„Wir brauchen eine echte Umkehr des Papstes“ – Interview mit Erzbischof Carlo Maria Viganò

Bekehrung und Buße sind in dieser Zeit der Coronavirus-Pandemie gefordert

Leerer Petersplatz: verschlossene Kirchen, ausgesetzte Messen – eine scharfe Mahnung kommt von Erzbischof Carlo Maria Viganò.
Leerer Petersplatz: verschlossene Kirchen, ausgesetzte Messen – eine scharfe Mahnung kommt von Erzbischof Carlo Maria Viganò.

Am gest­ri­gen Pas­si­ons­sonn­tag gab der ehe­ma­li­ge Apo­sto­li­sche Nun­ti­us in den USA, Erz­bi­schof Car­lo Maria Viganò, der US-Zeit­schrift The Rem­nant ein Inter­view, das heu­te ver­öf­fent­licht wur­de.

Fra­ge: Exzel­lenz, wie soll­te der Christ die Covid-19-Pan­de­mie bewer­ten?

Erz­bi­schof Viganò: Die Coro­na­vi­rus-Pan­de­mie ist wie alle Krank­hei­ten und der Tod selbst eine Fol­ge der Erb­sün­de. Die Schuld von Adam, dem ersten Men­schen, hat ihn und sei­ne Nach­kom­men nicht nur der Gna­de beraubt, son­dern auch all jener Gaben, die Gott ihm bei der Schöp­fung gege­ben hat­te. Von die­sem Moment an kamen Krank­heit und Tod als Stra­fe für den Unge­hor­sam gegen­über Gott in die Welt. Die im Pro­to­evan­ge­li­um (Gene­sis 3) ange­kün­dig­te Erlö­sung wur­de im Alten Testa­ment pro­phe­zeit, und mit der Inkar­na­ti­on, dem Lei­den, Tod und Auf­er­ste­hung Unse­res Herrn wur­den Adam und sei­ne Nach­kom­men von der ewi­gen Ver­damm­nis erlöst, beließ aber ihre Fol­gen als Zei­chen des alten Abfalls, die end­gül­tig erst mit der Auf­er­ste­hung des Flei­sches wie­der­her­ge­stellt wer­den, die wir im Cre­do beken­nen und die vor dem Jüng­sten Gericht statt­fin­den wird. Dar­an ist zu erin­nern, ins­be­son­de­re in einer Zeit, in der die Grund­prin­zi­pi­en des Kate­chis­mus igno­riert oder geleug­net wer­den.

Fra­ge: Eini­ge Mit­glie­der der Hier­ar­chie und Prie­ster sag­ten, daß „Gott nicht bestraft“ und daß es eine heid­ni­sche Idee ist, das Coro­na­vi­rus als Gei­ßel zu betrach­ten. Stim­men Sie dem zu?

Erz­bi­schof Viganò: Die erste Stra­fe wur­de, wie ich bereits sag­te, unse­rem Vor­fah­ren auf­er­legt. Aber im Exsul­tet, das wir in der Oster­nacht anstim­men wer­den, heißt es:

O felix cul­pa, quae talem ac tan­tum meruit habe­re Redemp­to­rem!

O glück­li­che Schuld, die es ver­dien­te, einen sol­chen und so gro­ßen Erlö­ser zu haben.

Der Katho­lik weiß, daß Krank­heit und damit auch Epi­de­mien, Lei­den, der Ver­lust gelieb­ter Men­schen mit Glau­ben und Demut auch als Süh­ne für unse­re per­sön­li­chen Sün­den akzep­tiert wer­den müs­sen. Dank der Gemein­schaft der Hei­li­gen – durch die die Ver­dien­ste jeder getauf­ten Per­son auch ande­ren Glie­dern der Kir­che mit­ge­teilt wer­den –, kön­nen wir sol­che Bewei­se auch für die Ver­ge­bung der Sün­den ande­rer dar­brin­gen, für die Bekeh­rung jener, die nicht glau­ben, zur Ver­kür­zung der Rei­ni­gung der hei­li­gen See­len im Fege­feu­er. Ein Unglück wie Covid-19 kann auch eine wert­vol­le Gele­gen­heit sein, im Glau­ben und in der akti­ven Näch­sten­lie­be zu wach­sen.
Wie wir sehen kön­nen, ent­fernt die Beschrän­kung auf den rein kli­ni­schen Aspekt der Krank­heit – der natür­lich bekämpft und geheilt wer­den muß – jede tran­szen­den­te Dimen­si­on unse­res Lebens und beraubt es des über­na­tür­li­chen Blicks, ohne den es unver­meid­lich ist, sich in einer hoff­nungs­lo­sen tau­ben Selbst­sucht ein­zu­schlie­ßen.

