Tod eines Papstflüsterers

Kardinal Cláudio Hummes im Alter von 87 Jahren verstorben

Kardinal Claudio Hummes, der Statthalter von Papst Franziskus in Brasilien, ist gestern im 88. Lebensjahr verstorben.
Der deutschstämmige Kardinal Claudio Hummes, der Statthalter von Papst Franziskus in Brasilien, ist gestern im 88. Lebensjahr verstorben.

(Bra­si­lia) Das Erz­bis­tum von São Pau­lo gab den Tod von Cláu­dio Kar­di­nal Hum­mes im Alter von 87 Jah­ren bekannt. Kar­di­nal Hum­mes war der Statt­hal­ter von Papst Fran­zis­kus in Bra­si­li­en und einer der gro­ßen Pro­mo­to­ren der Ama­zo­nas­syn­ode, die neben der Fami­li­en­syn­ode das bis­her größ­te Pro­jekt des der­zei­ti­gen Pon­ti­fi­kats war. Hum­mes war ins­ge­samt eine der ein­fluß­reich­sten Stim­men für den pro­gres­si­ven Para­dig­men­wech­sel unter Fran­zis­kus. Der Papst nann­te ihn einen „sehr, sehr guten Freund“.

Odi­lo Kar­di­nal Sche­rer, der amtie­ren­de Erz­bi­schof von São Pau­lo ver­öf­fent­lich­te gestern eine „Mit­tei­lung der Trau­er und Hoff­nung“ und kün­dig­te an, daß das Begräb­nis in der Kathe­dra­le von São Pau­lo statt­fin­den wird:

„Mit gro­ßer Trau­er gebe ich den Tod von Kar­di­nal Cláu­dio Hum­mes bekannt, (…) am heu­ti­gen Tag, nach lan­ger Krank­heit, die er mit Geduld und Gott­ver­trau­en ertrug.“

Hum­mes war es, der Fran­zis­kus, wie die­ser selbst erzähl­te, gleich nach sei­ner Wahl 2013, sag­te: „Ver­giß die Armen nicht“. Er war es auch, der dem Neu­ge­wähl­ten die Emp­feh­lung gab, sich Fran­zis­kus zu nen­nen. Die lan­ge Vor­ge­schich­te soll nur kurz skiz­ziert werden.

Hummes’ Aufstieg

Erz­bi­schof Hum­mes mit Lula da Sil­va 1989

Papst Bene­dikt XVI. hat­te den Erz­bi­schof von São Pau­lo trotz sei­ner pro­gres­si­ven Gesin­nung an die Römi­sche Kurie beru­fen. Dabei han­del­te es sich um einen öfters geüb­ten, aber nicht immer erfolg­rei­chen Ver­such, Kri­ti­ker eines Pon­ti­fi­kats aus ihren Diö­ze­sen zu ent­fer­nen und zugleich in Rom ein­zu­bin­den. Johan­nes Paul II. war damit bei Kar­di­nal Wal­ter Kas­per geschei­tert, Bene­dikt XVI. schei­ter­te damit bei Kar­di­nal Hummes.

Cláu­dio Hum­mes, 1934 als Auri Alfon­so Hum­mes in Mon­te­ne­gro im Staat Rio Gran­de do Sul gebo­ren, war deut­scher Abstam­mung und wuchs in einer von deut­schen Ein­wan­de­rern gepräg­ten Gegend im Süden Bra­si­li­ens auf. Sei­ne Vor­fah­ren waren 1857 aus dem Huns­rück nach Bra­si­li­en aus­ge­wan­dert. Viel­leicht fiel es ihm des­halb so leicht, dar­an mit­zu­wir­ken, eine pro­gres­si­ve deutsch-bra­si­lia­ni­sche Ach­se zu schmieden.

Er stu­dier­te bei den Jesui­ten, trat 1952 aber in den Fran­zis­ka­ner­or­den ein, wo er den Ordens­na­men Clau­dio erhielt. Sei­ne Stu­di­en konn­te er auf­grund sei­ner Intel­li­genz am Anto­nia­num, der päpst­li­chen Hoch­schu­le des Fran­zis­ka­ner­or­dens in Rom, fort­set­zen. 1958 wur­de er zum Prie­ster geweiht und schon 1965 Bera­ter der Bra­si­lia­ni­schen Bischofs­kon­fe­renz für Öku­me­ne-Fra­gen.

