Ermahnung der Gottesdienstkongregation: Lesungen nur aus dem Lektionar

Die Gottesdienstkongregation ermahnt in einem Zehn-Punkte-Katalog.
Die Gottesdienstkongregation ermahnt in einem Zehn-Punkte-Katalog.

(Rom) Am Sams­tag ver­öf­fent­lich­te das vati­ka­ni­sche Pres­se­amt die „Note zum Sonn­tag des Wor­tes Got­tes“ der römi­schen Kon­gre­ga­ti­on für den Got­tes­dienst und die Sakra­men­ten­ord­nung. Unter­zeich­net ist das Doku­ment von Kar­di­nal Robert Sarah und trägt das Datum des 17. Dezem­ber. Es ist eine Prä­zi­sie­rung zum Wort­got­tes­dienst im Neu­en Ritus. Dabei schärft die Kon­gre­ga­ti­on unter ande­rem ein, daß die Lesun­gen aus dem Lek­tio­nar vor­zu­tra­gen sind.

Note zum Sonntag des Wortes Gottes

Der Sonn­tag des Wor­tes Got­tes, des­sen Fei­er von Papst Fran­zis­kus jedes Jahr am drit­ten Sonn­tag im Jah­res­kreis[1] gewünscht wird, erin­nert alle, Seel­sor­ger und Gläu­bi­ge glei­cher­ma­ßen, an die Bedeu­tung und den Wert der Hei­li­gen Schrift für das christ­li­che Leben, sowie an die Bezie­hung zwi­schen dem Wort Got­tes und der Lit­ur­gie: „Als Chri­sten sind wir ein Volk, das in der Geschich­te unter­wegs ist, gestärkt durch die Gegen­wart des Herrn in unse­rer Mit­te, der zu uns spricht und uns nährt. Der der Bibel gewid­me­te Tag soll nicht ‚ein­mal im Jahr‘, son­dern ein­mal für das gan­ze Jahr statt­fin­den. Wir ver­spü­ren näm­lich die drin­gen­de Not­wen­dig­keit, uns mit der Hei­li­gen Schrift und dem Auf­er­stan­de­nen eng ver­traut zu machen, der nie auf­hört, das Wort und das Brot in der Gemein­schaft der Gläu­bi­gen zu bre­chen. Aus die­sem Grund müs­sen wir zu einer stän­di­gen Ver­traut­heit mit der Hei­li­gen Schrift gelan­gen, sonst bleibt das Herz kalt und die Augen ver­schlos­sen, da wir, wie wir nun ein­mal sind, von unzäh­li­gen For­men der Blind­heit betrof­fen sind.“[2]

Die­ser Sonn­tag ist daher eine gute Gele­gen­heit, eini­ge kirch­li­che Doku­men­te[3] und beson­ders die Prae­notan­da des Ordo Lec­tion­um Mis­sae neu zu lesen, die eine Syn­the­se der theo­lo­gi­schen, die Fei­er betref­fen­den und seel­sorg­li­chen Prin­zi­pi­en bezüg­lich der Ver­kün­di­gung des Wor­tes Got­tes in der Mes­se dar­stel­len, aber auch in jeder ande­ren lit­ur­gi­schen Fei­er (Sakra­men­te, Sakra­men­ta­li­en, Stun­den­ge­bet) gelten.

1.

Durch die bibli­schen Lesun­gen, die in der Lit­ur­gie ver­kün­det wer­den, spricht Gott zu sei­nem Volk und Chri­stus selbst ver­kün­det sein Evan­ge­li­um;[4] Chri­stus ist die Mit­te und die Fül­le der gan­zen Schrift, des Alten und Neu­en Testa­ments.[5] Das Hören des Evan­ge­li­ums, der Höhe­punkt des Wort­got­tes­dien­stes,[6] ist von einer beson­de­ren Ver­eh­rung geprägt, [7] die nicht nur durch Gesten und Akkla­ma­tio­nen, son­dern durch das Buch mit den Evan­ge­li­en selbst zum Aus­druck kommt.[8] Eine der ritu­el­len Gestal­tungs­for­men, die für die­sen Sonn­tag geeig­net sind, könn­te die Ein­zugs­pro­zes­si­on mit dem Evan­ge­li­ar[9] sein oder, falls die­se weg­fällt, sei­ne Platz­ie­rung auf dem Altar.[10]

2.

