Der letzte Papst des Westens?

Zwei brisante Themen zu Benedikt XVI.

Benedikt XVI. inmitten der Wüste, deren Ausbreitung er frühzeitig erkannte. Ist sein Rücktritt gültig oder war es ein „falscher Rücktritt“ im doppelten Sinn?
Benedikt XVI. inmitten der Wüste, deren Ausbreitung er frühzeitig erkannte. Ist sein Rücktritt gültig oder war es ein „falscher Rücktritt“ im doppelten Sinn?

(Rom) Die ita­lie­ni­sche Tages­zei­tung Libe­ro wid­me­te am 11. Juni in ihrer Bei­la­ge Libero­Pen­sie­ro (Freie Gedan­ken) Bene­dikt XVI. brei­ten Raum. Unter der Über­schrift „Die Wüste brei­tet sich aus“ befas­sen sich zwei Autoren mit jenem Mann, der von 2005 bis 2013 als Papst die Kir­che lei­te­te. Bei­de berüh­ren dabei bri­san­te Themen.

Die Ausbreitung der Wüste

Cate­ri­na Mamaci stellt im Arti­kel „Ratz­in­ger sag­te den Selbst­mord des Westens vor­aus“ das soeben erschie­ne­ne Buch „L’ultimo Papa d’Occidente?“ (Der letz­te Papst des Westens?) vor. Des­sen Autor, der Jour­na­list Giu­lio Meot­ti, war bis­her vor allem durch sei­nen bedin­gungs­lo­sen Zio­nis­mus auf­ge­fal­len, indem er jede Kri­tik am Staat Isra­el, auch wenn er von jüdi­scher oder kirch­li­cher Sei­te kommt, als „Anti­se­mi­tis­mus“ dar­stellt. In sei­nem jüng­sten Buch hält Meot­ti, „inmit­ten der zer­stö­re­ri­schen Kraft der Wüste“, in den Schrif­ten und Anspra­chen Joseph Ratz­in­gers und Papst Bene­dikts XVI. Aus­schau „nach dem letz­ten Licht“ (Cate­ri­na Mamaci). Mit dem Fra­ge­zei­chen hin­ter dem Buch­ti­tel woll­ten Autor und Ver­lag offen­bar ver­mei­den, in eine Anti-Fran­zis­kus-Ecke gerückt zu wer­den. Die gestell­te Fra­ge bleibt daher offen. Auch eine Bewer­tung, soll­te die Fra­ge mit ja beant­wor­tet werden. 

Das Vor­wort steu­er­te der iri­sche Jour­na­list und Lebens­schüt­zer John Waters bei. Der ehe­ma­li­ge Lebens­ge­fähr­te der Sän­ge­rin Sinéad O’Con­nor, mit der er eine Toch­ter hat, bezeich­net Bene­dikt XVI. als „Sol­sche­ni­zyn des 21. Jahr­hun­derts“. Als Prie­ster, Theo­lo­ge, Bischof und schließ­lich als Papst habe er erkannt, daß das Chri­sten­tum in den ver­gan­ge­nen 400 Jah­ren ein ein­zi­ges Rück­zugs­ge­fecht führ­te. Der Grund dafür, so Waters, den Joseph Ratz­in­ger aus­fin­dig mach­te, sei der zuneh­men­de „Rück­zug von der Wahrheit“.

Der letz­te Papst des Westens?

Meot­ti sucht im Wir­ken des jüng­sten deut­schen Pap­stes nach Ankern, die in immer unru­hi­ger wer­den­den Zeit festen Boden sichern. Anhand der aus­ge­wähl­ten Tex­te zeigt Meot­ti auf, daß Bene­dikt XVI. den Abschied Euro­pas von der Katho­li­zi­tät vor­aus­sag­te, eben­so den Rela­ti­vis­mus und den Neo­mar­xis­mus in der Kirche. 

Joseph Ratz­in­ger habe frü­her und deut­li­cher als ande­re erkannt, was sich in der Kir­che und ins­ge­samt in der Geschich­te des Westens abzeich­ne­te. Er sag­te es auch, wenn­gleich auf sei­ne lei­se, fast schüch­ter­ne Art und Wei­se. Gehört wur­de er kaum. Nicht wegen sei­ner lei­sen Töne, son­dern weil man ihn nicht hören woll­te. Bene­dikt XVI. hat­te früh­zei­tig ver­stan­den, daß der Nie­der­gang Euro­pas und sei­ner Kul­tur einer­seits und der Nie­der­gang des Chri­sten­tums ande­rer­seits die bei­den Sei­ten ein und der­sel­ben Medail­le sind. 

Er habe sich auch nicht gescheut, die­sem Nie­der­gang einen Namen zu geben und vor sei­nen Fol­gen zu war­nen: Sein Name ist Rela­ti­vis­mus und sein Weg führt in die Dik­ta­tur. Bene­dikt XVI. sprach von der „Dik­ta­tur des Rela­ti­vis­mus“, eine „pro­phe­ti­sche“ Wort­wahl, so die Rezen­sen­tin, um die sein Nach­fol­ger Papst Fran­zis­kus – was hin­zu­zu­fü­gen ist – einen gro­ßen Bogen macht. Die­ses Ver­hal­ten des regie­ren­den Pap­stes ver­deut­licht viel­leicht mehr als alles ande­re die Bri­sanz der For­mu­lie­rung des deut­schen Pap­stes, und daß er damit ins Schwar­ze getrof­fen hatte.

Zu den „pro­phe­ti­schen“ Wor­ten zählt Meot­ti die Rund­funk­an­spra­che, die der Theo­lo­ge Joseph Ratz­in­ger zu Weih­nach­ten 1969 hielt, in der er einen Kol­laps der katho­li­schen Welt vor­her­sag­te. Sei­ne Kri­tik galt einer Kir­che, die einem Aktio­nis­mus frönt und Prie­ster vor allem als Sozi­al­ar­bei­ter sehe. Sol­che Prie­ster aber, so Ratz­in­ger, könn­ten viel­leicht noch bes­ser durch Psy­cho­the­ra­peu­ten ersetzt wer­den. Für ihn ste­he fest, so der nach­ma­li­ge Papst vor bald 51 Jah­ren, daß sich für die Kir­che sehr schwie­ri­ge Zei­ten zusam­men­brau­ten. Ihre Kri­se habe gera­de erst begon­nen, und es sei­en star­ke Erd­be­ben zu erwarten.

Ratz­in­ger ging es aber nicht um die blo­ße Beschrei­bung des von ihm erkann­ten Ist-Zustan­des. Wich­ti­ger war für ihn, fein­füh­lig und hell­hö­rig zu war­nen, um früh­zei­tig Scha­den abwen­den zu kön­nen, und am wich­tig­sten war und ist für ihn, die Heil­mit­tel auf­zu­zei­gen. Nicht das Kla­ge­lied, das bedau­ern­de Besin­gen des Nie­der­gangs war sein Antrieb, son­dern der suchen­de Blick für den mög­li­chen Wiederaufstieg.

Meot­ti ver­gleicht den der­zei­ti­gen Nie­der­gang, des­sen Zeu­ge und Mah­ner Bene­dikt XVI. ist, mit dem Unter­gang des Römi­schen Rei­ches, als der hei­li­ge Bene­dikt von Nur­sia, inmit­ten der Rui­nen, sei­ne Klö­ster errich­te­te, die er wie Anker in das Meer der dama­li­gen Wüste ver­senk­te und damit die Grund­la­gen für eine neue Welt schuf: für das christ­li­che Abend­land. Man möch­te hin­zu­fü­gen, daß der christ­li­che Begriff des Abend­lan­des nicht von unge­fähr durch den „moder­nen“ Begriff des Westens ersetzt wur­de. Dem Wort nach besagt es zwar das glei­che, meint aber nicht das­sel­be. Die Idee des christ­li­chen Abend­lan­des ist nicht die des „Westens“. So wie es kein Zufall ist, wor­auf der Autor hin­weist, daß Joseph Ratz­in­ger sich den Papst­na­men Bene­dikt zuleg­te, so ist es kein Zufall, könn­te man hin­zu­fü­gen, daß der Nie­der­gang der Zivi­li­sa­ti­on mit dem Begriffs­wech­sel vom Abend­land zum Westen ein­her­geht. Wer schon über eini­ge Jah­re an Lebens­er­fah­rung ver­fügt, erin­nert sich an die Ver­ächt­lich­ma­chung des Begriffs Abend­land, der damit ver­bun­den war und letzt­lich den christ­li­chen Glau­ben meinte.

Meot­ti ent­hält sich jedes apo­ka­lyp­ti­schen Kata­stro­phis­mus. Es wer­den ande­re Päp­ste kom­men, so der Autor, aller­dings kön­ne es sein, daß sie „post-euro­pä­isch“ und „post-west­lich“ sein wer­den, weil Euro­pa, das noch einen Joseph Ratz­in­ger her­vor­brach­te, „im Ster­ben liegt“.

Zwei Päpste – zwei Kirchen?

Der zwei­te Arti­kel stammt von Andrea Cionci. Er hat nicht die­sel­be Spann­wei­te, ist dafür aber pro­vo­kan­ter. Die Aus­sa­ge wird im Titel vor­weg­ge­nom­men: „Der absicht­lich schlecht ver­faß­te Rück­tritt“. Cionci greift The­sen des US-ame­ri­ka­ni­schen Fran­zis­ka­ner­sere­mi­ten Alexis Bug­no­lo auf. Auf Bru­der Bug­no­lo gehen meh­re­re Grün­dun­gen zurück, dar­un­ter The Fran­ciscan Archi­ve, ein Rit­ter­or­den namens Ordo Mili­ta­ris Catho­li­cus, den er nach der ritu­el­len Hin­rich­tung des katho­li­schen Prie­sters Jac­ques Hamel im Juli 2016 durch Anhän­ger der Dschi­had-Miliz Isla­mi­scher Staat (IS) grün­de­te, und seit Herbst 2013 der eng­lisch­spra­chi­ge Infor­ma­ti­ons­dienst From Rome. Der Kir­chen­recht­ler Bug­no­lo ver­tritt die The­se, daß Bene­dikt XVI. nach wie vor der recht­mä­ßi­ge Papst ist. Heu­te ver­öf­fent­lich­te er auf der Inter­net­sei­te From Rome eine „authen­ti­sche Über­set­zung“ der Decla­ra­tio, mit der Papst Bene­dikt XVI. am Rosen­mon­tag 2013 sei­nen Amts­ver­zicht bekanntgab.

Bug­no­lo und Emi­lia­no Palo­po­li schrei­ben dazu:

„Die­se ita­lie­ni­sche Über­set­zung wur­de ange­fer­tigt, um den authen­ti­schen Sinn der Erklä­rung nach den Regeln des Latei­ni­schen und nicht nach dem vom Vati­kan unter­stütz­ten Nar­ra­tiv zur Recht­fer­ti­gung des Kon­kla­ves 2013 auf­zu­zei­gen.
Es gibt vie­le Ano­ma­lien, die deut­lich die Ungül­tig­keit der Hand­lung zei­gen, sowie Anzei­chen dafür, daß der Ver­zicht von Kar­di­nä­len erzwun­gen wur­de, die bereits mit Papst Bene­dikt XVI. im Schis­ma waren.“

Auch der Libe­ro-Arti­kel vom 11. Juni bezieht sich auf die­se The­se. Bug­no­lo zeigt sich dar­in über­zeugt, daß Bene­dikt XVI. sei­nen Amts­ver­zicht absicht­lich so for­mu­liert habe, daß frü­her oder spä­ter des­sen Ungül­tig­keit sicht­bar wer­den müs­se. Eine sehr gewag­te Theo­rie, die Bug­no­lo selbst als „hoch­ex­plo­siv“ bezeichnet. 

Pater Alexis Bugnolo
Der Fran­zis­ka­ne­rere­mit Alexis Bugnolo

Laut dem Fran­zis­ka­ner, des­sen Fami­lie mit ita­lie­ni­schen Wur­zeln aus New York stammt, und der sowohl die Staats­bür­ger­schaft der USA als auch Ita­li­ens besitzt, sei Bene­dikt XVI. zum Rück­tritt gezwun­gen wor­den. Er habe die päpst­li­che Amts­ge­walt der „Mafia von Sankt Gal­len“ über­las­sen müs­sen. Die­sem Zwang habe sich Bene­dikt des­halb gebeugt, weil die­se inner­kirch­li­che „Frei­mau­rer­lob­by“, so Bug­no­lo, sich dadurch ent­tar­nen und aus der Deckung her­vor­tre­ten wür­de. Bene­dikt XVI. habe sei­nen Amts­ver­zicht aber so for­mu­liert, daß er fak­tisch ungül­tig sei. Dadurch kön­ne die „fal­sche Kir­che“ Ber­go­gli­os zu gege­be­ner Zeit weg­ge­fegt werden.

Auf die­se mensch­lich ver­ständ­li­che, sach­lich aber schwer nach­voll­zieh­ba­re und noch weit schwie­ri­ger durch­setz­ba­re The­se soll an die­ser Stel­le nicht näher ein­ge­gan­gen werden.

Tat­sa­che ist, daß bereits im Früh­jahr 2013 nam­haf­te Lati­ni­sten wie Wil­fried Stroh und Lucia­no Can­fo­ra dar­auf auf­merk­sam mach­ten, daß die Decla­ra­tio schwe­re Gram­ma­tik­feh­ler ent­hält. Bug­no­lo sagt, wei­te­re 40 sprach­li­che Unge­nau­ig­kei­ten fest­ge­stellt zu haben. Zu vie­le für einen so guten Latein­ken­ner wie Bene­dikt XVI., erst recht zu vie­le für einen Text, von dem Bene­dikt wuß­te, daß er Welt­ge­schich­te schrei­ben würde.

Ent­schei­dend, so der Fran­zis­ka­ner, sei­en aber weni­ger die­se sprach­li­chen Gebre­chen, son­dern der Auf­bau des Tex­tes. Johan­nes Paul II. hat­te 1983 das Kir­chen­recht geän­dert, um einen Amts­ver­zicht recht­lich ein­wand­frei abzu­si­chern. Er schrieb dabei den aus­drück­li­chen Ver­zicht auf das petri­ni­sche Munus vor, womit das Amt des Pap­stes gemeint ist. das sich vom Mini­ste­ri­um, der Aus­übung der Amts­ge­walt, dem Dienst, unter­schei­det. Bug­no­lo ver­tritt die Ansicht, daß Bene­dikt XVI. in sei­ner Decla­ra­tio zwar zunächst das Munus erwähnt, aller­dings nur sehr all­ge­mein, dann aber aus­drück­lich nur auf das Mini­ste­ri­um ver­zich­tet, was für die Gül­tig­keit des Schrit­tes völ­lig irrele­vant sei.

