Die Millionen des emeritierten Erzbischofs

Gayfriendly Church

McCarrick und seine Protegés: (v. l.) Kardinal Joseph Tobin, Kardinal Wilton Gregory, Kardinal Donald Wuerl und ganz rechts Kardinal Blase Cupich.
McCarrick (nicht im Bild) und seine gayfriendly Protegés: (v. l.) Kardinal Joseph Tobin, Kardinal Wilton Gregory, Kardinal Donald Wuerl und ganz rechts Kardinal Blase Cupich.

(Rom) Papst Fran­zis­kus setz­te einen wei­te­ren Schritt zum homo­phi­len Umbau der Römi­schen Kurie. Das Kir­chen­ober­haupt ernann­te neue Mit­glie­der der Kon­gre­ga­ti­on für die Bischö­fe.

Es han­delt sich um Kar­di­nal Ser­gio da Rocha, Erz­bi­schof von Sao Sal­va­dor de Bahia in Bra­si­li­en, und um Joseph Wil­liam Tobin CSSR, Erz­bi­schof von Newark im Staat New Jer­sey (USA). Vor allem letz­te­re Ernen­nung sticht ins Auge. Kar­di­nal Joseph Tobin ist nicht mit Bischof Tho­mas J. Tobin von Pro­vi­dence im Staat Rho­de Island zu verwechseln.

Als Msgr. Tobin 2017 von Fran­zis­kus zum Erz­bi­schof von Newark ernannt wur­de, begei­ster­te sich die füh­ren­de lin­ke Tages­zei­tung Spa­ni­ens El Pais:

„Der Kar­di­nal, der die neue Zeit von Fran­zis­kus repräsentiert.“

Tobins Ernen­nung, so das kir­chen­feind­li­che Blatt, „ist eine Bot­schaft an die kon­ser­va­ti­ve Hier­ar­chie der Kir­che in den USA“.

Als „Bot­schaft“ ist auch sei­ne gest­ri­ge Beru­fung in die Bischofs­kon­gre­ga­ti­on zu ver­ste­hen. Fran­zis­kus will einen neu­en Typus von Bischö­fen (sie­he auch Bischö­fe gesucht – mit fol­gen­den Merk­ma­len). Gay­friend­ly zu sein gehört offen­bar zu den neu­en Auswahlkriterien.

Joseph Kar­di­nal Tobin wird vom ehe­ma­li­gen Apo­sto­li­schen Nun­ti­us in den USA, Erz­bi­schof Car­lo Maria Viganò, als Teil des homo­phi­len Netz­wer­kes um den ehe­ma­li­gen Kar­di­nal Theo­dor McCarrick genannt. McCarrick selbst war bis 2001 Erz­bi­schof von Newark.

Tobin fiel seit sei­ner Ernen­nung vor allem durch homo-freund­li­che Aus­sa­gen und Initia­ti­ven auf.

Als Teil des homo­phi­len McCarrick-Netz­werks nennt Erz­bi­schof Viganò auch den eme­ri­tier­ten Erz­bi­schof von Washing­ton, Donald Kar­di­nal Wuerl, und des­sen amtie­ren­den Nach­fol­ger, Wil­ton Kar­di­nal Gre­go­ry. McCarrick war bis 2006 Erz­bi­schof von Washington. 

Gre­go­rys Auf­stieg in den Epi­sko­pat erfolg­te auf Wunsch von Joseph Kar­di­nal Ber­nar­din, der von 1982–1996 Erz­bi­schof von Chi­ca­go war und Gre­go­ry 1983 zu sei­nem Weih­bi­schof ernen­nen ließ. Ber­nar­din war nicht nur der Anfüh­rer der pro­gres­si­ven Frak­ti­on in der Ame­ri­ka­ni­schen Bischofs­kon­fe­renz. Unter ihm wur­de das Ordi­na­ri­at des Erz­bis­tums Chi­ca­go zu einer „Hoch­burg homo­se­xu­el­ler Seil­schaf­ten“, wie Beob­ach­ter sagen.