1975 erfolg­te sei­ne Bischofs­er­nen­nung durch Paul VI. und die Bischofs­wei­he durch sei­nen Ordens­mit­bru­der Erz­bi­schof Aloi­sio Lor­schei­der OFM, einen der Unter­zeich­ner des Kata­kom­ben­pak­tes. Noch im sel­ben Jahr wur­de er Bischof von San­to André. Hum­mes unter­hielt zu der Zeit schon seit Jah­ren enge Kon­tak­te zur poli­ti­schen Lin­ken, beson­ders zum spä­te­ren bra­si­lia­ni­schen Staats- und Regie­rungs­chef Luiz Iná­cio Lula da Silva.

Zugleich eil­te ihm aber der nur bedingt zutref­fen­de Ruf vor­aus, kein Ver­tre­ter der mar­xi­sti­schen Befrei­ungs­theo­lo­gie zu sein, die vor allem in Bra­si­li­en wüte­te. Daher ernann­te ihn Johan­nes Paul II. zu Lor­schei­ders Nach­fol­ger als Erz­bi­schof von For­ta­le­za und 1998 zum Erz­bi­schof von São Pau­lo, einer der größ­ten Diö­ze­sen der Welt. 2001 erfolg­te sei­ne Kardinalskreierung.

Der Einbindungsversuch durch Benedikt XVI.

Die Mit­tei­lung von Kar­di­nal Scherer

Bene­dikt XVI. berief Hum­mes 2006 als Prä­fekt der Kle­rus­kon­gre­ga­ti­on an die Römi­sche Kurie, eine Ernen­nung, die noch vor Hum­mes Ankunft in Rom zum Eklat führ­te. Der soeben neu­ernann­te Kle­ru­sprä­fekt sprach sich noch in Bra­si­li­en in einem Inter­view für die Abschaf­fung des prie­ster­li­chen Zöli­bats aus. Der Skan­dal war per­fekt. Der Hei­li­ge Stuhl, schwer brüs­kiert, inter­ve­nier­te und Hum­mes ruder­te zurück. Er kor­ri­gier­te sei­ne Aus­sa­ge und konn­te sei­ne Prä­fek­ten­stel­le in Rom antreten.

Damit hat­te der bra­si­lia­ni­sche Kar­di­nal vor aller Welt zwei­er­lei offen­ge­legt: Hum­mes war kein Mar­xist, aber ein Pro­gres­si­ver ohne Berüh­rungs­äng­ste zu den Mar­xi­sten. Und er wuß­te zu tak­tie­ren, not­falls auch sei­ne Gesin­nung zu verbergen.

Den­noch soll­te sei­ne Zeit in Rom nicht lan­ge dau­ern. Nach außen hielt er sich bedeckt, sabo­tier­te jedoch das Pon­ti­fi­kat von Bene­dikt XVI. Das Faß zum Über­lau­fen brach­te 2010 Hum­mes‘ Boy­kott der Ernen­nung des hei­li­gen Johan­nes Maria Vian­ney zum Patron der Priester.

Gegen die Absicht Bene­dikts XVI., den Pfar­rer von Ars zum Vor­bild der näch­sten Prie­ster­ge­nera­ti­on zu machen, lief das pro­gres­si­ve Spek­trum hin­ter den Kulis­sen Sturm. Das sei, so die Empör­ten, ein Rück­schritt in „vor­kon­zi­lia­re“ Zeit und rich­te sich „gegen“ das Zwei­te Vati­ka­ni­sche Kon­zil. Hum­mes als zustän­di­gem Kar­di­nal­prä­fekt an der Kurie kam im Auf­stand gegen Bene­dikt XVI. eine zen­tra­le Rol­le zu. Da die­ser intri­gen­haft erfolg­te und Bene­dikt XVI. ein sehr mil­der Regent war, schei­ter­te die Ernen­nung Vian­neys. Aller­dings zeig­te der deut­sche Papst in sei­ner Reak­ti­on, daß er – wenn auch nur sel­ten – durch­aus ent­schlos­se­ne Schrit­te set­zen konn­te. Er ent­ließ den Bra­si­lia­ner noch im sel­ben Jahr und vor Ablauf von Hum­mes‘ Amts­zeit. Damit teil­te Bene­dikt XVI. der gan­zen Kir­che sei­ne Miß­bil­li­gung von Hum­mes‘ Amts­füh­rung unmiß­ver­ständ­lich mit.

Kar­di­nal Hum­mes kehr­te im Alter von 76 Jah­ren nach Bra­si­li­en zurück und war nun auch auf einer ganz per­sön­li­chen Ebe­ne zum uner­bitt­li­chen Geg­ner von Bene­dikt gewor­den. Anfang 2014 hät­te er sein 80. Lebens­jahr voll­endet und wäre als Papst­wäh­ler aus­ge­schie­den. Das Ende sei­nes Ein­flus­ses. Doch Bene­dikt XVI. gab im Febru­ar 2013 über­ra­schend sei­nen Amts­ver­zicht bekannt und bot der pro­gres­si­ven Fron­de die uner­war­te­te Chan­ce, im „letz­ten Augen­blick“ doch noch das Ruder her­um­rei­ßen zu können.

