Der heilige Josef als Vorbild der Weihe an Maria

Die erste Marienweihe

Der heilige Josef mit dem Jesuskind: Als erster vollzog er eine Weihe an Maria.

Von P. Sera­fi­no M. Lan­zet­ta*

Der Monat März ist der gro­ßen Gestalt des hei­li­gen Josef gewid­met. In die­ser Refle­xi­on möch­te ich das Geheim­nis der Ver­bin­dung des hei­li­gen Josef mit der aller­se­lig­sten Jung­frau und Got­tes­mut­ter Maria her­vor­he­ben. Dar­in liegt die Quel­le aller Gna­den, mit denen das Josefs-Geheim­nis so reich ist, sowie die Art und Wei­se, wie der Hei­li­ge von Naza­reth durch das Neue Testa­ment ein­ge­führt wird und in der Kir­che bekannt ist. Wenn wir sein Leben genau­er betrach­ten, sehen wir, daß alles durch Maria geschieht. Josef wird als Mari­as Ehe­mann bekannt (vgl. Mt 1,16) und gera­de auf­grund die­ser ehe­li­chen Bezie­hung – die in ihrer gan­zen geist­li­chen Tie­fe zu erah­nen ist – wird er in das Geheim­nis Chri­sti ein­ge­führt, indem er Sein ver­meint­li­cher Vater wird. Alles für Maria.

Kon­zen­trie­ren wir uns für einen Augen­blick auf das Mat­thä­us­evan­ge­li­um (1, 18–19), in dem Josef von Naza­reth zunächst als Ehe­mann Mari­ens und dann als „Gerech­ter“ dar­ge­stellt wird:

„Mit der Geburt Jesu Chri­sti war es so: Maria, sei­ne Mut­ter, war mit Josef ver­lobt; noch bevor sie zusam­men­ge­kom­men waren, zeig­te sich, daß sie ein Kind erwar­te­te – durch das Wir­ken des Hei­li­gen Gei­stes. Josef, ihr Mann, der gerecht war und sie nicht bloß­stel­len woll­te, beschloß, sich in aller Stil­le von ihr zu tren­nen.“

Dar­aus ver­ste­hen wir, daß Maria und Josef bereits ver­hei­ra­tet waren, als die Jung­frau auf wun­der­sa­me Wei­se mit ihrem Sohn Jesus schwan­ger wur­de. Das Evan­ge­li­um sagt „ver­lobt“ und unter­streicht den jüdi­schen Brauch, die Hoch­zeit in zwei Momen­ten zu fei­ern: einer­seits die recht­li­che Ver­bin­dung, die eigent­li­che Ehe­schlie­ßung mit allen zivi­len und reli­giö­sen Aus­wir­kun­gen, und ande­rer­seits das Zusam­men­le­ben, das auch ein Jahr nach dem Ehe­ver­spre­chen statt­fin­den konn­te. Auch das Lukas­evan­ge­li­um berich­tet, daß Josef bereits durch den Bund der Ehe mit Maria ver­eint war. Tat­säch­lich wur­de der Engel „zu einer Jung­frau gesandt. Sie war mit einem Mann namens Josef ver­lobt, der aus dem Haus David stamm­te“ (1, 27). Aus die­ser gebe­ne­dei­ten ehe­li­chen Ver­bin­dung mit Maria nimmt auch die Bezie­hung des hei­li­gen Josef zu Jesus Gestalt an. Der hei­li­ge Zim­mer­mann kommt durch die Got­tes­mut­ter in per­sön­li­chen Kon­takt mit Jesus, denn er ist es, der dem Sohn Mari­as den Namen „Jesus“ gibt (vgl. Mt 1, 21). Sogar im Moment der Anbe­tung durch die Hir­ten, die her­bei­eil­ten, um das Zei­chen Got­tes zu sehen, steht Josef an der Sei­te von Maria und Jesus: „So eil­ten sie hin und fan­den Maria und Josef und das Kind, das in der Krip­pe lag“ (Lk 2, 16), als woll­te uns das Evan­ge­li­um sagen, daß der christ­li­che Weg, der dazu führt, voll­stän­dig zu ent­decken, wer die­ses Kind ist, von Maria zu Jesus führt. Durch die Ehe mit Maria drückt Josef Jesus an sich und hält ihn in sei­nen Armen. Er ist daher das voll­kom­me­ne Bild der Wei­he an Maria, jenes klas­si­schen Ada­gios, das da lau­tet: Zu Jesus durch Maria.

