Man darf nicht an Gehorsam sterben

Ein Diskussionsbeitrag


Bischofsweihen der Priesterbruderschaft St. Pius X. im Jahr 1988
Bischofsweihen der Priesterbruderschaft St. Pius X. im Jahr 1988

Ein Kom­men­tar von Don Micha­el Gurtner*

Mit der Ankün­di­gung der Wei­he von neu­en Bischö­fen der Prie­ster­bru­der­schaft St. Pius X. (FSSPX) für den 1. Juli die­ses Jah­res, das Hoch­fest des kost­bar­sten Blu­tes Jesu Chri­sti, geht ein­her, daß die­se zahl­reich kom­men­tiert wer­den, was haupt­säch­lich dar­auf zurück­zu­füh­ren ist, daß sich die­se Wei­hen objek­tiv in einer kano­nisch nicht regu­lä­ren Wei­se voll­zie­hen, was sehr unter­schied­lich bewer­tet wird. Man­che die­ser Kom­men­ta­re sind zur Ori­en­tie­rung der Gläu­bi­gen sehr hilf­reich, ande­re hin­ge­gen stif­ten mehr Ver­wir­rung, beson­ders des­halb, weil es an der gebo­te­nen Unter­schei­dung und Dif­fe­ren­zie­rung fehlt, sowohl sach­lich als auch ter­mi­no­lo­gisch. Des­halb erheischt es die­se Stun­de der Geschich­te, eini­ge grund­le­gen­de Din­ge zu prä­zi­sie­ren und die not­wen­di­gen, teils dif­fi­zi­len Unter­schei­dun­gen in Erin­ne­rung zu rufen: bene docet, qui bene distin­guit.

Zur generellen Situation

Zunächst ist für eine rech­te und gerech­te Beur­tei­lung die­ser ange­kün­dig­ten Wei­he­hand­lun­gen vor­ab die äuße­re Situa­ti­on der Kir­che zu berück­sich­ti­gen. Es ist objek­tiv nach­weis­bar, daß die offi­zi­el­len Lehr­do­ku­men­te der Kir­che, begin­nend mit dem Zwei­ten Vati­ka­ni­schen Kon­zil, sich immer öfters und immer wei­ter von der über­lie­fer­ten und ver­bind­li­chen katho­li­schen Leh­re der Kir­che ent­fer­nen. Mehr­heit­lich stel­len sie kei­ne Ver­tie­fung dar, son­dern schla­gen eine voll­kom­men ande­re, neue Rich­tung ein. Sie rücken von den katho­li­schen Posi­tio­nen ab, und nähern sich mehr und mehr dem Pro­te­stan­tis­mus an. Teils geschieht dies sehr offen durch ein­deu­ti­ge Tex­te, teils sub­til durch zwei­deu­ti­ge Tex­te, wel­che einen wei­ten Inter­pre­ta­ti­ons­rah­men zulas­sen. Die Kir­che wur­de und wird wei­ter­hin eilen­den Schrit­tes pro­te­stan­ti­siert, ihre katho­li­sche Iden­ti­tät ist im Begriff, sich in einen reli­giö­sen Indif­fe­ren­tis­mus hin­ein aufzulösen.

Es scheint zu einer Stra­te­gie gewor­den zu sein, mehr­deu­ti­ge For­mu­lie­run­gen zu fin­den, wel­che rein seman­tisch zwar zunächst auch recht gedeu­tet wer­den kön­nen, aber eben nicht zwin­gend müs­sen. In einem zwei­ten Schritt inter­pre­tiert man die­se nach und nach auf eine neue, nicht mehr katho­li­sche Wei­se: Man läßt sich das Ver­ständ­nis „ent­wickeln“, um so, durch die lang­sa­me Umdeu­tung, den äuße­ren Anschein eines abrup­ten Bru­ches und damit einer Abkehr von der katho­li­schen Leh­re zu ver­mei­den. Dies ist jedoch nur eine Ver­schleie­rung der Tat­sa­chen und der wirk­li­chen Inten­ti­on die­ser Texte.

Es genügt ein ein­fa­cher Ver­gleich des­sen, was die kirch­li­chen Auto­ri­tä­ten zu ver­schie­de­nen The­men bei­spiels­wei­se 1950, 1970, 1990 und 2020 ver­laut­bar­ten. Zu den schrift­li­chen Doku­men­ten kom­men noch die unzäh­li­gen Bei­spie­le aus dem all­täg­li­chen kirch­li­chen, prak­ti­schen Leben hin­zu: Was noch vor weni­gen Jahr­zehn­ten, selbst nach dem letz­ten Kon­zil, höch­stens von eini­gen beson­ders ver­we­ge­nen Kir­chen­re­bel­len gewagt wur­de und mehr­heit­lich als ver­pönt galt, ist mitt­ler­wei­le zur Nor­ma­li­tät selbst höch­ster Kir­chen­füh­rer geworden.

Es läßt sich ein Sche­ma extra­po­lie­ren, wel­ches sich seit Jahr­zehn­ten wie­der­holt, weil es sich (in einem nega­ti­ven Sin­ne) bewährt hat und ziel­füh­rend ist. Zunächst ist etwas ver­bo­ten. Die­ses Ver­bot wird danach ver­ein­zelt über­tre­ten, kri­ti­siert, aber nicht sank­tio­niert. Danach wird es offen tole­riert und ver­brei­tet sich, bald danach wird es als eine prin­zi­pi­el­le Opti­on prä­sen­tiert, dann offi­zi­ell erlaubt, wobei Kri­tik vor­erst noch tole­riert ist, bis es schließ­lich zur all­ge­mei­nen, ver­bind­li­chen Norm erho­ben wird und auch kei­ne Kri­tik mehr gedul­det wird. Das einst Ver­bo­te­ne wird zur Pflicht und das ehe­mals Ver­pflich­ten­de zum Ver­bo­te­nen: Die Ord­nung ist inver­tiert, Leh­re und Pra­xis in ihr Gegen­teil ver­kehrt. Wer sich wei­ter­hin an die ursprüng­li­che Ord­nung und Leh­re hält, wird direkt oder indi­rekt sank­tio­niert und mar­gi­na­li­siert. Man sagt, er sei „unge­hor­sam“ und „hal­te sich nicht an die kirch­li­che Ord­nung und Leh­re“, ver­schweigt aber dabei, daß die­se neue Ord­nung selbst aus „Unge­hor­sam“ und aus einem Bruch mit dem Katho­li­schen ent­stan­den ist.

