Europa ohne Naturrecht undenkbar

(Mai­land) Ohne das Kon­zept eines uni­ver­sal­gül­ti­gen Wesens des Gerech­ten und des Unge­rech­ten, das heißt ohne das „Jus natu­ra­le“, das Natur­recht, sei Euro­pa undenk­bar. Euro­pa und sein Recht sei­en Früch­te des natür­li­chen Rechts, erklär­te Pro­fes­sor Vit­to­rio Pos­sen­ti, Dozent für poli­ti­sche Phi­lo­so­phie an der Uni­ver­si­tät Vene­dig, bei der Eröff­nung des Kon­gres­ses zum The­ma „Zukunft der Men­schen­rech­te und Euro­pa“, der am 20. Sep­tem­ber vom Katho­li­schen Kul­tur­zen­trum des hei­li­gen Bene­dikt (Cen­tro Cul­tu­ra­le Cat­to­li­co San Bene­det­to in Mai­land ver­an­stal­tet wurde.

Der Pro­fes­sor, der auch Mit­glied der ita­lie­ni­schen Bio­ethik­kom­mis­si­on und der Päpst­li­chen Aka­de­mie für Sozi­al­wis­sen­schaf­ten ist, wer­te­te die zukünf­ti­ge Ver­fas­sung der Euro­päi­schen Uni­on als „den ent­schei­den­den Akt der Uni­on, der die bei­den Euro­pas mit­ein­an­der ver­schwei­ßen soll: jenes der gemein­sa­men Markt­wirt­schaft und jenes der Men­schen­rech­te“. Das Recht die­ne dabei als „Stütz­pfei­ler der Einheit“.

„Die euro­päi­sche Kon­sti­tu­ti­on wird nur auf dem uni­ver­sa­len Gesetz der Men­schen­rech­te gegrün­det sein kön­nen, dem Jus gen­ti­um (Völ­ker­recht), das heißt auf dem natür­li­chen Recht, das ein ratio­na­les unge­schrie­be­nes Gesetz ist, das über jeg­li­chem posi­ti­vem Recht steht.“ Daher soll­te es dem Rechts­sy­stem als Inspi­ra­ti­ons­quel­le die­nen, als „kon­kre­te Struk­tur der Lebensordnung“.

Als Lei­ter des Inter­dis­zi­pli­nä­ren Zen­trums für die Erfor­schung der Men­schen­rech­te (Cen­tro Inter­di­par­ti­men­ta­le di Ricer­ca sui Dirit­ti Uma­ni, CIRDU) unter­strich Pro­fes­sor Pos­sen­ti, daß „eine der dau­er­haf­te­sten intel­lek­tu­el­len Stät­ten der Tra­di­ti­on des Natur­rechts die Sozi­al­leh­re der katho­li­schen Kir­che ist“.

Euro­pa sei „der Nähr­bo­den des Huma­nis­mus, des­sen Quel­len vor allem im Men­schen selbst und im Chri­sten­tum zu fin­den sind. Das Glei­che muß auch über den Begriff der Per­son mit all ihren Rech­ten und Pflich­ten gesagt wer­den, der die aus der Offen­ba­rung erfah­re­ne Bot­schaft dar­stellt, die Euro­pa lebt und in die Welt­zi­vi­li­sa­ti­on hinausträgt.“

Tat­säch­lich ist in den Augen von Pro­fes­sor Pos­sen­ti gera­de das Chri­sten­tum jener „Zement, der den Kon­ti­nent zusam­men­hält, des­sen Geschich­te – ohne das Chri­sten­tum – anders ver­lau­fen wäre“, wäh­rend gleich­zei­tig die Reli­gi­on eine „grund­le­gen­de Kom­po­nen­te der Moral des Ein­zel­nen und der Gesell­schaft ist, deren Aus­schluß aus der Öffent­lich­keit nur zu ernst­haf­ten Ver­lu­sten füh­ren kann“.

(Zenit)