Nancy Pelosi: „Bin zufrieden mit dem Brief des Vatikans“

Kapituliert der Vatikan in der Abtreibungsfrage?

Nancy Pelosi bei der Pressekonferenz am 13. Mai 2021: "Kann mir selbst mein Urteil bilden".
Nancy Pelosi bei der Pressekonferenz am 13. Mai 2021: "Kann mir selbst mein Urteil bilden".

(New York) Die Katho­li­kin Nan­cy Pelo­si ist neben US-Prä­si­dent Joe Biden die wich­tig­ste Ver­tre­te­rin der Demo­kra­ti­schen Par­tei, die sich im Fokus eines mög­li­chen Kom­mu­ni­on­ver­bots für Abtrei­bungs­po­li­ti­ker durch die katho­li­sche Kir­che in den USA befin­det. Sie selbst sieht das aller­dings anders, wie sie am Don­ners­tag erklärte.

Pelo­si, poli­tisch links­li­be­ral posi­tio­niert, ent­stammt einer Poli­ti­ker­fa­mi­lie, wie sie in den USA nicht sel­ten sind. Ihr Vater war ab 1926 Demo­crats-Abge­ord­ne­ter des Par­la­ments von Mary­land, ab 1935 Mit­glied des Stadt­rats von Bal­ti­more, ab 1938 Abge­ord­ne­ter für Mary­land im Par­la­ment der USA und von 1947 bis 1959 Bür­ger­mei­ster von Bal­ti­more. Von 1944 bis 1968 war er zudem Dele­gier­ter Mary­lands bei den Nomi­nie­rungs­par­tei­ta­gen der Demo­kra­ti­schen Par­tei und hat­te damit noch mehr Ein­fluß auf die Bun­des­po­li­tik. Ihr Bru­der gehör­te ab 1963 dem Stadt­rat von Bal­ti­more an und war von 1967 bis 1971 Bür­ger­mei­ster der Stadt.

Pelo­si selbst, die Ende März 81 Jah­re alt wur­de, begann ihre Lauf­bahn, auch das durch­aus typisch für die USA, als Sekre­tä­rin eines Sena­tors der Demo­crats. 1981 wur­de sie Vor­sit­zen­de der Demo­kra­ti­schen Par­tei von Kali­for­ni­en. 1984 orga­ni­sier­te sie den Nomi­nie­rungs­par­tei­tag ihrer Par­tei für die Prä­si­dent­schafts­wahl. Seit 1987 ist sie Abge­ord­ne­te für Kali­for­ni­en im Par­la­ment der USA. 2002 wur­de sie Frak­ti­ons­vor­sit­zen­de der Demo­crats im US-Reprä­sen­tan­ten­haus. Von 2007 bis 2011 und seit 2019 ist sie Vor­sit­zen­de der ersten Kam­mer des US-Parlaments. 

Der in den 70er Jah­ren erfolg­te Links­ruck der Demo­kra­ti­schen Par­tei läßt sich an Pelo­si nach­zeich­nen. Nach­dem sie bereits fast 20 Jah­re dem Reprä­sen­tan­ten­haus der USA ange­hört hat­te, trat sie 2003 dem Con­gres­sio­nal Pro­gres­si­ve Cau­cus bei, in dem der lin­ke Flü­gel der Demo­crats-Abge­ord­ne­ten orga­ni­siert ist. Ihr Bei­tritt erfolg­te, als sie Mehr­heits­füh­re­rin und damit Vor­sit­zen­de des Reprä­sen­tan­ten­hau­ses wur­de, da dem lin­ken Flü­gel das ent­schei­den­de Gewicht zukommt.

Pelo­si ist ent­spre­chend akti­ve Abtrei­bungs­lob­by­istin, die sich in ihrer par­la­men­ta­ri­schen Lauf­bahn jeder Maß­nah­me zur För­de­rung des Lebens­rechts unge­bo­re­ner Kin­der durch Ein­däm­mung der Abtrei­bung wider­setz­te, so 2003 auch dem Par­ti­al-Birth Abor­ti­on Ban Act. Die Leh­re der katho­li­schen Kir­che spiel­te für sie in ihren poli­ti­schen Ent­schei­dung zu die­sem The­ma eben­so­we­nig eine Rol­le wie zu ande­ren Fra­gen, wes­halb sie auch die Homo­se­xua­li­sie­rung der Gesell­schaft fördert.

Pelosi bestätigt Bestrebungen der US-Bischofskonferenz

Am Don­ners­tag bestä­tig­te sie auf der wöchent­li­chen Pres­se­kon­fe­renz der Vor­sit­zen­den des Reprä­sen­tan­ten­hau­ses Bestre­bun­gen von US-Bischö­fen, sie vom Kom­mu­nion­emp­fang aus­zu­schlie­ßen, wenn sie die Mes­se besucht. Sie selbst glaubt aller­dings, wie sie hin­zu­füg­te, daß es an ihr lie­ge, dar­über zu ent­schei­den. Es ste­he ihr frei, so Pelo­si, ihr eige­nes Urteil dar­über zu fäl­len, ob sie zur Kom­mu­ni­on gehe oder nicht.

Dann füg­te sie hin­zu, „zufrie­den“ zu sein mit einem kürz­lich bekannt­ge­mach­ten Brief zum The­ma katho­li­sche Abtrei­bungs­po­li­ti­ker und Kom­mu­ni­on, den der Vati­kan an die ame­ri­ka­ni­schen Bischö­fe sandte.