Erzbischof Viganò
Erz­bi­schof Viganò

Ein Vater, der nicht bestraft, zeigt, daß er sei­nen Sohn nicht liebt und sich nicht für ihn inter­es­siert. Ein Arzt, der gleich­gül­tig mit­an­sieht, wie es dem Pati­en­ten schlech­ter geht bis zur offe­nen Wun­de, will sei­ne Gene­sung nicht. Der Herr ist ein lie­ben­der Vater, weil Er uns lehrt, wie wir uns ver­hal­ten sol­len, um die glück­se­li­ge Ewig­keit des Him­mels zu ver­die­nen, und wenn wir mit Sün­de gegen Sei­ne Vor­schrif­ten ver­sto­ßen, läßt Er uns nicht ster­ben, son­dern sucht uns, Er sen­det uns vie­le Signa­le – manch­mal sogar stren­ge, wie es rich­tig ist – damit wir umkeh­ren, bereu­en, Buße tun und die Freund­schaft mit Ihm wie­der­erlan­gen. Ihr wer­det mei­ne Freun­de sein, wenn ihr tut, was ich euch befeh­le. Mir scheint, daß die Wor­te des Herrn kei­nen Raum für Miß­ver­ständ­nis­se las­sen.
Ich möch­te auch hin­zu­fü­gen, daß die Wahr­heit eines gerech­ten Got­tes, der die Guten belohnt und die Schlech­ten bestraft, Teil des all­ge­mei­nen Natur­ge­set­zes ist, das der Herr allen Men­schen jeden Alters ein­ge­flößt hat. Ein nicht unter­drück­ba­rer Ruf des irdi­schen Para­die­ses, der es auch den Hei­den ermög­licht zu ver­ste­hen, daß der katho­li­sche Glau­be die not­wen­di­ge Erfül­lung des­sen ist, was ihr auf­rich­ti­ges und wohl­ge­son­ne­nes Herz nahe­legt. Es wun­dert mich, daß heu­te, anstatt die­se tief in das Herz eines jeden Men­schen ein­ge­schrie­be­ne Wahr­heit her­vor­zu­he­ben, jene, die soviel Sym­pa­thie für heid­ni­sche Kul­te zu haben schei­nen, nicht das Ein­zi­ge akzep­tie­ren, was die Kir­che immer für wich­tig gehal­ten hat, um sie für Chri­stus zu gewin­nen.

Fra­ge: Glaubt Ihre Exzel­lenz, dass es Sün­den gibt, die Got­tes Empö­rung auf beson­de­re Wei­se pro­vo­ziert haben?

Erz­bi­schof Viganò: Die Ver­bre­chen, mit denen sich jeder von uns vor Gott befleckt, sind ein Ham­mer­schlag auf die Nägel, die die Hän­de unse­res Erlö­sers durch­bohrt haben, ein Gei­ßel­schlag, der das Fleisch Sei­nes hei­lig­sten Kör­pers zer­ris­sen hat, ein Bespucken Sei­nes lie­ben­den Gesich­tes. Wenn wir die­sen Gedan­ken vor uns hät­ten, wür­de kei­ner von uns zu sün­di­gen wagen. Und wer gesün­digt hat, wür­de für den Rest sei­ner Tage nicht auf­hö­ren zu wei­nen. Die Rea­li­tät ist aber: In sei­ner Pas­si­on hat unser gött­li­cher Erret­ter nicht nur die Erb­sün­de auf sich genom­men, son­dern auch alle unse­re Sün­den aller Zei­ten und aller Men­schen. Und das Bewun­derns­wer­te ist, daß Unser Herr dem Tod am Kreuz ins Auge sehen woll­te, obwohl ein ein­zi­ger Trop­fen Sei­nes kost­bar­sten Blu­tes aus­ge­reicht hät­te, um uns zu erlö­sen. Der hei­li­ge Tho­mas lehrt uns:

Cui­us una stil­la sal­vum face­re totum mund­um quit ab omni sce­le­re.

„Ein ein­z’­ger Trop­fen schafft die gan­ze Erde neu, wäscht alle Sün­der rein, stellt alle schul­den­frei.“

Aber zusätz­lich zu den Sün­den, die von Indi­vi­du­en began­gen wer­den, gibt es auch die Sün­den, die von Gesell­schaf­ten, von Natio­nen und Staa­ten began­gen wer­den. Abtrei­bung, die auch wäh­rend der Pan­de­mie unschul­di­ge Kin­der tötet; Schei­dung; Eutha­na­sie; der Greu­el der soge­nann­ten Homo-Ehe; das Zele­brie­ren der Sodo­mie und der schlimm­sten Per­ver­sio­nen; Por­no­gra­phie; Ver­füh­rung der Klei­nen; Spe­ku­la­ti­on der Finanz­eli­ten; die Ent­wei­hung des Sonn­tags …

Fra­ge: Darf ich Sie fra­gen, war­um Sie zwi­schen der Schuld der Ein­zel­nen und der Schul der Natio­nen unter­schei­den?

Erz­bi­schof Viganò: Der hei­li­ge Tho­mas von Aquin lehrt uns: So wie es die Pflicht des Ein­zel­nen ist, den wah­ren Gott zu erken­nen, anzu­be­ten und ihm zu gehor­chen, so muß die Gesell­schaft – die sich aus Ein­zel­per­so­nen zusam­men­setzt – Gott aner­ken­nen und sicher­stel­len, daß Sei­ne Geset­ze es ihren Glie­dern erlau­ben, das gei­sti­ge Wohl zu erlan­gen, für das sie bestimmt sind. Natio­nen, die Gott nicht beach­ten, son­dern offen leug­nen, die von den Sub­jek­ten ver­lan­gen, Geset­ze zu akzep­tie­ren, die gegen die natür­li­che Moral und den katho­li­schen Glau­ben ver­sto­ßen –  wie die Aner­ken­nung von Abtrei­bung, Eutha­na­sie und Sodo­mie –, die für die Ver­füh­rung von Kin­dern arbei­ten und ihre Unschuld schän­den; die das Recht erlau­ben, über die gött­li­che Maje­stät zu lästern, kön­nen nicht ernst­haft anneh­men, von der Stra­fe Got­tes aus­ge­nom­men zu sein. Daher erfor­dern öffent­li­che Sün­den öffent­li­ches Bekennt­nis und öffent­li­che Süh­ne, wenn sie öffent­li­che Ver­ge­bung erlan­gen wol­len. Ver­ges­sen wir nicht, daß auch die kirch­li­che Gemein­schaft in ihrer Funk­ti­on als Gesell­schaft nicht von himm­li­schen Stra­fen befreit ist, bei denen sich ihre Füh­rer für kol­lek­ti­ve Straf­ta­ten ver­ant­wor­ten müs­sen.