Der Vati­kan habe die Erklä­rung Bene­dikts XVI. „absicht­lich ver­fälscht“, indem in den volks­sprach­li­chen Über­set­zun­gen auch der Begriff „Munus“ (Amt) mit „Mini­ste­ri­um“ (Dienst) wie­der­ge­ge­ben wur­de. Bug­no­lo beharrt dar­auf, daß in kei­ner vom Vati­kan ver­öf­fent­li­chen Über­set­zung die von Bene­dikt XVI. vor­ge­nom­me­ne Unter­schei­dung zu fin­den ist, die er auch spä­ter wie­der­hol­te, so in sei­nem jüng­sten Gesprächs­buch „Bene­dikt XVI. Ein Leben“ (2016).

Der Wider­spruch fiel auch ande­ren auf. Im Som­mer des­sel­ben Jah­res nahm Msgr. Giu­sep­pe Sci­ac­ca, der Sekre­tär der Apo­sto­li­schen Signa­tur, in einem auf­ühr­li­chen Inter­view dazu Stel­lung. Kuri­en­bi­schof Sci­ac­ca ist Bene­dikt XVI. freund­schaft­lich ver­bun­den, wor­an auch der Amts­ver­zicht nichts änder­te. Das Inter­view wur­de von inter­es­sier­ter Sei­te geführt, von Andrea Tor­ni­el­li, dem Haus- und Hof­va­ti­ka­ni­sten von Papst Fran­zis­kus. Anlaß dafür war der damals von Kuri­en­erz­bi­schof Georg Gäns­wein unter­nom­me­ne Ver­such, eine Art von Dop­pel-Pon­ti­fi­kat zu begrün­den, was in San­ta Mar­ta gar nicht gut auf­ge­nom­men wur­de. Durch eine befreun­de­te Stim­me wie Msgr. Sci­ac­ca woll­te das päpst­li­che Umfeld den Vor­stoß gleich wie­der zum Erlie­gen brin­gen. In der Tat übte der Kir­chen­recht­ler ver­nich­ten­de Kri­tik, die vor allem dem Titel eines „eme­ri­tier­ten Pap­stes“ galt, den sich Bene­dikt XVI. selbst zuge­legt hat­te. Sci­ac­ca bestritt zudem, daß beim Papst zwi­schen Munus und Mini­ste­ri­um unter­schie­den wer­den kön­ne. Aller­dings äußer­te er auch grund­sätz­li­che Zwei­fel dar­an, ob ein Papst über­haupt zurück­tre­ten könne.

Auf den kon­kre­ten Fall bezo­gen, führ­te Sci­ac­ca aus, daß der Ver­zicht auf das Mini­ste­ri­um (Dienst) auto­ma­tisch auch den Ver­zicht auf das Munus (Amt) bedeu­te. Dem wider­sprach Br. Bug­no­lo in der Tages­zei­tung Libe­ro:

„Das stimmt nicht, weil Bene­dikt auch einen Vikar ernen­nen hät­te kön­nen, der das Mini­ste­ri­um aus­übt, wäh­rend er sein Amt, das Munus, das auch aus theo­lo­gi­schen Grün­den essen­ti­ell ist, beibehält.“

Bug­no­lo ver­weist zudem auf den Umstand, daß in den 18 Tagen, die von der Bekannt­ga­be der Decla­ra­tio bis zum Beginn der Sedis­va­kanz ver­gin­gen, nie­mand den feh­ler­haf­ten Text kor­ri­gier­te, obwohl das die Auf­ga­be der Kar­di­nä­le wäre.
Zumin­dest mit einer Annah­me, dem Grund dafür, dürf­te der Fran­zis­ka­ner alle­mal rich­tig liegen:

„Das beweist, daß die Kar­di­nä­le so geblen­det waren von der Eile, die Macht zu ergrei­fen, oder daß eini­ge ‚Kom­pli­zen‘ Bene­dikts waren und geschwie­gen haben. In bei­den Fäl­len fand eine Usur­pa­ti­on statt.“

Libe­ro schließt den Arti­kel mit den Worten:

„Kurz­um: Gera­de zum Rück­tritt von Bene­dikt XVI. könn­te der Kon­flikt zwi­schen den ‚bei­den Kir­chen‘ neu ausbrechen.“

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Libero/LiberiLibri/Crusade Chan­nel (Screen­shots)

23 Kommentare

  1. Dan­ke für die­sen gera­de in die­ser Zeit so nach­den­kens­wer­ten Arti­kel. Im Zen­trum die­ses Auf­st­zes steht zu Recht die wenig verstandene
    Rück­tritts­de­cla­ra­tio. Ich will auf den ersten Satz verweisen:„Non solum prop­ter tres cano­niz­a­tio­nes ad hoc Con­si­sto­ri­um vos con­vo­ca­vi, sed eti­am ut vobis deci­sio­nem magni momen­ti pro Eccle­sia vita communicem.in Deutsch:Ich habe euch zu die­sem Kon­si­sto­ri­um nicht nur wegen drei Hei­lig­spre­chun­gen zusam­men­ge­ru­fen, son­dern auch um euch eine Ent­schei­dung von gro­ßer Wich­tig­keit für das Leben der Kir­che mit­zu­tei­len.“ Zunächst ein­mal stand im Ori­gi­nal­text ein „Quart­an­er­feh­ler“ pro vita eccle­sia anstel­le von rich­ti­ger­wei­se pro vita eccle­siae. Damit erlangt die­ser Satz­teil nach dem eine beson­de­re Bedeu­tung. Er woll­te beto­nen, dass der Rück­tritt not­wen­dig war, um das Leben der Kir­che zu erhal­ten. Das sag­te Bene­dikt von den Kir­che, der ihr Grün­der vorraus­ge­sagt hat, dass sie den Pfor­ten der Höl­le wider­ste­hen wer­de. Er sag­te auch nicht pro salus eccle­siae son­dern ulti­ma­tiv pro vita eccle­siae. Da ich bei der Suche nach dem rich­ti­gen Rück­tritts­ver­ständ­nis die­se Stel­le für die wich­tig­ste hal­te, woll­te ich kurz dar­auf ver­wei­sen. Kein Papst vor Bene­dikt hat ähn­li­che Wor­te gebraucht. Bevor man in der Betrach­tung wei­ter­fährt, ver­wei­se ich auf alle Ein­las­sun­gen von Prof. Dr. Stroh zum Text. Ein Gedan­ke noch: Ben­dikt hat wäh­rend sei­nes Pon­ti­fi­ka­tes die Lügen des Kon­zils direkt ange­spro­chen, son­dern nur ver­deckt in sei­nen gro­ßen Reden, sei­nem schrift­li­chen Ver­mächt­nis. Dies ist ein wei­te­rer Punkt, dem nach­zu­ge­hen wäre. Die klu­gen Leu­te, die dies begrif­fen haben, sind für sei­nen Rück­tritt verantwortlich.

  2. „Der Nie­der­gang hat einen Namen, Rela­ti­vis­mus.“ Man könn­te auch Rela­ti­vis­mus mit der Spra­che des Kon­zils­gei­stes über­set­zen der da lau­tet „Neu­es Pfingsten“.
    Wenn ich so klug wie Bene­dikt wäre wür­de ich ein Buch schrei­ben mit dem Titel “ Das 2.Vatikanum und die Bot­schaft der Mut­ter Got­tes von La Salet­te im Kon­text. Wenn die­ses Buch nicht zu Begei­ste­rungs­stür­men bei den Rela­ti­vie­rern in der Kir­che füh­ren wür­de dann wür­de ich die­se Zeit in der wir leben nicht ver­ste­hen und es ist eine bedroh­li­che Zeit.
    Per Mari­am ad Christum,

  3. Fakt ist das sich um den Rück­tritt natür­lich Gerüch­te ranken.
    Logisch wäre, das Papst Bene­dikt den Moder­ni­sten ein Dorn im Auge ist, weil die Umset­zun­gen des Kon­zils unter ihm nicht die erwünsch­te Geschwin­dig­keit hatten.
    Bei aller Sym­pha­tie für Papst Bene­dikt bleibt aller­dings auch die Fest­stel­lung, das er ein Mann des Kon­zils war und ist.
    Sei­ne Vor­stel­lun­gen und Schrif­ten wei­sen ihn als gemä­ßig­ten aber treu­en Moder­ni­sten aus.
    Das Inter­view mit Pater F.Schmidberger im Buch „Die Mäch­te der Fin­ster­nis“ bele­gen dies, ohne jede Pole­mik, ganz klar.
    Inso­fern gilt in abge­wan­del­ter Form für ihn der Satz, „Die Revo­lu­ti­on frisst ihre Kin­der“, ganz genauso.

  4. Papst Bene­dikt (Ratz­in­ger) – Pon­ti­fi­kat mit tief­schwar­zen Schatten

    A. Der Religionsmonopolist

    Papst Bene­dikts Pon­ti­fi­kat ist durch­zo­gen von einer Rei­he von Irri­ta­tio­nen – um es euphe­mi­stisch aus­zu­drücken –, die nicht dazu bei­getra­gen haben, das Ver­hält­nis zwi­schen den Reli­gio­nen und Kon­fes­sio­nen zu ver­bes­sern und einen Bei­trag zum öku­me­ni­schen Dia­log bzw. Frie­den ein­zu­lei­ten. Drei Bei­spie­le mögen das belegen:
    1. Der Kon­flikt mit dem Islam

    Bei sei­ner Bay­ern-Rei­se im Jahr 2006 sprach der dama­li­ge Papst Bene­dikt XVI. im Audi­max der Uni­ver­si­tät Regens­burg über Glau­be und Ver­nunft. Dabei zitier­te er den byzan­ti­ni­schen Kai­ser Manu­el II., der dem Islam vor­ge­wor­fen hat­te, den Glau­ben mit Gewalt ver­brei­ten zu wollen.
    „Er [Kai­ser Manu­el II.] sagt: ‚Zeig mir doch, was Moham­med Neu­es gebracht hat, und da wirst du nur Schlech­tes und Inhu­ma­nes fin­den wie dies, dass er vor­ge­schrie­ben hat, den Glau­ben, den er pre­dig­te, durch das Schwert zu verbreiten‘.“
    Wüten­de isla­mi­sche Pro­te­ste nach Rede von Papst Bene­dikt XVI. waren die Folge:
    Von der Tür­kei bis Malay­si­en, von Nord­afri­ka bis Paki­stan gab es diplo­ma­ti­sche Pro­te­ste gegen die Wor­te des Pap­stes, gewalt­tä­ti­ge Mas­sen­de­mon­stra­tio­nen und Aus­schrei­tun­gen auf­ge­brach­ter Mus­li­me sowie laut­star­ke Empö­rungs­re­den von Ima­men und isla­mi­sti­schen Poli­ti­kern. In Soma­lia wur­de eine Ordens­frau erschos­sen — mög­li­cher­wei­se ein Racheakt.
    Bene­dikt XVI. reagier­te prompt und drück­te sein Bedau­ern aus. In einer nach­träg­lich ein­ge­füg­ten Fuß­no­te schreibt der Papst: „Die­ses Zitat ist in der mus­li­mi­schen Welt lei­der als Aus­druck mei­ner eige­nen Posi­ti­on auf­ge­fasst wor­den und hat so begreif­li­cher­wei­se Empö­rung her­vor­ge­ru­fen. Ich hof­fe, dass der Leser mei­nes Tex­tes sofort erken­nen kann, daß die­ser Satz nicht mei­ne eige­ne Hal­tung dem Koran gegen­über aus­drückt, dem gegen­über ich die Ehr­furcht emp­fin­de, die dem hei­li­gen Buch einer gro­ßen Reli­gi­on gebührt.“
    Im Dezem­ber 2006 erschien die offi­zi­el­le und mit Fuß­no­ten ver­se­he­ne Aus­ga­be der Regens­bur­ger Rede. Der umstrit­te­ne Absatz wur­de wie folgt abgewandelt:
    „Ohne sich auf Ein­zel­hei­ten wie die unter­schied­li­che Behand­lung von ‚Schrift­be­sit­zern‘ und ‚Ungläu­bi­gen‘ ein­zu­las­sen, wen­det er sich in erstaun­lich schrof­fer, für uns unan­nehm­bar schrof­fer Form ganz ein­fach mit der zen­tra­len Fra­ge nach dem Ver­hält­nis von Reli­gi­on und Gewalt über­haupt an sei­nen Gesprächspartner.“
    In den Fuß­no­ten wird erneut betont, dass der Papst das Miss­ver­ständ­nis bedau­ert und sich nie das Zitat zu eigen machen woll­te, son­dern ledig­lich auf den wesent­li­chen Zusam­men­hang zwi­schen Glau­be und Ver­nunft hin­füh­ren woll­te und Ehr­furcht gegen­über dem Koran empfindet. 

    2. Der Kon­flikt mit dem Judentum

    a) Die Neu­for­mu­lie­rung der Kar­frei­tags­für­bit­te – der Tra­gö­die erster Teil

    1998 bestä­tig­te Ratz­in­ger sei­ne theo­lo­gi­sche Ein­stel­lung in sei­nem Buch „Die Viel­falt der Reli­gio­nen und der eine Bund“: Der „Sinai­bund“ wird durch den Mes­si­as Jesus über­schrit­ten, sein „Vor­läu­fi­ges abge­streift“, und es erscheint sei­ne wah­re „End­gül­tig­keit“. Ein Heil für Isra­el ohne Glau­ben an Jesus Chri­stus gibt es also nicht – eine Über­zeu­gung, die Ratz­in­ger auch zum Ende des Jubi­lä­ums­jah­res 2000 aus­drück­te: „Las­set uns beten, dass Gott auch den Kin­dern Isra­els ein tie­fe­res Wis­sen von Jesus von Naza­ret geben möge …“ 

    Für die römisch-katho­li­sche Kir­che hat­te das II. Vati­ka­ni­sche Kon­zil mit sei­ner Erklä­rung „Nostra Aeta­te“ ein völ­lig neu­es Kapi­tel in den christ­lich-jüdi­schen Bezie­hun­gen auf­ge­schla­gen, indem es christ­li­che Schuld an den Juden ein­ge­stand, Anti­ju­da­is­mus und Anti­se­mi­tis­mus ver­ur­teil­te und mit der Fest­stel­lung, Got­tes Bund mit Isra­el sei unge­kün­digt, eine theo­lo­gi­sche Kehrt­wen­de voll­zog. Die­se Ein­stel­lung führ­te erst­mals in der Geschich­te ihrer Bezie­hun­gen zu einem seriö­sen Dia­log zwi­schen der römisch-katho­li­schen Kir­che und dem Judentum.

