Warum Bischöfe und Politiker Feinde des Glaubens und der Demokratie sind

Gedanken zu den Coronavirus-Maßnahmen von Regierungen und Bischöfen

Gedanken zum Coronavirus und mehr noch zu den Coronamaßnahmen der Regierungen.
Gedanken zum Coronavirus und mehr noch zu den Coronamaßnahmen der Regierungen und der Bischöfe.

Die Maß­nah­men der Regie­run­gen, aber auch der Bischö­fe wer­fen nach Wochen der Coro­na-Kri­se immer mehr Fra­gen auf, und sie wer­den auch zuneh­mend deut­li­cher vor­ge­tra­gen. Das Virus ist eine Rea­li­tät unab­hän­gig von der nicht geklär­ten Fra­ge, woher es genau stammt, ob vom Tier­markt in Wuhan oder aus einem Bio­la­bor (jenem des chi­ne­si­schen Mili­tärs oder jenem von Geor­ge Soros, die sich bei­de in Wuhan befin­den, sei dahin­ge­stellt). Tat­sa­che ist auch, daß es Risi­ko­grup­pen gibt, für die das Virus gefähr­lich sein kann. Im Extrem­fall ster­ben Men­schen mit Vor­er­kran­kun­gen dar­an, beson­ders betag­te. Kann aber wirk­lich von einer Epi­de­mie gespro­chen wer­den? In den mei­sten Län­dern liegt die Zahl der Toten weit unter der jähr­li­chen sai­so­na­len Grip­pe. Selbst in den mas­siv betrof­fe­nen Län­dern wie Nord­ita­li­en geht es um die Grö­ßen­ord­nung einer schwe­ren Grippe.

Die Epi­de­mie, von der seit Ende Janu­ar die Rede ist, nahm bis­her in Euro­pa einen ver­gleichs­wei­se mil­den Ver­lauf: punk­tu­ell etwas mas­si­ver, zumeist aber ver­hal­ten bis sehr ver­hal­ten. Die Aus­brei­tungs­kur­ven, die inzwi­schen für die ein­zel­nen Län­der vor­lie­gen, zei­gen in Euro­pa kei­ne signi­fi­kan­ten Unter­schie­de zwi­schen Län­dern, die radi­kal das gesam­te öffent­li­che Leben her­un­ter­ge­fah­ren haben (wie Deutsch­land, Öster­reich, Ita­li­en usw.) und Län­dern, die nur punk­tu­el­le und geziel­te Maß­nah­men ergrif­fen haben, das öffent­li­che Leben aber wei­ter­lau­fen lie­ßen (wie Tai­wan und Schweden).

Damit drängt sich die Fra­ge immer lau­ter in den Raum: War das wirk­lich notwendig? 

Gemeint sind die Maß­nah­men der Regie­run­gen, die zu in Demo­kra­tien bei­spiel­lo­sen Ein­grif­fen geführt haben. Um die­se Fra­ge wird die Gesell­schaft nicht umhin­kom­men. Ihr wer­den sich die regie­ren­den Poli­ti­ker stel­len müs­sen, wenn­gleich ihnen der Gedan­ke dar­an nicht gefal­len wird, und sie sich in ihre Selbst­ze­le­brie­rung sicht­lich woh­ler fühlen.

Ja, an hohen Umfra­ge­wer­ten kön­nen Poli­ti­ker schon Gefal­len fin­den, auch am Gefühl, „Ret­ter in der Not“ zu sein, das der­zeit in täg­li­chen Pres­se­kon­fe­ren­zen zele­briert wird. Zunächst, am Höhe­punkt der Coro­na-Kri­se, ohne Mund­schutz, inzwi­schen mit Mund­schutz, was dann doch recht thea­tra­lisch wirkt.

„Wir alle sind Hel­den“, lau­tet eine der der­zeit her­um­ge­reich­ten Regie­rungs-Paro­len. Doch mehr als ein PR-Gag ist das nicht. Damit fei­ern sich die Regie­rungs­po­li­ti­ker näm­lich vor allem selbst und schmei­cheln ein wenig den geplag­ten Bür­gern. Fak­ten sind aber wich­ti­ger als Schmei­che­lei­en, vor allem da die Rech­nung erst ser­viert wird, und die ist nicht medi­zi­ni­scher, son­dern öko­no­mi­scher Art. Doch wie man weiß, kann dar­aus schnell ein Domi­no­ef­fekt wer­den und sich auf die sozia­le Ebe­ne aus­wei­ten und zum Flä­chen­brand wer­den. Hof­fen wir, daß dem nicht so sein wird.