Hummes, der Papstflüsterer

Hum­mes wur­de im Kon­kla­ve vom März 2013 zu einer Schlüs­sel­fi­gur. Er war es, der sich schon im Vor­kon­kla­ve für den Erz­bi­schof von Bue­nos Aires stark­mach­te und im Kon­kla­ve, laut eige­nen Anga­ben, Jor­ge Mario Ber­go­glio bestärk­te, „als die Din­ge etwas gefähr­li­cher wurden“.

Die ent­schei­den­de Sor­ge der Geheim­grup­pe von Sankt Gal­len und des Teams Ber­go­glio war, daß ihr argen­ti­ni­scher Kan­di­dat wie schon 2005 sei­ne Kan­di­da­tur zurück­zie­hen könn­te. Kar­di­nal Kas­per hat­te sich Ber­go­gli­os Zusa­ge geholt, daß dies kein zwei­tes Mal der Fall sein wer­de. Doch Hum­mes kam die Auf­ga­be zu, in der Six­ti­ni­schen Kapel­le nicht von Ber­go­gli­os Sei­te zu wei­chen. Als sich die­ser als neu­er Papst der Welt zeig­te, stand auch der „Papst­ma­cher“ Hum­mes neben ihm auf der Log­gia des Peters­doms. Er war es, wie Fran­zis­kus spä­ter mehr­fach erzähl­te, der ihm ein­ge­flü­stert hat­te, sich den Namen Fran­zis­kus zuzulegen.

Als sich Fran­zis­kus 2013 als neu­ge­wähl­ter Papst der Welt zeig­te, stand Kar­di­nal Hum­mes mit ihm auf der Log­gia des Petersdoms.

Die enge Ver­bun­den­heit zwi­schen Fran­zis­kus und Hum­mes zeig­te sich noch im Wahl­jahr, als der neue Papst dem Bra­si­lia­ner die Genug­tu­ung der Ver­gel­tung schenk­te. Am 21. Sep­tem­ber 2013 ent­ließ Fran­zis­kus Kar­di­nal Mau­ro Pia­cen­za, mit dem Bene­dikt XVI. erst drei Jah­re zuvor Hum­mes als Prä­fekt der Kle­rus­kon­gre­ga­ti­on ersetzt hatte.

Noch im Febru­ar 2014, dem ersten Jah­res­tag der Rück­tritts­an­kün­di­gung von Bene­dikt XVI., war Hum­mes die gan­ze Freu­de dar­über anzu­mer­ken. Die Stim­mung unter den Katho­li­ken sei unter Bene­dikt XVI. welt­weit „bedrückt und trau­rig“ gewe­sen. Die Men­schen hät­ten den Kopf „hän­gen­las­sen“. Doch durch den Amts­ver­zicht des deut­schen Pap­stes habe sich mit einem Schlag so viel „auf so schnel­le und schö­ne Wei­se“ geän­dert. Mit der Wahl von Fran­zis­kus sei der Ver­trau­ens­ver­lust der Men­schen unter Bene­dikt XVI. ver­flo­gen, denn „nun haben die Men­schen wie­der Vertrauen“.

Im geän­der­ten Kli­ma des neu­en Pon­ti­fi­kats gewähr­te Hum­mes im Juli 2014 der bra­si­lia­ni­schen Zei­tung Zero Hora tie­fe­ren Ein­blick in die Gei­stes­welt eines „Papst­ma­chers“, in der „Homo-Ehe“, Zöli­bats­ab­schaf­fung und Frau­en­prie­ster­tum kei­ne Pro­ble­me dar­stel­len, son­dern eine wesent­li­che Rol­le spielen.

Hummes wichtigstes Projekt: die Amazonassynode

Das erklärt, wes­halb der revo­lu­tio­nä­re öster­rei­chi­sche Mis­si­ons­bi­schof Erwin Kräut­ler in Hum­mes den maß­geb­li­chen Weg­ge­fähr­ten für das Pro­jekt „Ama­zo­nas-Werk­statt“, mit dem Haupt­ziel der Besei­ti­gung des „Zwangs­zö­li­bats“, fand. Hum­mes war es, der die Tür zu San­ta Mar­ta und zur Ama­zo­nas­syn­ode öff­ne­te. Hum­mes und Kräut­ler kon­trol­lier­ten dann auch den eigens für die Syn­ode gegrün­de­ten Dach­ver­band REPAM: Kräut­ler als Vor­sit­zen­der für Bra­si­li­en, Hum­mes als Gesamtvorsitzender.

