Päpstliches Fronleichnamsfest offiziell abgesagt

Wie steht es um das Eucharistieverständnis von Papst Franziskus?

Das Fronleichnamsfest, wie es Rom durch die Jahrhunderte gekannt hatte. 2017 fand sie zum letzten Mal statt. Seither gibt es jedes Jahr einen Vorwand, das Fest zu tilgen.
Das Fronleichnamsfest, wie es Rom durch die Jahrhunderte gekannt hatte. 2017 fand es zum letzten Mal statt. Seither gibt es jedes Jahr einen Vorwand, das Fest zu tilgen.

(Rom) Das Fron­leich­nams­fest fehlt die­ses Jahr im Kalen­der der lit­ur­gi­schen Fei­ern des Pap­stes, wor­auf bereits hin­ge­wie­sen wur­de. Wer gehofft hat­te, Fran­zis­kus wür­de doch noch irgend­wo, viel­leicht zumin­dest an einem „sozia­len Brenn­punkt“, das Fron­leich­nams­fest zele­brie­ren, weiß es nun bes­ser. Heu­te gab der Hei­li­ge Stuhl bekannt, daß Fran­zis­kus dem öffent­li­chen Fron­leich­nams­fest nicht bei­woh­nen wird und die tra­di­tio­nel­le äuße­re Fei­er des Fron­leich­nams­fe­stes in Rom ganz entfällt.

Im Pon­ti­fi­kat von Fran­zis­kus wur­de der Grün­don­ners­tag syste­ma­tisch unsicht­bar gemacht und Fron­leich­nam schritt­wei­se abge­schwächt. Die­ser Trend wird 2022 fortgesetzt.

In einer Mit­tei­lung an die Jour­na­li­sten gab das vati­ka­ni­sche Pres­se­amt heu­te bekannt, daß Fran­zis­kus das bevor­ste­hen­de Fron­leich­nams­fest weder am Don­ners­tag, dem lit­ur­gi­schen Datum, noch am Sonn­tag, dem ita­lie­ni­schen Aus­weich­ter­min, zele­brie­ren oder ihm bei­woh­nen wird.

Die knap­pe Mit­tei­lung von Vati­kan­spre­cher Matteo Bruni lautet:

„Auf­grund der Ein­schrän­kun­gen, die dem Papst durch die Gon­al­gie auf­er­legt sind, und wegen der beson­de­ren lit­ur­gi­schen Erfor­der­nis­se der Fei­er wer­den die Hei­li­ge Mes­se und die Pro­zes­si­on mit dem Eucha­ri­sti­schen Segen anläß­lich des Fron­leich­nams­fe­stes nicht zelebriert.“

Wegen der Knie­be­schwer­den des Pap­stes ent­fal­len die Hei­li­ge Mes­se und auch die römi­sche Fron­leich­nams­pro­zes­si­on, die Mut­ter aller Pro­zes­sio­nen an die­sem Fest­tag. Die Inten­ti­on des Hoch­fe­stes, die blei­ben­de Gegen­wart Jesu Chri­sti im Sakra­ment der Eucha­ri­stie öffent­lich zu fei­ern, wird beseitigt.

Das Fest ent­stand am Ende des Hoch­mit­tel­al­ters gegen Zwei­fel an der Real­prä­senz. Anlaß zu sei­ner Ein­füh­rung war das eucha­ri­sti­sche Wun­der von Bol­se­na. Seit der Refor­ma­ti­on nahm die Bedeu­tung die­ser Solem­ni­tas wegen der mas­si­ven Angrif­fe gegen das kirch­li­che Eucha­ri­stie­ver­ständ­nis immer mehr zu.

Unter Fran­zis­kus wird das Fest des aller­hei­lig­sten Lei­bes und Blu­tes Chri­sti, so sein offi­zi­el­ler Name, vom Papst selbst sei­ner Bedeu­tung ent­klei­det und zurück­ge­drängt. 2017 fand die letz­te tra­di­tio­nel­le römi­sche Fron­leich­nams­pro­zes­si­on statt, wie sie die Päp­ste durch die Jahr­hun­der­te ange­führt hatten. 

2018 und 2019 ent­zog sich Fran­zis­kus ihr, indem er sich in römi­sche Pro­blem­vier­tel begab. Da das römi­sche Fest mit dem Papst ver­bun­den ist, ver­la­ger­te sich auch die Zele­bra­ti­on irgend­wo an die Peripherie. 

2020 und 2021 wur­de dann die Zele­bra­ti­on wegen der angeb­li­chen Coro­na-Pan­de­mie ganz gestri­chen. 2022 sind es nun die Knie­be­schwer­den des Pap­stes, die für die fort­ge­setz­te Til­gung her­an­ge­zo­gen werden.

