Ein Kommentar von Don Michael Gurtner*
Mit der Ankündigung der Weihe von neuen Bischöfen der Priesterbruderschaft St. Pius X. (FSSPX) für den 1. Juli dieses Jahres, das Hochfest des kostbarsten Blutes Jesu Christi, geht einher, daß diese zahlreich kommentiert werden, was hauptsächlich darauf zurückzuführen ist, daß sich diese Weihen objektiv in einer kanonisch nicht regulären Weise vollziehen, was sehr unterschiedlich bewertet wird. Manche dieser Kommentare sind zur Orientierung der Gläubigen sehr hilfreich, andere hingegen stiften mehr Verwirrung, besonders deshalb, weil es an der gebotenen Unterscheidung und Differenzierung fehlt, sowohl sachlich als auch terminologisch. Deshalb erheischt es diese Stunde der Geschichte, einige grundlegende Dinge zu präzisieren und die notwendigen, teils diffizilen Unterscheidungen in Erinnerung zu rufen: bene docet, qui bene distinguit.
Zur generellen Situation
Zunächst ist für eine rechte und gerechte Beurteilung dieser angekündigten Weihehandlungen vorab die äußere Situation der Kirche zu berücksichtigen. Es ist objektiv nachweisbar, daß die offiziellen Lehrdokumente der Kirche, beginnend mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil, sich immer öfters und immer weiter von der überlieferten und verbindlichen katholischen Lehre der Kirche entfernen. Mehrheitlich stellen sie keine Vertiefung dar, sondern schlagen eine vollkommen andere, neue Richtung ein. Sie rücken von den katholischen Positionen ab, und nähern sich mehr und mehr dem Protestantismus an. Teils geschieht dies sehr offen durch eindeutige Texte, teils subtil durch zweideutige Texte, welche einen weiten Interpretationsrahmen zulassen. Die Kirche wurde und wird weiterhin eilenden Schrittes protestantisiert, ihre katholische Identität ist im Begriff, sich in einen religiösen Indifferentismus hinein aufzulösen.
Es scheint zu einer Strategie geworden zu sein, mehrdeutige Formulierungen zu finden, welche rein semantisch zwar zunächst auch recht gedeutet werden können, aber eben nicht zwingend müssen. In einem zweiten Schritt interpretiert man diese nach und nach auf eine neue, nicht mehr katholische Weise: Man läßt sich das Verständnis „entwickeln“, um so, durch die langsame Umdeutung, den äußeren Anschein eines abrupten Bruches und damit einer Abkehr von der katholischen Lehre zu vermeiden. Dies ist jedoch nur eine Verschleierung der Tatsachen und der wirklichen Intention dieser Texte.
Es genügt ein einfacher Vergleich dessen, was die kirchlichen Autoritäten zu verschiedenen Themen beispielsweise 1950, 1970, 1990 und 2020 verlautbarten. Zu den schriftlichen Dokumenten kommen noch die unzähligen Beispiele aus dem alltäglichen kirchlichen, praktischen Leben hinzu: Was noch vor wenigen Jahrzehnten, selbst nach dem letzten Konzil, höchstens von einigen besonders verwegenen Kirchenrebellen gewagt wurde und mehrheitlich als verpönt galt, ist mittlerweile zur Normalität selbst höchster Kirchenführer geworden.
Es läßt sich ein Schema extrapolieren, welches sich seit Jahrzehnten wiederholt, weil es sich (in einem negativen Sinne) bewährt hat und zielführend ist. Zunächst ist etwas verboten. Dieses Verbot wird danach vereinzelt übertreten, kritisiert, aber nicht sanktioniert. Danach wird es offen toleriert und verbreitet sich, bald danach wird es als eine prinzipielle Option präsentiert, dann offiziell erlaubt, wobei Kritik vorerst noch toleriert ist, bis es schließlich zur allgemeinen, verbindlichen Norm erhoben wird und auch keine Kritik mehr geduldet wird. Das einst Verbotene wird zur Pflicht und das ehemals Verpflichtende zum Verbotenen: Die Ordnung ist invertiert, Lehre und Praxis in ihr Gegenteil verkehrt. Wer sich weiterhin an die ursprüngliche Ordnung und Lehre hält, wird direkt oder indirekt sanktioniert und marginalisiert. Man sagt, er sei „ungehorsam“ und „halte sich nicht an die kirchliche Ordnung und Lehre“, verschweigt aber dabei, daß diese neue Ordnung selbst aus „Ungehorsam“ und aus einem Bruch mit dem Katholischen entstanden ist.
Das Katholische soll verschwinden
Nach und nach wurden immer weitere Teile durch diese Entwicklung betroffen. Dabei ist darauf zu verweisen, daß die derzeitige Kirchenleitung auf sämtlichen Ebenen dies keinesfalls als eine bedauernswerte Entwicklung betrachtet, die aus den Händen geglitten ist und die man rückgängig machen möchte: Es ist viel mehr das bewußt gesteuerte und genau so gewollte Ergebnis der kirchlichen Regierungshandlungen. Sei es durch Dekrete und Texte, durch faktische Handlungen mit Symbolcharakter, um die Türen auch den untergeordneten Ebenen zu öffnen und damit Breitenwirkung zu erzielen, oder aber auch durch gezielte Ernennungen von Personen in Schlüsselpositionen.