Fra­ge: Bedeu­tet das, daß es auch Feh­ler der Kir­che gibt?

Erz­bi­schof Viganò: Die Kir­che an sich ist immer und unab­än­der­lich hei­lig, da sie der mysti­sche Leib unse­res Herrn ist, und es wäre nicht nur rück­sichts­los, son­dern blas­phe­misch zu den­ken, daß die gött­li­che Insti­tu­ti­on, die von der Vor­se­hung als Gna­den­spen­de­rin und ein­zi­ge Zuflucht des Heils auf Erden errich­tet wur­de, auch nur im Gering­sten unvoll­kom­men sein könn­te. Das Lob, das wir der aller­se­lig­sten Jung­frau zuer­ken­nen – die eigent­lich Mater Eccle­siae ist –, gilt auch für die Kir­che: Sie ver­mit­telt Gna­den durch die Sakra­men­te; sie ist die Mut­ter Chri­sti, deren Glie­der sie erzeugt; sie ist Bun­des­la­de und Hüte­rin des himm­li­schen Bro­tes und der Gebo­te; sie ist Zuflucht für Sün­der, denen sie in der Beich­te Ver­ge­bung gewährt; sie ist das Heil der Kran­ken, denen sie immer ihre Für­sor­ge geschenkt hat; sie ist Köni­gin des Frie­dens, den sie unter den Völ­kern för­dert, indem sie das Evan­ge­li­um pre­digt; sie ist aber auch ter­ri­bi­lis ut castro­rum aci­es ordi­na­ta („furcht­ge­bie­tend wie ein gerü­ste­tes Heer in Schlacht­ord­nung“), weil der Herr Sei­nen Die­nern die Macht gab, die Dämo­nen aus­zu­trei­ben, und die Bin­de- und Löse­ge­walt, die das Tor zum Him­mel­reich öff­net oder ver­schließt. Und ver­ges­sen wir nicht, daß die Kir­che nicht nur die strei­ten­de Kir­che auf Erden, son­dern auch die tri­um­phie­ren­de und die lei­den­de Kir­che ist, deren Glie­der alle Hei­li­ge sind.
Wahr ist aber auch: Wenn die Kir­che Chri­sti hei­lig ist, kann sie den­noch in ihren Glie­dern hier auf Erden, und auch in ihrer Hier­ar­chie, Sün­de­rin sein. In die­sen schwie­ri­gen Zei­ten haben wir lei­der zahl­rei­che Bei­spie­le für unwür­di­ge Kir­chen­ver­tre­ter, wie lei­der die Skan­da­le des sexu­el­len Miß­brau­ches durch Kle­ri­ker und sogar durch hohe Prä­la­ten gezeigt haben. Die Untreue der hei­li­gen Hir­ten ist ein Skan­dal für ihre Mit­brü­der und für vie­le Gläu­bi­ge nicht nur, wenn es um Lust oder Macht­gier geht, son­dern auch – und ich wür­de sagen vor allem – wenn es die Inte­gri­tät des Glau­bens, die Rein­heit der Leh­re und die Hei­lig­keit der Moral betrifft, wo es zu Epi­so­den bei­spiel­lo­ser Schwe­re kam wie im Fall der Anbe­tung des Pach­a­ma­ma-Göt­zen im Vati­kan. In der Tat glau­be ich, daß der Herr beson­ders empört über die Viel­zahl von Sün­den und Skan­da­len jener ist, die als Hir­ten ein Bei­spiel und Vor­bild für die ihnen anver­trau­te Her­de sein soll­ten.
Ver­ges­sen wir außer­dem nicht, daß das Bei­spiel, das von so vie­len Tei­len der Hier­ar­chie gege­ben wird, nicht nur für Katho­li­ken ein Skan­dal ist, son­dern auch für vie­le Men­schen, die, obwohl sie nicht die Gna­de haben, der Kir­che anzu­ge­hö­ren, in ihr einen Leucht­turm und Bezugs­punkt erken­nen. Nicht nur das: Die­se Gei­ßel kann die Kir­che in ihrer Hier­ar­chie nicht davon befrei­en, eine stren­ge Gewis­sens­prü­fung durch­zu­füh­ren, weil sie sich der Welt ange­paßt hat. Sie kann sich nicht der Pflicht ent­zie­hen, die Feh­ler, die sie seit dem Zwei­ten Vati­ca­num in ihrem Inne­ren sich aus­brei­ten ließ und die auf die Kir­che und auf die Welt die gerech­ten Stra­fen gezo­gen haben, damit wir uns besin­nen und zu Gott zurück­keh­ren.
Es schmerzt mich, anzu­mer­ken, daß wir auch heu­te, da wir alle Zeu­gen des gött­li­chen Zorns sind, der die Welt trifft, die Maje­stät Got­tes wei­ter­hin belei­di­gen, indem wir von der „Rache der Mut­ter Erde, die Respekt ver­langt“, spre­chen, wie Papst Ber­go­glio vor eini­gen Tagen in sei­nem x‑ten Inter­view sag­te. Statt­des­sen ist es drin­gend erfor­der­lich, um Ver­ge­bung für das im Peters­dom ver­üb­te Sakri­leg zu bit­ten, und die­sen gemäß den kano­ni­schen Nor­men neu zu wei­hen, bevor das Hei­li­ge Opfer erneut gefei­ert wird. Und es soll­te auch eine fei­er­li­che Buß­pro­zes­si­on abge­hal­ten wer­den – auch nur von Prä­la­ten, ange­führt vom Papst –, die um Got­tes Barm­her­zig­keit für sich selbst und für das Volk bit­ten. Es wäre eine Geste ech­ter Demut, auf die vie­le Gläu­bi­ge war­ten als Süh­ne für die began­ge­nen Sün­den.
Wie kann man die Ver­wir­rung wegen der Wor­te ein­däm­men, die von Papst Ber­go­glio wäh­rend der Pre­digt in der Mes­se vom 26. März in San­ta Mar­ta aus­ge­spro­chen wur­den? Der Papst sag­te:

„Möge der Herr uns am Ende des Lebens nicht fin­den und zu jedem von uns sagen: ‚Du hast dich per­ver­tiert. Du bist vom Weg abge­wi­chen, den ich dir gezeigt hat­te. Du hast dich vor einem Göt­zen nie­der­ge­wor­fen‘.“
Man ist völ­lig schockiert und empört, wenn man die­se Wor­te hört, wenn man bedenkt, daß er selbst ein ech­tes Sakri­leg vor dem gan­zen Erd­kreis began­gen hat, sogar auf dem Papst­al­tar der Con­fes­sio (Petrus­grab), eine Ent­wei­hung, ein Akt des Glau­bens­ab­falls an den unrei­nen und dämo­ni­schen Pach­a­ma­ma-Göt­zen.

Fra­ge: Am Tag von Mariä Ver­kün­di­gung, der Aller­se­lig­sten, weih­ten die Bischö­fe von Por­tu­gal und Spa­ni­en ihre Natio­nen dem Hei­li­gen Her­zen Jesu und dem Unbe­fleck­ten Her­zen Mari­ens. Irland und Groß­bri­tan­ni­en haben das­sel­be getan. Vie­le Diö­ze­sen und Städ­te haben in der Per­son ihrer Bischö­fe und Behör­den ihre Gemein­den unter den Schutz der Jung­frau gestellt. Wie bewer­ten Sie die­se Ereig­nis­se?

Erz­bi­schof Viganò: Dies sind Gesten, die ein gutes Zei­chen sind, obwohl sie nicht aus­rei­chen, um unse­re Feh­ler zu behe­ben, und die von den Füh­rern der Kir­che bis­her igno­riert wur­den, wäh­rend das christ­li­che Volk sei­nen Hir­ten gegen­über nach einer fei­er­li­chen und kol­lek­ti­ven Geste ruft. Unse­re Lie­be Frau in Fati­ma bat den Papst und alle Bischö­fe, Ruß­land ihrem Unbe­fleck­ten Her­zen zu wei­hen und kün­dig­te Unglück und Krie­ge an, falls das nicht gesche­hen wird. Ihre Appel­le blie­ben unbe­ach­tet. Die Hir­ten sol­len bereu­en und der Hei­li­gen Jung­frau gehor­chen! Es ist beschä­mend und skan­da­lös, daß sich die Kir­che in Ita­li­en und ande­ren Län­dern die­ser Initia­ti­ve nicht ange­schlos­sen hat!

Fra­ge: Wie beur­tei­len Sie die Aus­set­zung der Zele­bra­tio­nen, an der sich fast die gan­ze Welt betei­ligt?

Erz­bi­schof Viganò: Das ist ein gro­ßes Lei­den, mehr noch wür­de ich sagen: Es ist das größ­te Lei­den, das unse­ren Gläu­bi­gen auf­er­legt wur­de, ins­be­son­de­re den Ster­ben­den, indem ihnen die Mög­lich­keit, Zuflucht zu den Sakra­men­ten zu neh­men, genom­men wur­de.
In die­ser Situa­ti­on scheint es, daß die Hier­ar­chie mit Aus­nah­me sel­te­ner Fäl­le kei­ne Beden­ken hat, die Kir­chen zu schlie­ßen und die Teil­nah­me der Gläu­bi­gen am hei­li­gen Meß­op­fer zu ver­hin­dern. Die­se Hal­tung der kal­ten Büro­kra­ten, der Testa­ments­voll­strecker des Für­sten, wird heu­te von den mei­sten Gläu­bi­gen als beun­ru­hi­gen­des Zei­chen des Glau­bens­man­gels emp­fun­den. Und wer könn­te ihnen unrecht geben?
Ich fra­ge mich – und zit­te­re dabei, es aus­zu­spre­chen –, ob die Schlie­ßung der Kir­chen und die Aus­set­zung der Zele­bra­tio­nen nicht eine Stra­fe ist, die Gott der Pan­de­mie hin­zu­ge­fügt hat.

Ut sci­rent quia per quae pec­cat quis, per haec et tor­que­tur.

„Damit sie ver­ste­hen, daß mit den Din­gen, mit denen jemand sün­digt, er bestraft wird.“

Belei­digt durch die Schlam­pig­keit und Respekt­lo­sig­keit so vie­ler sei­ner Die­ner; empört über die Ent­wei­hun­gen des Aller­hei­lig­sten Sakra­ments, die täg­lich mit der sakri­le­gi­schen Gewohn­heit der Hand­kom­mu­ni­on ver­übt wer­den; leid, bana­le Lie­der und ket­ze­ri­sche Pre­dig­ten zu ertra­gen, freut sich der Herr, in der Stil­le vie­ler Altä­re noch heu­te das ern­ste und geord­ne­te Lob vie­ler Prie­ster sich erhe­ben zu hören, die die hei­li­ge Mes­se im über­lie­fer­ten Ritus zele­brie­ren, jene Mes­se, die aus apo­sto­li­scher Zeit stammt und im Lauf der Geschich­te das pul­sie­ren­de Herz der Kir­che dar­stellt. Wir neh­men die­se War­nung sehr ernst:

Deus non irri­de­tur.

