Der Mann, der Johannes Paul II. riet, Rußland nicht zu erwähnen

Die hinter dem Eisernen Vorhang verfolgte Kirche, Fatima und der Vertraute des Papstes

Kardinal Jozef Tomko (1924–2022) ist gestern in Rom verstorben. Er war nach dem Zweiten Weltkrieg in Rom eine wichtige Anlaufstelle für die verfolgte Kirche der Tschechoslowakei. Deshalb war er von Papst Johannes Paul II. geschätzt und wurde von ihm in hohe Ämter berufen.
Kardinal Jozef Tomko (1924–2022) ist gestern in Rom verstorben. Er war nach dem Zweiten Weltkrieg in Rom eine wichtige Anlaufstelle für die verfolgte Kirche der Tschechoslowakei. Deshalb war er von Papst Johannes Paul II. geschätzt und wurde von ihm in hohe Ämter berufen.

(Rom) Der slo­wa­ki­sche Kuri­en­kar­di­nal Jozef Tom­ko ist gestern im Alter von 98 Jah­ren in Rom ver­stor­ben. Er war der älte­ste leben­de Kar­di­nal der Welt.

Tom­ko starb in sei­ner Woh­nung in Rom, wo er von den Schwe­stern der Näch­sten­lie­be des hei­li­gen Vin­zenz von Paul betreut wur­de. Nach­dem er am 25. Juni wegen einer Hals­wir­bel­ver­let­zung in die Päpst­li­che Uni­ver­si­täts­kli­nik Gemel­li ein­ge­lie­fert wor­den war, ver­brach­te er sechs Wochen im Kran­ken­haus und wur­de ab Sams­tag, dem 6. August, zu Hau­se gepflegt. Wäh­rend sei­nes Kran­ken­haus­auf­ent­hal­tes erhielt er Besuch von Kar­di­nal­staats­se­kre­tär Pie­tro Paro­lin, wie Vati­can­News berichtete.

In einem Inter­view mit der Zeit­schrift Insi­de The Vati­can vom Novem­ber 2000 wur­de ent­hüllt, daß es Jozef Tom­ko war, der Papst Johan­nes Paul II. gera­ten hat­te, Ruß­land bei der 1984 auf dem Peters­platz voll­zo­ge­nen Wei­he der Welt an das Unbe­fleck­te Herz Mari­ens, anders als es Maria in Fati­ma gewünscht hat­te, nicht zu erwäh­nen. Tom­kos Name wur­de in der Zeit­schrift zwar nicht genannt, doch konn­te er spä­ter als der erwähn­te Rat­ge­ber iden­ti­fi­ziert wer­den. Offen­bar han­del­te Tom­ko, der im Jahr dar­auf zum Kar­di­nal erho­ben wur­de, aus ver­meint­li­cher „Klug­heit“, um den sowje­ti­schen Bären nicht zu reizen.

Der 1924 gebo­re­ne Jozef Tom­ko stu­dier­te bei Kriegs­en­de in Rom. Wegen der kom­mu­ni­sti­schen Macht­über­nah­me in der nach dem Zwei­ten Welt­krieg wie­der­errich­te­ten Tsche­cho­slo­wa­ki­schen Repu­blik blieb er in der Ewi­gen Stadt, wo er 1949 zum Prie­ster geweiht und an der Päpst­li­chen Uni­ver­si­tät Gre­go­ria­na zum drei­fa­chen Dok­tor pro­mo­viert wur­de: zum Dok­tor der Theo­lo­gie, des Kir­chen­rechts und der Sozialwissenschaften. 

Wap­pen von Kar­di­nal Tomko

Ab 1950 war er Vize­rek­tor des Päpst­li­chen Col­le­gi­um Nepo­muce­num. Dort stu­dier­ten nach dem Ersten Welt­krieg alle Prie­ster­amt­skan­di­da­ten aus der Tsche­cho­slo­wa­ki­schen Repu­blik, bis 1938 auch die Deutsch­böh­men und Deutschmäh­rer. Seit der Abtren­nung der Slo­wa­kei ist die Tsche­chi­sche Bischofs­kon­fe­renz Trä­ger der Ein­rich­tung. Das Nepo­muce­num, benannt nach Johan­nes Nepo­muk, dem in der Welt­kir­che bekann­te­sten böh­mi­schen Hei­li­gen, wur­de unter Tom­ko zu einem wich­ti­gen Zen­trum für die ver­folg­te Kir­che hin­ter dem Eiser­nen Vor­hang und Sam­mel­stel­le für Infor­ma­tio­nen über die Lage in den kom­mu­ni­sti­schen Staa­ten, beson­ders der Tschechoslowakei.