Immer offener wird dabei zugegeben, was man alles zu ändern gedenkt. Letztlich soll das Katholische für immer verschwinden, und man sagt es auch immer offener, wobei das Liturgische nur ein besonders sichtbarer Teil ist: Letztlich geht es aber um die Lehre der katholischen Kirche im gesamten. Die katholische Glaubenslehre wird nicht mehr verkündet, sondern verschwiegen – sie gilt als überholt und heute nicht mehr gültige Lehre, oftmals ohne sie dabei offiziell „abzuschaffen“; sie wird einfach nicht mehr erwähnt, ganz so als sei sie eine heute nicht mehr gültige Vergangenheit, und sie wird durch neue Formeln und Lehren ersetzt, die man gleichsam über die katholische Lehre darüberlegt und sie somit verdeckt.
Seit nunmehr sechzig Jahren sind wir in einem Prozeß, der daraufhin abzielt, das Etikett „katholisch“ zu belassen, aber dessen Inhalt völlig zu verändern. Wenn man ein Glas Marmelade leert und mit Honig füllt, wird der neue Inhalt nicht zur Marmelade, nur weil das Etikett aus früheren Tagen noch dasselbe geblieben ist!
Ohne eigene Bischöfe ist die Piusbruderschaft verurteilt auszusterben
Genau dies ist das Problem, welches die Kirchenleitung mit der FSSPX hat: Sie hat sich, um bei diesem Bilde zu bleiben, nicht die Marmelade aus dem Glas stehlen und unter Beibehaltung von Gefäß und Etikett gegen Honig austauschen lassen. Sie ist einfach fortgefahren das zu tun und zu predigen, was die Kirche jahrhundertelang getan und gepredigt hat. Doch was bis am Vortag noch das Verpflichtende war, ist über Nacht plötzlich eine Art von kirchlichem Schwerverbrechen geworden. Da sich die Glaubensverkündigung der Kirche selbst inhaltlich in sehr zentralen Punkten geändert hat und das Vorangegangene plötzlich nicht mehr sein darf und als nicht mehr gültige Position der Kirche gesehen wird, ist es nur folgerichtig, daß es auch niemanden mehr geben soll, der dies nach außen hin öffentlich vertritt. Es ist den kirchlichen Autoritäten nicht nur kein Anliegen, daß die traditionelle Lehre und Liturgie weiterbestehen, sondern im Gegenteil: Es ist ihnen ein Anliegen, daß diese endlich verschwinden und die neue Lehre von allen vollumfänglich angenommen wird. Die Tradition muß ihrer Ansicht nach aussterben und endlich der Geschichte übergeben werden – sie muß verschwinden.
Zur Weitergabe des traditionellen katholischen Glaubensgutes, und mehr noch zur Spendung der heiligen Sakramente gemäß der Überlieferung der Kirche, sind jedoch Priester nötig, welche das heilige Meßopfer darbringen, die Neugeborenen taufen, die Sterbenden versehen und die Sünder wieder in die Gnade Gottes heben. Doch ohne Bischöfe gibt es keine neuen Priester mehr, und ohne Priester stirbt die traditionelle katholische Glaubenspraxis aus. Genau dies ist jedoch auch angestrebt: Der traditionelle Katholizismus soll untergehen, er wird als peinliche Last aus einer Vergangenheit, derer man sich schämt, betrachtet, die deshalb endlich und endgültig überwunden werden soll.
Unter solchen Voraussetzungen ist es völlig plausibel, daß die Piusbruderschaft das Schicksal des traditionellen Katholizismus nicht den Händen derer überlassen kann, welche die ausgesprochenen Gegner der „vorkonziliaren“ katholischen Lehre und Praxis sind. Das Schicksal, welches in den letzten Jahren viele (neo)konservative und traditionelle Gruppen und Gemeinschaften ereilt hat, ist alles andere als ermutigend: Es ist eher ein Alarmzeichen, das zur Vorsicht mahnt und die Notwendigkeit eigener Bischöfe als vernünftiges und nachvollziehbares Erfordernis einleuchten läßt.
Man darf nicht den Fehler begehen und meinen, bei den anstehenden Bischofsweihen ginge es ausschließlich oder vornehmlich um das Überleben einer Priesterbruderschaft. In Wirklichkeit geht es um das Fortleben dessen, was sie vertritt und zu dessen Werkzeug sie geworden ist. Angesichts der Gesamtsituation ist es derzeit unerläßlich, vorübergehend hinsichtlich der bischöflichen Weihegewalt unabhängig zu sein, wobei es sich eigentlich jedoch nicht um eine Art „Monopolstellung“ handeln sollte, da dies zu große Gefahren mit sich brächte.
Schisma und Ungehorsam
Es ist einerseits sehr befremdlich, aber andererseits angesichts der nachkonziliaren Ausbildungssituation auf den theologischen Fakultäten und Seminaren auch wieder nicht verwunderlich, wie wenig genau manche zwischen Schisma und Ungehorsam zu unterscheiden wissen.