    Ein Ergeb­nis die­ses Dia­logs ist ein gänz­lich neu­es Kar­frei­tags­ge­bet für die Juden in der Got­tes­dienst­re­form von 1970. Die­ses Gebet hält dem Niveau gegen­wär­ti­ger jüdisch-christ­li­cher Bezie­hun­gen stand und spie­gelt grund­le­gen­de exege­ti­sche Ein­sich­ten. Jüdi­sche Ein­wän­de gab und gibt es nicht.

    Doch eine Min­der­heit katho­li­scher Theo­lo­gen und Prä­la­ten kam mit der Kehrt­wen­dung nicht zurecht. 1985 begann die Restau­ra­ti­on. Die vati­ka­ni­sche Kom­mis­si­on für reli­giö­se Bezie­hun­gen mit den Juden publi­zier­te „Richt­li­ni­en“ zum „Juden­tum in Pre­dig­ten und in der Kate­che­se“. Dar­in hieß es, dass sich nur in der katho­li­schen Kir­che „die gan­ze Fül­le der Heils­mit­tel“ fin­de. Das allein wäre noch kein Auf­trag zur Juden­mis­si­on gewe­sen. Doch dar­ge­legt wur­de auch, dass die Kir­che allein der rich­ti­ge Erlö­sungs­weg sei: „Kir­che und Juden­tum kön­nen nicht als par­al­le­le Wege der Erlö­sung gese­hen wer­den.“ An die­sem Doku­ment hat­te die Glau­bens­kon­gre­ga­ti­on unter Kar­di­nal Joseph Ratz­in­ger ent­schei­den­den Anteil.

    1992 war dann der Glau­bens­prä­fekt Ratz­in­ger – mit dem öster­rei­chi­schen Weih­bi­schof und heu­ti­gen Kar­di­nal Chri­stoph Schön­born als Redak­ti­ons­se­kre­tär – feder­füh­rend für den Welt­ka­te­chis­mus ver­ant­wort­lich. Auch dar­in wird dem Juden­tum kei­ne eigen­stän­di­ge heils­ge­schicht­li­che Bedeu­tung zuer­kannt. 1998 bestä­tig­te Ratz­in­ger sei­ne theo­lo­gi­sche Ein­stel­lung in sei­nem Buch „Die Viel­falt der Reli­gio­nen und der eine Bund“: Der „Sinai­bund“ wird durch den Mes­si­as Jesus über­schrit­ten, sein „Vor­läu­fi­ges abge­streift“, und es erscheint sei­ne wah­re „End­gül­tig­keit“. Ein Heil für Isra­el ohne Glau­ben an Jesus Chri­stus gibt es also nicht – eine Über­zeu­gung, die Ratz­in­ger auch zum Ende des Jubi­lä­ums­jah­res 2000 aus­drück­te: „Las­set uns beten, dass Gott auch den Kin­dern Isra­els ein tie­fe­res Wis­sen von Jesus von Naza­ret geben möge …“ 

    Die Linie des Glau­bens­wäch­ters Ratz­in­ger hat Papst Bene­dikt XVI. mit sei­ner neu­en Kar­frei­tags­für­bit­te 2008 kon­se­quent fort­ge­setzt. : „Lasst uns auch beten für die Juden, auf dass unser Gott und Herr ihre Her­zen erleuch­te, damit sie Jesus Chri­stus erken­nen, den Ret­ter aller Men­schen.“ Unter die­sen Vor­zei­chen erläu­ter­te Ende März der Ratz­in­ger-Ver­trau­te und Wie­ner Kar­di­nal Schön­born in der eng­li­schen Zeit­schrift „The Tablet“ : Chri­sten könn­ten nicht dar­auf ver­zich­ten, das Evan­ge­li­um auch den Juden zu ver­kün­den. Zwei Wege zum Heil gebe es nicht.

    Bene­dikt XVI. ist sei­ner theo­lo­gi­schen Ein­stel­lung treu geblie­ben; an War­nun­gen vor irrepa­ra­blen Schä­den inner­halb des jüdisch-christ­li­chen Dia­logs hat es im Vor­feld nicht gefehlt. Schon 2006 hat­te Hen­ry Brandt, der Vor­sit­zen­de der deut­schen All­ge­mei­nen Rab­bi­ner­kon­fe­renz, den zustän­di­gen vati­ka­ni­schen Kar­di­nal, Wal­ter Kas­per, beschworen: 

    „Herr Kar­di­nal, … beson­ders in Deutsch­land [ist] die Mis­si­on an Juden ein rotes Tuch. Ins­be­son­de­re hier ist jede Idee, jeder Anflug der Mög­lich­keit einer Juden­mis­si­on qua­si ein feind­li­cher Akt, eine Fort­set­zung der Unta­ten Hit­lers den Juden gegen­über auf ande­rer Ebene.“

    Ver­gli­chen mit dem Gebet der Got­tes­dienst­re­form von 1970 stellt die­se neue Für­bit­te einen Rück­fall in anti­jü­di­sches Den­ken dar. Der Anti­ju­da­is­mus ist hier zwar mil­der als in den Tex­ten von 1570 und 1962; er weicht aber weder von der dort gege­be­nen Beur­tei­lung des Juden­tums ab noch ändert er die christ­li­che Ziel­set­zung ihm gegen­über. Mit dem alten unter­stellt auch der neue Text, die Her­zen der Juden sei­en nicht erleuch­tet und die Juden sei­en noch nicht zur Erkennt­nis der Wahr­heit gelangt; nach wie vor wird ihre Bekeh­rung zu Jesus Chri­stus erwartet.

    Im Zusam­men­hang mit der das Ver­hält­nis zum Juden­tum schwer bela­sten­den Neu­for­mu­lie­rung der Kar­frei­tags­für­bit­te stell­te der eme­ri­tier­te Alt­te­sta­ment­ler Erich Zen­ger fest: „ … Wie man nach Ausch­witz zu einer Für­bit­te von 1570 bzw. aus der Zeit vor 1570 zurück­keh­ren kann, wenn man weiß, dass die hin­ter die­ser Für­bit­te ste­hen­de Theo­lo­gie eine Mit-Ver­ant­wor­tung an der Schoa hat, ist mit schlech­ter­dings unver­ständ­lich … Dass man das über einen deut­schen Papst sagen muss, ist beson­ders schmerzlich.“
    Das neue Gebet bleibt ein Aus­druck christ­li­cher Über­heb­lich­keit gegen­über dem Juden­tum; die­se vor Augen hat­te schon Pau­lus den Chri­sten ins Stamm­buch geschrie­ben: „Nicht du trägst die Wur­zel, son­dern die Wur­zel trägt dich“ (Röm 11,18; vgl. Röm 11,11–28). Die­ser Mah­nung hält jeden­falls die Kar­frei­tags­für­bit­te der ordent­li­chen Form des Römi­schen Ritus von 1970 stand, die­je­ni­ge der außer­or­dent­li­chen von 2008 nicht. 

    b) Trak­tat „De Iuda­eis“ – der Tra­gö­die zwei­ter Teil 

    Als hät­te Ratz­in­ger mit sei­ner Neu­for­mu­lie­rung der Kar­frei­tags­für­bit­te nicht schon genug Por­zel­lan zer­schla­gen, so ver­öf­fent­lich­te Ratz­in­ger den Text „Anmer­kun­gen zum Trak­tat «De Iuda­eis»“ in der aktu­el­len Aus­ga­be (2018) der Inter­na­tio­na­len Katho­li­schen Zeit­schrift «Com­mu­nio“. (IKaZ 47 , 387–406)

    Bei jenem Text han­delt es sich um ein ursprüng­lich nicht zur Ver­öf­fent­li­chung bestimm­tes Manu­skript, das Ratz­in­ger dem Prä­si­den­ten der Päpst­li­chen Kom­mis­si­on für die reli­giö­sen Bezie­hun­gen zum Juden­tum, Kurt Koch, zur pri­va­ten Ver­wen­dung über­reicht hat.
    Ratz­in­ger macht in sei­ner vor­erst letz­ten Ver­öf­fent­li­chung zwei Grund­the­sen der neu­en Sicht auf das Juden­tum aus (392): 1. Die Ableh­nung der Sub­sti­tu­ti­ons­theo­rie (auf die Ratz­in­ger sich grund­sätz­lich in Anfüh­rungs­zei­chen bezieht) und 2. „die Rede vom nie gekün­dig­ten Bund“.
    Von bei­den The­sen sagt Ratz­in­ger, dass sie „im Grun­de rich­tig“, jedoch „in vie­lem unge­nau“ sei­en und „kri­tisch wei­ter bedacht wer­den“ müss­ten (ebd.). Ratz­in­ger möch­te also die Grund­la­gen der christ­li­chen Sicht auf Isra­el und das Juden­tum einer dif­fe­ren­zier­ten Unter­su­chung unterziehen.
    Ratz­in­ger eröff­net sei­ne Dis­kus­si­on der Sub­sti­tu­ti­ons­theo­rie mit der ver­blüf­fen­den Behaup­tung, dass es die­se nie gege­ben habe. Beweis? In den Stich­wort­ver­zeich­nis­sen gro­ßer theo­lo­gi­scher Lexi­ka fin­det sich der Begriff nicht. Das ist Theo­lo­gie nach dem Mot­to: Quod non est in ency­clo­pe­dia non est in mun­do. Noch dazu ist es eines der absur­de­sten Argu­men­te, die wohl je in einer theo­lo­gi­schen Fach­zeit­schrift vor­ge­tra­gen wurden.
    Man soll­te jedoch nicht den Feh­ler machen, sich von der Absur­di­tät der Begrün­dung dar­über hin­weg­täu­schen zu las­sen, wie gefähr­lich und falsch die von Ratz­in­ger hier vor­ge­tra­ge­ne The­se ist: Die Behaup­tung, dass es all die Jahr­hun­der­te eine der reli­giö­se Ent­er­bung nie gege­ben habe, ist nicht nur offen­sicht­lich falsch, wie sich in unzäh­li­gen christ­li­chen Quel­len seit dem Bar­na­bas­brief nach­le­sen lässt, son­dern sie öff­net auch die Tür zur Wei­ter­ver­brei­tung alter Ste­reo­ty­pe, die über vie­le Jahr­hun­der­te Unglück über das Juden­tum gebracht und den moder­nen Anti­se­mi­tis­mus maß­geb­lich mit­ver­ur­sacht haben. Mit Bezug auf die alt­te­sta­ment­li­chen Tier­op­fer schreibt er:
    So gibt es eigent­lich in der Tat kei­ne «Sub­sti­tu­ti­on», son­dern ein Unter­wegs­sein, das schließ­lich eine ein­zi­ge Rea­li­tät wird und den­noch das not­wen­di­ge Ver­schwin­den der Tier­op­fer, an deren Stel­le («Sub­sti­tu­ti­on») die Eucha­ri­stie tritt (394).
    Der Begriff „Unter­wegs­sein“ kann nicht über die Tat­sa­che hin­weg­täu­schen, dass Ratz­in­ger die Eucha­ri­stie hier als reli­giö­se Erset­zung der Tier­op­fer ver­steht. Auf die­se Wei­se betreibt der Text eine theo­lo­gi­sche Dele­gi­ti­ma­ti­on des nach­bi­bli­schen Juden­tums, der ent­schie­den wider­spro­chen wer­den muss.
    Das typo­lo­gi­sche Verheißungs-Erfüllungs-Schema
    Ratz­in­ger arbei­tet in sei­ner Argu­men­ta­ti­on mit einem äußerst pro­ble­ma­ti­schen typo­lo­gi­schen Ver­hei­ßungs-Erfül­lungs-Sche­ma und betreibt damit selbst jene Sub­sti­tu­ti­on, von der er vor­her behaup­tet hat, dass es sie nie gege­ben habe.
    Die zwei­te Grund­an­nah­me der christ­li­chen Theo­lo­gie in Bezug auf Isra­el und das Juden­tum, die Ratz­in­ger unter­su­chen möch­te, ist die des „unge­kün­dig­ten Bun­des“. Ratz­in­ger weist hier­bei zu Recht dar­auf hin, dass das Alte Testa­ment meh­re­re Bun­des­schlüs­se kennt (403).
    Lei­der hat auch die­se zunächst harm­lo­se Fest­stel­lung das Odeur des Rela­ti­vis­mus an sich: Für Ratz­in­ger ist der Bund Got­tes mit Isra­el einer unter meh­re­ren. Damit über­sieht er voll­stän­dig die Beson­der­heit der Bezie­hung zwi­schen Gott und sei­nem Volk Israel.
    Doch wirk­lich gefähr­lich wird es vor allem da, wo Ratz­in­ger davon spricht, dass der Mose-Bund ledig­lich eine „Zwi­schen­funk­ti­on“ (403) habe. Die­se Denk­fi­gur legt den Grund, auf dem künf­ti­ge Sub­sti­tu­ti­ons­theo­re­ti­ker wer­den bau­en können.
    Wenn Ratz­in­ger also betont, dass es die Ableh­nung der Sub­sti­tu­ti­ons­theo­rie und die Rede vom nie gekün­dig­ten Bund nie gege­ben habe, so ver­lässt er mit solch kru­den The­sen den seit Jah­ren her­bei­ge­führ­ten Kon­sens im jüdisch-christ­li­chen Dia­log und fügt die­sem Dia­log einen ver­hee­ren­den Rück­schlag zu.
    Wal­ter Homol­ka, Rab­bi­ner und Hoch­schul­leh­rer an der Uni­ver­si­tät Pots­dam und Rek­tor des 1999 von ihm mit­ge­grün­de­ten Abra­ham-Gei­ger-Kol­legs, unter­streicht die desa­strö­sen Aus­wir­kun­gen der von Papst Benedikt/ Ratz­in­ger for­mu­lier­ten kru­den The­sen auf den jüdisch-christ­li­chen Dialog.
    In einem Inter­view mit dem Deutsch­land­funk (2.6.2020) for­mu­liert er u.a.:
    „Mit Joseph Ratz­in­ger ist da eine Zäsur in der Annä­he­rung pas­siert, die eine schwe­re Bela­stung war für das Ver­hält­nis des Juden­tums mit dem Chri­sten­tum. Dar­an ist auch nicht zu rüt­teln. Ich glau­be, die jüdi­sche Sei­te war­tet immer noch auf die Stär­kung der Kar­frei­tags­für­bit­te, wie sie nach dem Zwei­ten Vati­ka­ni­schen Kon­zil ein­ge­führt wur­de und dass die­se For­mu­lie­rung von Bene­dikt XVI. irgend­wann mal wie­der zurück­ge­nom­men wird.“
    Auf die Fra­ge, wel­che Argu­ment Ratz­in­ger bewe­gen, immer wie­der den jüdisch-christ­li­chen Dia­log zu kon­ter­ka­rie­ren bzw. ob Ratz­in­ger getrie­ben sei, in obses­si­ver Art und Wei­se immer wie­der sei­ne The­se der christ­li­chen Über­le­gen­heit gegen­über dem Juden­tum zu beto­nen, ant­wor­tet Homolka:
    „Ich habe mich jah­re­lang damit beschäf­tigt. Ich kann kei­ne Gegen­ar­gu­men­te fin­den zu Ihrer Aussage.“

