Die Piusbruderschaft und die Frage der apostolischen Kontinuität

Dieser Augenblick verlangt Gebet, Aufrichtigkeit und Mut


Bischof Joseph Strickland bei der Zelebration im überlieferten Römischen Ritus
Bischof Joseph Strickland bei der Zelebration im überlieferten Römischen Ritus

Von Msgr. Joseph Strickland*

Die gegen­wär­ti­ge Situa­ti­on im Zusam­men­hang mit der Prie­ster­bru­der­schaft St. Pius X. (FSSPX) hat erneut eine ern­ste und unge­lö­ste Wirk­lich­keit inner­halb der Kir­che offen­ge­legt – eine Wirk­lich­keit, die weder bei­sei­te­ge­scho­ben noch auf unbe­stimm­te Zeit ver­tagt noch durch Schwei­gen beant­wor­tet wer­den kann.

In den Jah­ren nach dem Kon­zil han­del­te Erz­bi­schof Mar­cel Lefeb­v­re aus der Über­zeu­gung her­aus, daß wesent­li­che Ele­men­te des kirch­li­chen Lebens – die tra­di­tio­nel­le Prie­ster­aus­bil­dung, die sie prä­gen­de Sakra­men­ten­theo­lo­gie sowie die Hei­li­ge Mes­se, die unzäh­li­ge Hei­li­ge genährt hat­te – auf­ge­ge­ben oder sogar aktiv unter­drückt wür­den. Aus die­ser Kri­se her­aus ent­stand die Prie­ster­bru­der­schaft St. Pius X., die über Jahr­zehn­te hin­weg die­se Wirk­lich­kei­ten bewahr­te, als nur weni­ge ande­re dazu bereit oder über­haupt in der Lage waren.

Die­se Bewah­rung war weder ideo­lo­gisch moti­viert noch nost­al­gisch. Sie erfor­der­te Bischö­fe, die Prie­ster weih­ten, Gläu­bi­ge firm­ten und die Lei­tung über­nah­men, um sicher­zu­stel­len, daß das tra­di­tio­nel­le sakra­men­ta­le Leben der Kir­che in einer Zeit tief­grei­fen­der Erschüt­te­run­gen nicht aus­ge­löscht würde.

Da die Gene­ra­ti­on jener Bischö­fe, die die­se Ver­ant­wor­tung ursprüng­lich getra­gen haben, inzwi­schen weit­ge­hend von der kirch­li­chen Büh­ne abge­tre­ten ist, hat die Bru­der­schaft wie­der­holt eine kon­kre­te Sor­ge vor­ge­tra­gen: Ohne neue Bischö­fe kann die Kon­ti­nui­tät die­ser Prie­ster­aus­bil­dung und die­ses sakra­men­ta­len Lebens nicht auf­recht­erhal­ten wer­den. Dabei han­delt es sich weder um ein Ver­lan­gen nach Neue­run­gen noch nach Macht oder Son­der­rech­ten. Es geht viel­mehr um die Fra­ge, ob etwas, das unter gro­ßen Opfern zum Wohl der Kir­che bewahrt wur­de, nun durch Untä­tig­keit dem Ver­schwin­den preis­ge­ge­ben wird.

Wenn sol­che Anlie­gen ruhig, respekt­voll und wie­der­holt vor­ge­bracht wer­den – und ihnen nicht mit Klar­heit, son­dern mit Schwei­gen begeg­net wird –, dann wird die Ver­zö­ge­rung selbst zu einer Ent­schei­dung. Untä­tig­keit wird zu einem Urteil. Und Schwei­gen beginnt, die Funk­ti­on einer Ant­wort zu übernehmen.

Die Kir­che ist kraft gött­li­cher Stif­tung hier­ar­chisch ver­faßt, und die Auto­ri­tät besteht, um das ihr Anver­trau­te zu schüt­zen. Die­se Auto­ri­tät trägt eine schwe­re Ver­ant­wor­tung: das Prie­ster­tum zu bewah­ren, die apo­sto­li­sche Kon­ti­nui­tät zu sichern und unmiß­ver­ständ­lich zu spre­chen, wenn wesent­li­che Wirk­lich­kei­ten auf dem Spiel stehen.

Die Ein­heit der Kir­che wird nicht durch Mehr­deu­tig­keit bewahrt. Treue ist kei­ne Bedro­hung. Die Tra­di­ti­on ist kein Feind. Wenn jene, die offen der Leh­re der Kir­che wider­spre­chen, gedul­det wer­den, wäh­rend die­je­ni­gen, die nach Kon­ti­nui­tät stre­ben, als ver­däch­tig gel­ten, dann ist eine Ver­keh­rung der Ord­nung eingetreten.

Die­ser Augen­blick ver­langt Gebet, Auf­rich­tig­keit und Mut – ins­be­son­de­re von denen, denen Auto­ri­tät anver­traut ist. Das Heil der See­len muß das ober­ste Gesetz der Kir­che blei­ben. Schwei­gen darf nicht das letz­te Wort sein.