Das Katholische soll verschwinden

Nach und nach wur­den immer wei­te­re Tei­le durch die­se Ent­wick­lung betrof­fen. Dabei ist dar­auf zu ver­wei­sen, daß die der­zei­ti­ge Kir­chen­lei­tung auf sämt­li­chen Ebe­nen dies kei­nes­falls als eine bedau­erns­wer­te Ent­wick­lung betrach­tet, die aus den Hän­den geglit­ten ist und die man rück­gän­gig machen möch­te: Es ist viel mehr das bewußt gesteu­er­te und genau so gewoll­te Ergeb­nis der kirch­li­chen Regie­rungs­hand­lun­gen. Sei es durch Dekre­te und Tex­te, durch fak­ti­sche Hand­lun­gen mit Sym­bol­cha­rak­ter, um die Türen auch den unter­ge­ord­ne­ten Ebe­nen zu öff­nen und damit Brei­ten­wir­kung zu erzie­len, oder aber auch durch geziel­te Ernen­nun­gen von Per­so­nen in Schlüsselpositionen.

Immer offe­ner wird dabei zuge­ge­ben, was man alles zu ändern gedenkt. Letzt­lich soll das Katho­li­sche für immer ver­schwin­den, und man sagt es auch immer offe­ner, wobei das Lit­ur­gi­sche nur ein beson­ders sicht­ba­rer Teil ist: Letzt­lich geht es aber um die Leh­re der katho­li­schen Kir­che im gesam­ten. Die katho­li­sche Glau­bens­leh­re wird nicht mehr ver­kün­det, son­dern ver­schwie­gen – sie gilt als über­holt und heu­te nicht mehr gül­ti­ge Leh­re, oft­mals ohne sie dabei offi­zi­ell „abzu­schaf­fen“; sie wird ein­fach nicht mehr erwähnt, ganz so als sei sie eine heu­te nicht mehr gül­ti­ge Ver­gan­gen­heit, und sie wird durch neue For­meln und Leh­ren ersetzt, die man gleich­sam über die katho­li­sche Leh­re dar­über­legt und sie somit verdeckt.

Seit nun­mehr sech­zig Jah­ren sind wir in einem Pro­zeß, der dar­auf­hin abzielt, das Eti­kett „katho­lisch“ zu belas­sen, aber des­sen Inhalt völ­lig zu ver­än­dern. Wenn man ein Glas Mar­me­la­de leert und mit Honig füllt, wird der neue Inhalt nicht zur Mar­me­la­de, nur weil das Eti­kett aus frü­he­ren Tagen noch das­sel­be geblie­ben ist!

Ohne eigene Bischöfe ist die Piusbruderschaft verurteilt auszusterben

Genau dies ist das Pro­blem, wel­ches die Kir­chen­lei­tung mit der FSSPX hat: Sie hat sich, um bei die­sem Bil­de zu blei­ben, nicht die Mar­me­la­de aus dem Glas steh­len und unter Bei­be­hal­tung von Gefäß und Eti­kett gegen Honig aus­tau­schen las­sen. Sie ist ein­fach fort­ge­fah­ren das zu tun und zu pre­di­gen, was die Kir­che jahr­hun­der­te­lang getan und gepre­digt hat. Doch was bis am Vor­tag noch das Ver­pflich­ten­de war, ist über Nacht plötz­lich eine Art von kirch­li­chem Schwer­ver­bre­chen gewor­den. Da sich die Glau­bens­ver­kün­di­gung der Kir­che selbst inhalt­lich in sehr zen­tra­len Punk­ten geän­dert hat und das Vor­an­ge­gan­ge­ne plötz­lich nicht mehr sein darf und als nicht mehr gül­ti­ge Posi­ti­on der Kir­che gese­hen wird, ist es nur fol­ge­rich­tig, daß es auch nie­man­den mehr geben soll, der dies nach außen hin öffent­lich ver­tritt. Es ist den kirch­li­chen Auto­ri­tä­ten nicht nur kein Anlie­gen, daß die tra­di­tio­nel­le Leh­re und Lit­ur­gie wei­ter­be­stehen, son­dern im Gegen­teil: Es ist ihnen ein Anlie­gen, daß die­se end­lich ver­schwin­den und die neue Leh­re von allen voll­um­fäng­lich ange­nom­men wird. Die Tra­di­ti­on muß ihrer Ansicht nach aus­ster­ben und end­lich der Geschich­te über­ge­ben wer­den – sie muß verschwinden.

Zur Wei­ter­ga­be des tra­di­tio­nel­len katho­li­schen Glau­bens­gu­tes, und mehr noch zur Spen­dung der hei­li­gen Sakra­men­te gemäß der Über­lie­fe­rung der Kir­che, sind jedoch Prie­ster nötig, wel­che das hei­li­ge Meß­op­fer dar­brin­gen, die Neu­ge­bo­re­nen tau­fen, die Ster­ben­den ver­se­hen und die Sün­der wie­der in die Gna­de Got­tes heben. Doch ohne Bischö­fe gibt es kei­ne neu­en Prie­ster mehr, und ohne Prie­ster stirbt die tra­di­tio­nel­le katho­li­sche Glau­bens­pra­xis aus. Genau dies ist jedoch auch ange­strebt: Der tra­di­tio­nel­le Katho­li­zis­mus soll unter­ge­hen, er wird als pein­li­che Last aus einer Ver­gan­gen­heit, derer man sich schämt, betrach­tet, die des­halb end­lich und end­gül­tig über­wun­den wer­den soll.

Unter sol­chen Vor­aus­set­zun­gen ist es völ­lig plau­si­bel, daß die Pius­bru­der­schaft das Schick­sal des tra­di­tio­nel­len Katho­li­zis­mus nicht den Hän­den derer über­las­sen kann, wel­che die aus­ge­spro­che­nen Geg­ner der „vor­kon­zi­lia­ren“ katho­li­schen Leh­re und Pra­xis sind. Das Schick­sal, wel­ches in den letz­ten Jah­ren vie­le (neo)konservative und tra­di­tio­nel­le Grup­pen und Gemein­schaf­ten ereilt hat, ist alles ande­re als ermu­ti­gend: Es ist eher ein Alarm­zei­chen, das zur Vor­sicht mahnt und die Not­wen­dig­keit eige­ner Bischö­fe als ver­nünf­ti­ges und nach­voll­zieh­ba­res Erfor­der­nis ein­leuch­ten läßt.

Man darf nicht den Feh­ler bege­hen und mei­nen, bei den anste­hen­den Bischofs­wei­hen gin­ge es aus­schließ­lich oder vor­nehm­lich um das Über­le­ben einer Prie­ster­bru­der­schaft. In Wirk­lich­keit geht es um das Fort­le­ben des­sen, was sie ver­tritt und zu des­sen Werk­zeug sie gewor­den ist. Ange­sichts der Gesamt­si­tua­ti­on ist es der­zeit uner­läß­lich, vor­über­ge­hend hin­sicht­lich der bischöf­li­chen Wei­he­ge­walt unab­hän­gig zu sein, wobei es sich eigent­lich jedoch nicht um eine Art „Mono­pol­stel­lung“ han­deln soll­te, da dies zu gro­ße Gefah­ren mit sich brächte.

