Leopold, der Heilige

leobold_der_heilige
Karl Brun­ner:
Leo­pold, der Hei­li­ge. Ein Por­trait
aus dem Früh­ling des Mit­tel­al­ters.
Köln 2009, Böhlau Ver­lag.
251 Sei­ten, 24,90 €

Der Doy­en der mit­tel­al­ter­li­chen Geschichts­for­schung in Öster­reich, Univ. Prof. Dr. Karl Brun­ner, hat eine wich­ti­ge und inter­es­san­te histo­ri­sche Unter­su­chung über das Leben und Werk des Baben­ber­ger Mark­gra­fen Leo­pold III. von Öster­reich vor­ge­stellt, der von 1075–1136 leb­te und 41 Jah­re lang die Geschicke sei­nes Lan­des, der „mar­cha ori­en­ta­lis“ („Ostar­ri­chi“), lenk­te. Leo­pold hei­ra­te­te nach dem Tod sei­ner ersten Frau, deren Namen nicht bekannt ist, Agnes, die Schwe­ster Kai­ser Hein­richs V., wel­che bereits Wit­we gewor­den war. Mit ihr hat­te er min­de­stens 10 wei­te­re Kin­der, dar­un­ter die bei­den Her­zö­ge Hein­rich II. Jaso­mir­gott und Leo­pold IV. sowie die berühm­ten Bischö­fe Otto von Frei­sing und Kon­rad von Pas­sau, spä­ter von Salz­burg. Leo­pold wur­de 1485 hei­lig gespro­chen. Brun­ner ist sich der Pro­ble­ma­tik einer Leo­pold-Bio­gra­fie voll und ganz bewußt. Er weiß sich dem Klo­ster­neu­bur­ger Histo­ri­ker und Chor­herrn Univ. Prof. DDr. Flo­ri­dus Röh­rig zu Dank ver­pflich­tet, der die wis­sen­schaft­li­che Leo­pold-For­schung in grund­le­gen­der Wei­se vor­an­ge­trie­ben hat und auch dem jet­zi­gen Autor mit Rat und Tat zur Sei­te gestan­den ist.

Bei Leo­pold III. müß­te man nach dem Urteil Brun­ners auf­grund der für des­sen Früh­zeit spär­li­chen Quel­len­la­ge im Grun­de zwei Bio­gra­fien schrei­ben: eine der rea­len Per­son und eine ande­re der histo­ri­schen Figur. So glie­dert sich das Buch in drei Haupt­tei­le: „I. Ein Ver­such über die Anfän­ge“ (27 ff), „II. Das zwei­te Leben des Leo­pold B.“ (108 ff) und „III. Das Wei­ter­le­ben Leo­polds, des Hei­li­gen“ (195 ff).

Der erste Teil lotet gleich­sam vom Lebens­en­de Leo­polds her das ori­gi­nä­re sozia­le und geo­gra­fi­sche Umfeld des Hei­li­gen und Poli­ti­kers aus. Brun­ner fragt nach dem Lebens­raum und nach Land und Leu­ten; dabei behan­delt er das Geschlecht der Baben­ber­ger ins­ge­samt, vor allem aber die Eltern Leo­polds; er ana­ly­siert die Grund­la­gen der kirch­li­chen Orga­ni­sa­ti­on, den Stel­len­wert des Adels als sol­chen, das Ver­hält­nis von Fami­lia, Dienst­leu­ten und Mini­ste­ria­len. Auch auf wich­ti­ge Wer­ke der Dich­tung zu die­ser Zeit geht er ein, wie den Ruod­lieb, die Wie­ner Gene­sis, die Vor­au­er Bücher Mosis, die Dich­tun­gen der Frau Ava, das St. Trud­per­ter Hohe­lied und das Mel­ker Mari­en­lied.

Im zwei­ten Teil des Buches geht es um die Blü­te des Wir­kens des hei­li­gen Leo­pold und des­sen Spu­ren. So wird die histo­risch bedeut­sa­me Wen­de Leo­polds her­aus­ge­stellt, als er sich von Kai­ser Hein­rich IV. abkehr­te, der wie­der im Kir­chen­bann war, und dem Königs­sohn Hein­rich V. als Nach­fol­ger anschloß. Aus­führ­lich geht Brun­ner auf das Ver­hält­nis Leo­polds zu den Klö­stern ein, die er mit­be­grün­de­te oder nach Kräf­ten för­der­te, wie Melk, Gött­weig, Klo­ster­neu­burg, Klein-Maria­zell und Hei­li­gen­kreuz. Die Klö­ster waren wich­ti­ge Stät­ten der Lan­des­ent­wick­lung: in geist­li­cher, bil­dungs­mä­ßi­ger, orga­ni­sa­to­ri­scher und öko­no­mi­scher Hin­sicht. Leo­pold lag außer­dem die Her­an­bil­dung eines geeig­ne­ten Seel­sor­ge­k­le­rus am Her­zen. Im drit­ten Teil wird das Wei­ter­le­ben des Hei­li­gen im ehren­den Geden­ken sei­ner Nach­welt the­ma­ti­siert. „Vie­le Ide­al­bil­der, wel­che die Genera­tio­nen danach von ihrem Lan­de hat­ten, sahen sie in der Zeit Leo­polds ver­wur­zelt“, urteilt Brun­ner (205).

An der histo­ri­schen Stu­die Karl Brun­ners über den hei­li­gen Leo­pold, die zwar einen Hei­li­gen beschreibt, aber den­noch kei­ne „Hei­li­gen­vi­ta“ oder „Legen­da“ sein will, besticht die nüch­ter­ne Art und Wei­se, wie die Quel­len dar­ge­stellt und aus­ge­wer­tet wer­den; metho­di­sche Schwie­rig­kei­ten ver­schweigt Brun­ner kei­nes­wegs, wie sie sich z.B. durch die erst gegen Ende der Lebens­zeit Leo­polds erge­ben­de Ten­denz zur Ver­schrift­li­chung wich­ti­ger Rechts­ver­hält­nis­se erge­ben. Die­se Leo­pold-Bio­gra­fie kon­zen­triert sich nicht auf eine ein­zi­ge Per­son, son­dern leuch­tet auch das sozia­le, poli­ti­sche und reli­giö­se Umfeld aus. Erst von daher gewinnt die Gestalt ihr unver­wech­sel­ba­res Pro­fil, auch wenn vie­les, was noch inter­es­sie­ren wür­de, im Dun­kel der Geschich­te bleibt. Im Anhang fin­den sich Lite­ra­tur- und Quel­len­an­ga­ben, eine Zeit­ta­fel, ein Regi­ster sowie ein Abbil­dungs­ver­zeich­nis und eine Stamm­ta­fel. Hin­zu­wei­sen ist auch noch auf den Innen­teil mit 8 Sei­ten far­bi­gen Bild­ta­feln.

(Josef Spin­del­böck)

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