Türkische Bibelgesellschaft: „Christentum kein Import aus dem Westen“

(Frank­furt am Main) „Jedes Jahr wer­den in der Tür­kei rund 20.000 voll­stän­di­ge Bibel­aus­ga­ben und 40.000 Neue Testa­men­te in tür­ki­scher Über­set­zung ver­kauft“, teil­te die Gene­ral­se­kre­tä­rin der Tür­ki­schen Bibel­ge­sell­schaft (BST), Tamar Kara­su, in Frank­furt am Main mit.

Die Hei­li­ge Schrift dür­fe aller­dings nur in den bei­den Buch­lä­den der Bibel­ge­sell­schaft in Istan­bul und Ada­na zum Kauf ange­bo­ten wer­den. Sie sei aber auch in bestimm­ten Buch­hand­lun­gen im Land erhält­lich. „Außer­dem ist die Bibel­ge­sell­schaft einer der Aus­stel­ler auf gro­ßen tür­ki­schen Buch­mes­sen.“ Das Ver­tei­len von kosten­lo­sen Bibeln oder christ­li­cher Lite­ra­tur auf der Stra­ße und das Mis­sio­nie­ren sei­en aller­dings ver­bo­ten.

Frau Kara­su (35), die aus einer arme­ni­schen Fami­lie stammt, ist eine der weni­gen Geschäfts­füh­re­rin­nen einer natio­na­len Bibel­ge­sell­schaft. Sie lei­tet die Tür­ki­sche Bibel­ge­sell­schaft seit fünf Jah­ren.

Die Anfän­ge der Bibel­ge­sell­schaft gehen in das Jahr 1813 zurück. 1820 wur­de in Istan­bul das Büro der Bri­ti­schen und Aus­län­di­schen Bibel­ge­sell­schaft (BFBS) gegrün­det. Die­se BFBS-Aussen­stel­le führ­te 1966 zur Grün­dung der eigen­stän­di­gen Tür­ki­schen Bibel­ge­sell­schaft mit Sitz in Istan­bul. In der Tür­kei von heu­te sieht sich die BST als eine Art „Kon­su­lat der Chri­sten­heit“ am Bos­po­rus. Die Bibel­ge­sell­schaft sei der ein­zi­ge Ort, an dem man aus erster Hand etwas auf Tür­kisch über das Chri­sten­tum erfah­ren kann, so Kara­su.

Die Arbeit der Bibel­ge­sell­schaft wer­de laut Kara­su von der Arme­ni­schen, Syri­schen und Grie­chi­schen Ortho­do­xen Kir­che sowie von der römisch-katho­li­schen Kir­che und von evan­ge­li­schen Gemein­schaf­ten getra­gen.

„Alle Kir­chen im Land haben mit der 2001 in einer neu­en Über­set­zung her­aus­ge­ge­be­nen ‚Kut­sal Kitap‘ die­sel­be tür­ki­sche Bibel“, beton­te die Geschäfts­füh­re­rin. Auch Mus­li­me wür­den sich für die Hei­li­ge Schrift als lite­ra­ri­sches Werk inter­es­sie­ren. Von den 73 Mil­lio­nen Ein­woh­nern der Tür­kei sei­en weni­ger als 100.000 Chri­sten, wobei die mei­sten von ihnen ortho­do­xen Kir­chen ange­hör­ten. Die­se wären nicht in der Lage, die Kosten für die Arbeit der Bibel­ge­sell­schaft zu tra­gen. Ihre Pro­jek­te wür­den des­halb vom Welt­bund der Bibel­ge­sell­schaft (UBS) finan­zi­ell unter­stützt. An den feh­len­den Mit­teln schei­te­re die Eröff­nung wei­te­rer Buch­lä­den in ande­ren tür­ki­schen Städ­ten.

Im Früh­jahr 2009 sei die Her­aus­ga­be einer Stu­di­en­bi­bel geplant, teil­te Kara­su mit. Auch ein Bibel­at­las sol­le im näch­sten Jahr erschei­nen. Zu dem von der römisch-katho­li­schen Kir­che ver­kün­de­ten „Pau­lus-Jahr“ 2008/2009 habe die Bibel­ge­sell­schaft eine Schrift mit der Apo­stel­ge­schich­te und den Brie­fen des Apo­stel Pau­lus in tür­ki­scher Spra­che in einer Auf­la­ge von 2.000 Exem­pla­ren her­aus­ge­ge­ben. „Wir wol­len das ‚Pau­lus-Jahr‘ nut­zen, um deut­lich zu machen, daß das Chri­sten­tum kein Import aus dem Westen ist, son­dern von dem Gebiet der heu­ti­gen Tür­kei in den Westen expor­tiert wur­de“, hob Kara­su her­vor.

Die Ermor­dung von drei christ­li­chen Mit­ar­bei­tern eines Buch- und Bibel­ver­la­ges in der ost­tür­ki­schen Stadt Mala­t­ya im April 2007 sei laut Tamar Kara­su auch unter den Chri­sten in der Tür­kei ein Schock gewe­sen. Der Vor­fall habe jedoch kei­ne kon­kre­ten Aus­wir­kun­gen auf die Arbeit der Tür­ki­schen Bibel­ge­sell­schaft gehabt.

Bei einer Buch­mes­se in die­ser Zeit sei der Stand der Bibel­ge­sell­schaft unter Poli­zei­schutz gestellt wor­den. Daß sich die Lage für die Chri­sten in der Tür­kei etwas ent­spannt habe, führt die Gene­ral­se­kre­tä­rin auf die Bei­tritts­ver­hand­lun­gen des tür­ki­schen Staa­tes mit der Euro­päi­schen Uni­on zurück.

(APD)