Schisma und Ungehorsam

Es ist einer­seits sehr befremd­lich, aber ande­rer­seits ange­sichts der nach­kon­zi­lia­ren Aus­bil­dungs­si­tua­ti­on auf den theo­lo­gi­schen Fakul­tä­ten und Semi­na­ren auch wie­der nicht ver­wun­der­lich, wie wenig genau man­che zwi­schen Schis­ma und Unge­hor­sam zu unter­schei­den wissen.

Damit man, ganz all­ge­mein gespro­chen, von einem Schis­ma spre­chen kann, muß die kirch­li­che, spe­zi­ell die päpst­li­che Juris­dik­ti­ons­ge­walt gene­rell und per se dau­er­haft als ille­gi­tim abge­lehnt wer­den, und zwar struk­tu­rell. Der Schis­ma­ti­ker sagt: „Egal was die kirch­li­che Auto­ri­tät ver­bie­tet oder befiehlt: Wir befol­gen es prin­zi­pi­ell nicht, denn wir erken­nen die­se Auto­ri­tät als sol­che nicht an“. Der Schis­ma­ti­ker sieht sich ganz grund­sätz­lich nicht in Gemein­schaft mit dem Papst und der katho­li­schen Kir­che sowie deren Gliedern.

Dem gegen­über steht der Unge­hor­sam. Hier­bei wird die gene­rel­le Auto­ri­tät der kirch­li­chen Hier­ar­chie bzw. im spe­zi­el­len des Pap­stes aner­kannt, jedoch ein oder meh­re­re Befeh­le oder Ver­bo­te nicht zur Aus­füh­rung gebracht. Nicht weil der Papst kei­ne legi­ti­me Auto­ri­tät hät­te, son­dern obwohl er sie hat, kön­nen eine oder meh­re­re kon­kre­te Anwei­sun­gen als wohl­be­grün­det schäd­lich, unzu­mut­bar oder sogar sünd­haft erkannt wer­den. Der Unge­hor­sa­me sagt: „Zwar ist die Auto­ri­tät prin­zi­pi­ell unan­ge­foch­ten, aber auf­grund eines höhe­ren Gutes bzw. einer höher zu bewer­ten­den Auto­ri­tät kann ich ein­zel­ne Anwei­sun­gen nicht befolgen“.

Dies ist ein­deu­tig der Fall der Pius­bru­der­schaft: Sowohl durch Wor­te als auch durch Taten hat sie durch­ge­hend seit ihrer Grün­dung klar­ge­macht, daß sie die päpst­li­che Auto­ri­tät aner­kennt und wo mög­lich auch befolgt, jedoch nicht alles umset­zen kann, was die­se an sich aner­kann­te Auto­ri­tät von ihr ver­langt oder erwar­tet. Nicht aus struk­tu­rel­len und prin­zi­pi­el­len Grün­den, son­dern aus jeweils aktu­el­len, denn die kirch­li­chen Auto­ri­tä­ten selbst kom­men nicht in allem deren Ver­pflich­tun­gen nach, wel­che ihnen durch den Hei­land und die Kir­che auf­ge­tra­gen wur­den. Des­halb muß sie sub­sti­tu­tio­nell ein­sprin­gen: Nicht dadurch, daß sie sich selbst eine Auto­ri­tät zumißt, indem sie sozu­sa­gen eine Par­al­lel­hier­ar­chie erstellt, son­dern dadurch, daß sie jenen Anwei­sun­gen und Ver­bo­ten nicht Fol­ge lei­stet, wel­che zum Scha­den der See­len gerei­chen, gegen den über­lie­fer­ten katho­li­schen Glau­ben ste­hen oder das Not­wen­di­ge und Gute verhindern.

Dort, wo die ober­ste kirch­li­che Auto­ri­tät ihren Pflich­ten hin­sicht­lich der Glau­bens­ver­kün­di­gung und des kirch­lich-sakra­men­ta­len Lebens nicht nach­kommt, springt die FSSPX ersatz­wei­se dafür ein, um den See­len, im Rah­men des Mög­li­chen, ihr Recht zu garan­tie­ren. Durch die kirch­li­chen Umstän­de ist dies momen­tan nur jen­seits eines päpst­li­chen oder bischöf­li­chen Man­da­tes mög­lich. Denn die ein­zi­ge Alter­na­ti­ve wäre es, unge­rech­ten Befeh­len oder Ver­bo­ten Fol­ge zu lei­sten, und damit wie alle ande­ren auch dazu bei­zu­tra­gen, den Glau­ben und die Sakra­men­ten­pra­xis zu ändern und die Katho­li­ken ihres Rech­tes auf voll­stän­di­ge Glau­bens­in­te­gri­tät in Lit­ur­gie und Lehr­ver­kün­di­gung zu berauben.

Des­halb ist es wich­tig, jen­seits von Sym­pa­thie und Anti­pa­thie für die FSSPX, ehr­lich und gerecht zwi­schen Schis­ma und Unge­hor­sam zu unter­schei­den, und sich nicht von Ideo­lo­gien lei­ten zu las­sen, son­dern von Glau­ben und Vernunft.

Formeller und materieller Ungehorsam

Was nun den Gehor­sam anbe­langt, so muß man noch­mals genau­er unter­schei­den. Denn Gehor­sam ist stets rela­tiv, das heißt von sei­ner Natur und Sache her immer auf etwas oder jeman­den bezo­gen. Gehor­sam kann nie­mals für sich sel­ber ste­hen, da er die Unter­ord­nung des eige­nen Wil­lens unter den Wil­len eines ande­ren bedeu­tet. Der Gehor­sam, die oboe­di­en­tia, ist aus for­mal­theo­lo­gi­scher Sicht den sitt­li­chen Tugen­den (virt­utes mora­les) zuzu­ord­nen, wel­che ihrer­seits wie­der­um der ius­ti­tia, der Gerech­tig­keit, zuge­hö­rig sind: Die­se kommt letzt­lich vom gerech­ten Gott her und zielt auf die inner­welt­li­che (und inner­kirch­li­che) Ver­wirk­li­chung sei­ner eben­so gerech­ten Ord­nung hin ab. Die Wesens­be­stim­mung des Gehor­sams besteht dar­in, Got­tes hei­li­gen Wil­len auch inner­welt­lich zur Umset­zung zu brin­gen. Gott steht somit am Anfang und an ober­ster Spit­ze des Gehor­sams, der somit letzt­lich immer auf ihn bezo­gen blei­ben muß.

Des­halb ist, wenn vom Gehor­sam die Rede ist, immer zugleich mit­zu­fra­gen, auf wes­sen Wil­len sich die­ser bezieht und wel­chen Rang jener inne­hat, auf den man sich gehor­sam bezieht. Und hier­bei kann es zu Kon­flik­ten kom­men. Bevor wir die­se ver­tie­fen, müs­sen wir jedoch noch eine wei­te­re Dif­fe­ren­zie­rung ein­füh­ren, näm­lich die Unter­schei­dung von mate­ri­el­lem und for­mel­lem Gehorsam.