Damit man, ganz allgemein gesprochen, von einem Schisma sprechen kann, muß die kirchliche, speziell die päpstliche Jurisdiktionsgewalt generell und per se dauerhaft als illegitim abgelehnt werden, und zwar strukturell. Der Schismatiker sagt: „Egal was die kirchliche Autorität verbietet oder befiehlt: Wir befolgen es prinzipiell nicht, denn wir erkennen diese Autorität als solche nicht an“. Der Schismatiker sieht sich ganz grundsätzlich nicht in Gemeinschaft mit dem Papst und der katholischen Kirche sowie deren Gliedern.
Dem gegenüber steht der Ungehorsam. Hierbei wird die generelle Autorität der kirchlichen Hierarchie bzw. im speziellen des Papstes anerkannt, jedoch ein oder mehrere Befehle oder Verbote nicht zur Ausführung gebracht. Nicht weil der Papst keine legitime Autorität hätte, sondern obwohl er sie hat, können eine oder mehrere konkrete Anweisungen als wohlbegründet schädlich, unzumutbar oder sogar sündhaft erkannt werden. Der Ungehorsame sagt: „Zwar ist die Autorität prinzipiell unangefochten, aber aufgrund eines höheren Gutes bzw. einer höher zu bewertenden Autorität kann ich einzelne Anweisungen nicht befolgen“.
Dies ist eindeutig der Fall der Piusbruderschaft: Sowohl durch Worte als auch durch Taten hat sie durchgehend seit ihrer Gründung klargemacht, daß sie die päpstliche Autorität anerkennt und wo möglich auch befolgt, jedoch nicht alles umsetzen kann, was diese an sich anerkannte Autorität von ihr verlangt oder erwartet. Nicht aus strukturellen und prinzipiellen Gründen, sondern aus jeweils aktuellen, denn die kirchlichen Autoritäten selbst kommen nicht in allem deren Verpflichtungen nach, welche ihnen durch den Heiland und die Kirche aufgetragen wurden. Deshalb muß sie substitutionell einspringen: Nicht dadurch, daß sie sich selbst eine Autorität zumißt, indem sie sozusagen eine Parallelhierarchie erstellt, sondern dadurch, daß sie jenen Anweisungen und Verboten nicht Folge leistet, welche zum Schaden der Seelen gereichen, gegen den überlieferten katholischen Glauben stehen oder das Notwendige und Gute verhindern.
Dort, wo die oberste kirchliche Autorität ihren Pflichten hinsichtlich der Glaubensverkündigung und des kirchlich-sakramentalen Lebens nicht nachkommt, springt die FSSPX ersatzweise dafür ein, um den Seelen, im Rahmen des Möglichen, ihr Recht zu garantieren. Durch die kirchlichen Umstände ist dies momentan nur jenseits eines päpstlichen oder bischöflichen Mandates möglich. Denn die einzige Alternative wäre es, ungerechten Befehlen oder Verboten Folge zu leisten, und damit wie alle anderen auch dazu beizutragen, den Glauben und die Sakramentenpraxis zu ändern und die Katholiken ihres Rechtes auf vollständige Glaubensintegrität in Liturgie und Lehrverkündigung zu berauben.
Deshalb ist es wichtig, jenseits von Sympathie und Antipathie für die FSSPX, ehrlich und gerecht zwischen Schisma und Ungehorsam zu unterscheiden, und sich nicht von Ideologien leiten zu lassen, sondern von Glauben und Vernunft.
Formeller und materieller Ungehorsam
Was nun den Gehorsam anbelangt, so muß man nochmals genauer unterscheiden. Denn Gehorsam ist stets relativ, das heißt von seiner Natur und Sache her immer auf etwas oder jemanden bezogen. Gehorsam kann niemals für sich selber stehen, da er die Unterordnung des eigenen Willens unter den Willen eines anderen bedeutet. Der Gehorsam, die oboedientia, ist aus formaltheologischer Sicht den sittlichen Tugenden (virtutes morales) zuzuordnen, welche ihrerseits wiederum der iustitia, der Gerechtigkeit, zugehörig sind: Diese kommt letztlich vom gerechten Gott her und zielt auf die innerweltliche (und innerkirchliche) Verwirklichung seiner ebenso gerechten Ordnung hin ab. Die Wesensbestimmung des Gehorsams besteht darin, Gottes heiligen Willen auch innerweltlich zur Umsetzung zu bringen. Gott steht somit am Anfang und an oberster Spitze des Gehorsams, der somit letztlich immer auf ihn bezogen bleiben muß.
Deshalb ist, wenn vom Gehorsam die Rede ist, immer zugleich mitzufragen, auf wessen Willen sich dieser bezieht und welchen Rang jener innehat, auf den man sich gehorsam bezieht. Und hierbei kann es zu Konflikten kommen. Bevor wir diese vertiefen, müssen wir jedoch noch eine weitere Differenzierung einführen, nämlich die Unterscheidung von materiellem und formellem Gehorsam.
Der materielle Gehorsam ist das Äußerliche des gehorsamen Handelns: die tätliche Umsetzung des Willens eines anderen. Er bezieht sich darauf, was faktisch getan wird.
Der formelle Gehorsam hingegen ist der innere Beweggrund des gehorsamen Handelns. Er bezieht sich darauf, warum etwas getan wird. Der Wille knüpft hier an eine Einsicht an.
