Das Video vom Papst: „Erneuerung“ durch den Heiligen Geist – ohne Tradition?

Bekehrung von Strukturen?

Das Video vom Papst für den Monat August 2021: Beten für die Erneuerung der Kirche durch die Gnade und Kraft vom Heiligen Geist – aber ohne Tradition.
Das Video vom Papst für den Monat August 2021: Beten für die Erneuerung der Kirche durch die Gnade und Kraft vom Heiligen Geist – aber ohne Tradition.

(Rom) Heu­te nimmt Papst Fran­zis­kus die Gene­ral­au­di­en­zen wie­der auf. Unter­des­sen wur­de auch „Das Video vom Papst“ für den Monat August ver­öf­fent­licht. Es steht unter dem Mot­to „Die Kir­che auf dem Weg“. Das damit ver­bun­de­ne Gebets­an­lie­gen lautet:

„Beten wir für die Kir­che. Sie möge vom Hei­li­gen Geist die Gna­de und Kraft erlan­gen, sich selbst im Licht des Evan­ge­li­ums zu erneuern.“

Wie sich Fran­zis­kus die Erneue­rung der Kir­che „im Licht des Evan­ge­li­ums“ und durch „die Gna­de und Kraft vom Hei­li­gen Geist“ vor­stellt, bzw. wie nicht, mach­te er am 16. Juli mit dem Motu pro­prio Tra­di­tio­nis custo­des deut­lich. Die Tra­di­ti­on der Kir­che und der über­lie­fer­te Ritus sind für ihn kein Aus­druck von „Gna­de und Kraft vom Hei­li­gen Geist“ und kön­nen daher auch kei­nen Bei­trag zur Erneue­rung der Kir­che leisten?

In der Video­bot­schaft stößt er in eine ande­re Rich­tung vor, die er in der Ver­gan­gen­heit bereits viel­fach geäu­ßert hatte:

„Die eigent­li­che Beru­fung der Kir­che ist es, zu evan­ge­li­sie­ren, was nicht das­sel­be ist wie Pro­se­ly­tis­mus. Nein. Die Beru­fung ist zu evan­ge­li­sie­ren, ja, die Iden­ti­tät der Kir­che ist Evangelisieren.

Wir kön­nen die Kir­che nur erneu­ern, wenn wir Got­tes Wil­len in unse­rem täg­li­chen Leben erken­nen und wenn wir uns vom Hei­li­gen Geist ver­wan­deln las­sen. Unse­re eige­ne Reform als Per­so­nen, das ist der Wan­del. Las­sen wir zu, dass der Hei­li­ge Geist, das Geschenk Got­tes in unse­ren Her­zen, uns an das erin­nert, was Jesus gelehrt hat, und dass er uns hilft, es in die Pra­xis umzusetzen.

Begin­nen wir die Reform der Kir­che mit einer Reform von uns selbst. Ohne vor­ge­fer­tig­te Ideen, ohne ideo­lo­gi­sche Vor­ur­tei­le, ohne Starr­heit, son­dern aus­ge­hend von einer spi­ri­tu­el­len Erfah­rung, einer Erfah­rung des Gebets, einer Erfah­rung der Näch­sten­lie­be, einer Erfah­rung des Dienens.

Ich träu­me von einer noch mis­sio­na­ri­schen Ent­schei­dung, wo man hin­aus­geht, um dem ande­ren zu begeg­nen, ohne Pro­se­ly­tis­mus, und wo die Struk­tu­ren mit dem Ziel der Evan­ge­li­sie­rung der heu­ti­gen Welt umge­stal­tet werden.

Den­ken wir dar­an, dass die Kir­che immer Schwie­rig­kei­ten hat, immer in der Kri­se ist, weil sie leben­dig ist. Lebe­we­sen gera­ten in eine Kri­se. Nur die Toten ken­nen kei­ne Krise.

Beten wir für die Kir­che. Sie möge vom Hei­li­gen Geist die Gna­de und Kraft erlan­gen, sich selbst im Licht des Evan­ge­li­ums zu erneuern.“

Die Video­bot­schaft kann anhand des Motu pro­prio Tra­di­tio­nis custo­des über­prüft wer­den. Das ergibt sich bereits aus der zeit­li­chen Nähe, denn das August-Video ist das erste seit dem radi­ka­len Schlag gegen den über­lie­fer­ten Ritus und die damit ver­bun­de­nen Gemein­schaf­ten. Das Wir­ken der Gna­de und des Hei­li­gen Gei­stes, das in den Früch­ten erkenn­bar ist, wird von Fran­zis­kus im Zusam­men­hang mit der Tra­di­ti­on, den Eccle­sia-Dei-Gemein­schaf­ten und den tra­di­ti­ons­ver­bun­de­nen Gläu­bi­gen weder erkannt noch anerkannt.

Viel­mehr könn­ten meh­re­re Schlag­wör­ter aus der Video­bot­schaft als erneu­te Ankla­ge gegen die­se gele­sen wer­den. Sie müs­sen nicht gegen die Tra­di­ti­on gerich­tet sein, sind es aber sehr wahr­schein­lich, denn gegen kei­ne ande­re Sei­te in oder außer­halb der Kir­che rich­te­te Fran­zis­kus bis­her mit ver­gleich­ba­rer Här­te und Insi­stenz den Vor­wurf der „Starr­heit“, „vor­ge­fer­tig­ter Ideen“ und „ideo­lo­gi­scher Vorurteile“.

„Mis­si­on“ und „Pro­se­ly­tis­mus“ wer­den von ihm, seit 2013 wie­der­holt, als eine Form von Syn­ony­men ver­wen­det, die mehr oder weni­ger deut­lich aus­ge­spro­chen einen fak­ti­schen Ver­zicht auf Mis­si­on mei­nen (sie­he Der Papst und die Pro­se­ly­ten – Ver­ord­net Fran­zis­kus den katho­li­schen Mis­sio­nen „Silence“?). Die Auf­for­de­rung, sich zu Chri­stus zu bekeh­ren und tau­fen zu las­sen, mei­det Fran­zis­kus eben­so wie die Ein­la­dung an getauf­te Chri­sten, zur Ein­heit der einen hei­li­gen, katho­li­schen und apo­sto­li­schen Kir­che zu konvertieren.

Fran­zis­kus „träumt“ von einer „mis­sio­na­ri­schen Ent­schei­dung“, die aber, so scheint es, weder mis­sio­nie­ren will noch soll („ohne Pro­se­ly­tis­mus“), son­dern eine Umge­stal­tung von „Struk­tu­ren“ meint, die er eine „Evan­ge­li­sie­rung der heu­ti­gen Welt“ nennt. Bekeh­rung erfolgt jedoch in Per­so­nen, nicht in „Struk­tu­ren“. Nicht „Struk­tu­ren“ bekeh­ren sich, son­dern Menschen. 

Das mar­xi­sti­sche Den­ken ist struk­tur­ver­haf­tet und über­zeugt, die Pro­ble­me die­ser Welt lie­ßen sich durch Struk­tur­re­for­men besei­ti­gen. Die Kir­che weiß es bes­ser, denn sie weiß mehr über die Natur des Men­schen als die Mar­xi­sten und ande­re Mate­ria­li­sten. Oder muß man inzwi­schen sagen: Die Kir­che soll­te es jeden­falls bes­ser wissen?

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: thepopevideo.org (Screen­shot)

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