Die gegenwärtige kirchliche Sprache zur Migration ist von moralischer Überzeichnung und historischer Verkürzung geprägt. Kaum ein anderes Thema wird so häufig in absolute Kategorien gepreßt: Wer für offene Grenzen plädiert, gilt als christlich; wer auf Ordnung, Recht und kulturelle Selbstbehauptung verweist, wird rasch unter Generalverdacht gestellt. Jack Rigert widerspricht dieser Verengung im politischen und kirchlichen Diskurs entschieden. In seinem Beitrag Charity Without Illusion: Immigration, Prudence, and the Christian Memory („Nächstenliebe ohne Illusionen. Einwanderung, Klugheit und das Gedächtnis der Christen“) legt er den Finger auf einen neuralgischen Punkt der kirchlichen Debatte: den Verlust von Klugheit, geschichtlichem Gedächtnis und begrifflicher Klarheit. Veröffentlicht wurde Rigerts Beitrag vom traditionsverbundenen Crisis magazine in den USA.
Die Heilige Familie – ein mißbrauchtes Bild
Besonders scharf kritisiert Rigert den inflationären Rückgriff auf die Flucht der Heiligen Familie nach Ägypten. Diese werde heute als unhinterfragbares moralisches Urbild moderner Migration instrumentalisiert. Die implizite Botschaft laute: Wer die Aufnahme von Migranten begrenzt oder ordnet, handle gegen das Evangelium.
Doch diese Lesart hält einer historischen Prüfung nicht stand. Ägypten war zur Zeit Jesu keine fremde Nation, sondern seit 30 v. Chr. eine römische Provinz. Joseph überschritt keine Staatsgrenze im modernen Sinn, sondern bewegte sich innerhalb desselben politischen Machtbereichs. Die Heilige Familie floh vor einem lokalen Tyrannen – Herodes –, nicht vor einer „Kultur“ oder einem „System“. Sie verlangte keine Umgestaltung der aufnehmenden Gesellschaft und stellte keine politischen Forderungen.
Rigert bringt es nüchtern auf den Punkt:
„They were displaced persons seeking safety, not symbols for ideological abstraction.“
„Sie waren Vertriebene auf der Suche nach Sicherheit, keine Symbole für ideologische Abstraktionen.“
Die Heilige Familie eignet sich daher gerade nicht als moralische Keule gegen jede Form legitimer Grenzpolitik.
Emigranten und Immigranten – eine folgenreiche Verwechslung
Einen zentralen Bezugspunkt bildet Johannes Paul II. In seiner Botschaft zum Weltmigrationstag 1995 machte er auf eine subtile, aber folgenreiche Verschiebung der Sprache aufmerksam. Immer häufiger werde nur noch vom „Einwanderer“ gesprochen – also vom Problem im Aufnahmeland –, nicht mehr vom „Auswanderer“, der durch Krieg, Korruption oder wirtschaftlichen Zusammenbruch aus seiner Heimat gedrängt wurde.
Diese begriffliche Umkehrung verschleiert Verantwortung. Denn:
- Der Auswanderer ist das Opfer zerstörter Ordnungen.
- Der Einwanderer ist derselbe Mensch, aber losgelöst von den Ursachen seiner Flucht.
Damit geraten nicht mehr die versagenden politischen und moralischen Eliten der Herkunftsländer in den Blick, sondern ausschließlich die Aufnahmeländer – vorzugsweise die westlichen, christlich geprägten Gesellschaften. Johannes Paul II. warnte ausdrücklich vor dieser Verkürzung. Echte Solidarität bestehe nicht darin, Menschen umzuverteilen, sondern Unrecht an der Wurzel zu bekämpfen.
Rigert formuliert zugespitzt: Wer unbegrenzte Aufnahme fordert, ohne Reformen in den Herkunftsländern einzufordern, verweigere sich der Frage nach Verantwortung – das sei keine Nächstenliebe, sondern moralische Flucht.
Keine christliche Lehre von offenen Grenzen
Entgegen mancher kirchlicher Rhetorik lehrten weder Johannes Paul II. noch der Katechismus jemals eine Pflicht zu offenen Grenzen. Im Gegenteil: Der Katechismus der Katholischen Kirche hält ausdrücklich fest, daß Staaten das Recht und die Pflicht haben, Migration zu regulieren (KKK 2241). Migranten besitzen Würde und Rechte – aber auch Pflichten gegenüber dem Gemeinwesen, das sie aufnimmt.
Die eigentliche Tragik der heutigen Debatte liegt für Rigert in der falschen Alternative: Entweder Mitgefühl oder Ordnung. Entweder Barmherzigkeit oder Sicherheit. Diese Gegenüberstellung ist der christlichen Tradition fremd.
Augustinus und Thomas von Aquin: Ordnung als Voraussetzung der Liebe
Um diese Tradition freizulegen, greift Rigert auf Augustinus zurück. Für ihn ist Frieden nicht bloß Gewaltlosigkeit, sondern tranquillitas ordinis – die Ruhe der Ordnung (De civitate Dei, XIX,13). Politische Autorität dient dem Schutz dieser Ordnung. Eine Gesellschaft, die sich selbst nicht mehr schützt, wird nicht barmherziger, sondern verletzlicher – und trifft am Ende gerade die Schwächsten.