*Msgr. Joseph Edward Strick­land (1958) war von 2012 bis 2023 Bischof der Diö­ze­se Tyler in Texas (USA). Er ist Dok­tor der Theo­lo­gie und pro­fi­lier­te sich als kom­pro­miß­lo­ser Ver­tei­di­ger der über­lie­fer­ten Glau­bens­leh­re und der kirch­li­chen Moral. Aus sei­ner tie­fen Treue zu Jesus Chri­stus her­aus übte er wie­der­holt Kri­tik an umstrit­te­nen Gesten von Papst Fran­zis­kus, wor­auf­hin er – offi­zi­ell ohne Anga­be von Grün­den – von Fran­zis­kus sei­nes Amtes ent­ho­ben wur­de. Als Nach­fol­ger der Apo­stel erhebt Bischof Strick­land auch wei­ter­hin sei­ne Stim­me, ver­kün­det den Glau­ben und wirkt pasto­ral. Die vor­lie­gen­de Stel­lung­nah­me ver­öf­fent­lich­te er auf der von ihm gegrün­de­ten Inter­net­sei­te Pil­lars of Faith.

Über­set­zung: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Pil­lars of Faith

5 Kommentare

  1. Ein klei­nes Detail: Erz­bi­schof Lefeb­v­re weih­te die Bischö­fe 1988 gera­de nicht, damit sie die Lei­tung (der Bru­der­schaft) über­neh­men soll­ten. So gese­hen war Bischof Fel­lay als Gene­ral­obe­rer ein Son­der­fall. Erz­bi­schof Lefeb­v­re bevor­zug­te in die­ser Funk­ti­on einen ein­fa­chen Prie­ster. Des­we­gen wur­de auch Pater Schmid­ber­ger nicht konsekriert.

  2. Könn­te man nicht ein­fach Msgr. Strick­land und Msgr. Schnei­der zu Bischö­fen für die Pius­bru­der­schaft ernen­nen? Dann wäre das Pro­blem erst ein­mal für ein paar Jah­re gelöst.

    • Aber es wären immer noch zu weni­ge Bischöfe.

      Der Knal­ler wäre es, wenn Papst Leo die Wei­he von drei neu­en Bischö­fe geneh­mi­gen und die genann­ten zwei zusätz­lich zur FSSPX ent­sen­den wür­de. Nicht nur für Pon­ti­fi­kal­funk­tio­nen, son­dern auch als ‚Schnitt­stel­le‘ nach Rom usw.

      Aber ich fürch­te, das bleibt mein per­sön­li­cher Wunschtraum.

  3. Rea­li­stisch: Wenn die Pius­bru­der­schaft kei­ne Bischö­fe weiht, wird sie unter­ge­hen. Ob dann noch die „Triden­ti­ni­sche Mes­se“ zele­briert wer­den kann,steht dann ganz im Ermes­sen Roms,ob libe­ra­ler geson­nen die Alte Mes­se tole­rie­ren oder wie Papst Fran­zis­kus ver­bie­ten wollen.
    Wenn es die Pius­bru­ders­haft nicht mehr gibt, könn­te Rom die „Alte Mes­se“ gänz­lich zum Ver­schwin­den brin­gen, da der Petrus­bru­der­schaft das Recht zur „Alten Mes­se“ ent­zo­gen wer­den könnte.
    Uwe Lay Diplomtheologe

  4. »Die Kir­che ist kraft gött­li­cher Stif­tung hier­ar­chisch ver­faßt, und die Auto­ri­tät besteht, um das ihr Anver­trau­te zu schüt­zen. Die­se Auto­ri­tät trägt eine schwe­re Ver­ant­wor­tung: das Prie­ster­tum zu bewah­ren, die apo­sto­li­sche Kon­ti­nui­tät zu sichern und unmiß­ver­ständ­lich zu spre­chen, wenn wesent­li­che Wirk­lich­kei­ten auf dem Spiel stehen.«

    Zwei Gedan­ken: 1) Ja, die Kir­che ist hier­ar­chisch ver­faßt, sie ist auf einem Fel­sen gegrün­det (Mat­thä­us 16,18). Die­ser Fel­sen ist der Grund, die Basis auf dem das Gebäu­de aus leben­di­gen Stei­nen, die Ekkle­sia Got­tes, gegrün­det ist. In Ver­bin­dung mit Mar­kus 9,35 ist es aller­dings eine Hier­ar­chie der beson­de­ren Art! … (Und kom­me mir jetzt bit­te nie­mand mit dem Alten Fritz und sei­nem „ersten Diener“!)
    2) Die apo­sto­li­sche Kon­ti­nui­tät war und ist für mich ein beson­de­res Zei­chen. Ein Qua­li­täts­merk­mal sozu­sa­gen. Aller­dings stel­le ich mir inzwi­schen doch auch die Fra­ge, inwie­weit die apo­sto­li­sche Suk­zes­si­on real, in ihrer (geist­li­chen) Sub­stanz, eigent­lich noch vor­han­den ist. …
    [Mein Büro­as­si­stent Grok beant­wor­te­te eine dies­be­züg­li­che Anfra­ge so: https://​grok​.com/​c​/​3​5​7​3​3​d​6​6​-​e​a​a​7​-​4​e​1​6​-​a​d​7​f​-​8​d​a​7​6​3​6​f​b​c​6​5​?​r​i​d​=​f​2​e​1​4​c​3​4​-​c​6​1​b​-​4​5​b​c​-​9​e​6​b​-​f​3​0​b​e​2​7​3​b​766 … (der Link funk­tio­niert lei­der nur ein paar Wochen)]

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