    3. Der Kon­flikt mit den Kir­chen der Reformation

    Das am 5. Sep­tem­ber 2000 ver­öf­fent­lich­te Vati­kan-Doku­ment „Domi­nus Iesus“ ist zum Sym­bol für die Pro­ble­me im evan­ge­lisch-katho­li­schen Dia­log gewor­den. Dar­in hat­te sich Rom in kla­ren Wor­ten von den evan­ge­li­schen Kir­chen abge­grenzt. Bei die­sen han­de­le es sich nicht um „Kir­che im eigent­li­chen Sin­ne“, so der Kernsatz.
    Die Pro­te­stan­ten waren empört. „Die Zei­chen aus Rom ste­hen auf Still­stand“, kom­men­tier­te die Evan­ge­li­schen Kir­che in Deutsch­land (EKD) das Doku­ment. Es sei ein „Rück­schlag für das öku­me­ni­sche Mit­ein­an­der in ver­söhn­ter Ver­schie­den­heit“, kri­ti­sier­te der dama­li­ge EKD-Rats­vor­sit­zen­de, Prä­ses Man­fred Kock.
    Die am 6. August 2000 unter­zeich­ne­te Erklä­rung wur­de vom dama­li­gen Prä­fek­ten der Glau­bens­kon­gre­ga­ti­on, Kar­di­nal Joseph Ratz­in­ger — dem spä­te­ren Papst Bene­dikt XVI. — for­mu­liert und noch von Papst Johan­nes Paul II. bestä­tigt. Der Text fasst Aus­sa­gen zum Kern des Glau­bens zusam­men, die für den Dia­log mit nicht­christ­li­chen Reli­gio­nen und das öku­me­ni­sche Gespräch von Bedeu­tung sind. Her­aus­ge­stellt wird die geschicht­li­che Kon­ti­nui­tät zwi­schen der von Chri­stus gestif­te­ten und der katho­li­schen Kir­che: „Dies ist die ein­zi­ge Kir­che Christi.“

    Pro­te­stan­ten emp­fan­den Fest­stel­lung als Affront
    Die römisch-katho­li­sche Kir­che erhebt dar­in den Anspruch, dass ihre Leh­re mit den Grund­aus­sa­gen der bibli­schen Apo­stel vor rund 2.000 Jah­ren über­ein­stimmt. Das tun aller­dings alle Kir­chen. Für die römisch-katho­li­sche Kir­che ist Kon­ti­nui­tät vor allem durch die Amts­nach­fol­ge gewähr­lei­stet, die von den Bischö­fen auf die Apo­stel und damit letzt­lich auf Jesus Chri­stus zurück­rei­chen soll. Für Pro­te­stan­ten ist die Ver­bin­dung mit den frü­hen Chri­sten gewährt, wenn Got­tes Wort in der Kir­che leben­dig ist.
    Als Affront emp­fan­den die Pro­te­stan­ten die Fest­stel­lung: „Die kirch­li­chen Gemein­schaf­ten hin­ge­gen, die den gül­ti­gen Epi­sko­pat und die ursprüng­li­che und voll­stän­di­ge Wirk­lich­keit des eucha­ri­sti­schen Myste­ri­ums (Abend­mahl, d.Red.) nicht bewahrt haben, sind nicht Kir­chen im eigent­li­chen Sinn.“ Gemeint sind damit in erster Linie die pro­te­stan­ti­schen Kir­chen sowie die angli­ka­ni­sche Kir­che, die aus der Refor­ma­ti­on im 16. Jahr­hun­dert her­vor­ge­gan­gen sind.
    Nach­dem es gegen die vati­ka­ni­sche Erklä­rung Ein­spruch von nam­haf­ten Theo­lo­gen, von evan­ge­li­schen und angli­ka­ni­schen Bischö­fen sowie von den Welt­bün­den der Luthe­ra­ner und Refor­mier­ten gab, mel­de­te sich Kar­di­nal Ratz­in­ger noch­mals zu Wort und ver­tei­dig­te das Doku­ment. Der evan­ge­li­schen Sei­te warf er vor, sie füh­re den Streit falsch. Denn den Kir­chen­be­griff in glei­cher Wei­se für alle kirch­li­chen Gemein­schaf­ten in Anspruch zu neh­men, wür­de gegen deren eige­nes Selbst­ver­ständ­nis ver­sto­ßen: „So belei­di­gen wir doch nie­man­den, wenn wir sagen, dass die fak­ti­schen evan­ge­li­schen Kirch­tü­mer nicht im glei­chen Sinn Kir­che sind, wie die katho­li­sche es selbst sein will; sie sel­ber wol­len das doch gar nicht.“
    Katho­li­sche Kir­che ist die Norm
    Doch mit „Domi­nus Iesus“ war es nicht genug. Die Glau­bens­kon­gre­ga­ti­on leg­te 2007 nach. Konn­te bis dahin die Her­ab­set­zung ande­rer Kir­chen noch als nicht so gemeint inter­pre­tiert wer­den, wur­de nun unter Papst Bene­dikt XVI. in den „Ant­wor­ten auf Fra­gen zu eini­gen Aspek­ten bezüg­lich der Leh­re über die Kir­che“ klar­ge­stellt: Norm für die ein­zi­ge voll­stän­di­ge und ein­zig­ar­ti­ge Kir­che sei die katholische.
    Als „öku­me­nisch brüs­kie­rend“ und Rück­schlag für das evan­ge­lisch-katho­li­sche Ver­hält­nis wer­te­ten der dama­li­ge EKD-Rats­vor­sit­zen­de Wolf­gang Huber und ande­re evan­ge­li­sche Bischö­fe die Ein­stu­fung der refor­ma­to­ri­schen Kir­chen als „Gemein­schaf­ten“. Das Vati­kan-Doku­ment wie­der­ho­le die anstö­ßi­gen Aus­sa­gen von „Domi­nus-Iesus“. Huber: „Von Fahr­läs­sig­keit kann nie­mand mehr spre­chen; es han­delt sich um Vor­satz.“ In der Fol­ge­zeit war häu­fi­ger von einer Abküh­lung in den öku­me­ni­schen Bezie­hun­gen die Rede.
    Pro­mi­nen­te katho­li­sche Bischö­fe bemüh­ten sich inten­siv, die Empö­rung auf pro­te­stan­ti­scher Sei­te zu mil­dern. Die Stel­lung­nah­me aus Rom sei in ihrer Knapp­heit mög­li­cher­wie­se hart, räum­te der Main­zer Kar­di­nal Karl Leh­mann ein. Aber sie las­se Raum, die ande­ren Kir­chen auch theo­lo­gisch als Kir­chen zu ach­ten. Der vati­ka­ni­sche „Öku­me­ne-Mini­ster“, Kar­di­nal Wal­ter Kas­per, ver­such­te zu beschwich­ti­gen: Evan­ge­li­sche Kir­chen sei­en durch­aus Kir­chen, frei­lich aber „ande­ren Typs“, argu­men­tier­te er. Bei der Zehn-Jahr-Fei­er der Unter­zeich­nung der Erklä­rung zur Recht­fer­ti­gungs­leh­re 2009 in Augs­burg for­der­te Kas­per die Kir­chen auf, gegen alle Ent­täu­schun­gen und Quer­schüs­se sich die Hand zu rei­chen, „und wir las­sen uns nicht mehr los“.

    B. Mit­schuld an der Schwem­me kle­ri­ka­ler Pädophilieverbrechen

    Joseph Kar­di­nal Ratz­in­ger ali­as „Bene­dikt XVI“ war 25 Jah­re lang Vor­sit­zen­der der „Kon­gre­ga­ti­on für den Glau­ben“, dem Rechts­nach­fol­ger (!) der Inquisition.
    Zu sei­nen vor­dring­lich­sten Auf­ga­ben gehör­te es, einen welt­wei­ten Ver­schie­be­bahn­hof für katho­li­sche Sexu­al­straf­tä­ter zu orga­ni­sie­ren und die­se vor staat­li­cher Straf­ver­fol­gung zu schützen.
    Immer wenn ein „zöli­ba­tä­rer“ Kin­der­schän­der in sei­nem Umfeld auf­flog, ver­setz­te Ratz­in­ger ihn umge­hend in eine ande­re Gemein­de, weit weg, wo er dann mun­ter wei­ter­ma­chen konn­te mit dem Befin­gern klei­ner Jungs und Schlimmerem.
    War ja alles „rech­tens“, geschah im Auf­trag Got­tes und zum Schutz der Kir­che. Zugleich setz­te die römi­sche Kurie die Legen­de in die Welt, der Orga­ni­sa­tor die­ser jahr­zehn­te­lan­gen, syste­ma­ti­schen Ver­tu­schung ent­setz­li­cher Ver­bre­chen an Kin­dern sei in Wahr­heit deren „Auf­klä­rer“.
    Die direk­ten (genau wie alle ande­ren) kle­ri­ka­len Pädo­phi­lie­ver­bre­cher sind genau­so zu ver­ur­tei­len wie der Ver­schwei­ger sol­cher Ver­bre­cher­ta­ten. Nicht nur das Aus­füh­ren eines Pädo­phi­lie­ver­bre­chens macht schul­dig, son­dern auch das Ver­schwei­gen eines sol­chen Ver­bre­chens. Die­sen Vor­wurf muss man an Ratzinger/Papst Bene­dikt und an alle ande­ren Kar­di­nä­le, Bischö­fe und Welt­prie­ster rich­ten. Für die­sen infra­ge kom­men­den Per­so­nen­kreis müss­ten genau die­je­ni­gen die Straf­maß­nah­men zur Anwen­dung kom­men, wie sie bei jedem Schul­lei­ter, Arzt oder Rich­ter ange­wandt wer­den: Ent­fer­nung aus dem Amt, Ver­ur­tei­lung durch ein staat­li­ches Zivil­ge­richt, Gefäng­nis, Lai­sie­rung und Strei­chung aller Bezüge!
    Papst Bene­dikt hat in hohem Maße an der Schwem­me kle­ri­ka­ler Pädo­phi­lie­ver­bre­chen sei­nen Teil der Mit­schuld zu tra­gen, und zwar nicht erst, seit­dem er am 19. April 2005 in das Amt des Pap­stes beor­dert wurde.

    Die Rede ist von den zwei latei­ni­schen Geheim­schrei­ben, die heu­te noch ver­schlos­sen im Tre­sor jedes Bischofs lie­gen. Das erste, aus dem Jahr 1962, stammt von Kar­di­nal Otta­via­ni und trägt den Titel „Cri­men solli­ci­ta­tio­nis“ (Ver­füh­rung zu sexu­el­len Hand­lun­gen). Das zwei­te ist aus dem Jahr 2001; es stammt von Kar­di­nal Ratz­in­ger, dem dama­li­gen Chef der Glau­bens­kon­gre­ga­ti­on (frü­her die „hei­li­ge Inqui­si­ti­on“ genannt), per­sön­lich und heißt „De delic­tis gra­vio­ri­bus“ (Von den schwer­sten Ver­bre­chen). In die­sen bei­den Geheim­schrei­ben wird die „aus­schließ­li­che Kom­pe­tenz des Vati­kans“ betont, was die Ahn­dung von Pädo­phi­lie­fäl­len anbe­langt; gleich­zei­tig wer­den sämt­li­che Bischö­fe unter Stra­fe der Exkom­mu­ni­ka­ti­on auf­ge­for­dert, alle Pädo­phi­lie­fäl­le aus­schließ­lich und nur an den Vati­kan zu mel­den. Nach­dem also Kar­di­nal Ratz­in­ger seit 1981 allen Bischö­fen das Geheim­schrei­ben Kar­di­nal Otta­via­nis von 1962 ein­ge­schärft hat­te, ver­pflich­te­te er sie 20 Jah­re spä­ter auf sein eige­nes Geheim­schrei­ben. Bei­des mit dem­sel­ben Ziel: nichts aus den Gemäu­ern der katho­li­schen Kir­che nach außen drin­gen zu lassen.

    Das führ­te zu einer tota­len Justiz­be­hin­de­rung gegen­über den staat­li­chen Gerich­ten, zu einer stän­di­gen Ver­set­zung der pädo­phi­len Prie­ster, die über Jahr­zehn­te hin­weg an jedem Ort, an den sie von ihrem Bischof – nach einer soge­nann­ten The­ra­pie – ver­setzt wur­den, ihr Unwe­sen wei­ter­trei­ben konn­ten und immer wei­ter­trei­ben werden.

    Genau die­se Geheim­schrei­ben hat­ten die „reui­gen“ iri­schen Bischö­fe jahr­zehn­te­lang streng befolgt. Von einem Buß­gang war denn auch – durch­aus fol­ge­rich­tig – nichts zu spü­ren. Es fie­len bei die­ser Kaf­fee­klatschrun­de wohl eini­ge ermah­nen­de Wor­te des Pap­stes gegen Pädo­phi­lie im All­ge­mei­nen, denen die Bischö­fe wie jeder nor­ma­le Mensch selbst­ver­ständ­lich zustimm­ten. In die­sem Sin­ne waren sich wie­der alle einig.

    Die­se men­schen­ver­ach­ten­de Pra­xis erstreckt sich bis in die Gegen­wart. Im Neu­en Welt­ka­te­chis­mus von 1992 Num­mer 2357 belehrt uns der Papst, es sei bes­ser, die eige­nen Töch­ter zur Ver­ge­wal­ti­gung preis­zu­ge­ben, als homo­se­xu­el­le Akte zuzu­las­sen. Er „stützt“, wört­lich „stützt“, sich dabei auf die Geschich­te 1. Mose 19 (das ist die Geschich­te vom Unter­gang von Sodom und Gomor­rha), wo Lot, der Nef­fe Abra­hams, zu den Homo­se­xu­el­len, die sein Haus in Sodom bela­gern, sagt: „Seht, ich habe zwei Töch­ter, die noch nichts vom Man­ne wis­sen, die will ich euch her­aus­ge­ben, macht mit ihnen, was euch gefällt, nur die­sen Män­nern [Lots männ­li­chen Gästen] tut nichts.“ Die bei­den Mäd­chen, von denen hier die Rede ist, waren 12 bis 13 Jah­re alt.