Millionen für den emeritierten Erzbischof von Washington

Am 3. März ent­hüll­te die US-ame­ri­ka­ni­sche Sei­te The Pil­lar, daß Kar­di­nal Wuerl, der 2019, weni­ge Mona­te nach McCarricks Sturz, wegen Kri­tik an sei­nem Umgang mit Miß­brauchs­fäl­len zurück­tre­ten muß­te, vom Erz­bis­tum Washing­ton zwei Mil­lio­nen Dol­lar für sei­ne „fort­lau­fen­den Dien­ste“ erhält. Wor­in die­se Dien­ste bestehen oder ob und wel­che Auf­ga­ben Wuerl im Erz­bis­tum über­tra­gen wur­den, dar­über gab das Erz­bis­tum kei­ne Aus­kunft. Statt­des­sen wur­de an das Büro Wuerls wei­ter­ver­wie­sen, das gleich gar nicht auf die Anfra­gen reagierte.

Im Finanz­be­richt des Erz­bis­tums sind für das Geschäfts­jahr 2020 2.012.639 US-Dol­lar an Zuwen­dun­gen für Kar­di­nal Wuerl ver­zeich­net. Das ent­spricht einer Stei­ge­rung um 35 Pro­zent gegen­über dem Vor­jahr 2019, in dem Wuerl 1.488.059 Dol­lar erhal­ten hat­te. Im sel­ben Zeit­raum sind die Zuwen­dun­gen des Erz­bis­tums „für wohl­tä­ti­ge Zwecke“ um 30 Pro­zent zurückgegangen.

Im Novem­ber 2020 wur­de Kar­di­nal Wuerl 80 und ver­lor damit das Recht, an einem Kon­kla­ve teilzunehmen.

Die Ame­ri­ka­ni­sche Bischofs­kon­fe­renz emp­fiehlt den Diö­ze­sen, eme­ri­tier­ten Bischö­fen ein beschei­de­nes monat­li­ches Sti­pen­di­um zu gewäh­ren sowie Unter­kunft, die Nut­zung eines Autos und Sekre­ta­ri­ats­un­ter­stüt­zung. Im Erz­bis­tum Washing­ton sieht man das offen­sicht­lich anders. Die Höhe der gezahl­ten Zuwen­dun­gen haben bereits die Fra­ge auf­ge­wor­fen, ob es sich dabei um eine „Schwei­ge­geld“ han­delt. Soll Kar­di­nal Wuerl etwas „ver­ges­sen“?

Nach der Eme­ri­tie­rung McCarricks rich­te­te die­ser 2001 ein spe­zi­el­les Kon­to, The Archbishop’s Fund, ein, das offi­zi­ell ein Kon­to des Erz­bis­tums ist, über das jedoch McCarrick die Kon­trol­le behielt. Dar­auf sam­mel­te er Hun­dert­tau­sen­de von Dol­lar, die er von Orga­ni­sa­tio­nen, Ein­zel­per­so­nen und auch Stif­tun­gen erhielt, in deren Stif­tungs­rat er saß.

Mit dem Geld von die­sem Kon­to soll McCarrick hoch­ran­gi­gen Beam­ten des Vati­kans, aber auch „Freun­den“ in den USA, Geschen­ke gemacht und sich damit lästi­ge Fra­gen zu sei­ner Per­son, sei­nen sexu­el­len Vor­lie­ben und sexu­el­len Miß­brauchs­fäl­len vom Hals gehal­ten haben. Die­se Pra­xis der Kor­rup­ti­on und Ver­tu­schung hat­te bereits 2018 der frü­he­re Apo­sto­li­sche Nun­ti­us Car­lo Maria Viganò beklagt.

Theo­do­re McCarrick und Donald Wuerl (rechts), als bei­de noch Kar­di­nä­le waren.

Erst 2018, als sein homo­se­xu­el­les Dop­pel­le­ben ent­hüllt wur­de, was zur Aberken­nung der Kar­di­nal­s­wür­de führ­te, war McCarrick gezwun­gen, die Kon­trol­le über das Kon­to an das Erz­bis­tum, das von sei­nem Pro­te­gé und Freund Wuerl gelei­tet wur­de, zurückzugeben.

Wuerls Nach­fol­ger Wil­ton Gre­go­ry, den Fran­zis­kus im Okto­ber 2020 zum Kar­di­nal kre­ierte, hat­te bei sei­nem Amts­an­tritt 2019 gegen­über den Medi­en­ver­tre­tern Trans­pa­renz versprochen:

„Ich wer­de Ihnen immer die Wahr­heit sagen.“

Iin Wirk­lich­keit gibt es „trotz wie­der­hol­ter Medi­en­an­fra­gen“ von Gre­go­ry genau­so­we­nig Infor­ma­tio­nen zum McCarrick-Kon­to wie zuvor von Wuerl.

