Ein Beitrag von Clemens Victor Oldendorf
Seit langem schon ist eigentlich jedem in der Priesterbruderschaft St. Pius X. klar und muss auch verständigen Beobachtern von außerhalb zumindest nachvollziehbar sein, dass zwei verbleibende Weihbischöfe fortgeschrittenen Alters und altersgemäßer Konstitution nicht weiterhin ausreichen, weltweit den Bedürfnissen nach sakramentalen bischöflichen Funktionen in der Bruderschaft und befreundeten Gemeinschaften nachzukommen.
Nachvollziehbar ist es ferner, wenn verglichen mit der Situation, die 1988 zur Rechtfertigung der Bischofsweihen durch Erzbischof Marcel Lefebvre herangezogen wurde, eine Zuspitzung der Lage des Glaubens und der Kirche empfunden wird.
Wenn also in der Priesterbruderschaft Erleichterung, ja Freude und Hoffnung, ob der konkreten Ankündigung von Bischofsweihen herrschen, mag auch das verständlich sein. Und doch kann aus seinerzeit getätigten Aussagen des 1991 verstorbenen französischen Erzbischofs geschlossen werden, dass er wohl nicht davon ausgegangen war, die von ihm trotz fehlenden Apostolischen Mandats, ja gegen das ausdrückliche Verbot Johannes Pauls II., geweihten Bischöfe würden sich 38 Jahre später immer noch in der gleichen Lage, in mancherlei Hinsicht einer noch weiter verschlimmerten, befinden. Zugleich sind das Ausmaß der Tätigkeit und die personelle Größe der Bruderschaft seither stark angewachsen. So fragt sich, ob überhaupt vier relativ jugendliche, vitale Bischöfe heute noch ausreichen, um den Bedarf zu decken.
Zur Frage von Notstand und Kirchenkrise
Begründet wird die Ankündigung damit, dass dem gegenwärtigen Generaloberen noch keine Gelegenheit gegeben wurde, dem Papst sein Anliegen zu unterbreiten. Anzahl und Namen der Priester, die am 1. Juli zu Bischöfen konsekriert werden sollen, sind zwar, während wir unsere Überlegungen anstellen, noch nicht bekanntgegeben worden, stehen aber gewiss schon fest. In der nächsten Woche wird es jetzt zwar zu einer persönlichen Begegnung des Generaloberen mit dem Präfekten des Dikasteriums für die Glaubenslehre kommen, doch zu bedenken bleibt: Selbst wenn Leo XIV. Bischofsweihen nach dem bis 1968 geltenden Pontificale Romanum zustimmen würde, wäre es immer noch selbstverständlich der Papst, der die Anzahl der zu Bischöfen zu weihenden Priester bestimmt. Wenn ferner die Piusbruderschaft logischerweise davon ausgeht, dass die Kandidaten aus ihren eigenen Reihen genommen werden sollen, so würde der Heilige Vater klugerweise darauf sicherlich eingehen, wäre aber immer noch frei, die konkreten Kandidaten selbst auszuwählen und zu ernennen. Hier etwas anderes anzunehmen, erscheint wie eine Selbstüberschätzung der Leitungsebene der Priesterbruderschaft St. Pius X. gegenüber dem Papst.
Die seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil und danach amtierenden Päpste anzuerkennen, quasi für sich in Anspruch zu nehmen, bedeutet eben auf Dauer doch auch eine Schwierigkeit, wenn man sich sogar in einer so konkreten Frage wie der Ernennung von Bischöfen (um die man ersucht) nicht dem selbstverständlichen Recht des Papstes beugen wollte, neben ihrer Anzahl auch frei zu bestimmen, für welche Personen er gegebenenfalls einen Weiheauftrag erteilt. Zusätzlich scheint es nicht möglich, die Argumentation mit einem Notstand endlos fortzusetzen. So gesehen werden die Weihen 2026 in keinem Fall einfach eine Wiederholung dessen sein können, wozu sich Erzbischof Lefebvre 1988 im Gewissen verpflichtet sah. Die Argumentation mit einer Glaubens- oder Kirchenkrise, die auch noch von Rom und den Päpsten ausgelöst worden sein soll, wirft, wenn ständig unabsehbar bleibt, ob und wann sie jemals endet, die letztlich dogmatische Frage auf, ob legitime Römische Päpste überhaupt zur Ursache und Quelle einer solchen Verwüstung in der Kirche werden können.