Las­sen Sie uns tie­fer über die ein­zig­ar­ti­ge und jung­fräu­li­che Ehe des hei­li­gen Josef mit der Got­tes­mut­ter nach­den­ken, die der wah­re Schlüs­sel zum Ver­ständ­nis des Zim­mer­manns von Naza­reth als Pro­to­typ, als bei­spiel­ge­ben­des Vor­bild für die Mari­en­wei­he ist.

Die­se hei­li­ge Ehe war zwei­fel­los außer­ge­wöhn­lich. Wenn wir die­ses Geheim­nis betrach­ten, müs­sen wir über sei­ne natür­li­che Bedeu­tung hin­aus­ge­hen und auf die Tie­fe des geist­li­chen Aspekts abzie­len. In der Tat weist alles auf eine beson­de­re und völ­lig spi­ri­tu­el­le Ver­bin­dung hin. In der gera­de zitier­ten Erzäh­lung von Mat­thä­us (1, 18–19), in der wir die Tat­sa­che erfah­ren haben, daß Josef bereits mit Maria ver­hei­ra­tet war, als er noch nicht mit ihr zusam­men­leb­te, kön­nen wir durch eine anago­gi­sche [hin­auf­füh­ren­de] Lek­tü­re des Tex­tes noch etwas mehr ent­decken.

Als Josef bereits am Anfang und recht­mä­ßig ­mit Maria ver­hei­ra­tet war, war er noch nicht voll­stän­dig mit ihr ver­eint. Das kön­nen wir dahin­ge­hend lesen, daß er ihr noch nicht geweiht war , da sie anson­sten bereits im gegen­sei­ti­gen Ein­ver­neh­men jung­fräu­lich und keusch zusam­men­ge­lebt hät­ten. Die Grün­de dafür wer­den wir gleich sehen.

Die Josef­se­he soll­te näm­lich noch in einem ande­ren Licht betrach­tet wer­den: Die ehe­li­che Ver­bin­dung und ihr Voll­zug ist als Wei­he an Maria zu lesen, als eine voll­stän­di­ge Selbst­hin­ga­be Josefs an die Jung­frau. Der Voll­zug der Ehe erhält damit eine neue geist­li­che Bedeu­tung und kün­digt die mysti­sche Ehe an, die Jesus am Kreuz mit der Kir­che ein­ge­hen wird. Wie für den gekreu­zig­ten Jesus wird das Geschenk sei­ner selbst an die Braut in sei­ner Lie­be „bis zur Voll­endung“ ver­zehrt (Joh 13, 1). Es ist eine tota­le Lie­be bis zum Tod, so wird es für den hei­li­gen Josef sein. Sei­ne tota­le Lie­be zu Maria wird im Opfer sei­ner selbst bis zum Tod voll­zo­gen, um eins mit Maria zu sein und an der Erlö­sung Chri­sti teil­zu­neh­men. Die­se Wei­he an Maria erfolgt nach der Offen­ba­rung des Engels, als Josef sich genau bewußt war, wer Maria ist und wer der Sohn ist, den sie in ihrem Leib trug. Jetzt ist Josef bereit, Maria in sein Leben auf­zu­neh­men und durch sie für Jesus zu sor­gen. Wir kön­nen das alles im Lich­te der Erzäh­lung des Mat­thä­us­evan­ge­li­ums (1, 20–24) betrach­ten, in der wir lesen:

„Wäh­rend er noch dar­über nach­dach­te, erschien ihm ein Engel des Herrn im Traum und sag­te: Josef, Sohn Davids, fürch­te dich nicht, Maria als dei­ne Frau zu dir zu neh­men; denn das Kind, das sie erwar­tet, ist vom Hei­li­gen Geist.
Sie wird einen Sohn gebä­ren; ihm sollst du den Namen Jesus geben; denn er wird sein Volk von sei­nen Sün­den erlö­sen.
Dies alles ist gesche­hen, damit sich erfüll­te, was der Herr durch den Pro­phe­ten gesagt hat:
Seht, die Jung­frau wird ein Kind emp­fan­gen, einen Sohn wird sie gebä­ren, und man wird ihm den Namen Imma­nu­el geben, das heißt über­setzt: Gott ist mit uns.
Als Josef erwach­te, tat er, was der Engel des Herrn ihm befoh­len hat­te, und nahm sei­ne Frau zu sich.“