Kar­di­nal Wuerl behaup­te­te 2018, nichts von McCarricks Dop­pel­le­ben gewußt zu haben. Inzwi­schen ist bekannt, daß er spä­te­stens 2004 Kennt­nis davon hat­te und den dama­li­gen Apo­sto­li­schen Nun­ti­us davon in Kennt­nis setz­te. 2010 riet er zudem dem Vati­kan von offi­zi­el­len Glück­wün­schen zu McCarricks Geburts­tag ab, weil „die New York Times mög­li­cher­wei­se einen bereits vor­be­rei­te­ten, unan­ge­neh­men Arti­kel über das ‚mora­li­sche Leben‘ des Kar­di­nals veröffentlicht“.

Die New York Times ver­öf­fent­lich­te den bereits „vor­be­rei­te­ten“ Arti­kel aller­dings erst im Juli 2018. Die Grün­de für die­se lan­ge Ver­zö­ge­rung sind nicht bekannt. Eben­so­we­nig Licht in die Sache brach­te der Unter­su­chungs­be­richt des Vati­kans, der im Novem­ber 2020, 28 Mona­te nach den Ent­hül­lun­gen, vor­ge­legt wur­de. Er soll­te klä­ren, wie es McCarrick mög­lich war, eine so blen­den­de Kar­rie­re zu machen und sein homo­se­xu­el­les Dop­pel­le­ben jahr­zehn­te­lang geheim­zu­hal­ten. Der Unter­su­chungs­be­richt, der wegen der Anschul­di­gun­gen von Nun­ti­us Viganò in Auf­trag gege­ben wur­de, umfaßt zwar 450 Sei­ten, doch die­se Fra­gen beant­wor­tet er nicht. Laut Erz­bi­schof Viganò sei San­ta Mar­ta an einer Auf­klä­rung auch gar nie inter­es­siert gewe­sen, denn Papst Fran­zis­kus selbst hat­te McCarrick von Sank­tio­nen befreit, die Bene­dikt XVI. gegen den US-Kar­di­nal ver­hängt hat­te, und ihn zu sei­nem Bera­ter gemacht, vor allem bei Bischofs­er­nen­nun­gen in den USA.

Die­sem Kon­text füg­te Fran­zis­kus nun die Beru­fung von Kar­di­nal Tobin, einem McCarrick-Pro­te­gé, in die Bischofs­kon­gre­ga­ti­on hinzu.

Das Erz­bis­tum Washing­ton, das Anfra­gen nicht beant­wor­tet hat­te, reagier­te plötz­lich schnell, als The Pil­lar die Mil­lio­nen­zu­wen­dun­gen an Kar­di­nal Wuerl öffent­lich mach­te. In einer Pres­se­er­klä­rung teil­te das Bis­tum mit, daß es sich bei dem Geld um „Spen­den“ von Per­so­nen hand­le, die die Kosten und Bedürf­nis­se von Kar­di­nal Wuerls Akti­vi­tä­ten unter­stüt­zen wol­len, ein­schließ­lich der „Lebens­hal­tungs­ko­sten, der Aus­la­gen für frü­he­re Rom-Rei­sen und Wohl­tä­tig­keits­an­fra­gen“, die den Kar­di­nal erreichen.

Das Geld kom­me von Per­so­nen, „die nicht wol­len, daß das Erz­bis­tum die­se Kosten zu tra­gen hat“.

„Alle Aus­ga­ben von Kar­di­nal Gre­go­ry und Kar­di­nal Wuerl wer­den das gan­ze Jahr hin­durch von Mit­glie­dern der Finanz­kom­mis­si­on des Erz­bis­tums über­prüft. Alle Aus­ga­ben durch­lau­fen den nor­ma­len Haus­halt und die inter­nen Kon­troll­ver­fah­ren der Erz­diö­ze­se, die zudem jähr­lich einer exter­nen Wirt­schafts­prü­fung unter­zo­gen werden.“

Es erscheint zwei­fel­haft, daß Zuwen­dun­gen von Pri­va­ten an den eme­ri­tier­ten Erz­bi­schof dem Haus­halt des Erz­bis­tums ein­ge­fügt wer­den und der Finanz­kom­mis­si­on unterliegen.

Eben­so zwei­fel­haft dürf­te es sein, daß mit die­ser Pres­se­er­klä­rung des Erz­bis­tums die Ange­le­gen­heit erle­digt ist.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: MiL

Print Friendly, PDF & Email