    Die Ver­strickun­gen zwi­schen Pädo­phi­lie­ver­bre­chen und dem Vati­kan wer­den in dem BBC-Doku­men­tar­film „Sex. Cri­mes and Vati­can“ vom Okto­ber 2006 in beson­de­rer Wei­se demon­striert. Den Film kann man sich lei­der nur auf You Tube anse­hen, da er in Deutsch­land, dank unse­rer katho­li­schen Bischö­fe, nicht gezeigt wer­den darf. Er stammt von dem BBC-Repor­ter Colm O’Gorman, der als 14jähriger in Irland von einem Prie­ster ver­ge­wal­tigt wur­de. Wer sich die­sen Film ansieht, dem wird klar, wel­ches mon­strö­se Täu­schungs­ma­nö­ver gegen­wär­tig im Gang ist – nur um das Anse­hen der katho­li­schen Kir­che und des Pap­stes nicht zu beschädigen.

    Die erschüt­ternd­ste Sze­ne in die­sem Film spiel­te sich 2002 in Mit­tel­bra­si­li­en ab, in einem der ärm­sten Win­kel der Welt. Dona Elza da Sil­va, Groß­mutter des damals fünf­jäh­ri­gen War­ly, erzählt dem Repor­ter, dass ihr War­ly sich das Leben neh­men wol­le, weil alle Kin­der ihm nach­ru­fen: „Des Prie­sters klei­ne Frau“. Dass er von dem Prie­ster Tar­ci­sio, der kürz­lich in die Nach­bar­schaft gezo­gen war, ver­ge­wal­tigt wur­de. Dass sie das dem Bischof gemel­det habe: „Aber der Bischof und alle sind böse mit mir. Kei­ner glaubt mir; die Leu­te gehen auf die ande­re Stra­ßen­sei­te, wenn sie mich sehen. Ich füh­le mich exkommuniziert.“ 

    Dann jedoch wird alles auf­ge­deckt, nicht durch die Kir­che, son­dern durch die Poli­zei, die zufäl­lig das Tage­buch des Prie­sters fin­det. Es stellt sich her­aus, dass er unter ande­rem 1991 in São Pau­lo einen 13jährigen Jun­gen ver­ge­wal­tigt hat­te, und – nach wie­der­hol­ter „The­ra­pie“ ver­setzt – schließ­lich hier lan­de­te. In sei­nem Tage­buch schreibt er – man sieht im Film sei­ne kra­ke­li­ge Schrift: „Alter der Jun­gen: sie­ben, acht, neun, zehn Jah­re, arm, mög­lichst vater­los, nur eine Groß­mutter oder allein­ste­hen­de Mut­ter oder Schwe­ster, wich­tig: sich mit der Fami­lie anfreun­den. Dem Kind Gitar­ren­un­ter­richt geben. Klei­ne Geschen­ke machen, als Gegen­lei­stung sexu­el­le Handlungen.“

    Der Prie­ster Tar­ci­sio wur­de 2005 zu 15 Jah­ren Gefäng­nis ver­ur­teilt. Der BBC-Repor­ter fragt sich, da die­ser Fall, wie alle ande­ren Fäl­le, dem Vati­kan gemel­det wur­de: Wie­so dul­det der Vati­kan, dass er letzt­lich, immer und immer wie­der ver­setzt, schließ­lich neben der arg­lo­sen Dona Elza da Sil­va lan­det und das von ihm ver­ge­wal­tig­te Kind des­we­gen nicht mehr leben will?

    In dem Film wird auch der Domi­ni­ka­ner und Kir­chen­recht­ler Tom Doyle gezeigt, der „eine hohe Posi­ti­on im Vati­kan in Aus­sicht hat­te“, aber 2003 aller kirch­li­chen Ämter ent­ho­ben wur­de, weil er den Inhalt der Geheim­schrei­ben öffent­lich mach­te. Er erklärt: „Die Geheim­schrei­ben die­nen aus­schließ­lich dem welt­wei­ten Schutz der Täter, die stän­dig, um Skan­da­le für die Kir­che zu ver­mei­den, nach einer The­ra­pie in eine ande­re Pfar­rei ver­setzt wer­den; und sie haben eine tota­le Justiz­be­hin­de­rung für die staat­li­chen Gerich­te zur Fol­ge.“ Des wei­te­ren teilt er mit, dass die Geheim­schrei­ben nichts über mög­li­che Hil­fe­lei­stun­gen für die Betrof­fe­nen beinhalten.

    Und dann ist da die Sze­ne, wo der BBC-Repor­ter den Staats­an­walt in Phoenix/Arizona Rick Rom­ley auf­sucht, der ihm einen gro­ßen Brief­um­schlag zeigt mit Schrift­stücken über Prie­ster, die inzwi­schen zum Teil per Inter­pol gesucht wer­den, den er an Kar­di­nal Soda­no (Vor­gän­ger des ein­sti­gen Kar­di­nal­staats­se­kre­tärs Ber­to­ne) geschickt hat­te, und den er unge­öff­net zurück­er­hielt. Auf dem Umschlag konn­te man ledig­lich in ver­schie­de­nen Spra­chen lesen: „retour, rin­vio, refu­se“ – also Annah­me verweigert.

    In einem Sumpf von Intrans­pa­renz, Will­kür und Ver­wei­ge­rung demo­kra­ti­scher Grund­rech­te konn­te über Jahr­zehn­te all das her­an­wach­sen, was wir heu­te mit Pädo­phi­lie-Ver­bre­chen bezeich­nen. Immer wur­de ver­tuscht, geleug­net, ver­harm­lost und vor allem gab es kei­ne öffent­li­chen, demo­kra­ti­schen Gerichts­ver­fah­ren. Kaum ein Kar­di­nal bzw. Bischof hat bis­her wegen Ver­ge­hen bzw. Ver­bre­chen im Pädo­phi­lie­be­reich ein Gefäng­nis von Innen gesehen.

    C. Der Glaubwürdigkeitszerstörer

    Als Papst Bene­dikt im Jah­re 2013 sei­nen Rück­tritt bekannt­gab, ver­sprach er sei­nem Nach­fol­ger Gehor­sam, Dienst an sei­ner Kir­che im Gebet und Rück­zug in die Stil­le der vati­ka­ni­schen Gär­ten. Doch in den letz­ten sie­ben Jah­ren hat Bene­dikt wie­der­holt gezeigt, dass sei­ne Wor­te aus dem Jah­re von 2013 von nur wenig Glaub­wür­dig­keit durch­zo­gen waren; denn seit dem hat Bene­dikt sei­nem Nach­fol­ger durch sei­ne per­sön­li­chen schrift­li­chen Stel­lung­nah­men immer wie­der deut­lich gemacht, dass er gern als Schat­ten­papst Anteil an der päpst­li­chen Macht für sich behal­ten wollte.
    Eini­ge Bei­spie­le mögen das dokumentieren:
    • Am augen­fäl­lig­sten gescha­hen sei­ne Ein­mi­schun­gen in der Fra­ge des Miss­brauchs­skan­dals. Für Fran­zis­kus hat das Pro­blem mit „Kle­ri­ka­lis­mus“ zu tun, ungu­ten Auto­ri­täts- und Macht­struk­tu­ren. Bene­dikt XVI. hin­ge­gen mach­te in einem Auf­satz im April 2019 die sexu­el­le Revo­lu­ti­on der 60er Jah­re und eine lasche Moral­theo­lo­gie als Wur­zeln des Übels aus. Applaus kam von jenen, die in der katho­li­schen Kir­che weni­ger Selbst­be­zich­ti­gung und mehr kla­re Kan­te gegen den Zeit­geist wün­schen, dar­un­ter die Kar­di­nä­le Ger­hard Lud­wig Mül­ler und Robert Sarah. Bene­dikt XVI. hat­te sei­ne per­sön­lich gefärb­ten „Noti­zen“ zu dem The­ma dem baye­ri­schen „Kle­rus­blatt“ anver­traut; über digi­ta­le Medi­en schlu­gen sie uner­war­tet hohe Wellen. 

    • Ähn­lich ging das mit einem Bei­trag über das Juden­tum, den der Eme­ri­tus als pri­va­te Betrach­tung an Kar­di­nal Kurt Koch über­gab und auf des­sen Zure­den im Juli 2018 in der Zeit­schrift „Com­mu­nio“ drucken ließ. Der Text rühr­te an emp­find­li­che Punk­te, etwa die theo­lo­gi­sche Legi­ti­ma­ti­on des Staa­tes Isra­el und die Fort­dau­er des Got­tes­bun­des mit dem jüdi­schen Volk. Bene­dikt XVI. woll­te nur ein paar Prä­zi­sie­run­gen anbrin­gen; doch Ver­tre­ter des katho­lisch-jüdi­schen Dia­logs zeig­ten sich irri­tiert über die The­sen und die Tat­sa­che der Ver­öf­fent­li­chung. Der Text rühr­te an emp­find­li­che Punk­te, etwa die theo­lo­gi­sche Legi­ti­ma­ti­on des Staa­tes Isra­el und die Fort­dau­er des Got­tes­bun­des mit dem jüdi­schen Volk. Bene­dikt XVI. woll­te nur ein paar Prä­zi­sie­run­gen anbrin­gen; doch Ver­tre­ter des katho­lisch-jüdi­schen Dia­logs zeig­ten sich irri­tiert über die The­sen und die Tat­sa­che der Veröffentlichung.

    • Dann war da noch „Let­ter­ga­te“, die Affä­re um den Brief Bene­dikts XVI. zu einer mehr­bän­di­gen Publi­ka­ti­on über die Theo­lo­gie von Fran­zis­kus. Bei ihrer Vor­stel­lung im März 2018 ver­las der dama­li­ge vati­ka­ni­sche Medi­en­chef Dario Viga­no stolz ein Schrei­ben des Eme­ri­tus, in dem er das Buch­pro­jekt lobt und zugleich erklärt, er sehe sich „auch aus phy­si­schen Grün­den“ außer­stan­de, einen eige­nen Bei­trag bei­zu­steu­ern. Scheib­chen­wei­se kam her­aus, dass Viga­no wesent­li­che Tei­le des Briefs unter­schla­gen hat­te — in denen sich Bene­dikt XVI. ver­wun­dert zeig­te, dass unter den Autoren Peter Hüner­mann fir­miert. Der Dog­ma­ti­ker löck­te einst mit der „Köl­ner Erklä­rung“ 1989 wider den Sta­chel des Glau­bens­prä­fek­ten Joseph Ratz­in­ger. Auf so einen als Autor, schien Bene­dikt XVI. jetzt zu mei­nen, kön­ne man getrost ver­zich­ten; wenig schmei­chel­haft für Fran­zis­kus. Viga­no muss­te sei­nen Posten räumen.

    • Für Über­ra­schung sorg­te auch eine neue, von Bene­dikt XVI. ins Leben geru­fe­ne Stif­tung für katho­li­sche Publi­zi­stik, die bei der kon­ser­va­ti­ven Zei­tung „Die Tages­post“ ange­sie­delt ist. Ihr Zweck über­schnei­det sich mit dem der Katho­li­schen Jour­na­li­sten­schu­le ifp in Mün­chen, einer lan­ge eta­blier­ten Ein­rich­tung der Deut­schen Bischofskonferenz.
    • Zuletzt mach­te der Eme­ri­tus Schlag­zei­len mit sei­nem Bei­trag für ein Buch von Kuri­en­kar­di­nal Robert Sarah. Der Band, eine Ver­tei­di­gung des Prie­ster­z­ö­li­bats, wur­de als War­nung gegen mög­li­che Aus­nah­me­re­ge­lun­gen durch Fran­zis­kus gedeu­tet. Auch wenn in die­sem Fall von „Miss­ver­ständ­nis­sen“ die Rede war, bleibt die Fra­ge, wie es dazu kom­men konnte.
    Zwar hat­te Bene­dikt XVI. im Jah­re 2013 nach eige­nem Bekun­den erkannt, dass ihm die Kraft geschwun­den war, „das Schiff­lein Petri zu steu­ern“. Den­noch behielt er auch als gewe­se­ner Papst Auto­ri­tät genug, um dem neu­en Kapi­tän wie­der­holt ins Wort zu fal­len und des­sen Bemü­hun­gen um zag­haf­te Refor­men zu konterkarieren.

    D. Der Rel­al­ti­vis­mus-und Zeitgeist-Anprangerer

    Papst Bene­dikt lässt kaum eine Gele­gen­heit aus, um gegen den Libe­ra­lis­mus, gegen die Dik­ta­tur des Rela­ti­vis­mus und gegen den Zeit­geist in unzwei­deu­ti­ger Schär­fe Stel­lung zu bezie­hen. Dass der Papst in die­sen sei­nen Kreuz­zü­gen von immer weni­ger Men­schen als ernst­zu­neh­men­der Gesprächs­part­ner ange­se­hen wird, stört ihn nicht.

    Bene­dikt weist den „Rela­ti­vis­mus in der Theo­lo­gie“ ent­schie­den zurück und pro­kla­miert: „Ein Glau­be, den wir selbst fest­le­gen kön­nen, ist über­haupt kein Glau­be. Und kei­ne Min­der­heit hat einen Grund, sich durch eine Mehr­heit Glau­ben vor­schrei­ben zu las­sen. Der Glau­be und sei­ne Pra­xis kom­men ent­we­der vom Herrn her durch die Kir­che und ihre sakra­men­ta­len Dien­ste zu uns, oder es gibt ihn gar nicht.“

    Das ist über­deut­lich und dazu ein kla­res Eigen­tor. Denn dann hat eine Min­der­heit vati­ka­ni­scher Wür­den­trä­ger auch nicht der Mehr­heit der Gläu­bi­gen einen Glau­ben vor­zu­schrei­ben. Bene­dikt meint jedoch nicht den per­sön­li­chen Glau­ben des Ein­zel­nen, son­dern die katho­li­sche Glau­bens­leh­re, also das, was über Gott und die Welt gedacht wer­den darf oder soll. Aber wie­so kommt das direkt vom Herrn durch die Kir­che zu uns, wenn die Kir­che zugleich die Gemein­schaft aller Gläu­bi­gen ist, die laut Bene­dikt nicht selbst – „wir (!) nicht fest­le­gen kön­nen“, also Bene­dikt ein­ge­schlos­sen – den Glau­ben fest­le­gen kann?

