Sind das Christentum und der Islam gleich gültig?

von P. Andre­as Mähl­mann

Der Islam ist zu einer rea­len Gefahr für das Chri­sten­tum in Deutsch­land gewor­den. Der mitt­ler­wei­le eme­ri­tier­te Erz­bi­schof Braun von Bam­berg beur­teilt die Lage voll­kom­men rich­tig, wenn er schreibt: „Die Fra­ge heißt nicht, war­um soll­te Deutsch­land nicht mus­li­misch wer­den? Die Fra­ge lau­tet: Wann ist es so weit?“ (Erzb. em. Dr. Karl Braun in: Bote von Fati­ma, Jg. 62, Nr.5, Mai 2004, S.73)

Lei­der gibt es unter den amtie­ren­den Diö­ze­san­bi­schö­fen in Deutsch­land kei­ne wei­te­ren Per­so­nen, die die­ses Pro­blem ähn­lich deut­lich aus­zu­drücken wagen. Die Öku­me­ne über­la­gert alles. Die histo­ri­sche Auf­ga­be, die sich jetzt stellt, wird nicht erkannt: Wie kann man den hier woh­nen­den Mus­li­men gemäß dem gro­ßen Mis­si­ons­auf­trag Chri­sti (Mt 28,18) die Per­son des gott­mensch­li­chen Erlö­sers näher­brin­gen und damit das Heil? Statt des Wor­tes Got­tes, statt des Samens der Wahr­heit, statt des Kreu­zes Jesu Chri­sti wird ein neu­es Evan­ge­li­um gepre­digt, das den Namen einer wer­te­un­ab­hän­gi­gen „Reli­gi­ons­frei­heit“ trägt. — Sie stellt die katho­li­sche Reli­gi­on auf eine Stu­fe mit allen ande­ren, indem sie allen Reli­gio­nen im öffent­li­chen Leben die glei­chen Rech­te zuer­kennt.

Die logi­sche Kon­se­quenz der Reli­gi­ons­frei­heit

Erkennt man in der Gesell­schaft allen Reli­gio­nen die glei­chen Rech­te zu, so drückt man damit aus, daß die ver­schie­de­nen Reli­gio­nen gleich wahr und gleich gut sei­en! So steht in der Tat in einer Arbeits­hil­fe der Deut­schen Bischofs­kon­fe­renz „Chri­sten und Mus­li­me in Deutsch­land“ von 2003 „Chri­sten­tum und Islam stel­len zwei ver­schie­de­ne Zugän­ge zu dem­sel­ben Gott dar.“

Die­se Gleich­set­zung wider­spricht nicht nur der Hl.Schrift (der Apo­stel Johan­nes stellt sehr deut­lich fest: „Wer den Sohn nicht hat, hat auch den Vater nicht“, „Wer den Sohn nicht ehrt, ehrt auch den Vater nicht“!), son­dern auch dem gesun­den Men­schen­ver­stand und ist zudem eine Belei­di­gung Got­tes!

Eini­ge Bei­spie­le zur Ver­deut­li­chung

Unse­re Hl.Schrift gebie­tet: „Du sollst nicht töten!“ — Der Koran hin­ge­gen stellt die Ermor­dung der Ungläu­bi­gen als etwas posi­ti­ves dar. — Ist bei­des etwa gleich gut?

Unse­re Hl. Schrift sagt: „Du sollst nicht lügen!“ — Der Koran erlaubt aber die Ver­wen­dung der Lüge im Dien­ste der Aus­brei­tung der Reli­gi­on. — Ist bei­des etwa gleich gut?

Unse­re Hl.Schrift schützt die Wür­de der Frau durch das Ver­bot der Poly­ga­mie (Viel­wei­be­rei). Der Islam aber erlaubt dem Mann, mit vier Frau­en ver­hei­ra­tet zu sein, wobei die Mög­lich­keit wei­te­rer Neben­frau­en nicht aus­ge­schlos­sen ist. — Ist bei­des etwa gleich gut?

Das Chri­sten­tum ver­ach­tet die Aus­brei­tung der Reli­gi­on mit gewalt­sa­men Mit­teln. Für den Islam war dies von Anfang an erlaubt. Chri­stus hat durch sei­ne lie­ben­de Selbst­hin­ga­be die Men­schen an sich gezo­gen, Moham­med aber hat mit dem Schwert sei­ne Reli­gi­on aus­ge­brei­tet. — Ist bei­des etwa gleich gut?