Widerspruchlosigkeit

Eine der bren­nend­sten Fra­gen die­ser Tage betrifft daher ein Stau­nen: Wie ist es mög­lich, daß gan­ze Völ­ker fast wider­spruchs­los die Beschrän­kung und Gefähr­dung ihrer gan­zen Exi­stenz und die ihrer Fami­li­en akzeptieren?

Wel­che Ingre­di­en­zi­en braucht es dafür? 

Da wäre zunächst vor allem, daß der Feind unsicht­bar ist. Eben­so unsicht­bar wie zuvor bereits die Bedro­hung durch CO2, die Bedro­hung durch den Fein­staub, die Bedro­hung durch das Ozon­loch, die Bedro­hung durch das Wald­ster­ben usw. Im Rück­blick war kei­ne davon auch nur annä­hernd eine wirk­li­che Gefahr. Hin­zu kommt die sich von „Bedro­hung“ zu „Bedro­hung“ ver­stär­ken­de Herr­schaft der Exper­ten. Über Nacht bekommt die Bevöl­ke­rung eine Hand­voll Exper­ten vor­ge­setzt, die der Poli­tik, so zumin­dest der Ein­druck, vor­ge­ben, ja dik­tie­ren, wo es lang­ge­hen soll. Bei genaue­rem Hin­se­hen fällt aller­dings schnell auf, daß so man­cher die­ser Exper­ten heu­te das sagt und mor­gen das Gegen­teil davon. Wie­der ande­re lie­gen mit ihren nicht veri­fi­zier­ten Exper­ti­sen offen­kun­dig falsch.

Das Exper­ten­eis ist also dünn, zu dünn, um das Schick­sal gan­zer Staa­ten in ihre Hand zu legen. So wich­tig sie sich selbst in sol­chen Momen­ten auch füh­len mögen. Vor allem ist auch nicht der mensch­li­che Aspekt zu unter­schät­zen, bei Exper­ten wie Poli­ti­kern, bei letz­te­ren der­zeit deut­lich erkenn­bar, daß sie sich vor allem um ihr Image sor­gen. Sie haben sich (was noch egal wäre) und ihr Land (was nicht egal ist) mit schnel­len, wahr­schein­lich vor­schnel­len Radi­kal­maß­nah­men in eine Sack­gas­se manö­vriert, aus der sie erst wie­der her­aus­fin­den müs­sen – ohne, ja ohne ihr Gesicht zu ver­lie­ren. Genau die­se Image­pfle­ge kann die Bür­ger aber erst noch ganz teu­er zu ste­hen kom­men. Das Geschwur­bel von „neu­er Nor­ma­li­tät“, von „mit den Maß­nah­men leben, solan­ge es das Virus gibt“, von „kei­ne Nor­ma­li­tät, solan­ge es kei­nen Impf­stoff gibt“ und Zeit­an­ga­ben, die bis ins Jahr 2021/​22 rei­chen, ist nur ein wei­te­res Her­um­sto­chern im Dun­keln. Der Ein­druck steht im Raum, daß die Regie­rungs­ver­ant­wort­li­chen damit mehr sich selbst schüt­zen wol­len, damit nicht viel­leicht auf­kom­men könn­te, daß der gan­ze Maß­nah­men-Zin­no­ber samt wahr­schein­lich schwer­wie­gend­sten Rechts­brü­chen weit über­zo­gen war. 

Wer über­nimmt die Ver­ant­wor­tung für die Arbeits­lo­sen, die Kurz­ar­bei­ter, die rui­nier­ten Unter­neh­mer, die Schuldenexplosion? 

Die ver­ant­wort­li­chen Poli­ti­ker offen­sicht­lich nicht – tun sie ja nie –, denn sie fei­ern sich der­zeit selbst, wie gut sie doch sei­en und alles rich­tig gemacht hät­ten. Der Ver­gleich mit Tai­wan, Süd­ko­rea, Sin­ga­pur und Schwe­den sagt aller­dings etwas ande­res. Etwas mehr Selbst­kri­tik wäre bes­ser. Wenn nicht jetzt, dann zumin­dest bald. 