An die­ser Stel­le soll­ten wir uns vor allem auf den letz­ten Satz die­ser Peri­ko­pe kon­zen­trie­ren, der im grie­chi­schen Ori­gi­nal lau­tet: „kai paréla­ben tèn gynaî­ka autou“ („nahm sei­ne Braut mit sich“). Das Verb para-lam­ba­no, „neh­men“, hat im All­ge­mei­nen zwei Bedeu­tun­gen: 1) mit sich selbst neh­men, mit sich ver­ei­nen oder 2) emp­fan­gen, was wei­ter­ge­ge­ben wird. Die­ses Verb ist das­sel­be, das wir im Johan­nes­evan­ge­li­um (19, 27) fin­den, um die Hand­lung des Nehmens/Empfangens von Maria im eige­nen Leben durch den Lieb­lings­jün­ger zu beschrei­ben:

„Dann sag­te er zu dem Jün­ger: Sie­he, dei­ne Mut­ter! Und von jener Stun­de an nahm sie der Jün­ger zu sich.“

Das Ori­gi­nal sagt: éla­ben o mathe­tès autèn eis ta ídia, „er nahm sie zu sei­nen lieb­sten Din­gen“ [in sein Eigen­tum]. Daher kön­nen wir leicht dar­aus schlie­ßen, daß auch Josef mehr als jeder ande­re „von jener Stun­de an“, in der er vom Engel mit Hil­fe des Hei­li­gen Gei­stes über das Geheim­nis Mari­ens und des Kin­des in ihrem Leib unter­rich­tet wur­de (indem bereits die Wor­te Unse­res Her­ren am Kreuz an den gelieb­ten Jün­ger in Bezug auf sei­ne Mut­ter anklin­gen), nahm er Maria zu sich. Von die­sem Moment der voll­kom­me­nen Ver­ei­ni­gung mit Maria an über­gab sich Josef ihr ganz, damit er durch sie in das Geheim­nis Chri­sti ein­tre­ten und aktiv am Werk der Erlö­sung teil­neh­men konn­te.

Ein letz­ter Punkt muß noch geklärt wer­den, um ein voll­stän­di­ges Bild der Ehe des hei­li­gen Josef mit Maria als Wei­he an sie zu zeich­nen. Die Tat­sa­che, daß die Ehe jung­fräu­lich und keusch war, ist von gro­ßer Bedeu­tung. Das beweist, daß die voll­stän­di­ge Über­ga­be, die Josef in der zwei­ten Pha­se der Hoch­zeit an Maria vor­ge­nom­men hat, als geist­li­che Voll­endung die­ser Ver­ei­ni­gung ver­stan­den wer­den muß. Das Evan­ge­li­um, das die Art und Wei­se unter­streicht, wie Josef Maria in sei­nem Leben begrüßt, sagt auch:

„Ohne daß er sie erkann­te, gebar sie ihren Sohn. Und er gab ihm den Namen Jesus“ (Mt 1, 25).

Das ist sicher die kor­rek­te Über­set­zung des Ori­gi­nal­tex­tes, der jedoch die Par­ti­kel „bis zu“ (éos) ent­hält. Wört­li­cher über­setzt soll­te der Text daher lau­ten: Josef „erkann­te sie nicht, bis sie ihren Sohn gebar, und er ihn Jesus nann­te“. Die Prä­po­si­ti­on „bis“ bedeu­tet jedoch nicht, daß Maria und Josef nach der Geburt Jesu eine nor­ma­le ehe­li­che Bezie­hung hat­ten. Tat­säch­lich gibt es meh­re­re bibli­sche Bei­spie­le, bei denen bis nie­mals eine spä­te­re Ände­rung impli­ziert. Wir kön­nen uns unter ande­rem an die Wor­te des mes­sia­ni­schen Psalms 110, 1 erin­nern: „So spricht der Herr zu mei­nem Herrn: Set­ze dich mir zur Rech­ten, bis ich dir dei­ne Fein­de als Sche­mel unter die Füße lege.“ Es ist offen­sicht­lich, daß Chri­stus nicht nur zur Rech­ten des Vaters regiert, bis sei­ne Fein­de besiegt sind. Selbst als Jesus sei­nen Apo­steln ver­sprach, „bis zum Ende der Welt“ bei ihnen zu blei­ben (Mt 28, 20), woll­te er nicht impli­zie­ren, daß er nur bis zur Parou­sia, bis zu sei­ner Wie­der­kunft, bei ihnen sein wür­de. Im Gegen­teil, mit der zeit­li­chen Prä­po­si­ti­on bis zu möch­te der Evan­ge­list sagen, daß Josef und Maria im Gegen­satz zu einem gewöhn­li­chen jüdi­schen Paar ihre Ehe in der Hoch­zeits­nacht nicht voll­zo­gen haben. Dies liegt dar­an, daß Maria ein Jung­fräu­lich­keits­ge­lüb­de abge­legt hat­te, wie aus ihrer Ant­wort auf den Engel deut­lich her­vor­geht:

„Ich erken­ne kei­nen Mann“ (Lk 1, 34).

Das war der jüdi­schen Tra­di­ti­on nicht unbe­kannt, aber es war ein Ent­halt­sam­keits­ge­lüb­de gemäß dem Buch Nume­ri (Kap. 30), das Josef akzep­tiert und daher unter­stützt hat­te.

Las­sen Sie uns nun ver­su­chen, dar­aus eini­ge Schluß­fol­ge­run­gen zu zie­hen. Stel­len wir uns vor, was es für den hei­li­gen Josef auf prak­ti­scher Ebe­ne bedeu­ten konn­te, Maria in sei­nem Leben zu emp­fan­gen, damit jeder im gro­ßen Patri­ar­chen ein Vor­bild und Bei­spiel der Mari­en­wei­he haben kann:

  • Es bedeu­te­te für den hei­li­gen Josef vor allem, sein gan­zes Leben mit Maria zu tei­len: Gedan­ken, Wil­len, Güter, um Jesus zu gefal­len und den Wil­len Got­tes zu tun.
  • Es bedeu­te­te, daß er Maria immer auf keu­sche Wei­se gehor­sam war, um dem Gehor­sam Jesu gegen­über dem Vater zu ent­spre­chen.
  • Es bedeu­te­te, Maria von gan­zem keu­schem Her­zen zu lie­ben, um immer wach­sam zu blei­ben in sei­nem Dienst als Hüter Chri­sti und Die­ner der Erlö­sung.
  • Schließ­lich bedeu­te­te es, hin­ge­bungs­voll in der Gegen­wart Mari­as zu blei­ben und so immer in der Gegen­wart Jesu zu sein.

Maria zu ken­nen bedeu­te­te für Josef, Gott zu ken­nen, wo Er wohnt.

Die Wei­he an Maria, die der hei­li­ge Josef vor allen als erster und auf voll­kom­me­ne Wei­se voll­zog, soll­te dar­auf abzie­len, zunächst die keu­sche Josefs-Dis­po­si­ti­on des Her­zens zu errei­chen. In dem Maße, in dem wir die Got­tes­mut­ter mit einem rei­nen Her­zen lie­ben, mit dem rei­nen Her­zen des hei­li­gen Josef, nimmt sie uns als Ant­wort dar­auf unter ihren Man­tel der Rein­heit und macht uns zu Braut­leu­ten ihrer Lie­be, um uns vor allen Fall­stricken der Unrein­heit und der Gott­lo­sig­keit, die in der Welt vor­han­den sind, zu schüt­zen.

Möge der hei­li­ge Josef noch bekann­ter wer­den als Patri­arch der Lie­be zu Jesus durch Maria und in sei­ner Rol­le als mysti­scher Gat­te der seli­gen Jung­frau und Got­tes­mut­ter.

*P. Sera­fi­no M. Lan­zet­ta, pro­mo­vier­ter Dog­ma­ti­ker, gehör­te dem Orden der Fran­zis­ka­ner der Imma­ku­la­ta an, heu­te ist er Pfar­rer im eng­li­schen Bis­tum Ports­mouth, dort grün­de­te er nach deren Vor­bild die alt­ri­tu­el­le Ordens­ge­mein­schaft der Fami­lie der Unbe­fleck­ten Jung­frau und des hei­li­gen Fran­zis­kus, deren Prie­ster in der Seel­sor­ge in der über­lie­fer­ten und in der ordent­li­chen Form des Römi­schen Ritus zele­brie­ren.

Über­set­zung: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Cor­ris­pon­den­za Roma­na

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