„Gott läßt Sei­ner nicht spot­ten.“

Ich ver­ste­he und tei­le natür­lich die gebüh­ren­de Beach­tung der Grund­prin­zi­pi­en des Schut­zes und der Sicher­heit, die die staat­li­che Behör­de für die öffent­li­che Gesund­heit fest­legt. Aber so wie sie das Recht hat, in Ange­le­gen­hei­ten ein­zu­grei­fen, die den Kör­per betref­fen, so hat die kirch­li­che Auto­ri­tät das Recht und die Pflicht, sich mit der Gesund­heit der See­len zu befas­sen, und kann ihren Gläu­bi­gen nicht die Nah­rung der Aller­hei­lig­sten Eucha­ri­stie ent­zie­hen, geschwei­ge denn der Beich­te, der Mes­se und der hei­li­gen Weg­zeh­rung.
Als die Geschäf­te und Restau­rants noch geöff­net waren, hat­ten vie­le Bischofs­kon­fe­ren­zen bereits die Aus­set­zung der reli­giö­sen Zele­bra­tio­nen ange­ord­net, ohne von der Zivil­be­hör­de dazu auf­ge­for­dert zu wer­den. Die­se Hal­tung zeigt den schmerz­li­chen Zustand, in der sich die Hier­ar­chie befin­det und bereit ist, das Wohl der See­len zu opfern, um der Macht des Staa­tes oder der Dik­ta­tur des Ein­heits­den­kens zu gefal­len.

Fra­ge: Apro­pos offe­ne Restau­rants: Wie beur­tei­len Sie die Mit­tag­essen für die Armen, die in den ver­gan­ge­ne Mona­ten in Kir­chen abge­hal­ten wur­den?

Erz­bi­schof Viganò: Für Katho­li­ken hat die Hil­fe für Bedürf­ti­ge ihren Antrieb in der Tugend der Näch­sten­lie­be, d. h. in Gott selbst: Deus cari­tas est. „Gott ist die Lie­be“. Katho­li­ken lie­ben den Herrn über alles und den Näch­sten um Sei­net­wil­len, weil es uns – gemäß den Selig­prei­sun­gen des Evan­ge­li­ums – ermög­licht, Chri­stus in den Armen, in den Kran­ken, im Gefäng­nis, in den Wai­sen zu begeg­nen. Die Kir­che war von Anfang an in die­sem Sin­ne ein leuch­ten­des Bei­spiel, sosehr, daß selbst die Hei­den dadurch erbaut waren. Die Geschich­te zeugt von den impo­san­ten Wohl­fahrts­wer­ken, die dank der Groß­zü­gig­keit der Gläu­bi­gen auch in Zei­ten offe­ner Feind­se­lig­keit des Staa­tes errich­tet wur­den und die eine der Grund­la­gen für den Haß der Frei­mau­re­rei auf ein so kla­res Zeug­nis der Katho­li­ken waren. Die Auf­merk­sam­keit für die Armen und Aus­ge­grenz­ten ist daher weder etwas Neu­es des ber­go­glia­ni­schen Neu­en Kur­ses noch ist sie ideo­lo­gisch aus­ge­rich­te­ten Orga­ni­sa­tio­nen vor­be­hal­ten.
Es ist jedoch bezeich­nend, daß die heu­ti­ge Beto­nung der Hil­fe für die Armen ohne über­na­tür­li­chen Bezug ist und sich auf die leib­li­chen Wer­ke der Barm­her­zig­keit beschränkt, aber die geist­li­chen Wer­ke der Barm­her­zig­keit pein­lichst ver­mei­det. Nicht nur das: Die­ses Pon­ti­fi­kat hat den Ver­zicht auf das Apo­sto­lat, den mis­sio­na­ri­schen Cha­rak­ter der Kir­che, auch in die­sem Zusam­men­hang end­gül­tig gebil­ligt und mit dem abfäl­li­gen Begriff des Pro­se­ly­tis­mus liqui­diert. Wir den­ken dar­an, Nah­rung, Gast­freund­schaft und Gesund­heits­für­sor­ge anzu­bie­ten, aber wir sor­gen uns nicht dar­um, jene in der See­le zu näh­ren, will­kom­men zu hei­ßen und zu hei­len, die es so drin­gend brau­chen, und machen die Kir­che so zu einer NGO mit phil­an­thro­pi­schen Zwecken. Aber die Cari­tas ist kei­ne Varia­ti­on der von Frei­mau­rern inspi­rier­ten Phil­an­thro­pie, die in einen vagen Spi­ri­tua­lis­mus ver­hüllt ist, son­dern das genaue Gegen­teil: Weil die heu­te prak­ti­zier­te Soli­da­ri­tät leug­net, daß es nur eine wah­re Reli­gi­on gibt und daß ihre ret­ten­de Bot­schaft jenen gepre­digt wer­den soll, die noch nicht Teil davon sind. Nicht nur das: Auf­grund der Abwei­chun­gen, die mit dem Kon­zil bezüg­lich Reli­gi­ons­frei­heit und Öku­me­ne in die Kir­che ein­ge­drun­gen sind, bestä­ti­gen die kirch­li­chen Wohl­fahrts­ein­rich­tun­gen die ihnen anver­trau­ten Men­schen im Irr­tum des Athe­is­mus oder des Hei­den­tums und bie­ten sogar Kult­stät­ten an, wo sie beten kön­nen. Wir haben auch bedau­erns­wer­te Fäl­le von Mes­sen gese­hen, in denen auf aus­drück­li­chen Wunsch des Prie­sters der Koran anstel­le des Evan­ge­li­ums ver­kün­det wur­de oder, um die jüng­sten Fäl­le auf­zu­grei­fen, die Gele­gen­heit gege­ben wur­de, in einer katho­li­schen Kir­che göt­zen­die­ne­ri­sche Riten zu prak­ti­zie­ren.
Ich glau­be, daß die Ent­schei­dung, Kir­chen zu Refek­to­ri­en oder Schlaf­sä­len zu machen, um Men­schen in Not auf­zu­neh­men, ein offen­ba­ren­des Phä­no­men der zugrun­de­lie­gen­den Heu­che­lei ist, die wie im Fall der Öku­me­ne einen schein­bar lobens­wer­ten Vor­wand– um Bedürf­ti­gen zu hel­fen, Flücht­lin­ge will­kom­men zu hei­ßen usw. – als Werk­zeug ver­wen­det, um schritt­wei­se den frei­mau­re­ri­schen Traum einer gro­ßen uni­ver­sel­len Reli­gi­on ohne Dog­men, ohne Riten und ohne Gott zu ver­wirk­li­chen. Eine Kir­che als Wirts­haus zu benut­zen, in Gegen­wart erfreu­ter Prä­la­ten, die Piz­za oder Kote­letts mit einer umge­bun­de­nen Schür­ze ser­vie­ren, bedeu­tet, sie zu ent­wei­hen; beson­ders wenn jene, die sich lächelnd den Foto­gra­fen prä­sen­tie­ren, anson­sten genau dar­auf ach­ten, die Türen des Bischofs­pa­la­stes für die von ihnen Bewir­te­ten, die sie für bestimm­te Zwecke für so nütz­lich hal­ten, tun­lichst ver­sperrt zu las­sen. Um auf das zurück­zu­kom­men, was ich zuvor gesagt habe: Mir scheint, daß in die­sen Sakri­le­gi­en der Ursprung der Pan­de­mie und der Kir­chen­schlie­ßun­gen zu suchen ist.
Es scheint mir auch, daß zu oft ver­sucht wird, die Armut oder die Not so vie­ler unglück­li­cher Men­schen auf spek­ta­ku­lä­re Wei­se zur Schau zu tra­gen wie im Fall der Lan­dung ille­ga­ler Ein­wan­de­rer, die von Orga­ni­sa­tio­nen ech­ter Skla­ven­händ­ler beför­dert wer­den – mit dem allei­ni­gen Zweck, die Will­kom­mens­in­du­strie in Betrieb zu hal­ten, hin­ter der sich nicht nur nied­ri­ge Wirt­schafts­in­ter­es­sen ver­ber­gen, son­dern auch eine unein­ge­schränk­te Kom­pli­zen­schaft mit denen, die die Zer­stö­rung des christ­li­chen Euro­pas wol­len.