    Das Chri­sten­tum – das ist die Stra­te­gie Bene­dikts — soll ohne Wenn und Aber ande­ren Reli­gio­nen über­le­gen sein. Es wird zur wah­ren Reli­gi­on erklärt, deren Wahr­heit allein die katho­li­sche Kir­che zu inter­pre­tie­ren, vor­zu­schrei­ben und zu reprä­sen­tie­ren hat. Die katho­li­sche Kir­che hat somit – in den Augen Bene­dikts – einen Mono­pol­an­spruch bezüg­lich der Bean­spru­chung an gött­li­cher Wahr­heit. Damit aber ist der Theo­lo­ge voll­ends bei den vor­mo­der­nen Posi­tio­nen ange­kom­men, zu denen das kirch­li­che Lehr­amt die Gläu­bi­gen ver­pflich­ten will. Aus Theo­lo­gie wird Ideo­lo­gie, weil sie dann jedes Gegen­ar­gu­ment als unan­ge­mes­sen abweist und sich in die Recht­ha­be­rei zurückzieht. 

    Mit Blick auf die „heid­ni­schen“ Reli­gio­nen spricht Bene­dikt dann auch noch vom „Sieg des Chri­sten­tums“ über sie. Denn das Chri­sten­tum sei ja so viel ver­nünf­ti­ger und mora­li­scher als die ande­ren Reli­gio­nen. Damit hat Bene­dikt sich eigent­lich um sei­ne Rol­le als ernst zu neh­men­der Part­ner in inter­re­li­giö­sen Dia­lo­gen gebracht. 

    Haupt­geg­ner für Bene­dikt in die­sem Bereich ist die plu­ra­li­sti­sche Reli­gi­ons­theo­rie. Die­se hat sich zum Ziel gesetzt, den Dia­log der Welt­re­li­gio­nen zu betrei­ben und damit den Frie­den zwi­schen den Reli­gio­nen zu beför­dern. Dabei will sie das mensch­lich beding­te Unvoll­kom­me­ne von Reli­gio­nen sowie deren kul­tu­rel­le Begrenzt­heit beach­ten. So erst kann man gleich­be­rech­tigt mit­ein­an­der umge­hen und ein­an­der als gleich­wer­tig ach­ten. Ratz­in­ger aber ist es zuwi­der, dass der eige­ne Glau­be auf „eine Stu­fe mit den Über­zeu­gun­gen der ande­ren“ gesetzt wird und „ihm nicht mehr Wahr­heit“ zuge­stan­den wird „als der Posi­ti­on des anderen“.

    Papst Bene­dikt macht mit einer so apo­dik­tisch for­mu­lier­ten Posi­ti­on deut­lich, dass er nicht mehr Part­ner im inter­re­li­giö­sen Dia­log sein will und auch nicht sein kann; er will auch nicht der pon­ti­fex maxi­mus, der ober­ste Brücken­bau­er, sein, son­dern end­gül­ti­ge Auto­ri­tät reli­giö­ser Wahr­heit. Das ist weder heil­sam noch hilf­reich, son­dern ten­den­zi­ell fundamentalistisch.

    Nicht weni­ger wider­spruchs­frei als der Vor­wurf des Rela­ti­vis­mus ist der Vor­wurf einer Anpas­sung an den Zeitgeist.

    Waren es nicht die Ver­tre­ter der katho­li­schen Kir­che, die bereits im 4. Jahr­hun­dert sich dem Zeit­geist – d. h. den Mäch­ti­gen und Herr­schen­den in Rom bzw. Kon­stan­ti­no­pel – in die Arme gewor­fen haben? Das Tole­ran­ze­dikt von Kai­ser Gale­ri­us aus dem dem 311 und die Erklä­rung der kath. Reli­gi­on zur Staats­re­li­gi­on 380 unter Kai­ser Theo­dosi­us sicher­ten der katho­li­schen Kir­chen­hier­ar­chie reich­hal­ti­ge und sich stän­dig ver­meh­ren­de Pri­vi­le­gi­en und Herr­schafts- bzw. Mach­te­robe­run­gen – stets in jewei­li­ger Abhän­gig­keit von Kai­sern und Königen.

    War es nicht die katho­li­sche Kir­che, die im Rah­men der Kreuz­zü­ge den Namen Got­tes miss­braucht und zu blu­ti­gen Kreuz­zü­gen auf­ge­ru­fen hat? Johan­nes von Legna­no (Jurist und Ver­trau­ter ver­schie­de­ner Päp­ste) ver­fass­te um 1360 ein scho­la­sti­sches Spe­zi­al­werk zum gerech­ten Krieg: De bel­lo, de repres­sa­li­is, de duel­lo. So wur­den die Kreuz­zü­ge zum Anstoß für inter­re­li­giö­se Rechts­prin­zi­pi­en und deren theo­re­ti­sche Erörterung. 

    War es nicht die katho­li­sche Kir­che, die in Mit­tel- und Süd­ame­ri­ka sich im 16. und 17. Jahr­hun­dert den erobern­den Spa­ni­ern und Por­tu­gie­sen als will­fäh­ri­ge Büt­tel zur Ver­fü­gung gestellt haben – und zu den unzäh­li­gen Ver­bre­chen (bis hin zum Völ­ker­mord) weit­ge­hend geschwie­gen haben? War es nicht die katho­li­sche Kir­che, die ihrer Kir­chen­ge­schich­te sich immer wie­der einer Liai­son bzw. Kol­la­bo­ra­ti­on zwi­schen Thron und Altar bereit­wil­lig zur Ver­fü­gung gestellt hat – nur um ihre Macht­pri­vi­le­gi­en zu erwei­tern und abzu­si­chern – und zwar auf Kosten eines Ver­rats gegen­über der ursprüng­li­chen Bot­schaft Jesu, so wie die­se im Mat­thä­us-Evan­ge­li­um fest­ge­hal­ten ist? :

    „Da rief Jesus sie zu sich und sag­te: Ihr wisst, dass die, die als Herr­scher gel­ten, ihre Völ­ker unter­drücken und die Mäch­ti­gen ihre Macht über die Men­schen miss­brau­chen. Bei euch aber soll es nicht so sein, son­dern wer bei euch groß sein will, der soll euer Die­ner sein, und wer bei euch der Erste sein will, soll der Skla­ve aller sein. Denn auch der Men­schen­sohn ist nicht gekom­men, um sich die­nen zu las­sen, son­dern um zu die­nen und sein Leben hin­zu­ge­ben als Löse­geld für vie­le.“ (Mt 10, 42–45)

    Wer hat sich denn in der katho­li­schen Kir­che wem ange­passt? Es waren doch nicht die Gläu­bi­gen, son­dern die Herr­schen­den, die sich dem Zeit­geist ange­passt haben! Mit Hil­fe genau die­ser Anpas­sun­gen an Vor­stel­lun­gen von Macht und Herr­schaft der Köni­ge und Kai­ser wur­de es den Päp­sten und Bischö­fen der katho­li­schen Kir­che mög­lich – bis auf den heu­ti­gen Tag –, in Palä­sten und Schlös­sern (aus­ge­stat­tet mit unzäh­li­gen Pri­vi­le­gi­en) ihre Herr­schafts- und Regie­rungs­zen­tra­len auf­bau­en zu können!

    Ohne eine sol­che Anpas­sung wäre der Glau­be der Kir­che eher aus den Vor­ga­ben des Evan­ge­li­ums abge­lei­tet wor­den statt aus der Begriffs­welt der grie­chi­schen Phi­lo­so­phie, die das Chri­sten­tum zu einer „Exper­ten­re­li­gi­on“ mach­te. Ohne eine von der Kir­che voll­zo­ge­ne Anpas­sung hät­ten jesua­ni­sche Glau­bens­vor­stel­lun­gen der Berg­pre­digt eine Chan­ce gehabt, ins Glau­bens­be­kennt­nis der kath. Kir­che auf­ge­nom­men zu wer­den – mit der Kon­se­quenz, dass der Glau­be Jesu an die bedin­gungs- und vor­aus­setz­ung­lo­se Lie­be Got­tes (befrei­en­de Lie­bes­bot­schaft) nicht über­la­gert wor­den wäre von der Angst und Schrecken ein­flö­ßen­den Bot­schaft des Rich­ter­got­tes (Droh­bot­schaft), des­sen Stell­ver­tre­ter der Papst ist und der an Stel­le des Rich­ter­got­tes der allein­gül­ti­ge Herr über Recht, Wahr­heit und Glau­be ist; natür­lich immer unter der Prä­mis­se, den kirch­li­chen Herr­schafts- und Macht­in­stru­men­ten nicht nur eine abso­lu­te und nicht hin­ter­frag­ba­re Gül­tig­keit im kirch­li­chen, son­dern auch im welt­li­chen Bereich zu verschaffen!

    E. Der Aggiornamento-Verhinderer

    Bene­dikt bleibt und blieb sich sel­ber treu: Die­ser Papst ver­bau­te wegen sei­ner veri­ta­blen Reform­un­fä­hig­keit und Reform­un­wil­lig­keit der kath. Kir­che die Chan­ce eines Ankom­mens in der der Gegen­wart – von einem Ankom­men in der Zukunft ganz zu schweigen! 

    Die­ser Papst ver­hin­der­te ein Ankom­men in der Gegen­wart des­halb, weil

    • er neben dem männ­lich-zöli­ba­tä­ren Prie­ster­tum nicht auch ver­hei­ra­te­ten Prie­stern sowie ver­hei­ra­te­ten und unver­hei­ra­te­ten Prie­ste­rin­nen eine Amts­über­nah­me ermöglichte

    • er den wie­der­ver­hei­ra­tet Geschie­de­nen den Weg zum Abend­mahl ver­sperr­te. Wer Barm­her­zig­keit pre­digt, aber unbarm­her­zig han­delt, reißt neue Grä­ben im Bereich der eige­nen Glaub­wür­dig­keit auf. Was Jesus in der Form einer spru­deln­den Fon­tä­ne an Lie­be, Güte, Barm­her­zig­keit und Demut den Men­schen sei­ner Zeit vor­ge­lebt hat, ist zu einem kaum noch wahr­nehm­ba­ren Rinn­sal verkümmert.

    • er die Ämter in der Kir­che als Herr­schafts­mit­tel ver­stand und nicht zur Kennt­nis neh­men woll­te, dass Macht in der Kir­che sich grund­sätz­lich nur vom Dienst am Men­schen legi­ti­mie­ren kann. 

    • er mit sei­ner sei­ne welt­frem­den Sexu­al­mo­ral den Men­schen die Frei­heit nahm, sich auch außer­halb der Zei­ten eines Fort­pflan­zungs­wun­sches in For­men kör­per­li­cher Lie­be begeg­nen zu kön­nen – und zwar ohne die Gefahr einer unge­woll­ten Schwangerschaft

    • er nicht bereit war, der Orga­ni­sa­ti­on „Katho­li­scher Kir­che“ end­lich ein Mehr an Trans­pa­renz und Demo­kra­tie zu ver­ord­nen ; ein Mehr an Trans­pa­renz ist über­fäl­lig sowohl in den Berei­chen Juris­dik­ti­on, Ban­ken, Ämterbe­set­zung, u.a.

    • die­ser Papst einen Umgang mit inner­ka­tho­li­schen Kri­ti­kern und Quer­den­kern pfleg­te, der nur als inhu­man zu bezeich­nen ist. Amts­ent­he­bun­gen und Buß­schwei­gen haben kei­ner­lei jesua­ni­sche Legi­ti­ma­ti­on! Wie kann eine Kir­che, die sich in so mono­po­li­sti­scher Art und Wei­se ihrer gött­li­chen Gna­de rühmt, so gna­den­los sein! 

    • er nicht begriff, dass es in einer Kir­che, die sich als Com­mu­nio ver­steht, eine Rang­hö­her­stel­lung von Prie­stern über Lai­en nicht geben darf. 

    • die­ser Papst kein von Johan­nes XXIII. gefor­der­tes „aggior­na­men­to“ woll­te. Er woll­te zurück zu vor­kon­zi­lia­ren Ver­hält­nis­sen und hin zu einem Kir­chen­ver­ständ­nis, das geprägt ist von auto­ri­tä­ren, abso­lu­ti­sti­schen Herrschaftsstrukturen.

    • er nicht ver­stand, dass ein öku­me­ni­schen Mit­ein­an­der getra­gen sein muss von einem Ver­zicht auf Selbst­ge­rech­tig­keit, Selbst­an­ma­ßung und der Auf­recht­erhal­tung eines Mono­pol­an­spruchs an gött­li­chen Wahr­hei­ten. Zu der Vor­stel­lung von einer „Ein­heit in ver­söhn­ter Ver­schie­den­heit“ gibt es, wenn alle Betei­lig­ten wahr­haf­tig und ernst­haft den Gedan­ken der Öku­me­ne ver­wirk­li­chen möch­ten, kei­ne Alternative!

    Die­ser Papst betrieb Ver­rat am 2. Vati­ka­num — er war Gefan­ge­ner eines Kir­chen­bil­des, das als „socie­tas per­fec­ta“ eine fröh­li­che Urständ fei­ern soll­te. Eine sol­che Kir­che dient jedoch nicht mehr den Men­schen, son­dern nur noch sich selbst, indem sie Macht­po­si­tio­nen zurück­zu­er­obern trach­tet, die nur die Macht­be­dürf­nis­se der Herr­schen­den befrie­digt, Frau­en dis­kri­mi­niert, Men­schen­rech­te miss­ach­tet, Glau­bens­frei­heit leug­net (obwohl im Kon­zil beschlos­sen) und katho­lisch Anders­den­ken­de aus­grenzt, Kada­ver­ge­hor­sam ein­for­dert, Buß­schwei­gen ver­hängt, Pro­fes­so­ren mit nicht kon­for­men Mei­nun­gen von ihren Lehr­stüh­len entfernt, ….

    Von Papst Pius IX. stammt der ver­rä­te­ri­sche Satz: „Ein libe­ra­ler Katho­lik ist nur ein hal­ber Katholik.“

    Papst Bene­dikt blieb die­sem Peti­tum sei­nes Vor­gän­gers treu, denn sei­ne Gedan­ken­gän­ge las­sen sich wie folgt beschreiben:

    • Jeder Theo­lo­ge, der vom Geist der Auf­klä­rung, des 2. Vatik. Kon­zils – hier beson­ders der For­de­rung eines „aggior­na­ment­os“ von Johan­nes XXIII. – beseelt ist, bekommt im Vati­kan kei­ne Chance. 

    • Ein jeder Theo­lo­ge und Laie, der den Pflicht­zö­li­bat in Fra­ge stellt und sich für die Prie­ster­wei­he von Frau­en aus­spricht, ist vom Teu­fel geschickt. 

    • Ein jeder Theo­lo­ge und Laie, der sich für die Spen­dung der Eucha­ri­stie an wie­der­ver­hei­ra­tet Geschie­de­ne und an kon­fes­si­ons­ver­bun­de­ne Ehe­paa­re ein­setzt, wackelt an den Grund­fe­sten der kath. Kirche. 