Die Ent­schei­dun­gen, das steht näm­lich fest, tref­fen die Poli­ti­ker, die sich weder hin­ter Exper­ten ver­stecken noch von Medi­en trei­ben las­sen soll­ten. Schon gar nicht soll­ten sie „Emp­feh­lun­gen“ und „Wün­sche“ von sol­chen aus­füh­ren, die im Dun­keln ste­hen und die man nicht sieht, zum Bei­spiel der Phar­ma­lob­by, als deren Haupt­fi­gur Bill Gates erkenn­bar ist, einer der größ­ten Abtrei­bungs­fi­nan­ciers, der zu jenem schil­lern­den Mil­li­ar­därs­zir­kel gehört, die von einer Bevöl­ke­rungs­de­zi­mie­rung träu­men. Man erin­ne­re sich an die For­mel von Gates zur CO2-Redu­zie­rung (Tech­no­lo­gy, Enter­tain­ment and Design Con­fe­rence 2010 in Long Beach, Kali­for­ni­en), mit der eine Bevöl­ke­rungs­re­du­zie­rung mein­te. Ted Tur­ner, der CNN-Grün­der, mein­te in den 90er Jah­ren sogar, man sol­le die Welt­be­völ­ke­rung um 95 Pro­zent redu­zie­ren. Wenn sie schon nicht davon träu­men, Mil­li­ar­den von Men­schen zu dezi­mie­ren, träu­men sie der­zeit zumin­dest davon, Mil­li­ar­den von Men­schen zu imp­fen – und noch viel mehr Mil­li­ar­den dar­an zu verdienen.

Es gibt also zwei Schlüs­sel­ak­teu­re: Die Poli­ti­ker, die for­ma­le Ent­schei­dun­gen tref­fen müs­sen, und die Medi­en, die für die Begleit­mu­sik sor­gen. Gemeint ist damit, daß sie die Bevöl­ke­rung ruhig hal­ten und in ihrem Den­ken len­ken sol­len. Und das tun sie bereit­wil­lig. Noch bereit­wil­li­ger, seit sie von den Regie­run­gen als „system­re­le­vant“ ein­ge­stuft wur­den und Steu­er­mil­lio­nen an zusätz­li­cher Pres­se- und Ver­triebs­för­de­rung erhal­ten. Man könn­te auch vom per­fi­de­sten Medi­en­kauf der Geschich­te sprechen.

Panikmache und manipulierende Information

Das viel­leicht Schlimm­ste an der Sache ist aber die Panik­ma­che. Nichts macht Men­schen ver­wund­ba­rer als Angst. Seit Jahr­zehn­ten, mit immer grö­ße­rer Per­fek­ti­on, wird mit Äng­sten gespielt. Was ande­res war Gre­ta Thun­berg mit ihren FFF, ein Mäd­chen, das ernst­haft glaubt, die Welt gehe in 18 Mona­ten unter (inzwi­schen dürf­ten es nur mehr 10 Mona­te sein)? Die Liste unver­ant­wort­li­cher Poli­ti­ker­aus­sa­gen zur Coro­na-Kri­se wur­de noch nicht erstellt. Soll­te sie aber. Die Fol­gen sind spür­bar. Die miß­traui­schen Blicke, wenn sich Wage­mu­ti­ge doch auf die Stra­ße trau­en. Unschö­ne Sze­nen in Super­märk­ten, wenn jemand glaubt, daß ande­re einen staat­lich ver­ord­ne­ten „Min­dest­ab­stand“ nicht ein­hal­ten. Das Wie­der­auf­le­ben des Blockwarts.

Die Poli­ti­ker behaup­ten einen „Not­stand“, der von der Wirk­lich­keit immer mehr in Luft auf­ge­löst wird. Die Medi­en erzeu­gen Panik – oh ja, das kön­nen sie gut, sehr gut sogar. Es wur­de lan­ge ein­ge­übt. Man erin­ne­re sich an die Pro­pa­gan­da­ma­schi­ne, die in den ver­gan­ge­nen 100 Jah­ren vor jedem Krieg ange­wor­fen wur­de, um die eige­ne Bevöl­ke­rung auf den Krieg ein­zu­stim­men. Im Nach­hin­ein erwie­sen sich die Haupt­grün­de nicht sel­ten als Schall und Rauch.