Das Chri­sten­tum lehrt, daß in Gott drei Per­so­nen exi­stie­ren. Der Islam aber lehnt im Koran die Got­tes­sohn­schaft Jesu Chri­sti aus­drück­lich ab und kennt nur eine Per­son in Gott. — Ist bei­des gleich wahr?

Das Chri­sten­tum lehrt die Gewis­sens­frei­heit: Nie­mand darf gezwun­gen wer­den, gegen sein Gewis­sen zu han­deln. — Nach isla­mi­schem Recht hin­ge­gen wird erlaub­ter­wei­se mit dem Tod bestraft, wer z.B.. vom isla­mi­schen Glau­ben abfällt. Nicht sel­ten sind es die eige­nen Fami­li­en­mit­glie­der, die das im Fami­li­en­kreis gefäll­te Urteil voll­strecken. — Kann man so etwas dul­den?

Der­je­ni­ge, der für die wer­te­un­ab­hän­gi­ge Reli­gi­ons­frei­heit ein­steht, der allen Reli­gio­nen — unab­hän­gig von der Fra­ge nach dem Wah­ren und dem Guten — glei­che Rech­te zuge­steht, ant­wor­tet auf jede die­ser Fra­gen mit Ja.

„Ja, die Wahr­heit ist genau­so gut wie der Irr­tum, die Tugend genau­so gut wie das Laster, die Lie­be genau­so gut wie die Gewalt!“ — Ja noch mehr: Der Anhän­ger einer wert­u­n­ab­hän­gi­gen Reli­gi­ons­frei­heit stellt Gott, der die Lie­be ist auf eine Stu­fe mit dem Teu­fel, dem Vater der Lüge und dem „Men­schen­mör­der von Anbe­ginn“, wie ihn die Hl.Schrift nennt.

Der Anhän­ger einer von allen objek­ti­ven Wer­ten und von der Wahr­heit los­ge­lö­sten Reli­gi­ons­frei­heit tritt jede Mora­li­tät mit Füßen und rührt an den Fun­da­men­ten unse­rer Gesell­schafts­ord­nung. Aus die­sen Grün­den ist das Bekennt­nis zur Reli­gi­ons­frei­heit Sün­de!

Aktuelle Beispiel — Moscheebau in München

Die tür­kisch-staats­na­he Ver­ei­ni­gung Ditib möch­te in Mün­chen-Send­ling eine gro­ße Moschee mit zwei 35m hohen Mina­ret­ten am Got­zin­ger Platz bau­en und zwar exakt gegen­über der Kir­che vom hl.Korbinian, des ersten Bischofs unse­res Bis­tums. Wäh­rend der CSU-Frak­ti­ons­vor­sit­zen­de Hans Podi­uk die­sen Bau immer­hin noch als „nicht stadt­ver­träg­lich im christ­lich-abend­län­disch gepräg­ten Send­ling“ bezeich­ne­te, hört man von den offi­zi­el­len Instan­zen der Kir­che, denen doch an erster Stel­le der Schutz der christ­li­chen Fun­da­men­te unse­rer Gesell­schaft ein Her­zens­an­lie­gen sein müß­te, ganz ande­re Töne. — Aus einer Mel­dung der Süd­deut­schen Zei­tung vom 14.11.2006 erfah­ren wir aus dem Mund von Con­stan­ze Lind­ner-Schäd­lich, der Vize-che­fin der städ­ti­schen SPD-Frak­ti­on, daß von Anfang an „sowohl die Bür­ger­schaft als auch Ver­tre­ter bei­der gro­ßen christ­li­chen Kon­fes­sio­nen in den Infor­ma­ti­ons- und Dis­kus­si­ons­pro­zess ein­be­zo­gen wor­den sei­en“. Das heißt, die Kir­che war von Anfang an infor­miert und sogar in den Pla­nungs­pro­zeß invol­viert! Hat sie sich bemüht, die Gefah­ren einer wei­te­ren Isla­mi­sie­rung unse­rer Stadt und unse­res Lan­des auf­zu­zei­gen? — Nein, im Gegen­teil! In einer offi­zi­el­len Stel­lung­nah­me des Bis­tums vom 3.Juni 2005 wer­den kei­ner­lei Beden­ken ange­mel­det, son­dern Zusam­men­ar­beit ange­bo­ten: „Die katho­li­sche Kir­che in Mün­chen ist … zu einer kon­struk­ti­ven Koope­ra­ti­on mit den Ver­ant­wort­li­chen der pla­nen­den mus­li­mi­schen Gemein­de den ver­ant­wort­li­chen Kom­mu­nal­po­li­ti­kern der Stadt Mün­chen und der Bür­ger­schaft im Stadt­teil Send­ling bereit“. Als Begrün­dung wird ange­führt: „Das Grund­recht auf Reli­gi­ons­frei­heit gilt gene­rell, für Mus­li­me nicht anders als für Chri­sten, für Ange­hö­ri­ge ande­rer Reli­gio­nen und auch für Nicht­gläu­bi­ge“.