Hum­mes war es, der vor der Ama­zo­nas­syn­ode abwech­selnd in kryp­ti­schem Ton ankün­dig­te, die Syn­ode „könn­te histo­risch wer­den“, oder offen erklär­te, die Syn­ode wer­de „über ver­hei­ra­te­te Prie­ster ent­schei­den“. Schließ­lich wer­de die Ama­zo­nas­syn­ode „nicht ein­be­ru­fen, um zu wie­der­ho­len, was die Kir­che bereits sagt, son­dern um vor­wärts­zu­ge­hen“, so Hum­mes im Som­mer 2018.

Das gro­ße Ziel des bra­si­lia­ni­schen Pur­pur­trä­gers war die Abschaf­fung des „Zwangs­zö­li­bats“, wie er den prie­ster­li­chen Zöli­bat bereits 2010 ver­ächt­lich genannt hat­te. Ande­re Lösun­gen kamen für ihn nicht in Fra­ge. Eine sol­che lehn­te er im Spät­som­mer 2016 ener­gisch ab, als bei einer Tagung der Vor­schlag gemacht wur­de, das Pro­blem des Prie­ster­man­gels im Ama­zo­nasdschun­gel dadurch zu lösen, daß jeder Mis­si­ons­or­den um die Ent­sen­dung von zwei Prie­stern gebe­ten wird. Hum­mes reagier­te all­er­gisch: „Nein, nein, das will der Papst nicht“. Er woll­te es jeden­falls mit Sicher­heit nicht.

Alles war durch die Ama­zo­nas­syn­ode vor­be­rei­tet, um den prie­ster­li­chen Zöli­bat zu kip­pen. Hum­mes schrieb im Janu­ar 2020 einen Brief an alle Bischö­fe der Welt, in dem er das nach­syn­oda­le Schrei­ben von Fran­zis­kus ankün­dig­te und ein­schärf­te, daß es „anzu­neh­men“ sei. Es wur­de all­ge­mein damit gerech­net, daß das Schrei­ben eine Auf­wei­chung des prie­ster­li­chen Zöli­bats ent­hal­ten wird. Bei einem Geheim­tref­fen im Juni 2019 hat­ten die Syn­oden­be­trei­ber bereits einen Namen für das neu­zu­schaf­fen­de Wei­he­amt gefun­den: Es soll­te „Pres­by­ter“ hei­ßen. Öster­reichs Bischö­fe erklär­ten schon drei Mona­te vor Syn­oden­be­ginn – vor­ei­lig –, sie wür­den die Beschlüs­se für den Ama­zo­nas in Öster­reich „umset­zen“. In Öster­reich? Mehr Signa­le bedurf­te es wirk­lich nicht, um die tie­fe­re Agen­da der Ama­zo­nas­syn­ode zu erfassen.

Hum­mes mit Fran­zis­kus beim „Hexen­tanz im Vatikan“

Die Syn­ode der „Indi­ge­ni­sten, Moder­ni­sten, Anti-Nata­li­sten und Öko­lo­gi­sten“ fand wie geplant statt. Hum­mes zele­brier­te am Ran­de der Syn­ode eine Neu­auf­la­ge des Kata­kom­ben­pak­tes von 1965. Am Tag vor der Eröff­nung der Ama­zo­nas­syn­ode kam es am 4. Okto­ber 2019 zu dem, was als „Hexen­tanz im Vati­kan“ durch die skan­dal­träch­ti­ge Ein­füh­rung der Pach­a­ma­ma bekannt wurde.

Dann aber kam den­noch alles anders.

Bene­dikt XVI. ver­öf­fent­lich­te Anfang 2020 zusam­men mit Kar­di­nal Robert Sarah, damals noch Prä­fekt der Got­tes­dienst­kon­gre­ga­ti­on, ein Plä­doy­er für das Prie­ster­tum und den prie­ster­li­chen Zöli­bat. In San­ta Mar­ta kam es zu Zor­nes­aus­brü­chen, doch die über­ra­schen­de Wen­de in der Zöli­bats­fra­ge war per­fekt. Das The­ma war in letz­ter Minu­te vom Tisch.

