Was wissen Österreichs Bischöfe und Mexikos Primas, was der Rest der Kirche noch nicht weiß?

In einem Teil Mexikos steht alles für die Amazonas-Agenda bereit

Wissen Österreichs Bischöfe und der Primas von Mexiko bereits mehr, als der Rest der Kirche?
Wissen Österreichs Bischöfe und der Primas von Mexiko bereits mehr als der Rest der Kirche?

(Rom) Kar­di­nal Car­los Agui­ar Retes ver­zich­te­te auf sei­nen Platz im Redak­ti­ons­ko­mi­tee für den Schluß­be­richt der Ama­zo­nas­syn­ode, gab aber zugleich bekannt, daß das Ergeb­nis der Syn­ode auch in Mexi­ko zur Anwen­dung gelan­gen könn­te.

Kaum war der zwei­te Syn­oden­tag zu Ende platz­te auch schon die zwei­te Mär rund um die Ama­zo­nas­syn­ode.

Zerbröselnde Amazonas-Mythen

Die erste Mär wur­de noch in der ver­gan­ge­nen Woche von katho­li­schen Medi­en ver­brei­tet: Bei der Ama­zo­nas­syn­ode wer­de es nicht um den prie­ster­li­chen Zöli­bat und schon gar nicht um des­sen Abschaf­fung gehen. Kaum hat­te der erste Syn­oden­tag begon­nen, for­der­te gleich der erste Red­ner nach Syn­oden­ge­ne­ral­se­kre­tär Bal­dis­se­ri die Abschaf­fung des Zöli­bats. Dabei han­del­te es sich um kei­nen Gerin­ge­ren als den von Papst Fran­zis­kus ernann­ten Gene­ral­re­la­tor der Syn­ode, Kar­di­nal Clau­dio Hum­mes.

Die zwei­te Mär wur­de in den ver­gan­ge­nen Mona­ten, ob zur Täu­schung oder aus Nai­vi­tät, nicht min­der inten­siv behaup­tet: Die Ama­zo­nas­syn­ode befas­se sich aus­schließ­lich mit dem Ama­zo­nas, wes­halb die Syn­oda­len auch nur von dort kom­men wür­den. Kaum hat­te der zwei­te Syn­oden­tag begon­nen, erklär­te der Pri­mas von Mexi­ko, es kön­ne durch­aus sein, daß die Ergeb­nis­se der Ama­zo­nas­syn­ode auch in Mexi­ko umge­setzt wer­den.

Wel­che Ergeb­nis­se?

Die Fra­ge ist brand­ak­tu­ell, denn die Syn­ode hat soeben erst begon­nen und wird noch drei Wochen dau­ern. Kauft der Pri­mas eines so bevöl­ke­rungs­rei­chen Lan­des, das – für alle Geo­gra­phie­muf­fel – nichts mit dem Ama­zo­nas zu tun hat, die Kat­ze im Sack? Erklärt er blind­lings die Ergeb­nis­se, wel­che es auch immer sein mögen, in sei­nem Land über­neh­men zu wol­len? Ohne zu wis­sen, was am Ende der Syn­ode her­aus­kommt, geschwei­ge denn, was Papst Fran­zis­kus dann ent­schei­den wird?

An die­sem Punkt ist inne­zu­hal­ten, denn selbst Denk­fau­len dürf­te auf­fal­len, daß hier etwas nicht mit rech­ten Din­gen zuge­hen kann.

Auf die Katze gekommen

In der Tat gibt es schon einen Prä­ze­denz­fall. Öster­reichs Bischö­fen kommt der Pri­mat zu, bereits im ver­gan­ge­nen Juli erklärt zu haben, die Beschlüs­se der Ama­zo­nas­syn­ode auch in Öster­reich umset­zen zu wol­len. Das omi­nö­se kirch­li­che Netz­werk REPAM, dem Fran­zis­kus die Syn­oden­vor­be­rei­tung anver­trau­te (nur zu die­sem Zweck war es 2014 gegrün­det wor­den), ver­öf­fent­lich­te am 5. Juli 2019 ein ent­spre­chen­des Schrei­ben, unter­zeich­net im Namen der öster­rei­chi­schen Bischö­fe von Msgr. Wer­ner Frei­stet­ter, sei­nes Zei­chens öster­rei­chi­scher Mili­tär­bi­schof und neu­er­dings auch Apo­sto­li­scher Admi­ni­stra­tor des Bis­tums Gurk-Kla­gen­furt. Der Brief war an Kar­di­nal Hum­mes gerich­tet – jenen Hum­mes, der sei­nem lang­jäh­ri­gen Freund Jor­ge Mario Ber­go­glio am Ende des Kon­kla­ves von 2013 den Rat gab, sich Fran­zis­kus zu nen­nen, und der am Mon­tag als Gene­ral­re­la­tor der Syn­ode die Zöli­bats­ab­schaf­fung for­der­te.