Eine Frage der Gewichtung
Dies vorausgesetzt, kann man sich den Gehorsam wie eine lange Befehlskette vorstellen, deren erstes und alles entscheidende Glied der Herrgott ist. Wenn das zweite Glied dem ersten Glied ungehorsam ist, indem es dem dritten Glied etwas befiehlt, was dem Willen des ersten unmittelbar oder mittelbar widerspricht, befindet sich das dritte Glied unweigerlich in einer Konfliktsituation. Denn Gehorsam ist, so sagten wir eingangs, relativ, d. h. er muß sich immer auf etwas oder jemanden beziehen. Das dritte Glied muß in solch einer Konfliktsituation unabwendbar eine Entscheidung treffen, wobei es prinzipiell drei Möglichkeiten hat.
- Entweder es ist dem zweiten Glied – und somit dem unmittelbar ihm vorangehenden Glied – materiell gehorsam und damit automatisch dem ersten Glied materiell ebenso ungehorsam, wie es das zweite Glied bereits ist.
- Oder es ist dem ersten Glied materiell gehorsam, damit aber dem zweiten Glied notwendigerweise materiell ungehorsam, wobei dieser materielle Ungehorsam gegenüber dem zweiten Glied einer „Reparatur“ des Ungehorsams des zweiten Gliedes gleichkommt.
- Als dritte Möglichkeit könnte das dritte Glied beiden vorangehenden Gliedern gleichermaßen ungehorsam sein, indem es eine eigene Handlungsvariante entwickelt, die niemandes Willen entspricht. In diesem Falle würde es sich um einen absoluten Ungehorsam handeln.
Nun stellten wir auch bereits fest, daß der materielle, äußere Gehorsam auf dem formellen, inneren Gehorsam aufbaut. Die dahinterliegende Frage ist also: Was bzw. welche Autorität akzeptiere ich als den inneren Grund meines gehorsamen Handelns, d. h. wessen Willen unterstelle ich meinen eigenen Willen und das daraus resultierende Handeln?
Akzeptieren wir, daß es keine größere Wahrheit, keine höhere Autorität und kein besseres Wesen als Gott gibt, so wird einsichtig, daß sich der formelle Gehorsam stets und allein auf diesen beziehen muß, auch im Konfliktfall. Daraus ergibt sich logisch, daß sich die zweite Handlungsvariante als die einzig richtige erweist. Der materielle Ungehorsam, der sich auf das zweite Glied bezieht, indem man den materiellen Gehorsam, dem formellen Gehorsam folgend, auf das erste Glied bezieht, erzeigt sich von daher als der eigentliche und wirkliche Gehorsam.
Dies führt uns zu der Einsicht, daß es sich in Situationen des Gehorsamskonfliktes letztlich um eine Frage der Gewichtung handelt. Und in genau solch eine Situation ist nun auch die Priesterbruderschaft St. Pius X. hineingestellt.
Als weitere Erkenntnis halten wir fest, daß die FSSPX, wenn sie zu den heiligen Weihezeremonien schreiten wird, dem Heiligen Stuhl gegenüber materiell ungehorsam (nicht aber schismatisch!) ist, sich dieser Ungehorsam aber als der eigentliche Gehorsam erweist, da sie Gott gegenüber formell wie materiell gehorsam ist.
Zusammenfassend läßt sich an diesem Punkt festhalten, daß die Piusbruderschaft keinesfalls schismatisch ist und sich bei etwas feinerer Betrachtung ihr materieller Ungehorsam gegenüber dem Heiligen Stuhl letztlich als Gehorsam gegenüber dem Auftrag Gottes an seine Kirche erweist.
Sind die Bischofsweihen göttliches Gebot?
An dieser Stelle könnte man, mit einer gewissen Berechtigung, den Einwand erheben: Wo hat Gott gesagt, die Piusbruderschaft soll eigenmächtig Bischöfe weihen?
Nun, den Ansatz zur Beantwortung dieser Frage deuteten wir eingangs an, als wir in sehr groben Zügen die Situation der Kirche in Erinnerung riefen. Der Heiland gab der Kirche als ganzer verschiedene Aufträge, speziell was die Erteilung der Sakramente und die Verbreitung der vollständigen und unverkürzten Lehre all dessen anbelangt, was er gelehrt hat. Dieser Auftrag wird in hervorgehobener Weise durch die Apostel und deren Nachfolger ausgeübt, ausgestattet durch die Vollmacht, die mittels des Weihesakramentes übertragen wird, welches sie am einzigen Hohepriestertum Jesu Christi anteilhaftig werden läßt.
Abgesehen davon, daß sich die Ernennung der Bischöfe durch den römischen Pontifex erst nach mehreren Jahrhunderten nach und nach herauskristallisiert hat, ist zu sagen, daß sich die moralische Berechtigung, ja sogar Pflicht daraus ergibt, daß die Grundaufträge, welche der Heiland seiner Kirche überantwortet hat, objektiv untergraben und unterbunden werden, indem sich die entscheidenden kirchlichen Autoritäten selbst davon entbunden haben und die Kirche im gesamten systematisch durch entsprechende Lehräußerungen und Personalentscheide in eine völlig andere Richtung lenken, als sie der Heiland vorgezeichnet hat.
