle Glau­bens­rich­tun­gen in Deutsch­land. Doch die neue Moschee zu Duis­burg unter­steht dem isla­mi­schen Ver­ein DITIB, der sich mit sei­nen 880 Unter­glie­de­run­gen als Arm des tür­ki­schen „Prä­si­di­ums für reli­giö­se Ange­le­gen­hei­ten“ in Anka­ra ver­steht. Gleich­zei­tig ver­folgt und unter­drückt die offi­zi­el­le Tür­kei bis heu­te die christ­li­chen Minderheiten.

„Wir for­dern für jede der vie­len hun­dert in Deutsch­land eröff­ne­ten DITIP Moscheen die Zulas­sung einer christ­li­chen Kir­che in der Tür­kei. So lan­ge die DITIP anti­kur­di­sche Agi­ta­ti­on und kema­li­sti­sche Ideo­lo­gie pro­pa­giert und sich nicht glaub­wür­dig für Reli­gi­ons­frei­heit in der Tür­kei enga­giert, beschä­digt sie das Anse­hen des Islam in Deutsch­land. Zahl­rei­che euro­päi­sche Mus­li­me, dar­un­ter Bos­nia­ken, Sand­za­ka­ner, Alba­ner und Roma, haben bereits den deut­schen DITIP Moscheen den Rücken gekehrt“, erklär­te Til­man Zülch, Gene­ral­se­kre­tär der Gesell­schaft für bedroh­te Völ­ker. „Unse­re Men­schen­rechts­or­ga­ni­sa­ti­on erin­nert dar­an, daß der bis heu­te kema­li­stisch domi­nier­te tür­ki­sche Staat die ein­hei­mi­schen Chri­sten unter­drückt und verfolgt.“

Dank der Poli­tik Kemal Ata­türks und sei­ner jung­tür­ki­schen Vor­gän­ger sei der Anteil der christ­li­chen Bevöl­ke­rung bezo­gen auf die heu­ti­gen Gren­zen der Tür­kei von 25 % auf heu­te 0,1 % zurück­ge­gan­gen, 1913–1922 durch Geno­zid und ab 1923 durch anschlie­ßen­de eth­ni­sche Säu­be­run­gen (heu­te ver­harm­lo­send als „Bevöl­ke­rungs­aus­tausch“ bezeich­net) an arme­ni­schen, ara­mä­isch-assy­ri­schen und grie­chisch-ortho­do­xen Chri­sten, durch Pogro­me und Ver­trei­bun­gen wäh­rend der so genann­ten „Istan­bu­ler Kri­stall­nacht“ 1955 und wäh­rend der Zypern-Kri­se 1974 sowie durch Dis­kri­mi­nie­run­gen und Ver­fol­gun­gen von Chri­sten seither.

Die katho­li­schen und evan­ge­li­schen Kir­chen in der Tür­kei besit­zen bis heu­te kei­nen eige­nen Rechts­sta­tus, sind somit kei­ne eigen­stän­di­gen Kör­per­schaf­ten und nicht rechts­fä­hig. Ihre Got­tes­dien­ste müs­sen meist in Pri­vat­woh­nun­gen statt­fin­den. Außer­halb von Tou­ri­sten­ge­bie­ten wird in der Regel kein Kir­chen­neu­bau erlaubt. Der in Istanbul/Konstantinopel ansäs­si­ge ortho­do­xe Patri­arch von welt­weit über 250 Mil­lio­nen ortho­do­xen Chri­sten wird in der Tür­kei nur als Ober­haupt der etwa 3.000 dort ver­blie­be­nen Grie­chisch-Ortho­do­xen aner­kannt. Arbeits- und Auf­ent­halts­er­laub­nis­se wer­den Geist­li­chen nicht­tür­ki­scher Staats­bür­ger­schaft in der Regel ver­wei­gert. Obwohl laut Arti­kel 40 des Lau­san­ner Ver­tra­ges Nicht-Mus­li­me das Recht auf Grund­be­sitz hat­ten, war es reli­giö­sen Min­der­hei­ten bis 2002 ver­bo­ten, sol­che Immo­bi­li­en zu erwer­ben. In unzäh­li­gen Fäl­len kam es zu Enteignungen.

Nach Schät­zun­gen der Gesell­schaft für bedroh­te Völ­ker leben in der Tür­kei heu­te bis zu 60.000 apo­sto­li­sche, unier­te oder evan­ge­li­sche Chri­sten arme­ni­scher Natio­na­li­tät, etwa 3.000 Grie­chisch-Ortho­do­xe in Istan­bul, 2.000 Syrisch-Ortho­do­xe im Tur Abdin im Süd­osten des Lan­des und rund 3.000 im Groß­raum Istan­bul, 3.000 Syrisch-Unier­te sowie jeweils eini­ge 10.000 katho­li­sche oder evan­ge­li­sche Chri­sten vor­wie­gend nicht­tür­ki­scher Staatsbürgerschaft.

(PM)