    • Ein jeder Theo­lo­ge und Laie, der den neu­scho­la­sti­schen Denk­an­satz in Fra­ge stellt und davon über­zeugt ist, dass die in der kath. Kir­che gewach­se­nen Struk­tu­ren einen geschicht­li­chen und kei­nen onto­lo­gi­schen Ursprung haben, wer­den zu Rela­ti­vi­sten und Zeit­geist­de­nun­zi­an­ten erklärt.

    • Ein jeder Theo­lo­ge und Laie, der kon­zi­lia­re, syn­oda­le und dia­lo­gi­sche Vor­ga­ben bei wich­ti­gen Kir­chen­ent­schei­dun­gen ein­for­dert, ist ein inner­kirch­li­cher Nestbeschmutzer.

    • Und ein jeder Theo­lo­ge und Laie, der die Beach­tung der jesua­ni­schen Prin­zi­pi­en wie Näch­sten­lie­be, Barm­her­zig­keit und Ver­ge­bungs­be­reit­schaft gegen­über Per­so­nen im inner­ka­tho­li­schen (!) Bereich (vor allem gegen­über Quer­den­kern) postu­liert, wird zum Häre­ti­ker abgestempelt.

    Papst Bene­dikt ist und war ein beson­de­res Kreuz für sei­ne Kirche!

    Paul Haver­kamp, Lingen

    • „Papst Bene­dikt ist und war ein beson­de­res Kreuz für sei­ne Kirche!“
      Für Ihre moder­ni­sti­sche Kir­che ganz sicher­lich! Aller­dings ist Ihre For­mu­lie­rung deco­u­vrie­rend: Im Kreuz liegt das Heil.

    • @Paul Haver­kamp
      Wäre es nicht sinn­voll wenn sie für unse­re Sün­den und Dumm­heit ans Kreuz gehen und am drit­ten Tag wie­der auf­er­ste­hen würden?
      Sie könn­ten dann auch end­lich eine rich­ti­ge Kir­che grün­den, die wür­de den Namen Haver­kamp bis an das Ende der Zeit tra­gen und kein Auge wür­de trocken blei­ben hier auf die­ser Erde bis das Wort Haver­kampfs erfüllt ist. Auf wen sol­len wir denn noch warten?
      Wenn ich mich ihren Bei­trag so durch­le­se dann haben ange­fan­gen von Lot und die Engel in Sodo­ma bis hin zur Mut­ter Got­tes von Gua­da­lu­pe ale kom­plett ver­sagt. Ich wer­de mir ihren Bei­trag abspei­chern und wenn ich in die­ser Welt nicht mehr ein und aus weiß dann kann ich mühe­los nach­le­sen wo mei­ne Ret­tung beginnt und wo sie endet.
      Per Mari­am ad Christum.

    • „1. Der Kon­flikt mit dem Islam“
      Ja es ist schon ein Kreuz mit dem öku­me­ni­schen Dia­log. Die Spa­ni­er vor Lepan­to und König Sobieski von Polen waren kei­ne moder­nen, fort­schritt­li­chen und der Zukunft zuge­wand­te Katho­li­ken. Ich habe den Koran gele­sen und von Dia­log kann ich lei­der nicht berichten.
      Lie­ber Paul Haverkamp.
      Sie sind mei­ne letz­te Hoff­nung. Erklä­ren sie mir doch war­um der Erz­engel Gabri­el der Mut­ter Got­tes erscheint und dann unge­fähr 600 Jah­re spä­ter Moham­med und ihm ganz was ande­res erzählt als der aller­se­lig­sten Jung­frau und Got­tes­mut­ter. Wenn sie das Pro­blem für mich lösen kön­nen dann wer­de ich ein streng­gläu­bi­ger Anhän­ger des „Aggior­na­men­to“.
      Ich fin­de lang­sam Geschmack an ihrem Bei­trag. Das ist ja ein Fun­dus den ich schon lan­ge gesucht habe.
      Per Mari­am ad Christum.

  5. „Dadurch kön­ne die „fal­sche Kir­che“ Ber­go­gli­os zu gege­be­ner Zeit weg­ge­fegt werden.
    Auf die­se mensch­lich ver­ständ­li­che, sach­lich aber schwer nach­voll­zieh­ba­re und noch weit schwie­ri­ger durch­setz­ba­re The­se soll an die­ser Stel­le nicht näher ein­ge­gan­gen werden.“
    War­um nicht? Über­haupt wenn im Fol­gen­den sehr wohl auf einen rela­tiv leicht nach­voll­zieh­ba­ren Punkt ein­ge­gan­gen wird?
    Aus wel­cher Quel­le soll­ten wir sonst über die­ses immens wich­ti­ge The­ma Infor­ma­tio­nen bezie­hen, wenn nicht aus dieser?

  6. In den USA wird der­zeit noch eine ganz ande­re The­se dis­ku­tiert, näm­lich die, daß Bene­dikt XVI. mög­li­cher­wei­se nur vom Amt des Bischofs von Rom zurück­ge­tre­ten sei, nicht aber von dem des Pap­stes. Bei­de wer­den zwar für gewöhn­lich in Per­so­nal­uni­on aus­ge­übt, aber es gab bereits Fäl­le, wo jemand Papst war, nicht aber Bischof von Rom. So war der hei­li­ge Petrus bereits ab der Him­mel­fahrt des Herrn Vica­ri­us Chri­sti, hielt sich aber zunächst noch in Jeru­sa­lem auf, wur­de dann Bischof von Antio­chia und erst Jah­re spä­ter Bischof von Rom. Ste­phan II. (gewählt im Jahr 752) war zwar Papst, wur­de aber nie Bischof von Rom, da er bereits vor sei­ner Bischofs­wei­he ver­starb. Das Erste Vati­ca­num hat es unter Ver­weis auf nam­haf­te Theo­lo­gen und Kano­ni­sten, die eine gegen­tei­li­ge Auf­fas­sung ver­tre­ten, aus­drück­lich abge­lehnt, eine Untrenn­bar­keit der Ämter des Pap­stes und des Bischofs von Rom zu dog­ma­ti­sie­ren. Wer sich für die Dis­kus­si­on inter­es­siert und Eng­lisch ver­steht sei auf https://wdtprs.com/2020/06/the-mazza-hypothesis-benedict-resigned-as-bishop-of-rome-but-not-vicar-of-christ-wherein-fr-z-ponders-with-a-heavy-heart/, https://www.youtube.com/watch?v=iK1Zg1WyKI4, https://www.youtube.com/watch?v=bABWi2CoVlc und https://www.barnhardt.biz/2020/06/03/barnhardt-podcast-113-leave-the-bishopric-take-the-papacy/ verwiesen.

  7. Papst Bene­dikt XVI, nann­te sich Mit­ar­bei­ter der Wahr­heit. Nicht Mit­ar­bei­ter der Diplo­ma­tie. Schein­bar will man nur noch Poli­tik machen, und kann als Päp­ste so auch nur noch Diplo­ma­ten gebrau­chen? Die Regens­bur­ger Rede war nicht weni­ger als pro­phe­tisch. Was sich seit­her in dem Zeit­raum bis heu­te im Islam an unvor­stell­ba­ren Gewalt­ex­zes­sen ereig­net hat, spricht eine deut­li­che Spra­che, näm­lich dass der Zeit­punkt ver­passt wur­de, die Gewalt im Islam welt­weit auf die Tages­agen­da zu set­zen. Insb­son­de­re der Islam selbst hat den Zeit­punkt ver­passt. Er ist im Anse­hen nicht weni­ger als schwer beschädigt.

  8. Paul Haver­kamp, Lingen
    Da wir für die Rea­li­tät und die Wahr­heit nur noch wenig, dafür für Ideo­lo­gien umso mehr Frei­heit der Mei­nungs­äu­ße­rung haben, muss ich Ihren Kom­men­tar lei­der ertra­gen. Erstaunt bin ich immer wie­der über das Außmaß an Ver­blen­dung, das Men­schen befal­len kann.

  9. Herrn Paul Haver­kamp, Lingen
    zu Beginn muss ich dar­auf ver­wei­sen, dass wir das Pon­ti­fi­kat von Papst Bene­dikt XVI voll­kom­men anders beur­tei­len. Wenn wir erken­nen, dass das Ent­schei­den­de an der Bot­schaft eines Pap­stes die Wahr­heit ist, so hat er sei­ne wesent­lich­te Auf­ga­be voll erfüllt. Er hat von der Wahr­heit Zeug­nis gege­ben, genau im Sin­ne sei­nes Her­ren, der vor sei­nem Rich­ter bekann­te, dass er dazu in die Welt gekom­mem sei, um von der Wahr­heit Zeug­nis zu geben. Ihr Arti­kel ist in der Zusam­men­fas­sung der ulti­ma­ti­ve Beweis dafür, wie aus­ge­zeich­net Bene­dikt sein Amt als Stell­ver­tre­ter Chri­sti erfüllt hat, Ich könn­te jeden Punkt von Ihnen neh­men und Dan­ke Bene­dikt sagen. Er hat mei­nem Glau­ben gestärkt und mir in sei­nen aus­ge­zeich­ne­ten Reden von Regens­burg ange­fan­gen die Logik des Glau­bens zu erken­nen. gegeben.

    • Eine Bit­te an mei­ne Kritiker

      Dass ich inner­halb die­ses Forums mit mei­nem ein­ge­stell­ten Bei­trag auf wenig Freun­de tref­fe, war mir von Anfang an sehr bewusst.

      Alle Kri­ti­kern möch­te ich jedoch eine Fra­ge stellen:

      War­um gehen Sie als Kri­ti­ker mei­nes Bei­tra­ges auf kei­nes mei­ner Argu­men­te ein und stel­len mei­ner Argu­men­ta­ti­on Ihre (sic) Argu­men­ta­ti­on ent­ge­gen, so dass ich die Chan­ce bekä­me, mit Ihnen in einen frucht­ba­ren Dia­log zu treten?

      Auf­grund feh­len­der Gegen­ar­gu­men­te bzw. nach­prüf­ba­rer Fak­ten muss ich der Annah­me sein, dass Sie kei­ne Gegen­ar­gu­men­te bzw. an kei­ner Stel­le mir nach­wei­sen kön­nen, dass ich die Unwahr­heit gesagt habe.
      Soll­te ich an irgend­ei­ner Stel­le mit mei­nen über­all nach­prüf­ba­ren Fak­ten die Gren­ze zur Unwahr­heit über­schrit­ten habe, dann tei­len Sie mir das doch bit­te unter Bei­fü­gung von kon­kre­ten Fak­ten mit.
      Ich sehe Ihren Gegen­ar­gu­men­ten mit gro­ßem Inter­es­se entgegen!

      Paul Haver­kamp, Lingen

      • Ich neh­me ein­mal einen Ihrer Sät­ze heraus:

        „Ein jeder Theo­lo­ge und Laie, der sich für die Spen­dung der Eucha­ri­stie an wie­der­ver­hei­ra­tet Geschie­de­ne und an kon­fes­si­ons­ver­bun­de­ne Ehe­paa­re ein­setzt, wackelt an den Grund­fe­sten der kath. Kirche.“

        Die­ser Satz hat einen gra­vie­ren­den Feh­ler, in der kath. Kir­che gibt es kei­ne „wie­der­ver­hei­ra­tet Geschie­de­ne“ (bei den Pro­te­stan­ten schon), es sind Ehe­bre­cher nichts ande­res. Und es steht geschrie­ben: „Unzüch­ti­ge und Ehe­bre­cher wer­den das Him­mel­reich nicht erben“. Das bedeu­tet nach kath. Leh­re lan­den die­se Men­schen, wenn sie ohne Beichte/Reue ster­ben, in der Hölle.

        - War­um soll­te jemand, der in Tod­sün­de lebt den Leib den Herrn emp­fan­gen? Es steht geschrie­ben „wer mich unwür­dig isst, isst sich das Gericht“.

        - Wie kann ein Nicht­ka­tho­lik den Leib den Herrn emp­fan­gen, den er jedoch wie z. B. die Pro­te­stan­ten das hl. Mess­op­fer ablehnt?

        - Wenn ein Katho­lik die Sonn­tags­mes­se aus frei­em Wil­len (z. B. geht er lie­ber wan­dern) nicht besucht und des­halb vom Emp­fang der hl. Kom­mu­ni­on aus­ge­schlos­sen ist, wie kann dann z. B. ein Pro­te­stant empfangen?

        Was die kon­fes­si­ons­ver­schie­de­ne Ehe­paa­re betrifft, ich habe davon eini­ge in der Fami­lie. Eine Kata­stro­phe, der Katho­lik gibt immer nach, der beque­me Pro­te­stant siegt. Man ver­steht, war­um die­se Ehe­schlie­ßung vor dem Kon­zil noch ver­bo­ten war.

        Also nach Ihrem Text sind Sie nicht wirk­lich katho­lisch, es sind eher alles pro­te­stan­ti­sche Züge, die der Geist des Kon­zils rein gebla­sen hat. Der Rauch Satans ist ein­ge­drun­gen, man merkt es deutlich.

        Falls Sie katho­lisch sind, emp­feh­le ich Ihnen alles fal­len zu las­sen, neu anzu­fan­gen und zu beten wie ein Kind.
        Mit größ­ter Ehr­furcht gegen­über dem Herrn wer­den Sie die Wahr­heit fin­den, es wird geholfen.
        Dring­li­che Hilfs­mit­tel sind Beich­te, Rosen­kranz, knien­de(!) Mund­kom­mu­ni­on sowie gute Werke.

        Soll ich Ihnen sagen wo Sie dann am Ende lan­den? Sie wer­den die triden­ti­ni­sche Mes­se besu­chen, die Schön­heit lie­ben und das hei­li­ge Mess­op­fer immer mehr begrei­fen. Schließ­lich wer­den Sie wie ein Adler flie­gen und alles von oben sehen, das ent­sa­gen der Welt wird dann sehr einfach.

        Ich wün­sche Ihnen alles Gute!

      • „Dass ich inner­halb die­ses Forums mit mei­nem ein­ge­stell­ten Bei­trag auf wenig Freun­de tref­fe, war mir von Anfang an sehr bewusst.“
        Und genau des­we­gen sind sie mit ihrem Bei­trag in die­ses Forum rein­ge­gan­gen. Sie haben die­ses Forum schon län­ger beob­ach­tet und die Katho­li­ken die hier schrei­ben sind ihnen ein Dorn im Auge.

        „Auf­grund feh­len­der Gegen­ar­gu­men­te bzw. nach­prüf­ba­rer Fak­ten muss ich der Annah­me sein, dass Sie kei­ne Gegen­ar­gu­men­te bzw. an kei­ner Stel­le mir nach­wei­sen kön­nen, dass ich die Unwahr­heit gesagt habe.“
        Ich bezie­he das jetzt auf mich. Sie reden von Islam und Ökumene!