Es kann nicht allein darum gehen, irgendetwas Beliebiges irgendwie zu tun, sondern die Weisungen des Herrn sind auch in all ihren Implikationen für alle bindend, erst recht für den Klerus in sämtlichen Funktionen. Das gilt nicht nur für die Glaubensverkündigung, sondern auch was die Übersetzung des Glaubensgutes in liturgische Handlungen anbelangt. Es geht nicht allein um Liturgie, sondern ebenso um das Glaubensgut; beide sind untrennbar ineinander verwoben.
Wo die Integrität von Lehre und Liturgie nicht mehr durch diejenigen gewährleistet ist, die eigentlich dessen Garant sein müßten, muß notgedrungen derjenige einspringen, der es zwar kann, wenngleich nach Kirchenordnung formell nicht dürfte. Auch hier geht es um die Frage der rechten Gewichtung: Kirchliche Rechtsordnungen können nicht als höherstehender bewertet werden als göttliche Grundaufträge.
Zu deren Erfüllung sind aber nun einmal Bischöfe nötig, welche sich an nämliche gebunden wissen und ihrerseits wiederum der Kirche priesterliche Hirten und Väter zu geben vermögen, die sich ebenfalls daran gebunden wissen.
Wenn die einzige Alternative das Aussterben dessen ist, was die Kirche zweitausend Jahre hindurch treu verwaltet und weitergegeben hat, und wie es in zunehmender Deutlichkeit gesagt und umgesetzt wird, dann ist das Eingreifen jener eine unumgängliche Pflicht, die es zwar nicht dürfen, aber können, auch wenn es gegen kirchliches (und nicht göttliches!) Recht verstößt. Denn man kann es nicht zulassen, daß man an Gehorsam stirbt.
*Mag. Don Michael Gurtner ist ein aus Österreich stammender Diözesanpriester, der in der Zeit des öffentlichen (Corona-) Meßverbots diesem widerstanden und sich große Verdienste um den Zugang der Gläubigen zu den Sakramenten erworben hat. Von ihm stammen die Kolumne „Zur Lage der Kirche“ und weitere Beiträge.
Bild: fsspx.news (Screenshot)
Giovanni Battista Re: AUFHEBUNG DER EXKOMMUNIKATION VON VIER BISCHÖFEN DER BRUDERSCHAFT „ST. PIUS X.“ DEKRET DER KONGREGATION FÜR DIE BISCHÖFE. Bischofskongregation, 21. Januar 2009
Darin heißt es wörtlich:
Mit Schreiben vom 15. Dezember 2008 an S. Em. Kardinal Dario Castrillón Hoyos, den Präsidenten der Päpstlichen Kommission Ecclesia Dei, hat Bischof Bernard Fellay – auch im Namen der drei übrigen am 30. Juni 1988 geweihten Bischöfe – erneut die Aufhebung der Exkommunikation latae sententiae erbeten. Diese war formell mit einem Dekret des Präfekten dieser Kongregation für die Bischöfe vom 1. Juli 1988 erklärt worden. In dem genannten Schreiben versichert Bischof Fellay unter anderem: »Wir sind stets willens und fest entschlossen, katholisch zu bleiben und alle unsere Kräfte in den Dienst der Kirche Unseres Herrn Jesus Christus zu stellen, die die römisch-katholische Kirche ist. Wir nehmen ihre Lehren in kindlichem Gehorsam an. Wir glauben fest an den Primat Petri und an seine Vorrechte. Und darum leiden wir sehr unter der gegenwärtigen Situation.« .…Auf Grundlage der mir ausdrücklich vom Heiligen Vater Benedikt XVI. übertragenen Vollmacht hebe ich kraft dieses Dekrets für die Bischöfe Bernard Fellay, Bernard Tissier de Mallerais, Richard Williamson und Alfonso de Galarreta die Strafe der Exkommunikation latae sententiae auf, die von dieser Kongregation mit Datum vom 1. Juli 1988 erklärt worden war. Ich erkläre das damals erlassene Dekret ab dem heutigen Datum für juristisch wirkungslos.
Rom, am Sitz der Kongregation für die Bischöfe, 21. Januar 2009
Kard. Giovanni Battista Re
Präfekt der Kongregation für die Bischöfe
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Der 1. Juli ein offenbar wichtiges Datum für die Piusbruderschaft. Und da schrieb Bischof Fellay an Kardinal Hoyos, „die Lehren der röm.- katholische Kirche in „kindlichem Gehorsam!“ anzunehmen. Wir glauben fest an den Primat Petri und seine Vorrechte…“
Vielen Dank! Das ist gut auf den Punkt gebracht.
Hw. Gurtner ist ein Gewährsmann dafür, daß eine grundsätzliche und kritische Analyse der kirchlichen Lage längst auch außerhalb der Grenzen der Piusbruderschaft stattfindet (wenngleich meist aufgrund des Vorangehens der Bruderschaft in den siebziger und achtziger Jahren).