Die Ord­nung der bibli­schen Lesun­gen, die die Kir­che im Lek­tio­nar zusam­men­ge­stellt hat, eröff­net den Weg zur Erkennt­nis des gan­zen Wor­tes Got­tes.[11] Des­halb ist es not­wen­dig, die ange­ge­be­nen Lesun­gen zu berück­sich­ti­gen, ohne sie zu erset­zen oder zu strei­chen, und die für den lit­ur­gi­schen Gebrauch zuge­las­se­nen Ver­sio­nen der Bibel zu ver­wen­den.[12] Die Ver­kün­di­gung der Tex­te des Lek­tio­nars bil­det ein Band der Ein­heit unter allen Gläu­bi­gen, die sie hören. Ein Ver­ständ­nis der Struk­tur und des Sinns des Wort­got­tes­dien­stes hilft der Ver­samm­lung der Gläu­bi­gen, von Gott das Wort zu emp­fan­gen, das ret­tet.[13]

3.

Emp­foh­len wird das Sin­gen des Ant­wort­psalms als Ant­wort der beten­den Kir­che; [14] des­halb soll­te der Dienst des Psal­mi­sten (Kan­tors) in jeder Gemein­de ver­stärkt wer­den.[15]

4.

In der Homi­lie wer­den, dem Lauf des lit­ur­gi­schen Jah­res fol­gend und aus­ge­hend von den bibli­schen Lesun­gen, die Geheim­nis­se des Glau­bens und die Grund­sät­ze des christ­li­chen Lebens dar­ge­legt.[16] „Die Hir­ten haben in erster Linie die gro­ße Ver­ant­wor­tung, die Hei­li­ge Schrift zu erklä­ren und jedem zu ermög­li­chen, sie zu ver­ste­hen. Da sie das Buch des Vol­kes ist, müs­sen alle, die zum Dienst am Wort Got­tes beru­fen sind, die drin­gen­de Not­wen­dig­keit spü­ren, ihrer Gemein­schaft einen Zugang zur Hei­li­gen Schrift zu eröff­nen“.[17] Die Bischö­fe, Prie­ster und Dia­ko­ne müs­sen sich ver­pflich­tet füh­len, die­sen Dienst mit beson­de­rer Hin­ga­be aus­zu­üben und sich dabei der von der Kir­che ange­bo­te­nen Mit­tel bedie­nen.[18]

5.

Beson­de­re Bedeu­tung wird der Stil­le bei­gemes­sen, die, indem sie die Medi­ta­ti­on begün­stigt, es ermög­licht, dass das Wort Got­tes vom Zuhö­rer inner­lich ange­nom­men wird.[19]

6.

Die Kir­che hat immer ein beson­de­res Augen­merk auf die­je­ni­gen gelegt, die das Wort Got­tes in der Ver­samm­lung ver­kün­den: Prie­ster, Dia­ko­ne und Lek­to­ren. Die­ser Dienst erfor­dert eine beson­de­re inne­re und äuße­re Vor­be­rei­tung, Ver­traut­heit mit dem zu ver­kün­den­den Text und die not­wen­di­ge Übung in der Art und Wei­se der Ver­kün­di­gung, wobei jede Impro­vi­sa­ti­on zu ver­mei­den ist.[20] Es besteht die Mög­lich­keit, den Lesun­gen kur­ze und pas­sen­de Hin­wei­se vor­an­zu­stel­len.[21]

7.

Auf­grund der Bedeu­tung des Wor­tes Got­tes lädt uns die Kir­che ein, uns um den Ambo zu küm­mern, von dem aus es ver­kün­det wird;[22] er ist kein funk­tio­na­les Möbel­stück, son­dern der Ort, der der Wür­de des Wor­tes Got­tes ent­spricht, in Über­ein­stim­mung mit dem Altar: In der Tat spre­chen wir vom Tisch des Wor­tes Got­tes und des Lei­bes Chri­sti, in Bezug sowohl auf den Ambo als auch ins­be­son­de­re auf den Altar.[23] Der Ambo ist für die Lesun­gen, das Sin­gen des Ant­wort­psalms und des Oster­lobs reser­viert; die Homi­lie und die Inten­tio­nen des all­ge­mei­nen Gebets (Für­bit­ten) kön­nen von ihm aus vor­ge­tra­gen wer­den, wäh­rend es weni­ger ange­bracht ist, für Kom­men­ta­re, Ankün­di­gun­gen und die Lei­tung des Gesangs auf ihn zurück­zu­grei­fen.[24]

8.

Die Bücher, die die Abschnit­te der Hei­li­gen Schrift ent­hal­ten, erwecken in denen, die sie hören, eine Ver­eh­rung für das Geheim­nis Got­tes, der zu sei­nem Volk spricht.[25] Aus die­sem Grund wird ver­langt, auf ihren mate­ri­el­len Wert und ihren guten Gebrauch zu ach­ten. Es ist unan­ge­mes­sen, auf Falt­blät­ter, Foto­ko­pien und ande­re Hilfs­mit­tel als Ersatz für die lit­ur­gi­schen Bücher zurück­zu­grei­fen.[26]

9.