Hummes, Franziskus und Brasiliens Sozialisten

Auf Hum­mes geht auch das auf­fäl­li­ge Enga­ge­ment von Fran­zis­kus für Lula da Sil­va zurück. Der Papst unter­stütz­te die Kam­pa­gne „Frei­heit für Lula“, als der ehe­ma­li­ge Staats­prä­si­dent unter Kor­rup­ti­ons­ver­dacht im Gefäng­nis saß, schick­te ihm Soli­da­ri­täts­adres­sen in die Gefäng­nis­zel­le und empör­te sich über einen angeb­li­chen „Staats­streich mit wei­ßen Hand­schu­hen“, als sich 2018 eine Wahl­nie­der­la­ge von Lulas Sozia­li­sten abzeichnete.

Msgr. Hum­mes mit Sozia­li­sten­füh­rer Lula da Sil­va (rechts) bei Streiks 1979: der Traum von der Ver­ein­bar­keit von Sozia­lis­mus und Christentum

Nach der uner­war­te­ten Nie­der­la­ge in der Zöli­bats­fra­ge war es ruhi­ger gewor­den um Kar­di­nal Hum­mes, zumin­dest auf inter­na­tio­na­ler Ebe­ne. In Bra­si­li­en arbei­te­te er bis zuletzt am Pro­jekt einer „Kir­che mit ama­zo­ni­schen Wur­zeln“. Das nach­syn­oda­le Schrei­ben Que­ri­da Ama­zo­nia brach­te zwar nicht die von ihm und im Westen erhoff­te Zöli­bats­be­sei­ti­gung, aber den­noch ein ber­go­glia­ni­sches Instru­ment, das unter den „rich­ti­gen“ Vor­aus­set­zun­gen und der nöti­gen Rück­deckung viel Spiel­raum bie­tet – auch in der Zukunft. So unter­stütz­te Hum­mes zuletzt noch eif­rig die Errich­tung der Con­fe­ren­cia Ecle­si­al de la Ama­zo­nia als kirch­li­cher Par­al­lel­struk­tur. Katho​li​sches​.info schrieb am 10. Juli 2020 über die „Revo­lu­ti­on durch die Hin­ter­tür“:

„Die Schaf­fung völ­lig neu­er Insti­tu­tio­nen öff­net den Weg, mög­lichst ‚hin­der­li­che‘ Rück­sicht­nah­men abzu­strei­fen und die ange­peil­ten Zie­le kon­se­quen­ter und direk­ter anstre­ben zu kön­nen. (…) Mit der neu­en Ein­rich­tung wird naht­los an die revo­lu­tio­nä­re Agen­da ange­knüpft, die man­che bereits ad acta gelegt sahen, jeden­falls sehen woll­ten. Die neue Insti­tu­ti­on habe den Auf­trag, dem Vati­kan „ein wich­ti­ges Papier“ vor­zu­le­gen zur Fra­ge, wie in den ‚prie­ster­lo­sen Gegen­den ver­hei­ra­te­te Män­ner geweiht‘ wer­den könn­ten.
Seit­her steht fest, daß die Ziel­set­zun­gen unver­än­dert sind und wei­ter­hin lau­ten: Schaf­fung eines neu­en Ama­zo­nas­ri­tus, Zöli­bats­auf­he­bung, Zulas­sung ver­hei­ra­te­ter Män­ner zum Prie­ster­tum, Zulas­sung von Frau­en zum Wei­he­sa­kra­ment, als Dia­ko­nin­nen – vor­erst –, und ande­re pro­gres­si­ve Alt­la­sten mehr.“

Vor­sit­zen­der der neu­en Par­al­lel­struk­tur wur­de Kar­di­nal Hummes.

Hum­mes unter­stütz­te noch im Som­mer 2020 den bei­spiel­lo­sen Angriff von 152 bra­si­lia­ni­schen Bischö­fen auf Staats­prä­si­dent Jair Bol­so­na­ro. Die „Kir­che mit ama­zo­ni­schem Ant­litz“ ist San­ta Mar­ta zu wich­tig, als daß eine sol­che Fron­tal­at­tacke gegen eine freund­lich gesinn­te, demo­kra­tisch gewähl­te legi­ti­me Regie­rung von Tei­len des Epi­sko­pats im Allein­gang erfol­gen hät­te kön­nen. Dafür bürg­te Kar­di­nal Hum­mes, der per­sön­li­che Freund von Franziskus.

Möge Gott sei­ner See­le gnä­dig sein.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: MiL/arquisp.org.br/VaticanNews/Youtube/Wikicommons (Screen­shots)

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1 Kommentar

  1. So jeman­dem wei­ne zumin­dest ich kei­ne Trä­nen nach – möge sei­ne See­le sich jetzt vor dem Herrn verantworten.

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