Das Gan­ze noch ein­mal:

  • Der Pri­mas von Mexi­ko, der 2017 von Papst Fran­zis­kus ernann­te Kar­di­nal Car­los Agui­ar Retes, signa­li­siert schon am Beginn einer drei­wö­chi­gen Tagung, das Ergeb­nis im Blind­flug aner­ken­nen und im eige­nen Land umset­zen zu wol­len.
  • Öster­reichs Bischö­fe erklär­ten bereits mehr als drei Mona­te vor Syn­oden­be­ginn, das Ergeb­nis im sel­ben Blind­flug aner­ken­nen und an der Donau umset­zen zu wol­len.
Kardinal Aguiar Retes mit Papst Franziskus
Kar­di­nal Agui­ar Retes mit Papst Fran­zis­kus

Kann es sein, daß die Bischö­fe des mit­tel­eu­ro­päi­schen Öster­reich und jene des katho­lisch­sten Lan­des Latein­ame­ri­kas Hasar­deu­re sind?

Von der Kat­ze im Sack war bereits die Rede. Soll­te es wirk­lich um die Katz gehen? Ist eine Aus­sa­ge des Pri­mas von Öster­reich, Kar­di­nal Chri­stoph Schön­born, hilf­reich, der am 2. Okto­ber dem haus­ei­ge­nen Pres­se­dienst sei­nes Erz­bis­tums Wien erklär­te:

„Die­se Syn­ode darf nicht für die Katz sein.“

An die­ser Stel­le ist eine Rück­blen­de not­wen­dig.

Die „gelenkten Synoden“ mit „vorgefertigten Ergebnissen“

Bei der ersten Fami­li­en­syn­ode (2014), der ersten Syn­ode unter dem Pon­ti­fi­kat von Fran­zis­kus, hat­ten zahl­rei­che Syn­oda­len schlech­te Erfah­run­gen gemacht. Sie muß­ten erle­ben, daß eini­ge Syn­oda­len von der Syn­oden­re­gie bevor­zugt, ande­re aber benach­tei­ligt wur­den. Die täg­li­che Pres­se­kon­fe­renz wur­de so ein­sei­tig besetzt, daß uner­wünsch­te Mei­nun­gen nicht gehört wur­den. Hin­zu­ka­men ver­schwun­de­ne Bücher und Argu­men­ta­ti­ons­hil­fen, ras­si­sti­sche Ent­glei­sun­gen und eine ins­ge­samt par­tei­isch agie­ren­der Syn­oden­ap­pa­rat.

Die Fol­ge war, daß sich drei­zehn Kar­di­nä­le, alle­samt Syn­oda­len, am Beginn der zwei­ten Fami­li­en­syn­ode (2015) zusam­men­ta­ten, um eine Wie­der­ho­lung die­ser Syn­oden­len­kung zu ver­hin­dern. Sie schrie­ben Papst Fran­zis­kus einen Beschwer­de­brief und beklag­ten die Sor­ge einer „gelenk­ten Syn­ode“ mit „vor­ge­fer­tig­ten Ergeb­nis­sen“.

Obwohl die hoch­ran­gi­gen Syn­oda­len, dar­un­ter auch der dama­li­ge Glau­bens­prä­fekt, Ger­hard Kar­di­nal Mül­ler, dem Papst for­mal nur ihre Beden­ken klag­ten, reagier­te Fran­zis­kus empört. Außer­plan­mä­ßig trat er vor die Syn­oda­len und warn­te vor einer „kon­spi­ra­ti­ven Her­me­neu­tik“. Noch weit hef­ti­ger ging sein Umfeld vor, das Jagd auf „undich­te“ Stel­len mach­te und aller­lei Ver­däch­ti­gun­gen aus­stieß.