Der mate­ri­el­le Gehor­sam ist das Äußer­li­che des gehor­sa­men Han­delns: die tät­li­che Umset­zung des Wil­lens eines ande­ren. Er bezieht sich dar­auf, was fak­tisch getan wird.

Der for­mel­le Gehor­sam hin­ge­gen ist der inne­re Beweg­grund des gehor­sa­men Han­delns. Er bezieht sich dar­auf, war­um etwas getan wird. Der Wil­le knüpft hier an eine Ein­sicht an.

Eine Frage der Gewichtung

Dies vor­aus­ge­setzt, kann man sich den Gehor­sam wie eine lan­ge Befehls­ket­te vor­stel­len, deren erstes und alles ent­schei­den­de Glied der Herr­gott ist. Wenn das zwei­te Glied dem ersten Glied unge­hor­sam ist, indem es dem drit­ten Glied etwas befiehlt, was dem Wil­len des ersten unmit­tel­bar oder mit­tel­bar wider­spricht, befin­det sich das drit­te Glied unwei­ger­lich in einer Kon­flikt­si­tua­ti­on. Denn Gehor­sam ist, so sag­ten wir ein­gangs, rela­tiv, d. h. er muß sich immer auf etwas oder jeman­den bezie­hen. Das drit­te Glied muß in solch einer Kon­flikt­si­tua­ti­on unab­wend­bar eine Ent­schei­dung tref­fen, wobei es prin­zi­pi­ell drei Mög­lich­kei­ten hat.

  • Ent­we­der es ist dem zwei­ten Glied – und somit dem unmit­tel­bar ihm vor­an­ge­hen­den Glied – mate­ri­ell gehor­sam und damit auto­ma­tisch dem ersten Glied mate­ri­ell eben­so unge­hor­sam, wie es das zwei­te Glied bereits ist.
  • Oder es ist dem ersten Glied mate­ri­ell gehor­sam, damit aber dem zwei­ten Glied not­wen­di­ger­wei­se mate­ri­ell unge­hor­sam, wobei die­ser mate­ri­el­le Unge­hor­sam gegen­über dem zwei­ten Glied einer „Repa­ra­tur“ des Unge­hor­sams des zwei­ten Glie­des gleichkommt.
  • Als drit­te Mög­lich­keit könn­te das drit­te Glied bei­den vor­an­ge­hen­den Glie­dern glei­cher­ma­ßen unge­hor­sam sein, indem es eine eige­ne Hand­lungs­va­ri­an­te ent­wickelt, die nie­man­des Wil­len ent­spricht. In die­sem Fal­le wür­de es sich um einen abso­lu­ten Unge­hor­sam handeln.

Nun stell­ten wir auch bereits fest, daß der mate­ri­el­le, äuße­re Gehor­sam auf dem for­mel­len, inne­ren Gehor­sam auf­baut. Die dahin­ter­lie­gen­de Fra­ge ist also: Was bzw. wel­che Auto­ri­tät akzep­tie­re ich als den inne­ren Grund mei­nes gehor­sa­men Han­delns, d. h. wes­sen Wil­len unter­stel­le ich mei­nen eige­nen Wil­len und das dar­aus resul­tie­ren­de Handeln?

Akzep­tie­ren wir, daß es kei­ne grö­ße­re Wahr­heit, kei­ne höhe­re Auto­ri­tät und kein bes­se­res Wesen als Gott gibt, so wird ein­sich­tig, daß sich der for­mel­le Gehor­sam stets und allein auf die­sen bezie­hen muß, auch im Kon­flikt­fall. Dar­aus ergibt sich logisch, daß sich die zwei­te Hand­lungs­va­ri­an­te als die ein­zig rich­ti­ge erweist. Der mate­ri­el­le Unge­hor­sam, der sich auf das zwei­te Glied bezieht, indem man den mate­ri­el­len Gehor­sam, dem for­mel­len Gehor­sam fol­gend, auf das erste Glied bezieht, erzeigt sich von daher als der eigent­li­che und wirk­li­che Gehorsam.

Dies führt uns zu der Ein­sicht, daß es sich in Situa­tio­nen des Gehor­sams­kon­flik­tes letzt­lich um eine Fra­ge der Gewich­tung han­delt. Und in genau solch eine Situa­ti­on ist nun auch die Prie­ster­bru­der­schaft St. Pius X. hineingestellt.

Als wei­te­re Erkennt­nis hal­ten wir fest, daß die FSSPX, wenn sie zu den hei­li­gen Wei­he­ze­re­mo­nien schrei­ten wird, dem Hei­li­gen Stuhl gegen­über mate­ri­ell unge­hor­sam (nicht aber schis­ma­tisch!) ist, sich die­ser Unge­hor­sam aber als der eigent­li­che Gehor­sam erweist, da sie Gott gegen­über for­mell wie mate­ri­ell gehor­sam ist.

Zusam­men­fas­send läßt sich an die­sem Punkt fest­hal­ten, daß die Pius­bru­der­schaft kei­nes­falls schis­ma­tisch ist und sich bei etwas fei­ne­rer Betrach­tung ihr mate­ri­el­ler Unge­hor­sam gegen­über dem Hei­li­gen Stuhl letzt­lich als Gehor­sam gegen­über dem Auf­trag Got­tes an sei­ne Kir­che erweist.

Sind die Bischofs­wei­hen gött­li­ches Gebot?

An die­ser Stel­le könn­te man, mit einer gewis­sen Berech­ti­gung, den Ein­wand erhe­ben: Wo hat Gott gesagt, die Pius­bru­der­schaft soll eigen­mäch­tig Bischö­fe weihen?

Nun, den Ansatz zur Beant­wor­tung die­ser Fra­ge deu­te­ten wir ein­gangs an, als wir in sehr gro­ben Zügen die Situa­ti­on der Kir­che in Erin­ne­rung rie­fen. Der Hei­land gab der Kir­che als gan­zer ver­schie­de­ne Auf­trä­ge, spe­zi­ell was die Ertei­lung der Sakra­men­te und die Ver­brei­tung der voll­stän­di­gen und unver­kürz­ten Leh­re all des­sen anbe­langt, was er gelehrt hat. Die­ser Auf­trag wird in her­vor­ge­ho­be­ner Wei­se durch die Apo­stel und deren Nach­fol­ger aus­ge­übt, aus­ge­stat­tet durch die Voll­macht, die mit­tels des Wei­he­sa­kra­men­tes über­tra­gen wird, wel­ches sie am ein­zi­gen Hohe­prie­ster­tum Jesu Chri­sti anteil­haf­tig wer­den läßt.