Brin­gen wir es auf den Punkt: Der tür­kisch-staats­na­hen Ver­ei­ni­gung Ditib wird bei uns von Poli­tik und Kir­che ohne „wenn und aber“ die glei­che Frei­heit zuer­kannt, wie sie das Chri­sten­tum genießt, obwohl es in der Tür­kei momen­tan unmög­lich ist, eine christ­li­che Kir­che zu bau­en! Wir gewäh­ren Ver­ei­ni­gun­gen hier das Recht frei­er Ent­fal­tung, die sie in ihrer Hei­mat den Chri­sten nicht zu gewäh­ren bereit sind! — Ist es so schwie­rig zu ver­ste­hen, daß der Islam fak­tisch kei­ne Tole­ranz gegen­über den ande­ren Reli­gio­nen kennt und daß wir damit die Frei­heit der christ­li­chen Reli­gi­on auch in unse­rem Vater­land aufs Spiel set­zen, wenn wir den Islam hier „groß wer­den las­sen“?

War­um beschwört man auch hier die bit­te­ren Erfah­run­gen her­auf, die hun­dert­tau­sen­de von Chri­sten auf der gan­zen Welt zur Zeit in isla­misch regier­ten Län­dern erlei­den? — Ist es etwa nor­mal, daß der Papst bei sei­nem momen­ta­nen Besuch in der Tür­kei nur mit schuß­si­che­rer Weste unter der Sou­ta­ne in der Öffent­lich­keit auf­tre­ten kann? — Daß er nahe­zu von der gesam­ten isla­mi­schen Welt an den Pran­ger gestellt wird, nur weil er Gewalt im Namen der Reli­gi­on als nicht mit der Ver­nunft ver­ein­bar bezeich­net hat?

Wie soll man da noch den Beteue­run­gen isla­mi­scher Reli­gi­ons­füh­rer glau­ben, die Gewalt im Namen ihrer Reli­gi­on ver­ur­tei­len?

Nach dem 11. Sep­tem­ber 2001 ver­ur­teil­te die älte­ste isla­mi­sche Al-Azhar-Uni­ver­si­tät in Kai­ro in einer gemein­sa­men Erklä­rung mit dem Vati­kan Gewalt und Ter­ro­ris­mus. Weni­ge Wochen spä­ter jedoch befand der ober­ste Scheich der Uni­ver­si­tät, Say­y­ed Tanz­ta­wi, Selbst­mord­at­ten­ta­te prin­zi­pi­ell für gut. (!) Scheich Tan­ta­wi, der ober­ste Schirm­herr des Komi­tees für den Dia­log mit den mono­the­isti­schen Reli­gio­nen, hat noch in sei­ner Pre­digt im April 2002 die Juden „als Fein­de Got­tes und Abkömm­lin­ge von Schwei­nen und Affen bezeich­net“ (FAZ vom 15.Mai 2004, Bericht „Die neue Welt­ord­nung“ von Alex­an­der Goe­r­lach).

Wir for­dern daher die deut­schen Poli­ti­ker und Diö­ze­san­bi­schö­fe drin­gend auf, einen Blick in die Welt zu wer­fen und zur Kennt­nis zu neh­men, daß der Islam nicht nur kei­ne Reli­gi­ons­frei­heit kennt, son­dern auch kei­ne Tol­leranz und daher mit der Demo­kra­tie unver­ein­bar ist.

Der Autor ist Prie­ster der Prie­ster­bru­der­schaft St. Piux X. und der­zeit Pri­or im älte­sten Prio­rat Deutsch­lands der Prie­ster­bru­der­schaft St. Piux X.- Prio­rat St. Pius X. — Kir­che Patro­na Bava­riae, Johann-Clan­ze-Str. 100; 81369 Mün­chen.