Seit 1959 war Tom­ko zudem an der Römi­schen Kurie tätig, zunächst für die Glau­bens­kon­gre­ga­ti­on, dann für die Bischofs­kon­gre­ga­ti­on. 1965 wur­de er auf­grund der Umori­en­tie­rung der vati­ka­ni­chen Außen­po­li­tik aus dem Nepo­muce­num abge­zo­gen. Ab 1970 lehr­te als Pro­fes­sor an der Gre­go­ria­na. 1979 erhob ihn Papst Johan­nes Paul II., der mit dem Exil-Slo­wa­ken schon seit Jah­ren bekannt war, zum Titu­lar­erz­bi­schof und ernann­te ihn zum Gene­ral­se­kre­tär der Bischofs­syn­ode. Die­se Beför­de­rung Tom­kos, der von kom­mu­ni­sti­schen Nach­rich­ten­dien­sten als „über­zeug­ter Anti­kom­mu­nist“ beschrie­ben wur­de, war eines von meh­re­ren Signa­len, die Johan­nes Paul II. gleich am Beginn sei­nes Pon­ti­fi­kats in Rich­tung Ost­block sand­te. Ins­ge­samt galt Tom­ko als „enger Ver­trau­ter“ des pol­ni­schen Pap­stes, wie der Geheim­dienst der dama­li­gen Volks­re­pu­blik Ungarn nach Buda­pest meldete. 

Rück­blickend inter­es­sant ist, daß selbst Tom­ko, ein über die Lage der tsche­chi­schen und slo­wa­ki­schen Kir­che so gut infor­mier­ter Mann, nur bedingt zu den Unter­stüt­zern der dor­ti­gen Unter­grund­kir­che gehör­te. Er heg­te Zwei­fel, daß die Unter­grund­prie­ster die Brei­te der Bevöl­ke­rung errei­chen könn­ten, in den Städ­ten bedingt, am Land kaum.

1985 kre­ierte ihn der pol­ni­sche Papst schließ­lich zum Kar­di­nal und ernann­te ihn zum Prä­fek­ten der Kon­gre­ga­ti­on für die Evan­ge­li­sie­rung der Völ­ker (Pro­pa­gan­da Fide), eine Auf­ga­be, die er drei Amts­pe­ri­oden erfüll­te. Ab 2001 wur­de er Vor­sit­zen­der des Päpst­li­chen Komi­tees für die Eucha­ri­sti­schen Welt­kon­gres­se.

Unter Bene­dikt XVI. hat­te Tom­ko, alters­be­dingt, kei­ne akti­ven Kurien­äm­ter mehr inne, war jedoch mehr­fach Son­der­ge­sand­ter des Pap­stes. Obwohl Tom­ko 37 Jah­re Kar­di­nal war, nahm er nie als Papst­wäh­ler an einem Kon­kla­ve teil.

Der Kar­di­nal war sowohl Mit­glied der 2010 bis 2012 akti­ven Rui­ni-Kom­mis­si­on zur Unter­su­chung des Phä­no­mens Med­jug­or­je als auch der Kom­mis­si­on zur Unter­su­chung von Vati­leaks. Bei­de Kom­mis­sio­nen waren von Papst Bene­dikt XVI. ein­ge­rich­tet worden.

Mit dem Tod von Kar­di­nal Jozef Tom­ko ist nun der 1925 gebo­re­ne Kar­di­nal Alex­andre do Nasci­men­to, der eme­ri­tier­te Erz­bi­schof von Luan­da in Ango­la, der älte­ste leben­de Kar­di­nal der Welt.

Requie­scat in pace.

Johan­nes Paul II. streut Kar­di­nal Tom­ko am Ascher­mitt­woch 1998 Asche auf das Haupt.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Wikicommons/​MiL

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2 Kommentare

  1. Ruß­land hat sich vom Kom­mu­nis­mus bekehrt und es gibt Zei­chen dafür, daß es christ­li­cher ist als der ver­sau­te Westen.
    Es fehlt noch die Bekeh­rung der Orthodoxie.

    • Der Westen wird nicht nur immer gott­lo­ser, viel schlim­mer, er will wie Gott sein und einen neu­en, bes­se­ren Men­schen nach sei­nen Vor­stel­lun­gen schaf­fen durch Ände­rung der Gene, durch Ver­knüp­fung mit künst­li­cher Intel­li­genz und durch Fest­le­gung, wel­che Men­schen wert sind zu leben und wel­che nicht.

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