Abge­se­hen davon, daß sich die Ernen­nung der Bischö­fe durch den römi­schen Pon­ti­fex erst nach meh­re­ren Jahr­hun­der­ten nach und nach her­aus­kri­stal­li­siert hat, ist zu sagen, daß sich die mora­li­sche Berech­ti­gung, ja sogar Pflicht dar­aus ergibt, daß die Grund­auf­trä­ge, wel­che der Hei­land sei­ner Kir­che über­ant­wor­tet hat, objek­tiv unter­gra­ben und unter­bun­den wer­den, indem sich die ent­schei­den­den kirch­li­chen Auto­ri­tä­ten selbst davon ent­bun­den haben und die Kir­che im gesam­ten syste­ma­tisch durch ent­spre­chen­de Leh­r­äu­ße­run­gen und Per­so­nal­ent­schei­de in eine völ­lig ande­re Rich­tung len­ken, als sie der Hei­land vor­ge­zeich­net hat.

Es kann nicht allein dar­um gehen, irgend­et­was Belie­bi­ges irgend­wie zu tun, son­dern die Wei­sun­gen des Herrn sind auch in all ihren Impli­ka­tio­nen für alle bin­dend, erst recht für den Kle­rus in sämt­li­chen Funk­tio­nen. Das gilt nicht nur für die Glau­bens­ver­kün­di­gung, son­dern auch was die Über­set­zung des Glau­bens­gu­tes in lit­ur­gi­sche Hand­lun­gen anbe­langt. Es geht nicht allein um Lit­ur­gie, son­dern eben­so um das Glau­bens­gut; bei­de sind untrenn­bar inein­an­der verwoben.

Wo die Inte­gri­tät von Leh­re und Lit­ur­gie nicht mehr durch die­je­ni­gen gewähr­lei­stet ist, die eigent­lich des­sen Garant sein müß­ten, muß not­ge­drun­gen der­je­ni­ge ein­sprin­gen, der es zwar kann, wenn­gleich nach Kir­chen­ord­nung for­mell nicht dürf­te. Auch hier geht es um die Fra­ge der rech­ten Gewich­tung: Kirch­li­che Rechts­ord­nun­gen kön­nen nicht als höher­ste­hen­der bewer­tet wer­den als gött­li­che Grundaufträge.

Zu deren Erfül­lung sind aber nun ein­mal Bischö­fe nötig, wel­che sich an näm­li­che gebun­den wis­sen und ihrer­seits wie­der­um der Kir­che prie­ster­li­che Hir­ten und Väter zu geben ver­mö­gen, die sich eben­falls dar­an gebun­den wissen.

Wenn die ein­zi­ge Alter­na­ti­ve das Aus­ster­ben des­sen ist, was die Kir­che zwei­tau­send Jah­re hin­durch treu ver­wal­tet und wei­ter­ge­ge­ben hat, und wie es in zuneh­men­der Deut­lich­keit gesagt und umge­setzt wird, dann ist das Ein­grei­fen jener eine unum­gäng­li­che Pflicht, die es zwar nicht dür­fen, aber kön­nen, auch wenn es gegen kirch­li­ches (und nicht gött­li­ches!) Recht ver­stößt. Denn man kann es nicht zulas­sen, daß man an Gehor­sam stirbt.

*Mag. Don Micha­el Gurt­ner ist ein aus Öster­reich stam­men­der Diö­ze­san­prie­ster, der in der Zeit des öffent­li­chen (Coro­na-) Meß­ver­bots die­sem wider­stan­den und sich gro­ße Ver­dien­ste um den Zugang der Gläu­bi­gen zu den Sakra­men­ten erwor­ben hat. Von ihm stam­men die Kolum­ne „Zur Lage der Kir­che“ und wei­te­re Bei­trä­ge.

Bild: fsspx​.news (Screen­shot)

17 Kommentare

  1. Gio­van­ni Bat­ti­sta Re: AUFHEBUNG DER EXKOMMUNIKATION VON VIER BISCHÖFEN DER BRUDERSCHAFT „ST. PIUS X.“ DEKRET DER KONGREGATION FÜR DIE BISCHÖFE. Bischofs­kon­gre­ga­ti­on, 21. Janu­ar 2009

    Dar­in heißt es wörtlich:
    Mit Schrei­ben vom 15. Dezem­ber 2008 an S. Em. Kar­di­nal Dario Cas­tril­lón Hoyos, den Prä­si­den­ten der Päpst­li­chen Kom­mis­si­on Eccle­sia Dei, hat Bischof Ber­nard Fel­lay – auch im Namen der drei übri­gen am 30. Juni 1988 geweih­ten Bischö­fe – erneut die Auf­he­bung der Exkom­mu­ni­ka­ti­on latae sen­ten­tiae erbe­ten. Die­se war for­mell mit einem Dekret des Prä­fek­ten die­ser Kon­gre­ga­ti­on für die Bischö­fe vom 1. Juli 1988 erklärt wor­den. In dem genann­ten Schrei­ben ver­si­chert Bischof Fel­lay unter ande­rem: »Wir sind stets wil­lens und fest ent­schlos­sen, katho­lisch zu blei­ben und alle unse­re Kräf­te in den Dienst der Kir­che Unse­res Herrn Jesus Chri­stus zu stel­len, die die römisch-katho­li­sche Kir­che ist. Wir neh­men ihre Leh­ren in kind­li­chem Gehor­sam an. Wir glau­ben fest an den Pri­mat Petri und an sei­ne Vor­rech­te. Und dar­um lei­den wir sehr unter der gegen­wär­ti­gen Situa­ti­on.« .…Auf Grund­la­ge der mir aus­drück­lich vom Hei­li­gen Vater Bene­dikt XVI. über­tra­ge­nen Voll­macht hebe ich kraft die­ses Dekrets für die Bischö­fe Ber­nard Fel­lay, Ber­nard Tis­sier de Mal­ler­ais, Richard Wil­liam­son und Alfon­so de Galar­re­ta die Stra­fe der Exkom­mu­ni­ka­ti­on latae sen­ten­tiae auf, die von die­ser Kon­gre­ga­ti­on mit Datum vom 1. Juli 1988 erklärt wor­den war. Ich erklä­re das damals erlas­se­ne Dekret ab dem heu­ti­gen Datum für juri­stisch wirkungslos.

    Rom, am Sitz der Kon­gre­ga­ti­on für die Bischö­fe, 21. Janu­ar 2009
    Kard. Gio­van­ni Bat­ti­sta Re
    Prä­fekt der Kon­gre­ga­ti­on für die Bischöfe
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    Der 1. Juli ein offen­bar wich­ti­ges Datum für die Pius­bru­der­schaft. Und da schrieb Bischof Fel­lay an Kar­di­nal Hoyos, „die Leh­ren der röm.- katho­li­sche Kir­che in „kind­li­chem Gehor­sam!“ anzu­neh­men. Wir glau­ben fest an den Pri­mat Petri und sei­ne Vorrechte…“

  2. Vie­len Dank! Das ist gut auf den Punkt gebracht.

    Hw. Gurt­ner ist ein Gewährs­mann dafür, daß eine grund­sätz­li­che und kri­ti­sche Ana­ly­se der kirch­li­chen Lage längst auch außer­halb der Gren­zen der Pius­bru­der­schaft statt­fin­det (wenn­gleich meist auf­grund des Vor­an­ge­hens der Bru­der­schaft in den sieb­zi­ger und acht­zi­ger Jahren).