Gemeint ist damit das Schrei­ben von Glau­bens­prä­fekt Kar­di­nal Luis Ladar­ia SJ vom 7. Mai, das am 11. Mai ver­öf­fent­licht wur­de. Mit die­ser Inter­ven­ti­on signa­li­sier­te Rom den US-Bischö­fen, daß ein US-weit ein­heit­li­ches Kom­mu­ni­on­ver­bot für Joe Biden, Nan­cy Pelo­si und ande­re Abtrei­bungs­po­li­ti­ker von San­ta Mar­ta nicht gewünscht ist. Ein sol­ches Ver­bot strebt die Füh­rung der Bischofs­kon­fe­renz bei ihrer am 13. Juni begin­nen­den Früh­jahrs­voll­ver­samm­lung an. Hin­ter den Kulis­sen gibt es Akti­vi­tä­ten, eine sol­che Ent­schei­dung, die welt­wei­te Signal­wir­kung hät­te, zu verhindern. 

Mit dem Schrei­ben unter­stützt Kar­di­nal Ladar­ia im Auf­trag von Papst Fran­zis­kus die ber­go­glia­ni­sche Min­der­heit im US-Epi­sko­pat, die über gute Kon­tak­te zur Demo­kra­ti­schen Par­tei ver­fügt. Der Prä­fekt der Glau­bens­kon­gre­ga­ti­on über­mit­tel­te der Bischofs­kon­fe­renz eine lan­ge Liste von Emp­feh­lun­gen, die abzu­ar­bei­ten soviel Zeit in Anspruch neh­men wür­de, daß die Fra­ge auf den Sankt-Nim­mer­leins-Tag ver­scho­ben wäre. Nan­cy Pelo­si (81) und Joe Biden, der im Novem­ber bereits 79 wird, hät­ten jeden­falls nichts mehr zu befürch­ten. Ent­spre­chend selbst­be­wußt reagier­te Pelo­si am 13. Mai auf die Journalistenfrage:

„Ich den­ke, ich kann mir mein eige­nes Urteil dar­über bil­den. Aber ich bin zufrie­den mit dem, was der Vati­kan zu die­sem The­ma ver­öf­fent­licht hat. Haben Sie das gelesen?“

Die Nach­fra­ge, ob die Kom­mu­ni­ons­pen­dung von den ein­zel­nen Prie­stern abhän­gen wer­de, ver­nein­te Pelo­si. Das vati­ka­ni­sche Schrei­ben, so die Vor­sit­zen­de des US-Reprä­sen­tan­ten­hau­ses, über­las­se es nicht den ein­zel­nen Prie­stern, dar­über zu ent­schei­den, son­dern for­de­re die Bischö­fe auf, daß sie in die­ser Fra­ge nicht „spal­ten“ sollten.

Neben Biden und Pelo­si gibt es eine Rei­he wei­te­rer pro­mi­nen­ter katho­li­scher Poli­ti­ker in den Rei­hen der Demo­kra­ti­schen Par­tei, die öffent­lich die Tötung unge­bo­re­ner Kin­der unter­stüt­zen. Dazu gehö­ren der neue US-Gesund­heits­mi­ni­ster Xavier Becer­ra, der frü­he­re demo­kra­ti­sche Prä­si­dent­schafts­kan­di­dat John Ker­ry, der nun Son­der­be­auf­trag­ter von US-Prä­si­dent Biden für das Kli­ma ist, aber auch ein­fluß­rei­che Sena­to­ren wie Dick Dur­bin von Illi­nois und Tim Kai­ne von Virginia.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: You­tube (Screen­shot)

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1 Kommentar

  1. War­um soll­te der Vati­kan „kapi­tu­lie­ren“? Als der Staat sei­ner­zeit das Lebens­recht der Unge­bo­re­nen preis­gab, habe ich mei­ne Ent­las­sung aus dem Beam­ten­ver­hält­nis bean­tragt. Man muss nicht alles mit­ma­chen. Wenn nun auch die Kir­che noch den aller­grund­le­gend­sten Schutz des Mensch­li­chen preis­gibt, dann ver­lie­ße sie die Pfa­de des All­mäch­ti­gen, des Schöp­fers des Men­schen. Gott­va­ter, der sei­ne Geschöp­fe sicher liebt. Die Kir­che kann nur eine Kir­che sein, die Ihm in die­ser Lie­be folgt. Und selbst das sin­ken­de Schiff ver­lässt der Kapi­tän als letz­tes. Doch uns gilt die Ver­hei­ßung des Herrn an Noah, die ret­ten­de Arche. Das ist unser Regen­bo­gen des Neu­an­fangs, den der Herr geschenkt. Die Son­ne, die die Flut besiegt. Chri­stus, der den Tod über­wand. — Das Kyrie elei­son gilt ganz beson­ders denen, die noch im Mut­ter­leib unbe­ding­ten Schutz brau­chen. Ohne die­ses Erbar­men ist alles obso­let. Wer dem Gerin­gen Gewalt tut, der lästert des­sel­ben Schöp­fer. Die Kir­che aber preist den Herrn. Wen­de sie sich vol­ler Inbrunst an Maria, die gehor­sa­me Magd, die Schlan­gen­zer­tre­te­rin. Ihr Gehor­sam weist aus der Not. Der christ­li­che Vater hat den römi­schen Herrn abge­löst, der über Tod und Leben von Frau und Kin­dern befahl. Die­se Ablö­sung der Herr­schaft durch die Barm­her­zig­keit all­um­fas­send zu machen, das ist katho­lisch. Die Über­win­dung von Will­kür durch Lie­be ist kei­ne Klei­nig­keit. Sie ist so fun­da­men­tal wie das Leben selbst. Jetzt wo sie in der Welt ist, gibt es kein zurück. Chri­stus ist Sieger.

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