Spanisches Berufungsphänomen – Klausurorden zieht junge Frauen zu Dutzenden an

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(Madrid) Eine 43 Jah­re alte Ordens­frau führ­te ein kon­tem­pla­ti­ves Kla­ris­sen­klo­ster in Spa­ni­en zu außer­ge­wöhn­li­cher Blü­te. Heu­te tre­ten jun­ge, gut aus­ge­bil­de­te und meist zuvor berufs­tä­ti­ge Frau­en zu Dut­zen­den ein.

Als Schwe­ster Vero­ni­ca in das 1604 gegrün­de­te Auf­er­ste­hungs­klo­ster der Kla­ris­sen in Ler­ma (Spa­ni­en) ein­trat, waren die Beru­fun­gen auf ein Mini­mum geschrumpft und der Fort­be­stand schien gefähr­det. 1984, im Alter von 18 Jah­ren, ent­schloß sich Mari­jo­se Ber­zo­sa ihren Kar­rie­re­wün­schen als Ärz­tin, den Dis­ko­the­ken und Freun­den zu ent­sa­gen und trat mit dem Ordens­na­men Schwe­ster Vero­ni­ca in den stren­gen Klau­sur­or­den der Hei­li­gen Kla­ra von Assi­si ein. Nach 23 Jah­ren war sie die erste Novi­zin, die um Auf­nah­me in das Klo­ster bat.

Heu­te zählt das Klo­ster 135 Ordens­frau­en mit einem Durch­schnitts­al­ter von 35 Jah­ren und wei­te­re hun­dert Novi­zin­nen, Postu­lan­tin­nen und Inter­es­sier­te. In La Agui­l­e­ra, rund 40 Kilo­me­ter von Ler­ma ent­fernt, konn­te eine Toch­ter­grün­dung erfol­gen. „Ein uner­klär­li­ches Phä­no­men“, schrieb die links­li­be­ra­le spa­ni­sche Tages­zei­tung El Pais, „wo die Jesui­ten nur 20 Novi­zen in ganz Spa­ni­en zäh­len, die Fran­zis­ka­ner gera­de fünf, und aus Indi­en oder Kenia Ordens­leu­te impor­tiert wer­den, um die Schlie­ßung lee­rer Klö­ster zu ver­mei­den“. El Pais bezeich­net Schwe­ster Vero­ni­ca als „das größ­te katho­li­sche Phä­no­men seit Mut­ter Tere­sa von Kal­kut­ta“.

Das Kla­ris­sen­klo­ster wird an jedem Wochen­en­de von Hun­der­ten Pil­gern auf­ge­sucht, von zahl­rei­chen Fami­li­en, Jugend­li­chen aus den katho­li­schen Bewe­gun­gen und Pfar­rei­en, die an den Gebets­zei­ten teil­neh­men.

Laut El Pais sei der größ­te Teil der jun­gen Ordens­frau­en, die dem Vor­bild von Schwe­ster Vero­ni­ca folg­ten, durch die „Wider­stands­kir­che“ gegen den Zeit­geist „von Johan­nes Paul II. geformt“ wor­den, sie sei­en „über­zeugt, urban und gebil­det“. Aus einer Fami­lie sind heu­te fünf Schwe­stern Ordens­frau­en. Ins­ge­samt leben elf Geschwi­ster­paa­re im Klo­ster, dar­un­ter auch eini­ge Zwil­lin­ge. Die Ordens­frau­en ent­stam­men vor allem der Mit­tel­schicht und sind aka­de­misch gebil­det. Unter ihnen fin­den sich Juri­stin­nen, Rechts­an­wäl­tin­nen, Wirt­schafts­aka­de­mi­ke­rin­nen, Phy­si­ke­rin­nen, Che­mi­ke­rin­nen, Ärz­tin­nen, Apo­the­ke­rin­nen, Bio­lo­gin­nen, Päd­ago­gin­nen, Phy­sio­the­ra­peu­tin­nen, Biblio­the­ka­rin­nen, Pho­to­gra­phin­nen und vie­le mehr.

Eine von El Pais inter­view­ten Schwe­ster beschrieb die Klau­sur wie „ein offe­nes Haus für jene, die an unse­re Tür klop­fen. Wir wol­len unse­ren Glau­ben tei­len, das bekannt­ge­ben, was der Herr uns über­ge­ben hat. Und wenn die Anklop­fen­den Jesus in uns sehen, dann vor­wärts! Spa­ni­en ist so heid­nisch, daß es nötig ist, daß wir unse­ren Glau­ben tei­len und ihn nicht allei­ne leben. Das ist der Augen­blick zu wir­ken.“

Das Wachs­tum des Klo­sters begann seit der Ankunft von Schwe­ster Vero­ni­ca explo­si­ons­ar­tig: 1994, als sie im Alter von erst 28 Jah­ren zur Novi­ze­n­mei­ste­rin ernannt wur­de, tra­ten 27 Schwe­stern ins Klo­ster ein. 2002 leb­ten 72 Ordens­frau­en im Klo­ster, Ende Sep­tem­ber waren es 134. Alle in einem Klo­ster, das Anfang des 17. Jahr­hun­derts erbaut wor­den war, um höch­stens 32 Schwe­stern zu beher­ber­gen.

Das Klo­ster von Ler­ma kann nun aber auf neue Räum­lich­kei­ten zäh­len. Die Fran­zis­ka­ner im nahen La Agui­l­e­ra haben ihnen auf 30 Jah­re das von ihnen auf­ge­ge­be­ne Klo­ster über­las­sen. Es ist die erste Toch­ter­grün­dung von Ler­ma. Das Klo­ster wird der­zeit umge­baut, um wei­te­ren Schwe­stern Platz zu schaf­fen. Das neue Klo­ster erhält eine neue Kapel­le, 100 Klo­ster­zel­len zu zehn Qua­drat­me­tern Grö­ße, jeweils aus­ge­stat­tet mit einem Bett, einem Tisch und einem Bet­sche­mel. Gleich­zei­tig wird ein gro­ßer Saal für 400 Per­so­nen geschaf­fen, eine Her­ber­ge für Pil­ger und Besu­cher.

(Aci­pren­sa/GN)