Fakt ist, daß das Hoch­fest unter Fran­zis­kus nie in sei­ner tra­di­tio­nel­len Form zele­briert wur­de. Bereits 2013 setz­te Fran­zis­kus dazu an, schritt­wei­se das Fest zu demon­tie­ren, indem er sich ihm zu ent­zie­hen begann.

Die beiden eucharistischen Hochfeste werden von Papst Franziskus demontiert

Seit 2014 nimmt der Papst nicht mehr an der Pro­zes­si­on teil, die von der Late­ran­ba­si­li­ka, der römi­sche Bischofs­kir­che, zur Mari­en­ba­si­li­ka San­ta Maria Mag­gio­re führ­te. Seit 2018 ist auch die Zele­bra­ti­on der Hei­li­gen Mes­se aus der Late­ran­ba­si­li­ka ver­schwun­den, eben­so der Eucha­ri­sti­sche Segen des Pap­stes in San­ta Maria Mag­gio­re. Gab es 2018 und 2019 zumin­dest noch einen ver­steck­ten Ersatz, ist seit­her das Hoch­fest eli­mi­niert wor­den. Die Chro­no­lo­gie läßt erken­nen, daß dahin­ter ein bewuß­ter Antrieb steht. 

Selbst bei Wiki­pe­dia ist zu lesen:

„Der Fest­ter­min und das Anlie­gen des Fron­leich­nams­tags, eines Ideen­fe­stes, ste­hen in enger Ver­bin­dung zum Grün­don­ners­tag und der damit ver­bun­de­nen Ein­set­zung der Eucha­ri­stie durch Jesus Chri­stus selbst beim letz­ten Abend­mahl. Wegen des stil­len Cha­rak­ters der Kar­wo­che erlaubt der Grün­don­ners­tag kei­ne prunk­vol­le Ent­fal­tung der Fest­lich­keit. Aus die­sem Grund wur­de das Fest Fron­leich­nam bei sei­ner Ein­füh­rung auf den ersten Don­ners­tag nach der Oktav des Pfingst­fe­stes gelegt.“

Es liegt dem­nach kein Zufall vor, wenn unter Fran­zis­kus der Papst als ober­ster Lit­urg sich der öffent­li­chen Zele­bra­ti­on von Grün­don­ners­tag und Fron­leich­nam ent­zieht. Die Ver­dun­ke­lung die­ser bei­den Feste steht in einem kau­sa­len Zusam­men­hang und ist offen­sicht­lich gewollt.

Vati­can­News, das Nach­rich­ten­por­tal des Hei­li­gen Stuhls, behilft sich durch eine Zusam­men­stel­lung von Zita­ten von Fran­zis­kus, mit denen er zur Eucha­ri­stie Stel­lung nahm. Die Aus­til­gung des Fron­leich­nams­fe­stes scheint auch die Jour­na­li­sten des Pap­stes ver­le­gen zu machen. Sie ver­wei­sen daher dar­auf, daß Fron­leich­nam am Don­ners­tag, dem lit­ur­gi­schen Fest­tag, im Peters­dom von Kar­di­nal Mau­ro Gam­bet­ti, dem Erz­prie­ster des Peters­do­mes und Kar­di­nal­vi­kar für die Vati­kan­stadt, zele­briert wer­den wird. Mit dem tra­di­tio­nel­len päpst­li­chen Fron­leich­nams­fest hat das aller­dings kaum mehr als soviel zu tun wie jede Zele­bra­ti­on die­ses Festes in irgend­ei­ner Pfarrei. 

Johan­nes Paul II. führ­te bis zu sei­nem Lebens­en­de die Fron­leich­nams­pro­zes­si­on an

Papst Johan­nes Paul II. führ­te bis zuletzt die Fron­leich­nams­pro­zes­si­on in Rom an. Um vor dem Aller­hei­lig­sten anbe­tend zu knien, fand er, trotz aller Beschwer­den und Ein­schrän­kun­gen, bis kurz vor sei­nem Tod die Kraft. Fran­zis­kus lei­det an Knie­be­schwer­den, wes­halb er bei der Wand­lung und auch sonst kei­ne Knie­beu­gen macht und kaum ein­mal knien­de eucha­ri­sti­sche Anbe­tung hält. In Rom wird in die­sem Zusam­men­hang aber noch eine ande­re Erklä­rung her­um­ge­reicht. Sie lau­tet schlicht und erschüt­ternd: „Er will nicht“. Johan­nes Paul II. woll­te, daher konn­te er auch. Von Fran­zis­kus soll ein Anlaß bekannt sein, in mehr als neun Jah­ren des Pon­ti­fi­kats, bei dem er vor dem Aller­hei­lig­sten knie­te. Wir schrei­ben soll, da es nicht mög­lich war, einen Beleg dafür zu fin­den. Es gibt Bil­der, die doku­men­tie­ren, daß Fran­zis­kus knie­te: zur Kreuz­ver­eh­rung, im Gebet vor einer Mari­en­iko­ne, gemein­sam mit Bene­dikt XVI., zur Beich­te, vor afri­ka­ni­schen Poli­ti­kern, vor Migran­ten und Mus­li­men, um ihnen die Füße zu waschen, doch nie vor dem Allerheiligsten. 