Der demo­kra­ti­sche Ent­schei­dungs­pro­zeß scheint nicht erst seit dem Coro­na­vi­rus in eine Schief­la­ge gera­ten. Die einer Demo­kra­tie ent­spre­chen­de Wil­lens­bil­dung von unten läßt sich von den Denk­vor­ga­ben von oben nicht mehr genau unter­schei­den. Das real Geglaub­te kann sich zuwei­len schnell als drei­ste Mani­pu­la­ti­on herausstellen.

Man mag den Regie­ren­den zugu­te hal­ten, daß sie über­for­dert sind. Den beruf­li­chen Wer­de­gang der Gesund­heits­mi­ni­ster kann sich jeder nach­le­sen. Der All­tag, die Mecha­nis­men und die Rekru­tie­rung des poli­ti­schen Per­so­nals haben sich in den ver­gan­ge­nen Jahr­zehn­ten stark ver­än­dert. Poli­ti­ker sind meist Lob­by­isten (vor allem in eige­ner Sache) und sie sind vor allem von Lob­by­isten regel­recht umzingelt.

Mit den recht­li­chen Aspek­ten der ein­schnei­den­den Ein­grif­fe in die gel­ten­de Rechts­ord­nung und die Frei­heits­rech­te der Bür­ger wer­den sich noch die Gerich­te zu befas­sen haben, vor allem unter dem Aspekt, künf­ti­ger Will­kür Schran­ken zu setzen.

Es geht also um Regie­ren­de und ihre teils zwei­fel­haf­ten und schwer­wie­gen­den Ent­schei­dun­gen. Es geht auch um eine brust­schwa­che Oppo­si­ti­on, die ihrem Kon­trollauf­trag eher unzu­rei­chend nach­kommt. Es geht auch um Medi­en, die ihrer Pflicht zur umfas­sen­den und aus­ge­wo­ge­nen Infor­ma­ti­on und dem Ethos eines kri­ti­schen Jour­na­lis­mus nicht annä­hernd mehr nach­kom­men. Es geht auch um Lob­by-Inter­es­sen im Hin­ter­grund, die Kapi­tal aus der Kri­se zu zie­hen ver­su­chen und nicht das All­ge­mein­wohl zum Ziel haben. 

Herdentrieb?

Es geht aber auch um die Obrig­keits­hö­rig­keit der Mas­sen. Die mei­sten hal­ten die Regie­rungs­maß­nah­men zwar für über­zo­gen, wis­sen aber nicht, was sie dage­gen tun sol­len. Schwer­wie­gen­der ist noch die Medi­en­hö­rig­keit, die Volk und Obrig­keit bedingt. Die Medi­en­ma­schi­ne ent­mu­tigt, wenn man hört, daß eine Coro­na-Maß­nah­men-kri­ti­sche Initia­ti­ve von Face­book gesperrt, also mund­tot gemacht wur­de; wenn man hört, daß in Baden-Würt­tem­berg eine Rechts­an­wäl­tin und im Kan­ton Aar­gau ein Kar­dio­lo­ge, der sei­ne Dok­tor­ar­beit im Bereich Immu­no­lo­gie und Viro­lo­gie ver­faß­te, fest­ge­nom­men und in Psych­ia­trien ein­ge­wie­sen wur­den, weil sie Kri­tik an den Regie­rungs­maß­nah­men gewagt hat­ten; wenn in Sach­sen eine SPD-Mini­ste­rin, die aus der alten SED stammt, und die Grü­nen die Psych­ia­trie­rung von „Maß­nah­men-Ver­wei­ge­rern“ for­der­ten und schon plan­ten; wenn in der Stei­er­mark einem Arzt, weil er Zwei­fel äußer­te, ein Brief der Ärz­te­kam­mer zuge­stellt wird, daß er sich dafür vor dem Dis­zi­pli­nar­ge­richt der Kam­mer zu ver­ant­wor­ten haben wer­de. Was ist das, wenn nicht Ein­schüch­te­rung, sozia­le Bedro­hung, Repres­si­on und Gleichschaltung?

Dazu ist kate­go­risch fest­zu­hal­ten: Mei­nun­gen zu Sach­fra­gen kön­nen nie ein Delikt sein. Und weil dem so ist, zum Mit­tel der Psych­ia­trie­rung zu grei­fen, erin­nert an Dik­ta­tu­ren und nicht an Demokratien.