        Ich woll­te eine Erklä­rung von ihnen zur fro­hen Bot­schaft des Erz­engel Gabri­el zur Mut­ter Got­tes und etwa 600 Jah­re spä­ter zu Moham­med. Dröh­nen­des Schwei­gen. Sie ver­lan­gen Argu­men­te von Katho­li­ken in die­sem Forum zu ihren Bei­trag der in jedem kir­chen­feind­li­chen athe­isti­schen Forum Begei­ste­rungs­stür­me aus­ge­löst hät­te. Argu­men­te? Die kön­nen sie von mir kriegen.

        Wir glau­ben das Jesus Chri­stus der Sohn Got­tes ist, wir glau­ben das die katho­li­sche Kir­che die sei­ne und das sie Hei­lig ist.
        Wir glau­ben das unser Gott der Vater und der Sohn und der Hei­li­ge Geist ist. Wir glau­ben das die Hei­li­ge Katho­li­sche Kir­che allen Angrif­fen Satans und sei­ner Skla­ven bis zum letz­ten Tag stand hal­ten wird. Wir glau­ben das die aller­se­lig­ste Jung­frau und Got­tes­mut­ter die Kir­che ihres Soh­nes tri­um­phal ver­tei­di­gen wird. Wir glau­ben das der Herr unser Gott kom­men und Gericht hal­ten wird denn Lie­be ohne Gerech­tig­keit ist ein blan­ker Hohn auf alles was die­sen Gott aus­zeich­nen tut. Wer das Gericht unse­res Got­tes nicht mag der früh­stückt auch ger­ne im Reich unse­res Got­tes mit einem Mas­sen­mör­der. Sie wol­len Argu­men­te. Die kön­nen sie kriegen.

        Die chri­stia­ni­sie­rung Ame­ri­kas set­zen sie mit Völ­ker­mord in Ver­bin­dung. Das ist typi­sches Geschwätz der Fein­de der Kir­che. Wenn die Azte­ken moder­ner und unter dem Schutz ihrer Men­schen­op­fern­den Göt­ter gestan­den hät­ten dann hät­ten sie Euro­pa erobert und die deut­sche Bischofs­kon­fe­renz wür­de es nicht mehr geben und der syn­oda­ler Weg wäre obso­let. Sie wol­len ver­hei­ra­te­te Män­ner in der Kir­che zulas­sen die sie gar nicht lie­ben. Sie bekla­gen die Welt­fremd­heit der Kir­che in sexu­el­len Fra­gen und gleich­zei­tig beto­nen sie das die Kir­che sich immer mit den Mäch­ti­gen die­ser Welt ein­ge­las­sen hat. Mit wem lässt sich eigent­lich das Aggior­na­men­to ein?

        Jetzt brin­ge ich das Argu­ment aller Argu­men­te für den modern­sten aller moder­nen Katho­li­ken. Wenn unser Herr und Gott in der Wüste das Ange­bot Satans ange­nom­men hät­te und die­se Welt für einen Knie­fall oder für 30zig Sil­ber­lin­ge in sei­nen Besitz gebracht hät­te, dann hät­ten wir sofort das Para­dies auf Erden, es gäbe kei­ne Krie­ge mehr, es gäbe kei­ne Krank­hei­ten mehr, es gäbe nichts mehr was uns kei­nen Spaß machen wür­de. Das Pro­blem ist nur das der Tod nicht besiegt wäre und Satan wäre als guter Freund immer mit­ten uns uns.
        Per Mari­am ad Christum.

      • Was für „Argu­men­te“ haben Sie gebracht? Glau­ben Sie im Ernst, dass man hier jeman­den ernst­nimmt, der mit dem Tot­schla­ge­wort „Reli­gi­ons­mo­no­po­list“ beginnt? Gehen doch Sie auf Shu­cas Argu­men­ta­ti­on ein, Sie ist der Ihri­gen hun­dert­mal überlegen.

      • Mit lässt ihr Bei­trag kei­ne Ruhe. Wenn ich es rich­tig ver­stan­den habe liegt ihnen Öku­me­ne mit allen und jeden tief in ihrem Glau­bens­ver­ständ­nis. Viel­leicht gehe ich zu weit aber es muß raus. Wir soll­ten als moder­ne und auf­ge­schlos­se­ne Katho­li­ken Satan und sei­ne Kir­che ( sie nennt sich Kir­che Satans) ein Ange­bot machen. Wenn sie huma­ni­stisch, men­schen­freund­lich und sich die­ser moder­nen Welt auf­ge­schlos­sen gegen­über zeigt soll­ten wir sehr groß­zü­gig sein. Wer gegen­über Satan kei­ne Barm­her­zig­keit zei­gen kann ist ein Katho­lik aus dem fin­ster­sten Mit­tel­al­ter, das ist die Zeit nach moder­ne Geschichts­for­schung wo die Son­ne nur maxi­mal 1,5 h am Tag geschie­nen hat. Wie fin­den sie mei­nen Vor­schlag? Wenn ich so wei­ter mache dann wer­de ich bald als Peri­tus zum syn­oda­len Weg eingeladen.
        Per Mari­am ad Christum,

  10. Es stün­de auch Ihnen gut an, ver­ehr­te Redak­teu­re von katho­li­sches info, wenn Sie damit auf­hö­ren wür­den, bestimm­te Ver­schwö­rungs­theo­rien zu ver­brei­ten. Die Kir­che hat wahr­lich ande­re Pro­ble­me, als die For­mu­lie­rung eines päpst­li­chen Amts­ver­zichts, der angeb­lich absicht­lich nebu­lös gehal­ten wur­de, sodass „frü­her oder spä­ter des­sen Ungül­tig­keit sicht­bar wer­den müs­se“ und die „fal­sche Kir­che Ber­go­gli­os zu gege­be­ner Zeit weg­ge­fegt werden…könne.“ Ist Ihnen die­ser üble Aus­druck nicht bekannt? Er stammt von Her­mann Göring, dem Ober­be­fehls­ha­ber der deut­schen NS-Luft­waf­fe, der sei­ne poli­ti­schen Geg­ner eben­falls „hin­weg­fe­gen bzw. hin­aus­fe­gen“ wollte. 

    Nun stellt sich die Fra­ge, war­um Papa eme­ri­to Bene­det­to den Ver­zicht so unklar for­mu­lier­te, wie er offen­bar for­mu­liert ist. Ach ja, er sei zum Rück­tritt gezwun­gen worden…!
    Nun ein­mal „But­ter bei die Fische,“ wie die Nord­deut­schen zu sagen pflegen.
    Hät­te der Papa eme­ri­to das Rück­grat von Papst Johan­nes Paul II. beses­sen, so wäre ein Rück­tritt für ihn nicht in Fra­ge gekom­men. Der hl. Johan­nes Paul II. hielt stand: sei­nen uner­träg­li­chen Schmer­zen, sei­ner schwe­ren Erkran­kung, auch vie­len Angrif­fen, die jah­re­lang von allen mög­li­chen Sei­ten kamen. 

    In einem Punkt gebe ich Ihnen jedoch recht: der Rück­tritt war, der prak­ti­schen Aus­füh­rung nach zu schlie­ßen, halb­her­zig. Ein kom­plet­ter und ehr­li­cher – ein ehr­li­cher – Rück­tritt hät­te bedeu­tet, dass:
    Bene­dikt XVI. sich nach Bay­ern, z.B. in ein Klo­ster zurück­ge­zo­gen hät­te. Dass er wie­der Erz­bi­schof Joseph Ratz­in­ger gewe­sen wäre. Dass er die wei­ße Papst­ge­wan­dung und sei­nen Fischer­ring nie­der­ge­legt hätte.
    Statt­des­sen blieb er letzt­lich Papst, wenn auch nicht mehr amtie­rend. Er blieb – und das ist das Ent­schei­den­de – an der Quel­le sit­zen, um, ganz im Gegen­satz zu sei­ner voll­mun­di­gen Ankün­di­gung, sich völ­lig zurück­zu­zie­hen, doch immer mal wie­der sei­ne Stim­me hören zu las­sen. Um sei­ne Anhän­ger, die häu­fig Geg­ner sei­nes Nach­fol­gers und not­wen­di­ger, längst fäl­li­ger Refor­men sind, zu emp­fan­gen, Anhän­ger, die offen­bar, die Gunst der Stun­de nutz­ten, um ihre Rän­ke gegen Fran­ces­co und gegen anste­hen­de Ände­run­gen zu schmie­den. In einem baye­ri­schen Klo­ster wäre Erz­bi­schof Ratz­in­ger hin­ge­gen uner­reich­bar bzw. nicht leicht erreich­bar gewe­sen. Auch nicht für einen Kar­di­nal Sarah. 

    Zwei Päp­ste – zwei Kir­chen? Ein Trau­er­spiel, an dem nicht Papa Fran­ces­co mit­wirkt, son­dern der Alt-Papst in Ver­ant­wor­tung steht, der sich ja gei­sti­ger Klar­heit erfreu­en darf. 

    Was Ihre „fal­sche Kir­che“ betrifft, so wäre der ein­zi­ge ehr­li­che und wahr­heits­mä­ßi­ge Weg der, sich ganz im Sin­ne des Urchristentums/des frü­hen Chri­sten­tums zu erneu­ern. Ehr­lich­keit, Wahr­heit und Hei­lig­keit sind der ein­zi­ge Weg für die auf Chri­stus gegrün­de­te Kir­che. Eine Hei­lig­keit, die eng­stens mit Ehr­lich­keit und Wahr­heit ver­bun­den sein muss, ent­lang der bibli­schen Schrif­ten. Und nicht im Sin­ne heh­rer, oft uner­reich­ba­rer For­de­run­gen in einer Über­hö­hung des Hei­li­gen, wie es weder der Gott Isra­els und Jesu dem gläu­bi­gen Volk, noch Jesus Chri­stus selbst sei­nen Jün­gern auf­zwang, sodass die Über­hö­hun­gen frü­her oder spä­ter oder immer wie­der zu Halb­her­zig­keit und Ver­lo­gen­heit führen.

    Dazu eine inter­es­san­te Bemer­kung am Ran­de: Sie schrei­ben zu Beginn Ihres Arti­kels fol­gen­des Zitat Joseph Ratz­in­gers aus sei­nen frü­hen Prie­ster­jah­ren: er habe erkannt, „dass das Chri­sten­tum in den ver­gan­ge­nen 400 Jah­ren ein ein­zi­ges Rück­zugs­ge­fecht führ­te.“ War das nicht in den Jahr­hun­der­ten nach dem als unver­rück­bar gel­ten­den Triden­ti­ni­schen Kon­zil, wel­ches von den sich beson­ders katho­lisch Wäh­nen­den fast hei­lig­ge­spro­chen wurde?
    … Oh weh! Nun wer­den mich die­se wie­der „stei­ni­gen“…!
    Dr. Julia­na Bauer

    • Nie­mand wird Sie stei­ni­gen. Aber allein das Wort „Ver­schwö­rungs­theo­rie“ ist ein Kampf­be­griff von einem gewis­sen Carl Pop­per, der unse­rer Kir­che nicht eben nahe­ge­stan­den sein dürf­te. Das sei Ihnen ein­mal gesagt, wenn Sie auf weit­her­ge­hol­ten und obsku­ren Begriffs­as­so­zia­tio­nen herumreiten.
      Dass Bene­dikt II mög­li­cher­wei­se nicht das Rück­grat sei­nes Vor­gän­gers hat­te, wird von hie­si­gen Autoren kei­nes­wegs in Abre­de gestellt. Was soll das an der Mög­lich­keit ändern, dass er das Opfer von Zwang oder Erpres­sung gewor­den ist? In die­sem Fall bre­chen auf Ihre nach­fol­gen­den „Argu­men­te“, rec­te Leer­for­meln von der „Hei­lig­keit, Ehr­lich­keit und Wahr­heit“ der Urkir­che in sich zusam­men. Erfüllt gar Ihr „papa Fran­ces­co“ die­se Kriterien?
      Der letz­te Absatz ist plat­te Pole­mik. Dass das von Ratz­in­ger gemein­te Rück­zugs­ge­fecht von Luther aus­ge­löst wor­den war, ist evident.
      Bil­li­ge moder­ni­sti­sche Pole­mik, was Sie von sich geben, sonst nichts.

  11. Mich befrem­det und über­rascht immer wie­der die gewal­ti­ge Dif­fe­renz zwi­schen dem Appa­rat, tei­len des Kle­rus auf der einen Sei­te und dem gläu­bi­gem Volk auf der ande­ren Sei­te. Eine Ent­frem­dung wie sie grö­sser nicht sein könn­te. Wäh­rend der Appa­rat, ins­be­son­de­re in Deutsch­land ihren Lieb­lings­kan­di­da­ten (Fran­zis­kus I.) mit frag­wür­di­gen Vor­ab­spra­chen durch­gew­zun­gen haben, hat das gläu­bi­ge Volk Bene­dikt XVI. geliebt. Wel­che Begei­ste­rung war das, wel­cher Früh­ling und Begei­ste­rung des Glau­bens wur­de aus­ge­löst, und unter Fran­zis­kus I. ver­flacht alles, kei­ne Begei­ste­rung, kein Über­schwang, nur dipo­lo­ma­ti­sche Trock­heit. Zwar bemüht er sich auch, aber kommt auch nicht wirk­lich ins Herz der Gläu­bi­gen durch, weni­ge Aus­nah­men abge­se­hen. Ins­ge­samt ein Ver­dun­sten der pfingt­li­chen Stim­mung, die Bene­dikt XVI. im Glaäu­bi­gen Volk aus­zu­lö­sen vermochte.

  12. @Herrn Haver­kamp
    Wenn Sie mich anspre­chen und von mir eine Ant­wort auf Ihr Ela­bo­rat erwar­ten, muss ich klar sagen, dass ich die­ses nie tuen werde.
    Das Ziel mei­nes Kom­men­tars war Bene­dikt XVI mei­nen Dank aus­zu­spre­chen und zwar dafür, dass er uns die rich­ti­gen Ant­wor­ten gege­ben hat in den Punk­ten, die sie unter fal­schen Vor­zei­chen und zwar mit Syste­ma­tik gese­hen haben. Haben Sie Ver­ständ­nis dafür, dass man nicht über alles reden muss und auch Schwei­gen eine Ant­wort ist.

  13. Viel­leicht bleibt Bene­dikt XVI. auch nach dem Tod und dem Begräb­nis sei­nes Bru­ders Georg in Regens­burg und geht nicht mehr nach Rom zurück. Spä­te­stens dann müss­te das ewi­ge Gesül­ze von der Ungül­tig­keit sei­nes Amts­ver­zichts und von den zwei Päp­sten eigent­lich end­gül­tig erle­digt sein.

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