Als Mini­mal­va­ri­an­te kann noch damit gerech­net wer­den, daß Fran­zis­kus am kom­men­den Sonn­tag beim Ange­lus auf dem Peters­platz von der Gegen­wart Chri­sti in der Eucha­ri­stie spre­chen wird, „um dann sofort von Chri­sti Gegen­wart an ande­rer Stel­le zu spre­chen, wie es sei­ne Gewohn­heit ist“, so der Blog­ger von Secretum meum mihi.

Tat­sa­che ist, daß das Fron­leich­nams­fest zwar in den Pfar­rei­en gefei­ert wird, im deut­schen Sprach­raum mit immer weni­ger Pro­zes­sio­nen, aber die päpst­li­che Zele­bra­ti­on abhan­den kommt, mit der das Fest seit sei­ner Ein­füh­rung ver­bun­den war. Wie lan­ge das ver­träg­lich ist und fol­gen­los bleibt, läßt sich nicht absehen.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: MiL

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2 Kommentare

  1. Fra­ge an alle:
    Wie hat er es denn als Erz­bi­schof von Bue­nos Aires mit Grün­don­ners­tag und Fron­leich­nam gehalten?

  2. Glau­be, Ehr­furcht und Anbe­tung unse­rer Vor­fah­ren bau­ten wun­der­schö­ne Kathe­dra­len, wun­der­schö­ne Kir­chen. Jeder war erfüllt vom Wunsch zum Hoch­fest des Lei­bes und Blu­tes unse­res Herrn Jesus Chri­stus, dass Chri­stus selbst in einer wun­der­schö­nen Mon­stranz durch die Stra­ßen getra­gen wird, wir Ihm unse­re Füße geben, damit Er seg­ne die Stra­ßen und Orte und deren Bewohner.
    Glau­be, Ehr­furcht und Anbe­tung beweg­ten unse­re Vor­fah­ren beim Vor­über­gang des Herrn in der Hand eines Prie­sters anbe­tend auf die Knie zu gehen.
    Damals wur­de die Kir­che von Hir­ten geführt, die als Nach­fol­ger der Apo­stel, die von den Apo­steln auf­ge­bau­te katho­li­sche Kir­che in der leben­di­gen Tra­di­ti­on und der Wahr­heit bewahrten.

    Heu­te sind die ein­zel­nen Gläu­bi­gen, die Klei­nen, die Gott beson­ders am Her­zen lie­gen, weil sie mit dem Her­zen glau­ben und lie­ben auf­ge­ru­fen, die Kir­che zu füh­ren, so wie ein jetzt alter mir unbe­kann­ter Mann, der Andachts­bild­chen mit einem Gebet auf der Rück­sei­te drucken lässt und sie dort ganz unauf­fäl­lig ver­teilt, wo ihn sein Glau­be hin­führt, in die Stra­ßen um die Ver­an­stal­tun­gen von Freu­de am Glau­ben, in die Fron­leich­nams­pro­zes­si­on in Ber­lin und über­all dort, wo ich ihm nicht begeg­net bin. Oder eine pol­ni­sche Ärz­tin, die in ihrer Pra­xis in einem klei­nen pol­ni­schen Kur­ort, Sta­pel­chen von Andachts­bild­chen zum barm­her­zi­gen Jesus in ver­schie­de­nen Spra­chen auf ihren Schreib­tisch bereit lie­gen hat, um jeden Pati­en­ten, den Gott zu ihr führt, der kör­per­li­ches Heil sucht, auch den Weg zum see­li­schen Heil zu zei­gen und die Aus­län­der fragt aus wel­chem Land sie kom­men, und ihnen dann eine nicht klei­ne Men­ge von Andachts­bild­chen in sei­ner Spra­che mit­gibt, mit der Bit­te, sie in der Hei­mat­pfar­rei aus­zu­le­gen. Die­se Klei­nen sind es, von denen wir spre­chen, wenn wir beten „schau auf den Glau­ben Dei­ner Kirche“.
    Bemü­hen wir uns, auch unse­re Auf­ga­be als Klei­ner zu erken­nen und so Jesus in die heu­ti­ge Welt zu tragen.

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