  3. Besten Dank, Hoch­wür­den Don Micha­el Gurt­ner, für Ihre syste­ma­ti­schen Aus­füh­run­gen, deren Denk- und Begriffs­lo­gik in ihrer Klar­heit und Strin­genz für sich ste­hen. In unse­rer post­fak­ti­schen Zeit schei­nen sol­che ver­nunft­mä­ssi­ge Logik in ihrer kon­kre­ten Anwen­dung für vie­le Leu­te, auch sol­che mit Uni­ver­si­täts­ab­schluss, kaum mehr nach­voll­zieh­bar zu sein, da schein­bar alles dem Sub­jek­ti­vis­mus, dem Rela­ti­vis­mus sowie den ideo­lo­gi­schen Zeit­strö­mun­gen wie Poli­ti­cal Cor­rect­ness, Wokeis­mus und ‚Can­cel Cul­tu­re‘ (Zen­sur- und Lösch­kul­tur) zum Opfer fällt. In Kon­se­quenz stellt sich anstel­le von Gna­de eine geist­li­che wie auch eine gei­stig-intel­lek­tu­el­le Blind­heit bei vie­len Zeit­ge­nos­sen ein; Gottes(ehr)furcht wird durch Men­schen­furcht, Wahr­heit durch (Selbst-)Täuschung und Rea­li­täts­ver­wei­ge­rung, Sakra­les durch Pro­fa­nes ersetzt – und die Men­ge klatscht fre­ne­tisch Bei­fall. Das Pro­blem einer falsch ver­stan­de­nen Gehor­sams­hier­ar­chie gibt es eins zu eins auch im staats­po­li­ti­schen Bereich: Wenn die Regie­rung ver­fas­sungs­feind­li­che Bestim­mun­gen erlässt, die von der Judi­ka­ti­ve nicht zeit­nah kor­ri­giert wird, dann ste­hen Justiz­be­am­te in einem Gewis­sens­kon­flikt: Sol­len sie, da sie wie in Deutsch­land wei­sungs­ge­bun­den sind, der Obrig­keit (zwei­tes Glied) Fol­ge lei­sten oder aber den Nor­men der Ver­fas­sung (erstes Glied) fol­gen und dann gegen­über dem zwei­ten Glied in Unge­hor­sam fal­len? Da die Regie­rung die ‚pote­stas‘ (Amts­ge­walt) und v.a. auch das ‚impe­ri­um‘ (Befehls­ge­walt) inne­hat, wer­den die mei­sten wohl der Regie­rung Fol­ge lei­sten und nicht den ver­fas­sungs­recht­li­chen Nor­men, obwohl die Regie­rung wie auch das Par­la­ment ledig­lich Die­ner und Voll­strecker der Ver­fas­sung – die einst­mals zum Wohl von Volk und Land gege­ben wor­den ist (!) – sind und sein soll­ten. Die Coro­na­zeit hat die­sen Gehor­sams­kon­flikt über­deut­lich auf­ge­zeigt. So erge­ben sich zwei Grund­ka­te­go­rien von Bür­gern und Gläu­bi­gen: die Obrig­keits­gläu­bi­gen einer­seits und die Ver­fas­sungs­treu­en bzw. die Gott-Treu­en andererseits.

  4. Ich fin­de die­sen Ansatz sehr sym­pa­thisch. Ob die Wei­hen mit oder ohne Ein­ver­ständ­nis des Pap­stes statt­fin­den, wird vor Gott kei­ne gro­ße Rol­le spie­len. Dies umso weni­ger, als der Gehor­sam der Kir­che gegen die gött­li­che Offen­ba­rung rapi­de abnimmt, wie dies Hochw. Gurt­ner hier sehr gut skiz­ziert. – Natür­lich kann man das nicht gegen­ein­an­der aus­spie­len, wie er ganz rich­tig sagt, aber es gibt in der Tat ein höher­ran­gi­ges Gut: Und das kann z.B. die Bewah­rung des über­lie­fer­ten Glau­bens sein. Weder der Papst noch die Kir­che als Gan­zes gehen hier augen­blick­lich in irgend­ei­ner Wei­se in Vor­lei­stung. Im Gegen­teil. Inso­fern hal­te ich den Schritt der FSSPX für nach­voll­zieh­bar und sicher nicht für „schis­ma­tisch“. Wer Schis­ma­ti­ker sehen will, braucht nur in die deut­sche Bischofs­kon­fe­renz zu blicken. Da glaubt fast kei­ner mehr was, das katho­lisch ist und den­noch tut man „päpst­lich katho­lisch“. Aber das ist in der syn­oda­len Kir­che ja „okay“ – nur glau­be ich nicht, dass die (päpst­lich ver­ord­ne­te) „Syn­odal­kir­che“ ihrem Wesen nach eben­falls noch katho­lisch ist. Oder steht das neu­er­dings im Cre­do? Das Schlim­me ist: Es fällt inner­halb und außer­halb der Kir­che nur noch weni­gen auf.…

    • @Dr. Joa­chim Heimerl
      Ja mit dem Gehor­sam ist das so eine Sache. Der Erz­engel Micha­el ist äußerst gehor­sam gegen­über unse­rem Gott und sei­ner Hl.Kirche. Außer­dem sagt man das er der Schutz­pa­tron Deutsch­lands ist. Ist er eigent­lich zum Syn­oda­len Weg mit ein­ge­la­den? Natür­lich ist er extrem streit­bar und dis­kri­mi­nie­rend gegen über Satan. Des­we­gen fürch­te ist das mit die­sem gro­ßen Engel unse­res Got­tes ein Dia­log sehr unfrucht­bar sein könn­te. Aber er steht immer zum Schutz der aller­se­lig­sten Jung­frau bereit. Ich fin­de Gehor­sam gegen­über unse­rem Gott ist eine gro­ße Sache. Aber Gehor­sam und Begei­ste­rung gegen­über den immer lau­ter wer­den­den fort­schritt­li­chen Jubel­chö­ren die­ser Welt ist äußerst gefähr­lich. Man soll­te die Gei­ster unter­schei­den können.
      Per Mari­am ad Christum.

  5. Wich­tig: Es gibt nur noch zwei leben­de Bischö­fe der FSSPX. Die­se wer­den bis zum 1. Juli mög­li­cher­wei­se nicht mehr leben. Die Gefahr ist groß, dass sie ermor­det wer­den. Ein bedau­er­li­cher Trep­pen­sturz, ein myste­riö­ser Auto­un­fall oder ein plötz­li­cher und uner­war­te­ter Herz­tod könn­ten die „offi­zi­el­len“ Todes­ur­sa­chen sein. Vati­ka­ni­sche Frei­mau­rer sind gefähr­lich. Die FSSPX muss die neu­en Bischö­fe jetzt wei­hen, heim­lich, vor dem 1. Juli.