Besten Dank, Hochwürden Don Michael Gurtner, für Ihre systematischen Ausführungen, deren Denk- und Begriffslogik in ihrer Klarheit und Stringenz für sich stehen. In unserer postfaktischen Zeit scheinen solche vernunftmässige Logik in ihrer konkreten Anwendung für viele Leute, auch solche mit Universitätsabschluss, kaum mehr nachvollziehbar zu sein, da scheinbar alles dem Subjektivismus, dem Relativismus sowie den ideologischen Zeitströmungen wie Political Correctness, Wokeismus und ‚Cancel Culture‘ (Zensur- und Löschkultur) zum Opfer fällt. In Konsequenz stellt sich anstelle von Gnade eine geistliche wie auch eine geistig-intellektuelle Blindheit bei vielen Zeitgenossen ein; Gottes(ehr)furcht wird durch Menschenfurcht, Wahrheit durch (Selbst-)Täuschung und Realitätsverweigerung, Sakrales durch Profanes ersetzt – und die Menge klatscht frenetisch Beifall. Das Problem einer falsch verstandenen Gehorsamshierarchie gibt es eins zu eins auch im staatspolitischen Bereich: Wenn die Regierung verfassungsfeindliche Bestimmungen erlässt, die von der Judikative nicht zeitnah korrigiert wird, dann stehen Justizbeamte in einem Gewissenskonflikt: Sollen sie, da sie wie in Deutschland weisungsgebunden sind, der Obrigkeit (zweites Glied) Folge leisten oder aber den Normen der Verfassung (erstes Glied) folgen und dann gegenüber dem zweiten Glied in Ungehorsam fallen? Da die Regierung die ‚potestas‘ (Amtsgewalt) und v.a. auch das ‚imperium‘ (Befehlsgewalt) innehat, werden die meisten wohl der Regierung Folge leisten und nicht den verfassungsrechtlichen Normen, obwohl die Regierung wie auch das Parlament lediglich Diener und Vollstrecker der Verfassung – die einstmals zum Wohl von Volk und Land gegeben worden ist (!) – sind und sein sollten. Die Coronazeit hat diesen Gehorsamskonflikt überdeutlich aufgezeigt. So ergeben sich zwei Grundkategorien von Bürgern und Gläubigen: die Obrigkeitsgläubigen einerseits und die Verfassungstreuen bzw. die Gott-Treuen andererseits.
Ich finde diesen Ansatz sehr sympathisch. Ob die Weihen mit oder ohne Einverständnis des Papstes stattfinden, wird vor Gott keine große Rolle spielen. Dies umso weniger, als der Gehorsam der Kirche gegen die göttliche Offenbarung rapide abnimmt, wie dies Hochw. Gurtner hier sehr gut skizziert. – Natürlich kann man das nicht gegeneinander ausspielen, wie er ganz richtig sagt, aber es gibt in der Tat ein höherrangiges Gut: Und das kann z.B. die Bewahrung des überlieferten Glaubens sein. Weder der Papst noch die Kirche als Ganzes gehen hier augenblicklich in irgendeiner Weise in Vorleistung. Im Gegenteil. Insofern halte ich den Schritt der FSSPX für nachvollziehbar und sicher nicht für „schismatisch“. Wer Schismatiker sehen will, braucht nur in die deutsche Bischofskonferenz zu blicken. Da glaubt fast keiner mehr was, das katholisch ist und dennoch tut man „päpstlich katholisch“. Aber das ist in der synodalen Kirche ja „okay“ – nur glaube ich nicht, dass die (päpstlich verordnete) „Synodalkirche“ ihrem Wesen nach ebenfalls noch katholisch ist. Oder steht das neuerdings im Credo? Das Schlimme ist: Es fällt innerhalb und außerhalb der Kirche nur noch wenigen auf.…
@Dr. Joachim Heimerl
Ja mit dem Gehorsam ist das so eine Sache. Der Erzengel Michael ist äußerst gehorsam gegenüber unserem Gott und seiner Hl.Kirche. Außerdem sagt man das er der Schutzpatron Deutschlands ist. Ist er eigentlich zum Synodalen Weg mit eingeladen? Natürlich ist er extrem streitbar und diskriminierend gegen über Satan. Deswegen fürchte ist das mit diesem großen Engel unseres Gottes ein Dialog sehr unfruchtbar sein könnte. Aber er steht immer zum Schutz der allerseligsten Jungfrau bereit. Ich finde Gehorsam gegenüber unserem Gott ist eine große Sache. Aber Gehorsam und Begeisterung gegenüber den immer lauter werdenden fortschrittlichen Jubelchören dieser Welt ist äußerst gefährlich. Man sollte die Geister unterscheiden können.
Per Mariam ad Christum.
Wichtig: Es gibt nur noch zwei lebende Bischöfe der FSSPX. Diese werden bis zum 1. Juli möglicherweise nicht mehr leben. Die Gefahr ist groß, dass sie ermordet werden. Ein bedauerlicher Treppensturz, ein mysteriöser Autounfall oder ein plötzlicher und unerwarteter Herztod könnten die „offiziellen“ Todesursachen sein. Vatikanische Freimaurer sind gefährlich. Die FSSPX muss die neuen Bischöfe jetzt weihen, heimlich, vor dem 1. Juli.
Vigano/Williamson sollen schon „heimlich“ Bischöfe geweiht haben. Und Vigano hat letzte Woche endlich ein Foto von seiner erneuten Bischofsweihe durch Williamson veröffentlicht.
