Frankfurter Appell zum Kindeswohl

(Frank­furt)  Über Aus­wir­kun­gen und Risi­ken der früh­zei­ti­gen Tren­nung von Mut­ter und Kind durch Krip­pen­be­treu­ung refe­rier­ten am Wochen­en­de an der Johann-Wolf­gang Goe­the Uni­ver­si­tät auf dem Kon­greß zur Krip­pen­be­treu­ung u.a. Sir Richard Bowl­by, Groß­bri­tan­ni­en, Prof. Gor­don Neu­feld, Kana­da, Prof. Sul­o­va, Tsche­chi­en, Dr. Ste­ve Biddulph, Austra­li­en, Prof. Ronald Grossarth, Hei­del­berg, Prof. Theo­dor Hell­brüg­ge, Mün­chen und Prof. Johan­nes Pech­stein, Mainz.


Am Ende der zwei­tä­gi­gen Kon­fe­renz wur­de der Frank­fur­ter Appell zum Kin­des­wohl  unter gro­ßem Bei­fall der rund 450 Teil­neh­mer ver­ab­schie­det:

„Der inter­na­tio­na­le Kon­greß vom 4./5. Mai in Frank­furt hat erneut die fun­da­men­ta­le Bedeu­tung der inten­si­ven Kind-Mut­ter-Bezie­hung, vor allem  in den ersten drei Lebens­jah­ren bekräf­tigt. Die Zuver­läs­sig­keit und Dau­er­haf­tig­keit die­ser Bin­dung prägt nach­weis­lich in hohem Maße die emo­tio­na­le, gei­sti­ge und sozia­le Ent­wick­lung für das gan­ze Leben. Mut­ter­ent­beh­rung in den ersten drei Lebens­jah­ren gefähr­det die stö­rungs­freie Ent­wick­lung des Kin­des. Daher dür­fen Eltern nicht gedrängt wer­den, ihr unter drei­jäh­ri­ges Kind aus finan­zi­el­len Grün­den fremd betreu­en zu las­sen. Wenn den­noch außer­fa­mi­liä­re Betreu­ung not­wen­dig wird, ist einer ver­trau­ten Tages­mut­ter der Vor­zug zu geben.

Denn neue­ste wis­sen­schaft­li­che Erkennt­nis­se bele­gen: Krip­pen­er­zie­hung bleibt Risi­ko­er­zie­hung. Wenn Krip­pen­be­treu­ung unver­meid­lich ist, soll­ten unbe­dingt ein Betreu­ungs­schlüs­sel von drei Babys/Kleinstkindern pro Erzie­he­rin und eine mehr­mo­na­ti­ge Ein­ge­wöh­nungs­zeit mit der Mut­ter gewähr­lei­stet sein.

Wir appel­lie­ren an die Gesell­schaft und die Poli­tik, Müt­ter und Väter in dem ent­schei­den­den pri­mä­ren Bin­dungs­pro­zeß mit ihrem Kind zu unter­stüt­zen. Der Staat ist auf­ge­for­dert, Eltern und Kin­dern genü­gend Zeit und Geld zu belas­sen, bzw. zur Ver­fü­gung zu stel­len, um jedem Kind die ersten drei Lebens­jah­re in sei­ner Fami­lie zu ermög­li­chen.“

Die­ser Appell wird an die Bun­des­re­gie­rung, die 16 Lan­des­re­gie­run­gen und Abge­ord­ne­te des Deut­schen Bun­des­ta­ges über­sandt. Ver­an­stal­ter der Tagung war das Fami­li­en­netz­werk Deutsch­land, gemein­sam mit Prof. Johan­nes Pech­stein, ehem. Direk­tor des Kin­der­neu­ro­lo­gi­schen Zen­trums Rhein­land-Pfalz, Insti­tut für sozia­le Päd­ia­trie.

Das Fami­li­en­netz­werk Deutsch­land ist ein frei­er Ver­bund von Ein­zel­per­so­nen, Ver­ei­nen und Orga­ni­sa­tio­nen, unab­hän­gig von Staat, Kir­chen, Par­tei­en und Wirt­schaft. Es setzt sich für die stär­ke­re Berück­sich­ti­gung des Kin­des­wohls in der poli­ti­schen Ent­wick­lung und die Auf­wer­tung der elter­li­chen Erzie­hungs­ar­beit ein.

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(pts/JF)