    • Vigano/​Williamson sol­len schon „heim­lich“ Bischö­fe geweiht haben. Und Vig­a­no hat letz­te Woche end­lich ein Foto von sei­ner erneu­ten Bischofs­wei­he durch Wil­liam­son veröffentlicht.

  6. Ich den­ke, allein die Län­ge des Arti­kels ist Aus­druck der Tat­sa­che, dass die Argu­men­ta­ti­on Gurt­ners hakelt. Rom ist vom Glau­ben abge­fal­len und die­ser Abfall ist essen­zi­ell. Gurt­ner hin­ge­gen ver­sucht, anhand des Beob­acht­ba­ren die Sache zu betrach­ten. Dann kommt man zu dem Schluss, die Situa­ti­on hät­te sich im Lau­fe der Zeit ver­schärft. Das hat sie aber nicht. Es hat ledig­lich lan­ge gedau­ert, bis die Chri­sten­heit ver­stan­den hat.

  7. Ich habe seit län­ge­rer Zeit einen Kon­flikt in mir wegen der Situa­ti­on der Amts­kir­che. Immer mehr ist mir auf­ge­fal­len, wie sich schlei­chend der Glau­bens­ab­fall in der katho­li­schen Kir­che breit macht. Wie Sün­de tole­riert und die Tra­di­ti­on immer mehr bekämpft wird. Ich las ein Buch von EB Mar­cel Lefeb­v­re und mei­ner Frau und mir gin­gen die Augen auf.
    Wir gehen nicht mehr in die neue Mes­se. Am Sonn­tag gehen wir zur triden­ti­ni­schen Mes­se und unter der Woche sind wir jeden Tag per You­tube bei der Mes­se aus der Kirch­ge­mein­de Sanc­ta Maria in Wil SG (Schweiz) dabei. Wir haben uns alte katho­li­sche Andachts­bü­cher (1895 und 1923) besorgt und ler­nen nun die wah­re katho­li­sche Leh­re und sind erstaunt dar­über, was uns in der Amts­kir­che nicht gesagt wurde!
    Was den Papst betrifft, man muss viel für ihn beten und auf die Vor­se­hung Got­tes ver­trau­en. Wenn ein Papst Aus­sa­gen macht, die nicht mit der über­lie­fer­ten katho­li­schen Leh­re über­ein­stimmt, dann muss man Gott mehr gehor­chen als den Men­schen. Der Papst ist nun­mal der Papst, weil er auf dem Stuhl Petri sitzt. Ob das nun legi­tim ist oder nicht, muss allei­ne Gott ent­schei­den. Wir sind ver­pflich­tet für den Papst und die Prie­ster zu beten, auch wenn sie, wie es scheint, den wah­ren Glau­ben ver­lo­ren haben. In La Salet­te wur­den wir davor gewarnt und nun ist es soweit. Die Mut­ter­got­tes sag­te was wir tun sollen.
    Ich jeden­falls ver­ste­he die FSSPX und den­ke, es ist unser aller Pflicht, bei eini­gen Punk­ten unge­hor­sam zu sein, da wir unse­rem Herrn Jesus Chri­stus ver­pflich­tet sind und nicht einer moder­nen Welt­sicht. Ich hof­fe, es wachen noch vie­le in der Amts­kir­che auf.

  8. Ich den­ke, es ist in die­ser Ange­le­gen­heit nicht ange­mes­sen, in Ent­we­der-Oder-Kate­go­rien (wie übri­gens auch an ande­ren Stel­len) zu denken! 

    Bei den alten Vätern nahm der Gehor­sam einen sehr hohen Stel­len­wert ein. Eben­so wie Gebet, Demut, Unter­schei­dungs­ga­be (dis­cretio), Aus­dau­er und Geduld.

    Bei der Über­le­gung, wie die­ser Kon­flikt, im Sin­ne des Evan­ge­li­ums unse­res Herrn Jesus Chri­stus, viel­leicht ent­schärft oder sogar gelöst wer­den könn­te, ohne daß eine der Par­tei­en „nach­ge­ben“ müß­te, fiel mir eine Geschich­te aus der „Wei­sung der Väter“ ein (Apoph­theg­ma­ta Patrum, 1090), wo ein Schü­ler sei­nem Alt­va­ter gehor­sam sein will, aber den­noch nicht nach sei­ner Wei­sung han­delt, son­dern durch geschick­tes Agie­ren jenen vor einem gro­ßen Fehl­ver­hal­ten bewahrt. …

    Die mei­sten Kon­flik­te las­sen sich nicht mit Logik und Argu­men­ten lösen. Des­halb gab uns Jesus die Wei­sung: „Liebt ein­an­der, wie ich euch geliebt habe“ und „dar­an wer­den alle erken­nen, daß ihr mei­ne Jün­ger seid, wenn ihr ein­an­der liebt“ (Joh 13,34–35 /​ 15,12.17).
    Augu­sti­nus kann des­halb kurz und bün­dig sagen: „Dili­ge et quod vis fac!“ (Lie­be und tu, was du willst!) …

    Auch der Apo­stel Pau­lus gibt uns einen Fin­ger­zeig, wie wir mit­ein­an­der umge­hen sol­len: „Wenn es also eine Ermah­nung in Chri­stus gibt, einen Zuspruch aus Lie­be, eine Gemein­schaft des Gei­stes, ein Erbar­men und Mit­ge­fühl, dann macht mei­ne Freu­de voll­kom­men, daß ihr eines Sin­nes seid, ein­an­der in Lie­be ver­bun­den, ein­mü­tig, ein­träch­tig, daß ihr nichts aus Streit­sucht und nichts aus Prah­le­rei tut. Son­dern in Demut schät­ze einer den andern höher ein als sich selbst.  Jeder ach­te nicht nur auf das eige­ne Wohl, son­dern auch auf das der ande­ren. Seid unter­ein­an­der so gesinnt, wie es dem Leben in Chri­stus Jesus ent­spricht …“ (Phil 2,1–5)

    Bleibt noch das gro­ße Pro­blem der „fal­schen Brü­der“, die „fal­sche Leh­ren“ ver­brei­ten (Apg 20,29–31 /​ Gal 2,4–6 /​ Tit 3,10 /​ 1Tim 4,1–2.7–10 /​ 2Petr 2,1 …) und der Umgang mit ihnen (Ps 26,4–5). …
    Wenn ich die Hin­wei­se der alten Väter (und eini­ger weni­ger Müt­ter) rich­tig deu­te, ist im Umgang mit ihnen (recht­ver­stan­de­ne) Demut der Schlüs­sel. Denn was die gefal­le­nen Engel über­haupt nicht ertra­gen kön­nen, ist Gebet, (ech­te) Demut, Rein­heit des Her­zens, Hei­lig­keit und (ech­te) Frömmigkeit! …

    • Erst haben Sie eine ent­we­der-oder Ein­stel­lung abge­lehnt und dann brin­gen sie das ent­schei­den­de Kri­te­ri­um: Die Amts­kir­che liebt die tra­di­tio­nel­len Brü­der nicht. Wer die Brü­der nicht liebt, gehört nicht zur Kirche.