Apro­pos: Ken­nen Kar­di­nal Agui­ar Retes und Bischof Frei­stet­ter viel­leicht schon die Ergeb­nis­se der Ama­zo­nas­syn­ode?

Nur eine sol­che Vor­ab­kennt­nis wür­de ihre Ankün­di­gun­gen erklä­ren. Damit drän­gen sich wei­te­re und noch dra­ma­ti­sche­re Fra­gen auf:

Han­delt es sich auch bei der Ama­zo­nas­syn­ode um eine „gelenk­te Syn­ode“ mit bereits „vor­ge­fer­tig­ten Ergeb­nis­sen“?

Ein Indiz von zahl­rei­chen: Kei­ner der drei­zehn Kar­di­nä­le, die 2015 den Beschwer­de­brief an Fran­zis­kus gerich­tet haben – auch kei­ner der damals zunächst fälsch­lich als Unter­zeich­ner ver­däch­tig­ten Kar­di­nä­le, die eine Unter­schrift aber demen­tier­ten –, ist bei der Ama­zo­nas­syn­ode als Syn­oda­le dabei. Damit ver­steht sich die Dop­pel­sin­nig­keit der ter­ri­to­ria­len Beschrän­kung auf den Ama­zo­nas, in dem es kei­nen Bischofs­stuhl gibt, des­sen Inha­ber in der Welt­kir­che irgend­ei­ne erkenn­ba­re Bedeu­tung hät­te. Grob gesagt erlaubt der ter­ri­to­ria­le „Kunst­griff“ so gut wie alle lästi­gen Kir­chen­ver­tre­ter fern­zu­hal­ten, einen restrik­ti­ven und somit leich­ter kon­trol­lier­ba­ren Kreis dis­ku­tie­ren und beschlie­ßen zu las­sen, wäh­rend die Syn­od­en­er­geb­nis­se aber welt­weit umge­setzt wer­den kön­nen.

Prak­tisch!

Der kon­kre­te Beleg: Die Kar­di­nä­le Marx und Schön­born, die nie im Ver­dacht stan­den, den Beschwer­de­brief von 2015 unter­zeich­net zu haben, wur­den von Fran­zis­kus zu Syn­oda­len für den fer­nen Ama­zo­nas ernannt. Wie recht­fer­tigt sich die­ses Pri­vi­leg?

Und über­haupt: Will die befrei­ungs­theo­lo­gi­sche Indio-Theo­lo­gie Latein­ame­ri­ka nicht gera­de von die­sen Euro­pä­ern, ihrem Ein­fluß und ihrem Geld befrei­en?

Nichts dem Zufall überlassen

Doch zurück zu Kar­di­nal Agui­ar Retes, dem Erz­bi­schof von Mexi­ko-Stadt, der sich so frei­mü­tig und früh­zei­tig über die Syn­od­en­er­geb­nis­se zu freu­en scheint. Er wur­de am ersten Syn­oden­tag von den Syn­oden­vä­tern zum Mit­glied der Kom­mis­si­on für die Schluß­re­dak­ti­on des Syn­oden­be­richts gewählt. Vier Redak­ti­ons­mit­glie­der wer­den von den Syn­oda­len gewählt, der Rest von Papst Fran­zis­kus ernannt.

Der Gene­ral­se­kre­tär der Bischofs­syn­ode, Kar­di­nal Loren­zo Bal­dis­se­ri, hat­te zur „Ori­en­tie­rung“ aus­ge­ge­ben, daß die zu Wäh­len­den aus einem der sie­ben Ama­zo­nas-Anrai­ner­staa­ten kom­men soll­ten. Die Syn­oda­len hiel­ten sich aber nicht dar­an und wähl­ten den Pri­mas von Mexi­ko auf den zwei­ten der vier Plät­ze. Schließ­lich hat­te Papst Fran­zis­kus den geeich­ten Ber­go­glia­ner an füh­ren­der Stel­le in die Syn­oden­vor­be­rei­tung ein­ge­baut.

Der Mexi­ka­ner erklär­te aber auf das Man­dat zu ver­zich­ten, um die Wahl eines Syn­oda­len aus den Ama­zo­nas-Staa­ten zu ermög­li­chen. Mit Mario Anto­nio Da Sil­va, Bischof von Rorai­ma (Bra­si­li­en), Hec­tor Miguel Cab­re­jos Vid­ar­te, Erz­bi­schof von Tru­ji­l­lo (Peru), Nel­son Jair Car­do­na Rami­rez, Bischof von San Jose del Gua­vi­a­re (Kolum­bi­en), und Ser­gio Alfre­do Gual­ber­ti Calan­d­ri­na, Erz­bi­schof von San­ta Cruz de la Sier­ra (Boli­vi­en), wur­de die­se Vor­ga­be der Syn­oden­re­gie umge­setzt.