Fra­ge: In eini­gen Fäl­len, zum Bei­spiel in Ita­li­en in Cer­ve­te­ri, haben Poli­zei­be­am­te die Zele­bra­ti­on einer Mes­se unter­bro­chen. Wie stellt sich die kirch­li­che Auto­ri­tät die­se Epi­so­den?

Erz­bi­schof Viganò: Der Fall Cer­ve­te­ri war mög­li­cher­wei­se ein Über­maß an Eifer zwei­er Stadt­po­li­zi­sten, die sicher gestreßt sind durch das auf­ge­reg­te Kli­ma, das seit Aus­bruch der Pan­de­mie erzeugt wird. Es muß jedoch klar sein, daß ins­be­son­de­re in einer Nati­on wie Ita­li­en, in der es ein Kon­kor­dat zwi­schen der katho­li­schen Kir­che und dem Staat gibt, die aus­schließ­li­che Auto­ri­tät der Kir­che für Kult­stät­ten aner­kannt ist. Es wäre daher mehr als not­wen­dig gewe­sen, daß der Hei­li­ge Stuhl und der Orts­or­di­na­ri­us ent­schie­den gegen einen Ver­stoß gegen die Later­an­ver­trä­ge pro­te­stiert hät­ten, die 1984 bestä­tigt wur­den und wei­ter­hin gül­tig sind. Aber wie­der ein­mal löst sich die Aus­übung der ober­hirt­li­chen Auto­ri­tät – die direkt von Gott her­rührt – wie Schnee in der Son­ne auf und zeigt eine Klein­mut, die eines Tages weit­aus schlim­me­re Miß­bräu­che zulas­sen könn­te. Ich nut­ze die­se Gele­gen­heit, um die­se uner­träg­li­che Ein­mi­schung des Staa­tes in Ange­le­gen­hei­ten der unmit­tel­ba­ren und direk­ten Zustän­dig­keit der Kir­che nach­drück­lich zu ver­ur­tei­len.

Fra­ge: Papst Fran­zis­kus hat am 25. März alle Chri­sten ein­ge­la­den, das Vater­un­ser zu beten unab­hän­gig davon, ob sie katho­lisch sind, um Gott um ein Ende der Pan­de­mie zu bit­ten, und er deu­te­te an, daß auch die­je­ni­gen, die sich zu ande­ren Reli­gio­nen beken­nen, sich sei­nem Gebet anschlie­ßen könn­ten.