  9. Die Situa­ti­on ist eigent­lich ganz ein­fach. Die Pius­bru­der­schaft muss, durch die Bischofs­wei­hen, ihren Bestand sichern. Egal wie die Kon­se­quen­zen sind, so läßt sich doch jede Spal­tung wie­der repa­rie­ren. Wenn die Pius­bru­der­schaft unter­geht, ist alles ver­lo­ren. Sie kann dann auch nicht mehr der Garant für den Fort­be­stand der Tra­di­ti­on sein, der sie ist, für die, die in vol­ler Ein­heit mit Rom ste­hen. Auch die­sen könn­te dann jeder­zeit der Gar aus­ge­macht wer­den. Auf einen neu­en Lefeb­v­re in höch­ster Not ist nicht zu hoffen.
    Auf dem Grab­stein eines preu­ßi­schen Gene­rals, der sich Fried­rich II. wider­setz­te, steht: „Wähl­te Ungna­de, wo Gehor­sam kei­ne Ehre brachte.“
    In der Kir­che geht es um die grö­ße­re Ehre Gottes.

  10. Besten Dank, Hoch­wür­den Don Micha­el Gurt­ner, für Ihre syste­ma­ti­schen Aus­füh­run­gen, deren Denk- und Begriffs­lo­gik in ihrer Klar­heit und Strin­genz für sich ste­hen. In unse­rer post­fak­ti­schen Zeit schei­nen sol­che ver­nunft­mä­ssi­ge Logik in ihrer kon­kre­ten Anwen­dung für vie­le Leu­te, auch sol­che mit Uni­ver­si­täts­ab­schluss, kaum mehr nach­voll­zieh­bar zu sein, da schein­bar alles dem Sub­jek­ti­vis­mus, dem Rela­ti­vis­mus sowie den ideo­lo­gi­schen Zeit­strö­mun­gen wie Poli­ti­cal Cor­rect­ness, Wokeis­mus, ‚Can­cel Cul­tu­re‘ (Zen­sur- und Lösch­kul­tur) sowie dem Öku­me­nis­mus zum Opfer fällt. In Kon­se­quenz stellt sich anstel­le von Gna­de eine geist­li­che wie auch eine gei­stig-intel­lek­tu­el­le Blind­heit bei vie­len Zeit­ge­nos­sen ein. Gottes(ehr)furcht wird durch Men­schen­furcht, Wahr­heit durch (Selbst-)Täuschung und Rea­li­täts­ver­wei­ge­rung, Sakra­les durch Pro­fa­nes ersetzt – und die Men­ge klatscht fre­ne­tisch Bei­fall. Das Pro­blem einer falsch ver­stan­de­nen Gehor­sams­hier­ar­chie gibt es eins zu eins auch im staats­po­li­ti­schen Bereich: Wenn die Regie­rung ver­fas­sungs­feind­li­che Bestim­mun­gen erlässt, die von der Judi­ka­ti­ve nicht zeit­nah kor­ri­giert wird, dann ste­hen Justiz­be­am­te in einem Gewis­sens­kon­flikt: Sol­len sie, da sie wie bei­spiels­wei­se in Deutsch­land wei­sungs­ge­bun­den sind, der Obrig­keit (zwei­tes Glied) Fol­ge lei­sten oder aber den Nor­men der Ver­fas­sung (erstes Glied) fol­gen und dann gegen­über dem zwei­ten Glied in Unge­hor­sam fal­len? Da die Regie­rung die ‚pote­stas‘ (Amts­ge­walt) und v.a. auch das ‚impe­ri­um‘ (Befehls­ge­walt) inne­hat, wer­den die mei­sten wohl der Regie­rung Fol­ge lei­sten und nicht den ver­fas­sungs­recht­li­chen Nor­men, obwohl die Regie­rung wie auch das Par­la­ment ledig­lich Die­ner und Voll­strecker der Ver­fas­sung – die einst­mals zum Wohl von Volk und Land gege­ben wor­den ist (!) – sind und sein soll­ten. Die Coro­na­zeit hat die­sen Gehor­sams­kon­flikt über­deut­lich auf­ge­zeigt. So erge­ben sich dar­aus zwei Grund­ka­te­go­rien von Bür­gern und Gläu­bi­gen: die Obrig­keits­gläu­bi­gen einer­seits (Gehor­sam dem 2. Glied) und die Ver­fas­sungs­treu­en bzw. die Chri­stus-Treu­en (Gehor­sam dem 1. Glied) andererseits.

  11. @ Vor­ah­nung u. Hen­ryk Hoff­mann : Ja, an die­se Opti­on habe ich auch schon gedacht! War­um nicht ins­ge­heim wei­hen, ohne es an die „gro­ße Glocke“ zu hän­gen? (Wird das in der „Unter­grund­kir­che“ in Chi­na nicht womög­lich auch so gehandhabt?) …

    Falls die „inter­es­sier­ten Krei­se“ im Vati­kan tat­säch­lich auf Zeit spie­len und die bei­den Bischö­fe der Pius­bru­der­schaft ster­ben, ohne daß es mit Rom zu einer Eini­gung gekom­men ist, hät­te man vorgesorgt. …

    Wenn schon „unge­hor­sam“, dann rich­tig und unter dem Ban­ner der Klug­heit! Ein­ge­denk der Wor­te unse­res Herrn: „Sie­he, ich sen­de euch wie Scha­fe mit­ten unter die Wöl­fe; seid daher klug wie die Schlan­gen und arg­los wie die Tau­ben!“ (Mt 10,16) …

  12. Wört­li­ches Zitat von Papst Franziskus:
    “ Ja…Nein…Ja…nein…Ach, tut was Ihr wollt. “
    Das betraf hier die Fra­ge in einem Vor­ort von Rom, ob eine Wal­den­ser­pfar­re­rin (die de fac­to und mit Über­zeu­gung die Trans­sub­stan­tia­ton ver­neint) jetzt – im novus ordo und post­va­ti­ka­nisch 2 total erlaubt – die Hl. Kom­mu­ni­on emp­fan­gen darf.
    Das betraf die Fun­da­men­te der römisch-katho­li­schen Heilslehre.

    Bei den Bischofs­wei­hen der FSSPX dage­gen han­delt es sich alle­samt römischkst­ho­li­sche Gläu­bi­gen, gül­tig geweih­te Prie­ster, in gesi­cher­ter apo­sto­li­schen Suk­zes­si­on, treu zum Glau­ben stehend.
    Die gefal­le­ne vati­ka­ni­sche Ver­wal­tung ist eine Sün­de gegen den Hl. Geist.

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