Kar­di­nal Agui­ar Retes miß­ach­te­te mit sei­nem Ver­zicht das Votum der ande­ren Syn­oden­vä­ter. Doch auf der Ama­zo­nas­syn­ode soll offen­sicht­lich nichts dem Zufall über­las­sen wer­den. Was ist eine „gelenk­te Syn­ode“, wenn nicht das?

Franziskus‘ Mann in Mexiko

Mit Kar­di­nal Agui­ar Retes ersetz­te Papst Fran­zis­kus den etwas reni­ten­ten Kar­di­nal Nor­ber­to Rive­ra Car­re­ra, der von 1995–2017 Erz­bi­schof von Mexi­ko-Stadt und Pri­mas von Mexi­ko war. Immer­hin ist Mexi­ko das Land, das in Latein­ame­ri­ka bis­her am besten dem Ero­si­ons­druck pro­te­stan­ti­scher Frei­kir­chen stand­hält.

Im Gegen­satz zu Marx und Schön­born war Kar­di­nal Rive­ra im Okto­ber 2015 als einer der drei­zehn Unter­zeich­ner des Beschwer­de­brie­fes an Fran­zis­kus ver­däch­tigt wor­den, demen­tier­te aber. Allein, daß er vom päpst­li­chen Umfeld ver­däch­tigt wur­de, besitzt Aus­sa­ge­kraft. Weni­ge Mona­te spä­ter, nach dem Papst­be­such in Mexi­ko im Febru­ar 2016, lei­ste­te sich Kar­di­nal Rive­ra mit Fran­zis­kus einen Schlag­ab­tausch auf Distanz. Kaum hat­te der Pri­mas das 75. Lebens­jahr voll­endet, wur­de er von Fran­zis­kus eme­ri­tiert.

Anders ist das Ver­hält­nis zu Kar­di­nal Agui­ar Retes, den Fran­zis­kus zu einem der Orga­ni­sa­to­ren der Ama­zo­nas­syn­ode bestell­te.

Die fünf von Papst Fran­zis­kus ernann­ten Mit­glie­der der Schluß­re­dak­ti­on sind übri­gens: Kar­di­nal Clau­dio Hum­mes (Gene­ral­re­la­tor der Syn­ode und als REPAM-Vor­sit­zen­der einer der Haupt­ver­ant­wort­li­chen für die Syn­oden­vor­be­rei­tung), Kar­di­nal Loren­zo Bal­dis­se­ri (Gene­ral­se­kre­tär der Bischofs­syn­ode), Bischof Mario Grech (seit 2. Okto­ber Pro-Gene­ral­se­kre­tär der Bischofs­syn­ode), der soeben kre­ierte Kar­di­nal Micha­el Czer­ny SJ (geschäfts­füh­ren­der Lei­ter der Sek­ti­on Migran­ten und Flücht­lin­ge des Hei­li­gen Stuhls) und David Mar­ti­nez de Aguir­re Gui­nea OP (Apo­sto­li­scher Vikar von Puer­to Mal­do­na­do in Peru). Czer­ny und Mar­ti­nez de Aguir­re sind Son­der­se­kre­tä­re der Syn­ode. Alle fünf gehö­ren zum Ver­trau­ten­kreis von Fran­zis­kus oder gel­ten zumin­dest als treue Ber­go­glia­ner. In den kom­men­den Tagen wird Fran­zis­kus noch drei wei­te­re Redak­ti­ons­mit­glie­der ernen­nen.

Ange­sichts der hohen Erwar­tun­gen an die Syn­ode, beson­ders im deut­schen Sprach­raum, will die päpst­li­che Entou­ra­ge mög­lichst wenig dem Zufall über­las­sen, schließ­lich heißt das Ziel: Zulas­sung ver­hei­ra­te­ter Män­ner zur Prie­ster­wei­he.