Erz­bi­schof Viganò: Der vom Kon­zil ein­ge­flöß­te reli­giö­se Rela­ti­vis­mus hat die Über­zeu­gung auf­ge­ho­ben, daß der katho­li­sche Glau­be der ein­zi­ge Weg zur Erlö­sung ist und daß der drei­ei­n­i­ge Gott, den wir ver­eh­ren, der ein­zig wah­re Gott ist.
Papst Ber­go­glio sagt in sei­ner Erklä­rung von Abu Dha­bi, daß alle Reli­gio­nen von Gott gewollt sind: Das ist nicht nur eine Häre­sie, son­dern eine sehr ern­ste Form von Apost­asie vom Glau­ben und von Got­tes­lä­ste­rung. Zu sagen, daß Gott akzep­tiert, ange­be­tet zu wer­den, unab­hän­gig davon, wie er sich offen­bart hat, bedeu­tet, zu behaup­ten, daß die Mensch­wer­dung, das Lei­den, der Tod und die Auf­er­ste­hung unse­res Erlö­sers unnö­tig waren. Es bedeu­tet, den Zweck, für den die Kir­che exi­stiert, den Grund, wofür Mil­lio­nen von hei­li­gen Mär­ty­rern ihr Leben hin­ge­ge­ben haben, war­um die Sakra­men­te, das Prie­ster­tum und das Papst­tum exi­stie­ren, für über­flüs­sig zu erklä­ren.
Gera­de dann, wenn man für die Belei­di­gung der Maje­stät Got­tes büßen soll­te, gibt es aber lei­der jene, die dazu auf­ru­fen, zusam­men mit denen zu beten, die sich wei­gern, sei­ne aller­se­lig­ste Mut­ter am Tag ihres Festes zu ehren.
Ist das der am besten geeig­ne­te Weg, um die Seu­che zu been­den?

Fra­ge: Es ist aber auch rich­tig, daß die Apo­sto­li­sche Pöni­ten­tia­rie jenen beson­de­re Abläs­se gewährt hat, die von der Ansteckung betrof­fen sind, und auch jenen, die den Kran­ken kör­per­lich und gei­stig hel­fen.

Erz­bi­schof Viganò: Zunächst muß mit Nach­druck bekräf­tigt wer­den, daß es nicht mög­lich ist, durch Abläs­se die Sakra­men­te zu erset­zen. Es ist not­wen­dig, mit äußer­ster Ent­schlos­sen­heit den schlech­ten Ent­schei­dun­gen eini­ger Hir­ten, die jüngst so weit gegan­gen sind, ihren Prie­stern zu ver­bie­ten, die Beich­ten zu hören oder die Tau­fe zu spen­den, ent­ge­gen­zu­tre­ten. Die­se Bestim­mun­gen – zusam­men mit der Aus­set­zung der Mes­sen und der der Kom­mu­nio­nen – ver­sto­ßen gegen das gött­li­che Gesetz und zei­gen, daß Satan hin­ter all dem steckt. Nur der Feind kann Bestim­mun­gen inspi­rie­ren, die den geist­li­chen Ver­lust vie­ler See­len ver­ur­sa­chen. Es ist, als ob Ärz­te ange­wie­sen wer­den, Pati­en­ten in Lebens­ge­fahr nicht zu behan­deln.
Das Bei­spiel des pol­ni­schen Epi­sko­pats, der befahl, die Mes­sen zu ver­viel­fa­chen, um die Teil­nah­me der Gläu­bi­gen ohne Ansteckungs­ge­fahr zu ermög­li­chen, soll­te von der gan­zen Kir­che auf­ge­grif­fen wer­den, wenn ihrer Hier­ar­chie noch die ewi­ge Erret­tung des christ­li­chen Vol­kes am Her­zen liegt. Und es ist bezeich­nend, daß gera­de in Polen die Aus­wir­kun­gen der Pan­de­mie gerin­ger sind als in ande­ren Län­dern.
Die Ablaß­leh­re über­lebt die Angrif­fe der Neue­rer, und das ist alle­mal gut so. Aber wenn der Papst die Macht hat, den uner­schöpf­li­chen Gna­den­schatz voll aus­zu­schöp­fen, so ist es auch wahr, daß Abläs­se nicht tri­via­li­siert oder als Sai­sons-Schluß­ver­kauf betrach­tet wer­den dür­fen. Die Gläu­bi­gen hat­ten auch anläß­lich des jüng­sten Hei­li­gen Jah­res der Barm­her­zig­keit, für das ein voll­kom­me­ner Ablaß unter sol­chen Bedin­gun­gen gewährt wur­de, einen ähn­li­chen Ein­druck, daß das Bewußt­sein für sei­ne Bedeu­tung bei jenen, die davon pro­fi­tie­ren, geschwächt wur­de.
Auch das Pro­blem der sakra­men­ta­len Beich­te und der eucha­ri­sti­schen Gemein­schaft, die erfor­der­lich sind, um von den Abläs­sen zu pro­fi­tie­ren, tritt auf, das jedoch in den von der hei­li­gen Pöni­ten­tia­rie her­aus­ge­ge­be­nen Nor­men mit einem gene­ri­schen „sobald es für sie mög­lich ist“ sine die auf­ge­scho­ben sind.

Fra­ge: Den­ken Sie, daß die beson­de­ren Ent­bin­dun­gen in Bezug auf die all­ge­mei­ne Los­spre­chung anstel­le der indi­vi­du­el­len Abso­lu­ti­on für die gegen­wär­ti­ge Epi­de­mie gel­ten kön­nen?