Die Bei­spie­le ver­deut­li­chen, wie flie­ßend die Gren­zen in die­sen Tagen gewor­den sind. Vie­le trö­sten sich dar­über hin­weg, daß es ja dar­um gehe „Leben zu ret­ten“. Das kann die Fra­ge nach der Ver­hält­nis­mä­ßig­keit aber nicht erset­zen. Sonst wer­den wir zu Gefan­ge­nen von Viren, die jedes Jahr in Form der sai­so­na­len Grip­pe auf­tre­ten. Und zu Gefan­ge­nen der Phar­ma­in­du­strie, die lau­fend neue Impf­stof­fe auf den Markt bringt, mit denen „flä­chen­deckend“ geimpft wer­den soll. Man erin­ne­re sich an die Panik­ma­che wegen H1N1 im Jahr 2009. Ita­li­en kauf­te damals 40 Mil­lio­nen Imp­fun­gen, von denen kaum mehr als 10 Pro­zent zum Ein­satz kamen. Die Kri­se war auf­ge­bla­sen und fiel durch die Fak­ten in sich zusam­men – und nach­dem die Phar­ma­in­du­strie ihren Impf­stoff teu­er an die Regie­rung ver­kauft hatte. 

Und Hand aufs Herz: Glaubt jemand wirk­lich, daß die Dik­ta­tur, vor der man uns immer (mit vie­len histo­ri­schen Bezü­gen) gewarnt hat, an der Tür klin­gelt und sich als Dik­ta­tur vor­stel­len wird?

Man braucht den Schü­lern nicht mehr den Film The Wave zu zei­gen. Man braucht sich auch nicht mehr die Fra­ge zu stel­len: „Wie konn­te es 1933 dazu kom­men?“ Das ist ent­we­der fik­tio­nal und abstrakt oder zu weit ent­fernt. Der­zeit genügt es, ein­fach zum Fen­ster hin­aus­zu­schau­en. In der katho­li­schen Kir­che weiß man, daß der Weg in die Höl­le mit guten Vor­sät­zen gepfla­stert ist.

Alle hof­fen, daß die Coro­na-Kri­se eini­ger­ma­ßen glimpf­lich vor­über­ge­hen wird. Das hof­fen wir auch. Die auf­ge­wor­fe­nen Fra­gen und noch ande­re mehr sind aber zwin­gend zu stel­len, wenn man nicht will, daß wir gera­de den Pro­be­lauf zu einer wirk­li­chen Dik­ta­tur erleben.

Wie steht es um die Bischöfe?

Damit wären wir bei den Bischö­fen. Auch sie haben sich Fra­gen gefal­len zu las­sen. Da steht immer noch eine beson­ders bedrücken­de im Raum, die seit Wochen unbe­ant­wor­tet blieb. War­um haben die Bischö­fe die Mes­sen aus­ge­setzt? Es waren nur zum Teil die Regie­run­gen, die den ersten Schritt dazu setz­ten. In meh­re­ren Län­dern waren es die Bischö­fe. Die Regie­run­gen folg­ten erst danach, so gesche­hen auch in Nord­rhein-West­fa­len, in Ita­li­en, in Bayern.

Pro­zes­sio­nen wer­den nach deut­schem Poli­zei­recht als Demon­stra­tio­nen behan­delt, wes­halb grund­sätz­li­che Zwei­fel geäu­ßert wer­den, ob die Regie­rungs­maß­nah­men über­haupt grei­fen. Denn for­mal­recht­lich müß­ten auf öffent­li­chen Plät­zen im Frei­en zele­brier­te Mes­sen dem­nach erlaubt sein, was die Sache völ­lig ad absur­dum füh­ren wür­de. Die bischöf­li­chen Ordi­na­ria­te küm­mert es aber offen­sicht­lich nicht, sol­che „Details“ zu klären.

Damit steht noch eine Fra­ge im Raum: Hät­ten die Regie­run­gen es über­haupt gewagt, in die ver­fas­sungs­ga­ran­tier­te Kul­tus­frei­heit ein­zu­grei­fen, wenn die Bischö­fe anders gehan­delt hätten?