Agui­ar Retes gab auf Twit­ter nicht nur sei­nen Ver­zicht bekannt, son­dern signa­li­sier­te, ohne ins Detail zu gehen, daß die behaup­te­te „Not­wen­dig­keit“ wegen eines „Sakra­men­ten-Not­stan­des“ im Ama­zo­nas ver­hei­ra­te­te Män­ner zu Prie­stern zu wei­hen, auch für Mexi­ko gel­ten könn­te.

Das Chiapas-Experiment: In Mexiko steht alles bereit

Zur Erin­ne­rung: In Mexi­ko gibt es das Bis­tum San Cri­sto­bal de las Casas, das durch das „Chia­pas-Expe­ri­ment“ bekannt wur­de. Von 1959–2000 wur­de das Bis­tum von Samu­el Ruiz Gar­cía gelei­tet, wenn auch die letz­ten fünf Jah­re mit einem von Rom bestell­ten Koad­ju­tor zur Sei­te. Ruiz Gar­cia war ein Ver­fech­ter der mar­xi­sti­schen Befrei­ungs­theo­lo­gie, ein Freund der links­ex­tre­men Gue­ril­la und vor allem des Indi­ge­nis­mus. Er woll­te einen „indi­ge­nen Kle­rus“ schaf­fen. Dafür ließ er die Beru­fungs­pa­sto­ral links lie­gen und weih­te am Fließ­band ver­hei­ra­te­te Indi­os zu stän­di­gen Dia­ko­nen. Auf eine nicht näher defi­nier­te Wei­se erfolg­te dabei auch eine „Wei­he“ von deren Ehe­frau­en. Damit woll­te er die Grund­la­ge für ein ver­hei­ra­te­tes Prie­ster­tums schaf­fen, indem die stän­di­gen Dia­ko­ne im näch­sten Schritt zu Prie­stern geweiht wer­den soll­ten.

Als das Bis­tum kaum mehr Prie­ster, dafür aber ein Viel­fa­ches an ver­hei­ra­te­ten Dia­ko­nen hat­te, zog Rom Mit­te der 90er Jah­re spät, aber doch die Hand­brem­se.

Bischof Ruiz Garcia mit Subcomandante Marcos der marxistischen Guerillaorganisation EZLN.
Bischof Ruiz Gar­cia mit Sub­co­man­dan­te Mar­cos der mar­xi­sti­schen Gue­ril­la­or­ga­ni­sa­ti­on EZLN.

Der ab 2000 amtie­ren­de Nach­fol­ger von Ruiz Gar­cia muß­te auf Anwei­sung aus Rom die Wei­he von viri pro­ba­ti (ver­hei­ra­te­ten Män­nern) zu Dia­ko­nen ein­stel­len und statt­des­sen Prie­ster­be­ru­fun­gen för­dern, was erfolg­reich gelang – auch indi­ge­ne Beru­fun­gen, was sein Vor­gän­ger noch kate­go­risch als „unmög­lich“ aus­ge­schlos­sen hat­te.

Wäh­rend Papst Bene­dikt XVI. das von sei­nem Vor­gän­ger Johan­nes Paul II. ver­häng­te Ver­bot bei­be­hielt, wur­de es von Papst Fran­zis­kus auf­ge­ho­ben. Die Zah­len spre­chen eine deut­li­che Spra­che: Durch das römi­sche Ver­bot konn­te die Zahl der Prie­ster im Bis­tum von 54 im Jahr 2000 auf 125 im Jahr 2017 mehr als ver­dop­pelt wer­den. Seit der Auf­he­bung des Ver­bots durch Fran­zis­kus schnell­te hin­ge­gen sofort wie­der die Zahl der ver­hei­ra­te­ten Dia­ko­ne von 316 auf 450 hin­auf, da sie nur eine Schmal­spur­aus­bil­dung erhal­ten. Glei­ches ist ja auch für den Ama­zo­nas ange­dacht. Die theo­lo­gi­sche und phi­lo­so­phi­sche Bil­dung des zöli­ba­tä­ren Prie­sters soll, man glaubt es kaum, durch die „Ahnen­weis­heit“ der ver­hei­ra­te­ten „Dorf­äl­te­sten“ ersetzt wer­den.

