Stichtagsverschiebung hat etwas Zufälliges

(Rot­ten­burg) Mit Ent­täu­schung hat Bischof Geb­hard Fürst auf den Beschluß des Deut­schen Bun­des­tags reagiert, der am Frei­tag mit gro­ßer Mehr­heit die Ver­schie­bung des Stich­tags für den Import embryo­na­ler Stamm­zel­len vom 1. Janu­ar 2002 auf 1. Mai 2007 beschlos­sen hat. „Damit ist den For­schungs­in­ter­es­sen gegen­über dem unver­füg­ba­ren Recht embryo­na­ler Men­schen auf Leben der Vor­rang ein­ge­räumt wor­den“, sag­te Bischof Fürst. Dies sei ein wei­te­rer Schritt auf einem Weg, auf dem die Grund­rech­te der Wür­de und der Unver­sehrt­heit mensch­li­chen Lebens im all­ge­mei­nen Bewußt­sein zur Dis­po­si­ti­on gestellt wer­den.

De fac­to, so beton­te der Bischof, bedeu­te der aktu­el­le Beschluß des Par­la­ments, daß das Tor zu einer wei­te­ren Libe­ra­li­sie­rung des Embryo­nen­schut­zes, die vie­le Wis­sen­schaft­ler in Deutsch­land for­der­ten, noch wei­ter geöff­net wor­den sei. Die jet­zi­ge Fest­le­gung auf einen neu­en Stich­tag habe viel Zufäl­li­ges an sich. „Wenn das Lebens­recht eines Men­schen im Wer­den grund­sätz­lich für eine Güter­ab­wä­gung frei gege­ben wird“, so Bischof Fürst, „dann gibt es kei­ne plau­si­ble Begrün­dung, war­um mit den sel­ben Argu­men­ten wie heu­te Stich­ta­ge nicht immer wie­der ver­scho­ben bzw. gänz­lich auf­ge­ho­ben wer­den kön­nen.“

Wis­sen­schaft­ler und Poli­ti­ker, die bis­lang betont haben, mit der jet­zi­gen Ver­schie­bung des Stich­tags sei­en wei­te­re Libe­ra­li­sie­run­gen defi­ni­tiv been­det, for­der­te der Bischof auf, sich jetzt im Sin­ne einer Selbst­pflich­tung öffent­lich zu äußern, daß sie kei­ne Maß­nah­men zu einer wei­te­ren Auf­lö­sung des Embryo­nen­schut­zes mehr anzu­streb­ten.

Bischof Fürst, der Vor­sit­zen­der der Unter­kom­mis­si­on Bio­ethik der Deut­schen Bischofs­kon­fe­renz ist, appel­lier­te an die Wis­sen­schaft­ler, trotz der jet­zi­gen erwei­ter­ten Libe­ra­li­sie­rung in der Stamm­zel­len­for­schung ihre Anstren­gun­gen mit größ­tem Nach­druck auf die For­schung mit adul­ten Stamm­zel­len zu kon­zen­trie­ren, damit deren jetzt schon deut­li­chen Erfol­ge die Ver­su­chung mög­lichst bald unin­ter­es­sant wer­den las­sen, mit mensch­li­chen Embryo­nen zu expe­ri­men­tie­ren.

(PM/JB)