In den Tagen kurz vor oder nach dem Sonn­tag des Wor­tes Got­tes bie­tet es sich an, Bil­dungs­ver­an­stal­tun­gen zu för­dern, um auf den Wert der Hei­li­gen Schrift in den lit­ur­gi­schen Fei­ern auf­merk­sam zu machen; es kann eine Gele­gen­heit sein, bes­ser zu erken­nen, wie die Kir­che im Gebet die Hei­li­ge Schrift liest, kon­ti­nu­ier­lich, halb­kon­ti­nu­ier­lich und typo­lo­gisch; was die Kri­te­ri­en für die lit­ur­gi­sche Auf­tei­lung der ver­schie­de­nen bibli­schen Bücher auf den Jah­res­kreis und die Jah­res­zei­ten sind, die Struk­tur der Sonn­tags- und Wochen­tags­zy­klen der Lesun­gen der Mes­se.[27]

10.

Der Sonn­tag des Wor­tes Got­tes ist auch eine gün­sti­ge Gele­gen­heit, die Ver­bin­dung zwi­schen der Hei­li­gen Schrift und dem Stun­den­ge­bet, dem Gebet der Psal­men und Gesän­ge des Offi­zi­ums und den bibli­schen Lesun­gen, zu ver­tie­fen und die gemein­schaft­li­che Fei­er von Lau­des und Ves­per zu för­dern.[28]

Unter den vie­len Hei­li­gen, die alle Zeu­gen des Evan­ge­li­ums Jesu Chri­sti sind, kann als Bei­spiel der hei­li­ge Hie­ro­ny­mus wegen sei­ner gro­ßen Lie­be zum Wort Got­tes vor­ge­legt wer­den. Wie Papst Fran­zis­kus kürz­lich erin­ner­te, war er ein „uner­müd­li­cher Gelehr­ter, Über­set­zer, Exeget, pro­fun­der Ken­ner und lei­den­schaft­li­cher Ver­brei­ter der Hei­li­gen Schrift. […] Im Hören auf die Hei­li­ge Schrift fin­det Hie­ro­ny­mus sich selbst, das Ange­sicht Got­tes und das der Brü­der und Schwe­stern und ver­tieft sei­ne Lie­be zum Gemein­schafts­le­ben“.[29]

Die­se Note soll dazu bei­tra­gen, im Licht des Sonn­tags des Wor­tes Got­tes das Bewusst­sein für die Bedeu­tung der Hei­li­gen Schrift für unser Leben als Gläu­bi­ge neu zu wecken, begin­nend mit ihrem Wider­hall in der Lit­ur­gie, die uns in einen leben­di­gen und stän­di­gen Dia­log mit Gott stellt. „Das ver­nom­me­ne und – vor allem in der Eucha­ri­stie – gefei­er­te Wort Got­tes nährt und kräf­tigt die Chri­sten inner­lich und befä­higt sie zu einem ech­ten Zeug­nis des Evan­ge­li­ums im All­tag.“[30]

Aus der Kon­gre­ga­ti­on für den Got­tes­dienst und die Sakra­men­ten­ord­nung, 17. Dezem­ber 2020.

Robert Kard. Sarah
Prä­fekt

+ Arthur Roche
Erz­bi­schof Sekretär

_________________

[1] Vgl. Fran­zis­kus, Apo­sto­li­sches Schrei­ben in Form eines Motu pro­prio Ape­ruit illis, 30. Sep­tem­ber 2019.

[2] Fran­zis­kus, Ape­ruit illis, Nr. 8; II. Vati­ka­ni­sches Kon­zil, Kon­sti­tu­ti­on Dei Ver­bum, Nr. 25: „Dar­um müs­sen alle Kle­ri­ker, beson­ders Chri­sti Prie­ster und die ande­ren, die sich als Dia­ko­ne oder Kate­che­ten ihrem Auf­trag ent­spre­chend dem Dienst des Wor­tes wid­men, in bestän­di­ger hei­li­ger Lesung und gründ­li­chem Stu­di­um sich mit der Schrift befas­sen, damit kei­ner von ihnen wer­de zu ‚einem hoh­len und äußer­li­chen Pre­di­ger des Wor­tes Got­tes, ohne des­sen inne­rer Hörer zu sein‘, wo er doch die unüber­seh­ba­ren Schät­ze des gött­li­chen Wor­tes, nament­lich in der hei­li­gen Lit­ur­gie, den ihm anver­trau­ten Gläu­bi­gen mit­tei­len soll. Eben­so ermahnt die Hei­li­ge Syn­ode alle an Chri­stus Glau­ben­den, zumal die Glie­der reli­giö­ser Gemein­schaf­ten, beson­ders ein­dring­lich, durch häu­fi­ge Lesung der Hei­li­gen Schrift sich die „alles über­tref­fen­de Erkennt­nis Jesu Chri­sti“ (Phil 3,8) anzu­eig­nen. ‚Die Schrift nicht ken­nen heißt Chri­stus nicht kennen‘.”