Ich denke, allein die Länge des Artikels ist Ausdruck der Tatsache, dass die Argumentation Gurtners hakelt. Rom ist vom Glauben abgefallen und dieser Abfall ist essenziell. Gurtner hingegen versucht, anhand des Beobachtbaren die Sache zu betrachten. Dann kommt man zu dem Schluss, die Situation hätte sich im Laufe der Zeit verschärft. Das hat sie aber nicht. Es hat lediglich lange gedauert, bis die Christenheit verstanden hat.
Ich habe seit längerer Zeit einen Konflikt in mir wegen der Situation der Amtskirche. Immer mehr ist mir aufgefallen, wie sich schleichend der Glaubensabfall in der katholischen Kirche breit macht. Wie Sünde toleriert und die Tradition immer mehr bekämpft wird. Ich las ein Buch von EB Marcel Lefebvre und meiner Frau und mir gingen die Augen auf.
Wir gehen nicht mehr in die neue Messe. Am Sonntag gehen wir zur tridentinischen Messe und unter der Woche sind wir jeden Tag per Youtube bei der Messe aus der Kirchgemeinde Sancta Maria in Wil SG (Schweiz) dabei. Wir haben uns alte katholische Andachtsbücher (1895 und 1923) besorgt und lernen nun die wahre katholische Lehre und sind erstaunt darüber, was uns in der Amtskirche nicht gesagt wurde!
Was den Papst betrifft, man muss viel für ihn beten und auf die Vorsehung Gottes vertrauen. Wenn ein Papst Aussagen macht, die nicht mit der überlieferten katholischen Lehre übereinstimmt, dann muss man Gott mehr gehorchen als den Menschen. Der Papst ist nunmal der Papst, weil er auf dem Stuhl Petri sitzt. Ob das nun legitim ist oder nicht, muss alleine Gott entscheiden. Wir sind verpflichtet für den Papst und die Priester zu beten, auch wenn sie, wie es scheint, den wahren Glauben verloren haben. In La Salette wurden wir davor gewarnt und nun ist es soweit. Die Muttergottes sagte was wir tun sollen.
Ich jedenfalls verstehe die FSSPX und denke, es ist unser aller Pflicht, bei einigen Punkten ungehorsam zu sein, da wir unserem Herrn Jesus Christus verpflichtet sind und nicht einer modernen Weltsicht. Ich hoffe, es wachen noch viele in der Amtskirche auf.
Deo gratias
Großartig!
Ewiges Vergelts Gott!
Ich denke, es ist in dieser Angelegenheit nicht angemessen, in Entweder-Oder-Kategorien (wie übrigens auch an anderen Stellen) zu denken!
Bei den alten Vätern nahm der Gehorsam einen sehr hohen Stellenwert ein. Ebenso wie Gebet, Demut, Unterscheidungsgabe (discretio), Ausdauer und Geduld.
Bei der Überlegung, wie dieser Konflikt, im Sinne des Evangeliums unseres Herrn Jesus Christus, vielleicht entschärft oder sogar gelöst werden könnte, ohne daß eine der Parteien „nachgeben“ müßte, fiel mir eine Geschichte aus der „Weisung der Väter“ ein (Apophthegmata Patrum, 1090), wo ein Schüler seinem Altvater gehorsam sein will, aber dennoch nicht nach seiner Weisung handelt, sondern durch geschicktes Agieren jenen vor einem großen Fehlverhalten bewahrt. …
Die meisten Konflikte lassen sich nicht mit Logik und Argumenten lösen. Deshalb gab uns Jesus die Weisung: „Liebt einander, wie ich euch geliebt habe“ und „daran werden alle erkennen, daß ihr meine Jünger seid, wenn ihr einander liebt“ (Joh 13,34–35 / 15,12.17).
Augustinus kann deshalb kurz und bündig sagen: „Dilige et quod vis fac!“ (Liebe und tu, was du willst!) …
Auch der Apostel Paulus gibt uns einen Fingerzeig, wie wir miteinander umgehen sollen: „Wenn es also eine Ermahnung in Christus gibt, einen Zuspruch aus Liebe, eine Gemeinschaft des Geistes, ein Erbarmen und Mitgefühl, dann macht meine Freude vollkommen, daß ihr eines Sinnes seid, einander in Liebe verbunden, einmütig, einträchtig, daß ihr nichts aus Streitsucht und nichts aus Prahlerei tut. Sondern in Demut schätze einer den andern höher ein als sich selbst. Jeder achte nicht nur auf das eigene Wohl, sondern auch auf das der anderen. Seid untereinander so gesinnt, wie es dem Leben in Christus Jesus entspricht …“ (Phil 2,1–5)
Bleibt noch das große Problem der „falschen Brüder“, die „falsche Lehren“ verbreiten (Apg 20,29–31 / Gal 2,4–6 / Tit 3,10 / 1Tim 4,1–2.7–10 / 2Petr 2,1 …) und der Umgang mit ihnen (Ps 26,4–5). …
Wenn ich die Hinweise der alten Väter (und einiger weniger Mütter) richtig deute, ist im Umgang mit ihnen (rechtverstandene) Demut der Schlüssel. Denn was die gefallenen Engel überhaupt nicht ertragen können, ist Gebet, (echte) Demut, Reinheit des Herzens, Heiligkeit und (echte) Frömmigkeit! …
Erst haben Sie eine entweder-oder Einstellung abgelehnt und dann bringen sie das entscheidende Kriterium: Die Amtskirche liebt die traditionellen Brüder nicht. Wer die Brüder nicht liebt, gehört nicht zur Kirche.