Die­se Fra­gen sind kei­ne Spitz­fin­dig­kei­ten, son­dern prin­zi­pi­el­ler Natur. Die Bischö­fe hät­ten die Mes­se zu ver­tei­di­gen, nicht sie preis­zu­ge­ben. Ist ihr Ver­hal­ten also gerechtfertigt?

Inzwi­schen regt sich immer mehr Kri­tik. Auch im Umgang damit haben sich man­che Bischö­fe nicht mit Lor­bee­ren geschmückt. Der Erz­bi­schof von Salz­burg, Franz Lack­ner, ein Fran­zis­ka­ner, fühlt sich genervt von Gläu­bi­gen, die sich bei ihm mel­den und auf die Wie­der­zu­las­sung zur Mes­se drängen.

Öster­reichs Bischofs­kon­fe­renz will den Zugang zur Mes­se ab 15. Mai wie­der erlau­ben, aller­dings mit einer Fül­le ärger­li­cher und zwei­fel­haf­ter Auf­la­gen. Ähn­li­ches tut sich in der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land. Bischof Bät­zing, der neue Vor­sit­zen­de der Deut­schen Bischofs­kon­fe­renz, klang jüngst, als übe er Kri­tik an den Regie­rungs­maß­nah­men. Wirk­lich glaub­wür­dig wirk­te das aber nicht. Ein­mal, weil die Bischö­fe den ersten Schritt beim Zusper­ren taten. Zwei­tens, weil in den jüng­sten Äuße­run­gen der Ein­druck ent­ste­hen konn­te, als sei für die Bischö­fe die Stil­le Mes­se kei­ne wirk­li­che, jeden­falls kei­ne erwünsch­te Mes­se, da die Event-Mes­se gewollt sei. Das aber berührt eine ganz ande­re Ebene.

Auch die Bischö­fe lei­sten wie die Poli­ti­ker einen Eid auf die Ver­fas­sung. Damit tref­fen auch sie die hart­näcki­gen Zwei­fel an der Ver­fas­sungs­mä­ßig­keit, was die Ein­schrän­kun­gen der Mes­se betrifft. Nicht nur als Ober­hir­ten sind sie zur Ver­tei­di­gung des Kul­tus ver­pflich­tet, son­dern auch durch ihren Ver­fas­sungs­eid, da die Kul­tus­frei­heit ein hohes Ver­fas­sungs­gut darstellt.

Wenn selbst der Wis­sen­schaft­li­che Dienst des Deut­schen Bun­des­ta­ges Zwei­fel an der Ver­fas­sungs­mä­ßig­keit der getrof­fe­nen Maß­nah­men äußert, soll­te fest­ste­hen, daß es um eine ern­ste Sache geht.

Abge­se­hen davon: Es ist auch der­zeit erlaubt, daß der Ein­zel­ne zum per­sön­li­chen Gebet in die Kir­che gehen darf. Das kön­nen auch 15 oder 20 Ein­zel­ne tun. Aber einer Mes­se dür­fen sie nicht bei­woh­nen. Das paßt nicht zusam­men. Es bleibt zu hof­fen, daß alle, Poli­ti­ker, Bischö­fe, Medi­en­ver­ant­wort­li­che, aber auch die Bür­ger und Gläu­bi­gen, dar­aus ler­nen, die undif­fe­ren­zier­ten Gene­ral­maß­nah­men gegen alle so schnell als mög­lich abzu­bau­en, sich auf geziel­te Maß­nah­men zu beschrän­ken und Schran­ken zu errich­ten, daß sich der­glei­chen nicht mehr wie­der­holt. Dazu gehört auch ein Hin­ter­fra­gen der Expertengläubigkeit.

In die Kir­che muß nie­mand gehen. Kein Katho­lik kann ernst­haft anneh­men, daß der Leib Chri­sti, der das Heil bedeu­tet, Scha­den bringt. Die Kir­che sieht aus­rei­chend Dis­pen­sie­run­gen vor, um poten­ti­el­le Risi­ko­grup­pen zu schützen.

Der Staat darf den Bür­gern die Eigen­ver­ant­wor­tung nicht abneh­men. Und die Bür­ger sol­len sich die Eigen­ver­ant­wor­tung vom Staat nicht abneh­men las­sen. Glei­ches gilt für die Gläu­bi­gen in der Meßfrage.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Über­schrift: Linus Schnei­der
Bild: MiL

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