Bild: zaitzkofen.fsspx.org (Screenshot)
Mit Verlaub, aber das ist ein bißchen wirr.
Sinnlos ist dieser Satz: „Zusätzlich scheint es nicht möglich, die Argumentation mit einem Notstand endlos fortzusetzen.“
Die Argumentation kann und muß solange fortgesetzt werden, wie der Notstand eben dauert. Der Autor beachte: Zur Zeit von Johannes Paul II. gab es immerhin nicht den Wahnsinn von Amoris laetitia und Fiducia supplicans.
„Die Argumentation mit einer Glaubens- oder Kirchenkrise, die auch noch von Rom und den Päpsten ausgelöst worden sein soll, wirft, wenn ständig unabsehbar bleibt, ob und wann sie jemals endet, die letztlich dogmatische Frage auf, ob legitime Römische Päpste überhaupt zur Ursache und Quelle einer solchen Verwüstung in der Kirche werden können.“
Nun, man schaue sich um und beantworte dann die Frage.
Kirchenhistorisch eingeordnet muß man ohnehin sagen, daß die gegenwärtige Krise ja auch nicht viel länger andauert als bspw. die Krise des Arianismus zwischen Nizäa 325 und Konstantinopel 381 oder das Exil von Avignon plus das anschließende große Abendländische Schisma (also 1309 – 1376 oder 77, danach das Schisma bis 1417). Man denke auch an das Saeculum obscurum (vom Mord an Johannes VIII. bis zur Absetzung dreier konkurrierender Päpste 1046).
Offensichtlich können legitime römische Päpste auf die eine oder andere Weise zur Quelle der Verwüstung in der Kirche werden, zumindest für eine bestimmte Zeit. Insofern ist die gegenwärtige Situation nicht neu.
Haben wir in den von Ihnen genannten historischen Fällen und Beispielen jemals erlebt, daß infolge eines Konzils oder vom Papst ausgehend weltweit ein wesentlich anderer Glaube auferlegt (!) wurde oder ein Ritus, der, wenn man ihn auch nicht in jedem Fall für ungültig hält, so doch starke Unsicherheit schafft.
Nicht umsonst legt man ja Wert darauf, sozusagen reinrassige, im alten Ritus geweihte Bischöfe zu haben.
Wir wissen ja, daß sehr viele Priester und noch mehr Gläubige gar nicht amused waren, als Bischof Vitus Huonder in Zaitzkofen die Ölweihmesse gehalten hat. Es haben auch Patres diese Öle abgelehnt. Und mit der persönlichen Integrität von Bischof Huonder hatte das nichts zu tun…
Rom, der Papst sitzt vielleicht am längeren Hebel zumal die Piusbruderschaft katholisch ist oder sich jedenfalls so versteht. Wo wäre das Problem, wenn sie das 2. Vatikanische Konzil im gesamten anerkennen würde, und in Fußnoten auf schwierige Textstellen hinweisen würde. Auf Textstellen, die auch viele andere zu Recht beanstanden und die endlich in Wahrheit gelöst werden müßten? Es sind Dinge, die alle Gläubigen angehen und alle haben das Recht zur Klärung.
Man kann dazu sagen, daß es manchmal auch 2 Wahrheiten gibt und jede Seite hat recht bspw. im Bezug auf die sog. Religionsfreiheit. Niemand, weder das derzeitige Rom noch die Piusbruderschaft, muß sich in die eigene Sicht verbeißen und allein das eigene geltend machen. Dennoch muß sich die Bruderschaft dem Papst unterordnen, oder sie sollte sich ihren eigenen Papst wählen.
Bitte im Vergleich mit dem China-Problem betrachten…es gäbe einen Weg, wenn der Wille da wäre. Da dieser im Vatikan fehlt, ist es eben doch die gleiche Situation wie 1988.
Ich hoffe auf 8 bis 12 Bischöfe
Für mich stellt sich die Frage nach der Weihe von Bischöfen der Tradition grundsätzlich über die Piusbruderschaft hinaus. Auch knapp 38 Jahre nach Gründung der Petrusbruderschaft und weiterer Institute der Tradition, die in voller Gemeinschaft mit Rom stehen, gibt es keine eigenen Bischöfe, die der Tradition verpflichtet sind, von Bischof Rifan als Ausnahme abgesehen. Wer wird in zehn Jahren die Priesterweihen in Gricigliano und in Wigratzbad spenden? Kardinal Burke wird auch nicht jünger …