Erz­bi­schof Viganò: Der bevor­ste­hen­de Tod legi­ti­miert den Rück­griff auf Lösun­gen, die die Kir­che in ihrem Eifer für das ewi­ge See­len­heil der ihr anver­trau­ten See­len stets groß­zü­gig gewährt hat, wie im Fall der all­ge­mei­nen Abso­lu­ti­on, die dem Mili­tär vor einem Angriff erteilt wird, oder zum Bei­spiel auf einem sin­ken­den Schiff. Wenn die Situa­ti­on auf einer Inten­siv­sta­ti­on es dem Prie­ster nur erlaubt, sie in begrenz­ten Momen­ten zu betre­ten, es aber nicht ermög­licht, Ein­zel­beich­ten der Ster­ben­den abzu­neh­men, hal­te ich die vor­ge­schla­ge­ne Lösung für legi­tim.
Wenn die­se Norm jedoch einen gefähr­li­chen Prä­ze­denz­fall schaf­fen will, um ihn auf den all­ge­mei­nen Gebrauch aus­zu­deh­nen, ohne daß eine unmit­tel­ba­re Gefahr für das Leben des Büßers besteht, muß mit größ­ter Wach­sam­keit dar­auf geach­tet wer­den, daß das, was die Kir­che in Extrem­fäl­len groß­mü­tig gewährt, nicht zur Norm wird.
Ich erin­ne­re auch dar­an, daß die im Strea­ming oder im Fern­se­hen aus­ge­strahl­ten Mes­sen das Sonn- und Fei­er­tags­ge­bot nicht erfül­len. Sie sind ein lobens­wer­ter Weg, um den Tag des Herrn zu hei­li­gen, an dem es unmög­lich ist, in die Kir­che zu gehen. Es muß jedoch klar sein, daß die sakra­men­ta­le Pra­xis nicht durch die Vir­tua­li­sie­rung des Hei­li­gen ersetzt wer­den kann, so wie es offen­sicht­lich ist, daß der Kör­per in der natür­li­chen Ord­nung nicht durch das blo­ße Anschau­en eines Bil­des von Lebens­mit­teln genährt wer­den kann.

Fra­ge: Was ist die Bot­schaft Ihrer Exzel­lenz an jene, die heu­te die Ver­ant­wor­tung haben, die Her­de Chri­sti zu ver­tei­di­gen und zu füh­ren?

Erz­bi­schof Viganò: Uner­läß­lich und unauf­schieb­bar ist eine wirk­li­che Bekeh­rung des Pap­stes, der Hier­ar­chie, der Bischö­fe und des gesam­ten Kle­rus sowie der Ordens­leu­te. Die Lai­en for­dern es, wäh­rend sie unter der Ver­wir­rung lei­den, der sie aus­ge­setzt sind, weil es kei­ne treu­en und siche­ren Füh­rer gibt. Wir kön­nen nicht zulas­sen, daß die Her­de, die der gött­li­che Hir­te uns anver­traut hat, um ihn zu lei­ten, zu beschüt­zen und zur ewi­gen Erlö­sung zu füh­ren, von untreu­en Söld­nern zer­streut wird. Wir müs­sen uns bekeh­ren, wie­der zurück­keh­ren und ganz Got­tes sein, ohne mit der Welt Kom­pro­mis­se ein­zu­ge­hen.
Die Bischö­fe müs­sen das Bewußt­sein für ihre eige­ne apo­sto­li­sche Auto­ri­tät wie­der­erlan­gen, die per­sön­lich ist und nicht an Zwi­schen­stel­len wie Bischofs­kon­fe­ren­zen oder Syn­oden dele­giert wer­den kann, die die Aus­übung des apo­sto­li­schen Dien­stes ver­zerrt haben und die gött­li­che Ver­fas­sung der Kir­che, wie Chri­stus sie woll­te, schwer geschä­digt haben.
Schluß mit „syn­oda­len Wegen“, genug mit einer miß­ver­stan­de­nen Kol­le­gia­li­tät, genug mit die­sem absur­den Gefühl der Min­der­wer­tig­keit und Hof­fär­tig­keit gegen­über der Welt, genug mit dem schein­hei­li­gen Gebrauch des Dia­logs anstatt der furcht­lo­sen Ver­kün­di­gung des Evan­ge­li­ums, genug mit den fal­schen Leh­ren und der Angst, die Rein­heit und Hei­lig­keit des Lebens zu pre­di­gen, genug vom furcht­ba­ren Schwei­gen gegen­über der Arro­ganz des Bösen, genug mit dem Zudecken abscheu­li­cher Skan­da­le, genug mit Lügen, Täu­schung und Ver­gel­tung!
Das christ­li­che Leben ist eine mili­tia, ein Kampf, kein sorg­lo­ser Weg in den Abgrund. Von jedem von uns ver­langt Chri­stus, je nach Stand, den wir emp­fan­gen haben, Rechen­schaft über die See­len, die wir geret­tet haben, und über die See­len, die wir ver­lo­ren haben, weil wir sie nicht ermahnt und ihnen nicht gehol­fen haben. Keh­ren wir zur Ganz­heit des Glau­bens zurück, zur Hei­lig­keit der Moral, zum wah­ren Kul­tus, der Gott gefällt.

Bekeh­rung und Buße also, wie uns die aller­se­lig­ste Jung­frau und Mut­ter der Kir­che auf­for­dert. Wir bit­ten sie, Taber­na­kel des Aller­höch­sten, den Hir­ten die­sen hel­den­haf­ten Impuls für die Erret­tung der See­len, die Gesun­dung der Kir­che und für den Tri­umph ihres Unbe­fleck­ten Her­zens zu geben.

Am Pas­si­ons­sonn­tag 2020

Über­set­zung: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Vatican.va (Screen­shot)

3 Kommentare

  1. Eine ganz star­ke Mahn­pre­digt. So etwas habe ich noch nicht gehört. Erz­bi­schof Viganò hat gro­ße Weit- und Klar­sicht. Er war also nicht nur ein muti­ger Diplo­mat, son­dern ist ein wirk­li­cher Hir­te. Vie­len Dank.

  2. Men­schen­kult geht bei Papst Ber­go­glio vor Got­tes­kult. Das ist das Grund­pro­blem und wur­de sicht­bar bei sei­nem ersten öffent­li­chen Erschei­nen auf der Log­gia des Peters­do­mes nach der Papst­wahl. Wer sich dem Men­schen­kult zuwen­det, kann die Gna­den Got­tes nicht emp­fan­gen und dort beginnt das Dra­ma die­ses Pon­ti­fi­kats.

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