[3] II. Vati­ka­ni­sches Kon­zil, Kon­sti­tu­ti­on Dei Ver­bum; Bene­dikt XVI., Apo­sto­li­sches Schrei­ben Ver­bum Domi­ni.

[4] Vgl. Sacro­sanc­tum Con­ci­li­um, Nrn. 7, 33; Insti­tu­tio gene­ra­lis Mis­sa­lis Roma­ni (IGMR), Nr. 29; Ordo lec­tion­um Mis­sae (OLM), Nr. 12.

[5] Vgl. OLM, Nr. 5.

[6] Vgl. IGMR, Nr. 60; OLM, Nr. 13.

[7] Vgl. OLM, Nr. 17; Cae­re­mo­nia­le Epi­scopo­rum, Nr. 74.

[8] Vgl. OLM, Nrn. 36, 113.

[9] Vgl. IGMR, Nrn. 120, 133.

[10] Vgl. IGMR, Nr. 117.

[11] Vgl. IGMR, Nr. 57; OLM, Nr. 60.

[12] Vgl. OLM, Nrn. 12, 14, 37, 111.

[13] Vgl. OLM, Nr. 45.

[14] Vgl. IGMR, Nr. 61; OLM, Nrn. 19–20.

[15] Vgl. OLM, Nr. 56.

[16] Vgl. OLM, Nr. 24; Kon­gre­ga­ti­on für den Got­tes­dienst und die Sakra­men­ten­ord­nung, Homi­le­ti­sches Direk­to­ri­um, Nr. 16.

[17] Vgl. Fran­zis­kus, Ape­ruit illis, Nr. 5; Homi­le­ti­sches Direk­to­ri­um, Nr. 26.

[18] Vgl. Fran­zis­kus, Apo­sto­li­sches Schrei­ben Evan­ge­lii gau­di­um,Nrn. 135–144; Homi­le­ti­sches Direk­to­ri­um.

[19] Vgl. IGMR, Nr. 56; OLM, Nr. 28.

[20] Vgl. OLM, Nrn. 14, 49.

[21] Vgl. OLM, Nrn. 15, 42.

[22] Vgl. IGMR, Nr. 309; OLM, Nr. 16.

[23] Vgl. OLM, Nr. 32.

[24] Vgl. OLM, Nr. 33.

[25] Vgl. OLM, Nr. 35; Cae­re­mo­nia­le Epi­scopo­rum, Nr. 115.

[26] Vgl. OLM, Nr. 37.

[27] Vgl. OLM, Nrn. 58–110; Homi­le­ti­sches Direk­to­ri­um, Nrn. 37–156.

[28] Insti­tu­tio gene­ra­lis de Lit­ur­gia Horar­um, Nr. 140: „Die Lesung der Hei­li­gen Schrift, die in der Lit­ur­gie nach alter Über­lie­fe­rung nicht nur bei der Eucha­ri­stie­fei­er, son­dern auch beim Stun­den­ge­bet öffent­lich geschieht, ver­dient die Hoch­schät­zung aller Chri­sten. Es han­delt sich ja nicht um eine pri­va­te Aus­wahl oder um eine bestimm­te Vor­lie­be, son­dern um eine Vor­la­ge durch die Kir­che im Blick auf das Myste­ri­um, das die Braut Chri­sti im Kreis­lauf des Jah­res ent­fal­tet […]. Außer­dem ist die Schrift­le­sung in der lit­ur­gi­schen Fei­er immer von Gebet beglei­tet. Dabei befruch­ten sich Schrift­le­sung und Gebet gegen­sei­tig; vor allem die Psal­mo­die wird durch die­se Ver­bin­dung spi­ri­tu­ell bereichert.“

[29] Fran­zis­kus, Apo­sto­li­sches Schrei­ben Scrip­tu­rae sacrae affec­tus, anläss­lich des 1600. Todes­ta­ges des hei­li­gen Hie­ro­ny­mus, 30. Sep­tem­ber 2020.

[30] Vgl. Fran­zis­kus, Apo­sto­li­sches Schrei­ben Evan­ge­lii gau­di­um,Nr.174.