Die Situation ist eigentlich ganz einfach. Die Piusbruderschaft muss, durch die Bischofsweihen, ihren Bestand sichern. Egal wie die Konsequenzen sind, so läßt sich doch jede Spaltung wieder reparieren. Wenn die Piusbruderschaft untergeht, ist alles verloren. Sie kann dann auch nicht mehr der Garant für den Fortbestand der Tradition sein, der sie ist, für die, die in voller Einheit mit Rom stehen. Auch diesen könnte dann jederzeit der Gar ausgemacht werden. Auf einen neuen Lefebvre in höchster Not ist nicht zu hoffen.
Auf dem Grabstein eines preußischen Generals, der sich Friedrich II. widersetzte, steht: „Wählte Ungnade, wo Gehorsam keine Ehre brachte.“
In der Kirche geht es um die größere Ehre Gottes.
Besten Dank, Hochwürden Don Michael Gurtner, für Ihre systematischen Ausführungen, deren Denk- und Begriffslogik in ihrer Klarheit und Stringenz für sich stehen. In unserer postfaktischen Zeit scheinen solche vernunftmässige Logik in ihrer konkreten Anwendung für viele Leute, auch solche mit Universitätsabschluss, kaum mehr nachvollziehbar zu sein, da scheinbar alles dem Subjektivismus, dem Relativismus sowie den ideologischen Zeitströmungen wie Political Correctness, Wokeismus, ‚Cancel Culture‘ (Zensur- und Löschkultur) sowie dem Ökumenismus zum Opfer fällt. In Konsequenz stellt sich anstelle von Gnade eine geistliche wie auch eine geistig-intellektuelle Blindheit bei vielen Zeitgenossen ein. Gottes(ehr)furcht wird durch Menschenfurcht, Wahrheit durch (Selbst-)Täuschung und Realitätsverweigerung, Sakrales durch Profanes ersetzt – und die Menge klatscht frenetisch Beifall. Das Problem einer falsch verstandenen Gehorsamshierarchie gibt es eins zu eins auch im staatspolitischen Bereich: Wenn die Regierung verfassungsfeindliche Bestimmungen erlässt, die von der Judikative nicht zeitnah korrigiert wird, dann stehen Justizbeamte in einem Gewissenskonflikt: Sollen sie, da sie wie beispielsweise in Deutschland weisungsgebunden sind, der Obrigkeit (zweites Glied) Folge leisten oder aber den Normen der Verfassung (erstes Glied) folgen und dann gegenüber dem zweiten Glied in Ungehorsam fallen? Da die Regierung die ‚potestas‘ (Amtsgewalt) und v.a. auch das ‚imperium‘ (Befehlsgewalt) innehat, werden die meisten wohl der Regierung Folge leisten und nicht den verfassungsrechtlichen Normen, obwohl die Regierung wie auch das Parlament lediglich Diener und Vollstrecker der Verfassung – die einstmals zum Wohl von Volk und Land gegeben worden ist (!) – sind und sein sollten. Die Coronazeit hat diesen Gehorsamskonflikt überdeutlich aufgezeigt. So ergeben sich daraus zwei Grundkategorien von Bürgern und Gläubigen: die Obrigkeitsgläubigen einerseits (Gehorsam dem 2. Glied) und die Verfassungstreuen bzw. die Christus-Treuen (Gehorsam dem 1. Glied) andererseits.
@ Vorahnung u. Henryk Hoffmann : Ja, an diese Option habe ich auch schon gedacht! Warum nicht insgeheim weihen, ohne es an die „große Glocke“ zu hängen? (Wird das in der „Untergrundkirche“ in China nicht womöglich auch so gehandhabt?) …
Falls die „interessierten Kreise“ im Vatikan tatsächlich auf Zeit spielen und die beiden Bischöfe der Piusbruderschaft sterben, ohne daß es mit Rom zu einer Einigung gekommen ist, hätte man vorgesorgt. …
Wenn schon „ungehorsam“, dann richtig und unter dem Banner der Klugheit! Eingedenk der Worte unseres Herrn: „Siehe, ich sende euch wie Schafe mitten unter die Wölfe; seid daher klug wie die Schlangen und arglos wie die Tauben!“ (Mt 10,16) …
Wörtliches Zitat von Papst Franziskus:
“ Ja…Nein…Ja…nein…Ach, tut was Ihr wollt. “
Das betraf hier die Frage in einem Vorort von Rom, ob eine Waldenserpfarrerin (die de facto und mit Überzeugung die Transsubstantiaton verneint) jetzt – im novus ordo und postvatikanisch 2 total erlaubt – die Hl. Kommunion empfangen darf.
Das betraf die Fundamente der römisch-katholischen Heilslehre.
Bei den Bischofsweihen der FSSPX dagegen handelt es sich allesamt römischkstholische Gläubigen, gültig geweihte Priester, in gesicherter apostolischen Sukzession, treu zum Glauben stehend.
Die gefallene vatikanische Verwaltung ist eine Sünde gegen den Hl. Geist.