Thomas von Aquin präzisiert diesen Gedanken mit dem Begriff der Klugheit (prudentia). Klugheit ist „rechte Vernunft im Handeln“ (STh II–II, q.47, a.2). Sie entscheidet, wie allgemeine moralische Prinzipien unter konkreten Bedingungen anzuwenden sind. Auch die Liebe folgt einer Ordnung: Der Mensch hat besondere Pflichten gegenüber denen, für die er unmittelbar Verantwortung trägt (STh II–II, q.26).
Daraus folgt: Ein Staat darf Grenzen sichern, Zuwanderung begrenzen, Assimilation verlangen und Gefahren abwehren, ohne gegen die Nächstenliebe zu verstoßen – sofern dies ohne Haß und unter Achtung der Menschenwürde geschieht.
Migration aus islamischen Ländern – zwischen Person und Geschichte
Besonders sensibel ist Rigerts Abschnitt zur Migration aus muslimisch geprägten Gesellschaften. Seine Argumentation ist ausdrücklich keine pauschale Verurteilung von Personen, sondern ein Plädoyer für historisch informierte Klugheit.
Seit dem 7. Jahrhundert wurden große christliche Kernländer – Nordafrika, der Nahe Osten, Kleinasien – islamisch erobert. Das Dhimmi-System degradierte Christen zu Bürgern zweiter Klasse. Diese Geschichte endete nicht im Mittelalter. Auch heute sind Christen die weltweit am stärksten verfolgte Religionsgruppe, besonders in muslimischen Mehrheitsstaaten. Über 380 Millionen Christen leben laut aktuellen Berichten unter hoher oder extremer Verfolgung.
Daraus folgt keine kollektive Schuld, wohl aber ein legitimes Recht auf Vorsicht. Rigert formuliert klar:
„Informed caution shaped by historical experience is not bigotry; it is prudence.“
„Eine informierte Vorsicht, geprägt durch historische Erfahrung, ist kein Fanatismus; sie ist Klugheit.“
Die christliche Alternative
Am Ende kehrt Rigert zur Heiligen Familie zurück. Sie suchte Schutz, ohne Forderungen zu stellen. Sie bedrohte niemanden. Sie verlangte keine kulturelle Kapitulation, keine Unterwerfung. Gerade deshalb taugt ihr Schicksal nicht zur Delegitimierung politischer Verantwortung.
Christliche Sozialethik kennt weder schrankenlose Universalität noch kalte Abschottung. Sie kennt Ordnung und Liebe, Erinnerung und Barmherzigkeit, Klugheit und Mitgefühl.
Rigerts Fazit ist ebenso nüchtern wie unbequem:
- Wer die Geschichte vergißt, wird naiv.
- Wer die Person vergißt, wird ungerecht.
- Wer die Klugheit vergißt, verliert beides.
Der Weg nach vorn liegt nicht in utopischem Moralismus, sondern in Gesellschaften, die fähig sind, Fremde aufzunehmen, ohne ihre eigenen geistigen und kulturellen Grundlagen preiszugeben – jene Grundlagen, die echte Gastfreundschaft überhaupt erst möglich machen.
Text: Giuseppe Nardi
Bild: Wikicommons
Schon die Kanzlerin Merkel versuchte die völlige Öffnung der Grenzen und den damit verbundenen Masseneinfall insbesondere von jungen männlichen Mohammedanern mit dem Verweis auf die Flucht der hl. Familie nach Ägypten zu rechtfertigen und zu begründen. Sie, die auch mal sagte: Mein Vater ist „Fahrer“. Allein dieser Ausspruch zeigt Ihre Unernsthaftigkeit sowie die Vernebelung und Verwischung in Bezug auf Wahrheit und Klarheit.
Leider werden die Lügen auch von verantwortlicher Stelle in der Kirche unermüdlich vorgebracht und an erster Stelle war das der verehrte Papst Franziskus.
Wie konnte es dazu kommen? Was immer auch die Gründe gewesen sein mögen, eines steht fest: die für die Fremden paradiesähnlichen Zustände werden nicht mehr lange andauern, da sich der Kollaps des Systems bereits in Sichtweite befindet. Dem geistigen folgt auch der wirtschaftliche und finanzielle Zusammenbruch. Das Volk treibt sich nicht nur ab, es ist auch ansonsten immer versudelter und ruchloser geworden, ob von links oder rechts.
Demgegenüber sind viele Zuwanderer, ob Afrikaner, Inder, Ukrainer oder andere wie auch viele Moslems tatsächlich weit gesitteter und respektvoller als sehr viele der Einheimischen. Gayropa ist so ein treffender Begriff für die Mißlichkeit der Übel.
Ein weiterer Punkt verdient Beachtung: die Heilige Familie kehrte in ihre Heimat zurück, nachdem die Ursache zur Flucht verschwunden war.
Viva Cristo Rey!