Trotz der erfreu­li­chen Prie­ster­zu­nah­me kom­men daher heu­te auf jeden Prie­ster im Bis­tum San Cri­sto­bal de las Casas wie­der fast vier ver­hei­ra­te­te Dia­ko­ne. Der Höchst­stand war 2000 erreicht wor­den, als es sogar sechs ver­hei­ra­te­te Dia­ko­ne je Prie­ster waren. Ein Ver­hält­nis, das durch die genann­ten römi­schen Maß­nah­men in der Zweit dazwi­schen auf unter 1:3 gesenkt wer­den konn­te.

Weihe verheirateter Diakone mit ihren Frauen im Chiapas
Wei­he ver­hei­ra­te­ter Dia­ko­ne mit ihren Frau­en im Chia­pas

Mit dem „Chia­pas-Expe­ri­ment“ wird seit den 90er-Jah­ren Druck aus­ge­übt, die infla­tio­när zu Dia­ko­nen geweih­ten Indi­ge­nen auch zu Prie­stern zu wei­hen. Im Chia­pas, inter­na­tio­nal bekannt vor allem durch kom­mu­ni­sti­sche Gue­ril­la­tä­tig­keit, steht seit Jah­ren alles dafür bereit, was die „Ama­zo­nas-Werk­statt“ anstrebt.

Kar­di­nal Agui­ar Retes signa­li­sier­te mit sei­nem jüng­sten Hin­weis, daß der Zusam­men­hang real ist, wenn­gleich mexi­ka­ni­sche Medi­en das Haupt­au­gen­merk auf sei­ne Aus­sa­gen zur Kli­ma-Agen­da legen.

Auch dar­in folgt er wort­ge­treu Papst Fran­zis­kus oder den Kar­di­nä­len Marx und Schön­born. Die „Zer­stö­rung des Pla­ne­ten“ kön­ne einen Punkt errei­chen, von dem es „kein Zurück“ mehr gebe, was „für die Mensch­heit kata­stro­phal“ wäre.

Bleibt die Fra­ge, aber das nur am Ran­de, war­um noch bis gestern kei­ner die­ser Pur­pur­trä­ger etwas von die­ser glo­ba­len Kata­stro­phe, die zur Zer­stö­rung von Mensch­heit und Pla­net füh­re, bemerkt hat­te.

Die Aus­sa­gen zum Kli­ma­wan­del von Kir­chen­ver­tre­tern sind für die Kir­che nicht bedroh­lich. Ganz anders ist das bei der „tie­fe­ren Agen­da“, die hin­ter dem medi­en­ge­rech­ten Gere­de über das „Welt­kli­ma“ ver­steckt wir. Der von den Syn­oden­ma­chern ange­streb­te Para­dig­men­wech­sel beim Kirchen‑, Religions‑, Offen­ba­rungs- und Got­tes­ver­ständ­nis sowie beim Wei­he­sa­kra­ment und damit der Sakra­men­ten­ver­wal­tung greift Sub­stanz und Natur der Kir­che an. Er kann wirk­lich zur exi­sten­ti­el­len Bedro­hung für die Kir­che und damit die Mensch­heit (und den Pla­ne­ten) wer­den.

Wie weit läßt Papst Fran­zis­kus die­se Kräf­te gehen?

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: VaticanNews/MiL (Screen­shots)

3 Kommentare

  1. Es scheint hoch an der Zeit, sich wie­der in Erin­ne­rung zu rufen, was Papst Fran­zis­kus am 10. Sep­tem­ber auf dem Rück­flug von Mau­ri­ti­us vor ver­sam­mel­ter Jour­na­li­sten­run­de sag­te: „Ich habe kei­ne Angst vor einer Kir­chen­spal­tung“. Und den mei­sten maß­geb­li­chen Teil­neh­mern die­ser „sur­rea­len“ Ama­zo­nas-Syn­ode dürf­te eine sol­che Angst von vorn­her­ein völ­lig unbe­kannt gewe­sen sein.

  2. Papst Fran­zis­kus läßt nicht nur „sol­che Kräf­te“ weit gehen, allein sol­che Kräf­te beruft er in sei­ne Macht- und Hier­ar­chie­struk­tu­ren. Und zu den ande­ren sag­te er bereits vor der ersten Fami­li­en­syn­ode „alle sol­len offen reden“ — so wuss­te er sofort, wel­che er ent­fer­nen muss­te.

  3. Frei­stet­ter = Frei­mau­rer?
    Auf dem Foto zeigt Kar­di­nal Retes jeden­falls eine ein­deu­ti­ge Frei­mau­rer­ge­ste.

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